Una Donna! Zum Tode von Oriana Fallaci
September 17, 2006

Oriana Fallaci war eine der bekanntesten und am meisten geschätzten und gefürchtetsten Journalistin der Welt.
Bewundert und respektiert, diskutiert und nicht selten auch gehasst wurde Sie Ihr Leben lang.
Ihre Arbeit und Ihre Person waren unbequem, voller Ecken und Kanten, selten versöhnlich und niemals durchschnittlich.
Subjektivität und Leidenschaft waren die Kennzeichen ihres Werkes, basierend auf dem Intellekt einer unglaublich gebildeten Frau, die Ihre Arbeit als Journalistin und Publizistin als Waffe und als Werkzeug verstand.
Als Waffe gegen jeglichen Totalitarismus deren Vertreter sie radikal entlarvte , ja nicht selten der Lächerlichkeit Preis gab.
Als Werkzeug für die Errichtung und Verteidigung des kritischen Geistes gegen das Dogma, der Aufklärung gegen die Despotie.
Geboren wurde Sie in Florenz, der Hauptstadt der Toskana und einer der schönsten Städte der Welt.
Geburtsort solch globaler Geistesgrößen , Denker und Künstler wie Michelangelo, Dante Alighieri, Leonardo Da Vinci,Galileo Galilei, Machiavelli und viele viele weitere.
1929 ,an einem sonnigen Tag ende Juni ,erblickte Sie dort das Licht der Welt.
In Ihr Wiege wurde Ihr nicht nur der Sinn für die Schönheit, Wahrheit und Ästhetik gelegt, sondern auch der etruskische Kampf-und Widerstandsgeist Ihrer Familie, sowie der Hass auf das Regime Mussolinis, das damals -im verflixten siebenten Jahr- dem Zenith seiner Herrschaft entgegenging.
Es war der falsche Pomp, der hohle Pathos und vor allem der autoritäre Charakter dieser Diktatur, welches Ihren freiheitsliebenden und freigeistig denkenden Vater zum erbitterten Gegner des Duce machte.
Ihre Kindheit und Jugend waren geprägt von der Erfahrung und dem Wissen über die Verletzlichkeit offener Gesellschaften, dem Charakter des Totalitarismus aber auch den Schwächen der menschlichen Natur.
Schon als 10 Jährige schmuggelte sie Waffen und half Ihrem Vater bei der Befreiung von politischen Gefangenen des faschistischen Regimes.
Früh ,sehr früh, unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges, begann Sie sich als Journalistin zu etablieren und war so etwas wie eine Pionierin auf dem Wege zur Gleichberechtigung.
Wie selbstverständlich erkämpfte Sie sich als Frau im Italien der Nachkriegszeit den harten Weg auf der Kariereleiter nach oben.
Sich selbst und andere hat sie dabei niemals geschont und war doch immer imun gegen die falschen Sirenenklänge der feministischen Irrlehre, wie auch der anderer utopischen Heilsideologien.
Sie war in Budapest , während des Ungarn-Aufstandes von 1956.
Während der Unruhen in Mexico 1968 wurde Fallaci durch Schüsse verletzt und war eine der wenigen weiblichen Kriegsberichterstatter in Vietnam.
Schon 1963 zog Sie nach New York City und blieb Ihrer Wahlheimat ein Leben lang, in einer Art
Liebeserklärung ,verbunden.
Berühmt wurde Sie durch Ihre Interviews, bzw. dem extrem konfrontativen Stils Ihrer Gespräche mit Berühmtheiten Ihrer Zeit.
Ihr Stil wurde später immer wieder nachgeahmt und doch niemals erreicht.
Ihre persönliche Meinung sparte Fallachi dabei niemals aus, weder bei Ihren Reportagen und Artikeln, noch in Ihren Interviews.
Als Reptil in Menschengestalt bezeichnete Sie beispielsweise Yassir Arafat.
Den Shah von Persien, Reza Pahlevi ,titulierte Sie als das Böse in Person und Henry Kissinger bezeichnete sein Interview mit der Fallachi als das Härteste was er jemals mit einem Medienvertreter geführt hat.
Gegenüber Khomeini, empfand Sie zumindestens Respekt, und Sie war es die diesen greisen unerbittlichen Revolutionsführer zum Lachen brachte als Sie, während des Interviews, den Tschador mit folgenden Worten abriss:“Ich nehme den Tschador ab, der für mich ein dummer Lumpen aus dem Mittelater ist“
Sie schrieb für die New York Times, Times und Life.
Ihre Bücher, wie z.B“Brief an ein niegeborenes Kind“ und „Inshallah“,wurden Bestseller.
Fallaci stand zu Ihren Überzeugungen auch wenn dieses gefährlich war und nicht dem Zeitgeist entsprach.
Oftmals versuchte man Sie zum Schweigen zu bringen.
Als Sie den Mord an Pierre Paolo Passolini rechtsradikalen Schlägern zuschub und nicht etwa einem Strichjungen,wie öffentlich kolpotiert, musste Sie in Ihrer Heimat für 4 Monate ins Gefängniss.
Nach dem 11.September 2001, den Sie unmittelbar von Ihrer Wohnung aus erlebte, geriet die Grand Old Lady des Journalismus erneut in die internationalen Schlagzeilen .
In Ihrem Buch „Die Wut und der Stolz“ rechnete Sie ab mit dem scheinheiligen und dekadenten Europa und benannte die Gefahr des totalitären Islamismus.
Sie bezeichnete dieses Buch und auch das darauffolgende „Die Kraft der Vernunft“ als eine kämpferische Streitschrift für die Werte des Westens und erntete viel Kritik.
In der Tat, brach Sie jetzt des Öfteren Ihre eigenen Prinzipien und klang wie eine verbitterte alte Frau die übers Ziel hinausschoß.
Beispielsweise bei der Betrachtung über islamische Zuwanderer in Europa, die von Ihr pauschal als 5 Kolonne des Islamismus tituliert wurden und sich wie Mäuse vermehren um schließlich Europa in Eurabia zu verwandeln.
Noch stärker aber kritisierte Sie das erschlaffte politische Establishment Europas , die kitschige Friedenssehnsucht und die zum Dogma erstarrten Postulate der Political Correctness sowie die unhistorische Betrachtungsweise der sich anbahnenden geopolitischen Gewitterstürme.
Jetzt bekam Sie Beifall von der falschen Seite, von denen die von Ihr ein Lebenlang bekämpft
wurden.
Die anderen warfen Ihr Rassismus vor und erneut drohte Ihr in Italien eine Haftstrafe.
Oriana Fallaci starb am 15. Septeber 2006, nach langer schwerer Krankheit, in Ihrer Heimatstadt Florenz.
Die große Liebe Ihres Lebens war Alekos Panagoulis, jener griechische Wiederstandskämpfer,
der 1976 unter mysteriösen Umständen ums Leben kam.
Ihm widmete Sie eines Ihrer bekanntesten Bücher mit dem Titel „Un Uomo/Ein Mann“.
Dieser Titel war als Kompliment gedacht, aus dem Munde einer Frau die wenig Komplimente machte und noch weniger erhielt.
Oriana Fallaci war eine Frau, eine Donna, im schönsten Sinne dieses Wortes.








