Das ich zu viele Schuhe besitzen würde ist einer dieser zahlreichen Mythen die sich um meine Person ranken.
S. kolpotiert dieses Gerücht regelmäßig.“ Hast Du schon wieder neue Schuhe!“
Wie dem auch sei.
Neulich habe ich mir ein neues paar Schuhe gegönnt.Sportlich, elegant, so wie ich ..kleiner Scherz!
Diese Schuhe sind von einem hellen Grundton und mit den Farben der italienischen Trikolore dekoriert. Keine Ahnung warum ich mir diese gekauft habe.
Es gehört zu meinem Schicksal häufig für einen Italiener gehalten zu werden, sowohl von Italienern als auch von anderen Individuen.
Noch häufiger als für einen Spanier übrigens, besonders wenn ich meinen Namen noch nicht
genannt habe.
In London wurde ich ständig auf italienisch nach dem Weg gefragt.
In Berlin werde ich ständig von Italienern gegrüßt“Ciao Come stai?“, besonders wieder seit ich diese neuen Schuhe habe.
Vor 10 Jahren bin ich in Hamburg aus einem Sportclub geflogen.
Weil der Italiener- ich war gemeint- ,nach Aussage des Besitzers, die weibliche Bedienung von der Arbeit abgelenkt hätte.
Bei meinem Aufenthalt in Spanien im Januar, sagte jeder Kellner Alora zu mir, vermutlich um so etwas wie eine mediterrane Solidarität oder romanische Verbrüderung zum Ausdruck und bringen .Vielleicht auch weil sie glaubten, nur ein Italiener würde so ein merkwürdiges Spanisch sprechen.
In diesem Zusammenhang fällt mir auch Dr. Capitelli ein, der italienische Kommunist, mit dem ich vor einigen Jahren in Hamburg Tür an Tür gewohnt habe.
Immer wenn Dr. Capitelli mich auf einen Teller Spaghetti in seine Bude einlud um mich vom Marxismus-Leninismus zu überzeugen oder mit mir die italienische Version der Internationale anzuhören, fing er nach einer Zeit an zu grinsen und sagte „you are dressed like a sicillian“.
Wobei er mißbilligend meine damals überwiegende schwarze Kleidung mit römischer Überheblichkeit musterte.
Gestern besuchte ich D.S am Prenzlauer Berg.
In der Straßenbahn schaute mich eine ältere Dame mitfühlend an.
„Find ick jut das Sie sich noch hier her trauen, wa“, sagte die Dame zu meiner Verwunderung.
„Wir haben hier überhaupt nischt jejen Italiener“, fügte Sie hinzu.
Die Dame spielte offensichtlich auf den kurz zuvor verübten und medial breitgestreuten Überfall auf einen italienischen Koch an.
„Wie kann man auch nur wat jejen Italiener haben, wa.Ihr macht doch so jutes Essen wa, mangare, wa!, rief mir die Dame , unter den zustimmenden Blicken der anderen Straßenbahngäste, beim Ausstieg zu.
„Grazie Bella!“, gab ich ihr als Antwort zurück.

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