Zurück aus Paris.Der Rückflug war wirklich kein Vergnügen.Eine Reisegruppe aus Brandenburg, Malocher ländlich -proletarischen Typus ,hatte sich um meinen Sitz herum platziert.Menschen die immer noch klatschen ,wenn das Flugzeug sicher auf der Landebahn  des Zielflughafens niedergeht.Die gesellige Runde ließ von Abflug bis Ankunft die Wodkaflasche kreisen,belästigte die Stewardess und ergötzte sich an der eigenen Begrenztheit.  Nur mit Mühe gelang es mir in der FAZ, die ich am Flughafen Charles de Gaulle erworben hatte, zu blättern. 

Der Grund meiner Reise- an die Seine- war die Geburtstagsfeier von Laurence, einer engen Freundin.Die promovierte Politologin hat sich seit einigen Jahren als erfolgreiche Geschäftsfrau in der Modebranche etabliert.Laurence verfügt, aufgrund ihrer familiären Herkunft, über die besten Kontakte zur intellektuellen und politischen Oberschicht an der Seine.Bei meinem letzen Besuch in Paris, im Februar diese Jahres, unmittelbar vor der Präsidentschaftswahl, bekannte sich Laurence-ohne große Begeisterung-zu Nikolas Sarkozy ,als Kandidat ihrer Wahl. 

Ich fragte Sie jetzt nach ihrer Einschätzung, bezüglich der ersten Monate der Amtszeit von Sarkozy.Laurence erinnerte mich an die Herkunft dieses kleingewachsenen Präsidenten, von dem ja eine ungeheure Bündelung an Energie ausgeht.Eine Energie, die ihm ja auch erst den sensationellen Aufstieg- bis ans höchste Staatsamt- ermöglichte.Der Geburt in Frankreich und dem “jus soli” verdankt  Sarkozy seine französische Staatsangehörigkeit.Sein Vater ist ein ungarischer Adliger, aber wer ist in Ungarn nicht alles adlig?Seine Mutter stammt aus der uralten sephardischenGemeinde von Saloniki .Das die französische Rechte, die erkonservative Bourgeoisie, die ja in Frankreich noch immer über mehr Einfluß verfügt als  man glaubt, diesen Zuwanderer vom Balkan – der beginnt für viele Franzosen ja schon irgendwo hinter dem Rhein-nicht nur akzeptierte sondern auch aktiv unterstütze, stellt für Laurence die eigentliche Sensation da. Das Sarkozy auch noch eine jüdische Mutter hat, ergänzt dieses “politische Wunder”. 

Zur Zeit der Dritten Republik, soviel ist sicher,unter dem Einfluß von Charles Maurras und seiner reaktionären”Action francaise”wäre Sarkozy öffentlich als “Zigeunerbaron” geschmäht wurden.Heutzutage empfindet sogar der nationalistische Polterer Le Pen, der ja von Sarkozy auf den Schrotthaufen der Geschichte getreten wurde, eine heimliche Symphatie für Sarko.

Laurence empfahl mir das Buch von Yasmina Reza”L´aube le soir ou la nuit”/Das Morgengrauen, der Abend oder die Nacht.”Dieser Bestseller gilt ja in Frankreich als Grundlagenlektüre, zum Verständnis der Person und der Politik von Sarkozy. Ich habe es daraufhin, während meines kurzen Aufenthaltes, überflogen.Viel schlauer bin ich allerdings nicht geworden, was wahrscheinlich nicht nur an meinen ,etwas eingerosteten, Französischkentnissen liegt.Laurences Geburstagsfeier fand in einem  noblen Restaurant , in der Nähe des Louvre statt.Mit einem Journalisten , der bekannten Tageszeitung “Le Monde” ,führt ich mein Gespräch über den französischen Präsidenten fort.”Eines ist wohl sicher.Dieser maßlose ambitionierte Egomane wird unserer dahinsiechenden Fünften Republik seinen politischenStempel aufdrücken.”versicherte mir mein kollegialer Gesprächspartner angewiedert. “Wie er es mit Deutschland halte?”-fragte ich zurück.”

Was Sarkozy über Angela Merkel, beziehungsweise über die Bundesrepublik denke, habe er bisher niemandem verraten.Aber seine demonstrative Nähe zu George W. Bush deuten wohl daraufhin, daß er Berlin keine privilegierte Rolle im Gespräch mit Washington zugestehen möchte.”  Ich mußte mich daraufhin an einen Artikel in der Zeitung Canard Enchainé erinnern.”G.W.Bush habe-nach  dem Abgang von Tony Blair-einen neuen europäischen Pudel gefunden ”,war da zu lesen.In der Tat, einige Äußerungen Sarkozys klingen verdächtig angepasst, zb. seine Erklärungen zum Thema Iran.Aber eine solche Konzession an Washington bezweckt ja nicht nur Sanktionen gegenüber der nuklearen Ambition des Irans, sondern auch die Verhinderung einer einseitig beschlossenen Bombardierung der iranischen Atomanlagen durch die US-Air Force. 

Inzwischen hatte sich die Gastgeberin Laurence an unseren Tisch gesetzt. Ob es nicht erstaunlich sei, das Sarkozy die außenpoltischen Prämissen des Gaullismus, immerhin nennt sich seine Partei ja “Neo-Gaullistische Sammlungsbewegung”, so schnell über Bord geworfen habe, warf ich ein.De Gaulle hatte seinerzeit den Auszug Frankreichs aus der NATO verfügt und die amerikanischen Stützpunkte geschlossen.Laurence nippte kurz an ihrem Champagner-Glas, setzte ihr hintergründiges Lächeln auf und zitierte André Malraux:

Le Gaullisme sans de Gaulle, c´est idiot-Gaullismus ohne de Gaulle macht keinen Sinn!”    

14 Responses to “Zurück aus Paris/Wer ist eigentlich Sarkozy?”

  1. Fahrtwind Says:

    Interessant, dass Deutsche im Ausland nichts anderes zu tun haben, als den Gastgeber nach seiner politischen Gesinnung abzuklopfen um in Gegenzug gleich seine Erkenntnisse in einem Blog zu veröffentlichen. Weiß Laurence von ihrem Glück?

  2. ramonschack Says:

    @FAHRTWIND

    Hallo Fahrtwind, alter Kumpel!
    Wissen Sie,für manche Menschen ist die Welt ein Dorf.Für andere ihr Dorf die Welt.

    In diesem Sinne!
    Herzlichst
    Ramon Schack

  3. Joshua Says:

    Welcome home!
    Interessante Analyse.
    Hoffe Du hattest ein paar schöne Tage!
    Gruß
    Joshua

  4. Ramon Schack Says:

    Hey Joshua!

    Danke, war wirklich schön!Nur zu kurz!
    Danke auch für die Mail und die Einladung.
    Gruß
    Ramon

  5. EWA Says:

    Der Sarkozy ist mir nicht ganz geheuer.Ich glaube ,mit dem ist nicht viel los.
    lG
    EWA


  6. [...] Bei dieser Gelegenheit frage ich mich gerade, was der vom “warmherzigen” Stefan Herre verstoßene Ramon Schack eigentlich gerade treib… [...]

  7. lumlu Says:

    Seit wann oder wo nennt sich Sarkozys Partei, die UMP,neogaullistische Sammlungsbewegung?

  8. ramonschack Says:

    @7lumlu

    Ist die UMP keine gaullistische Partei?
    Gruß
    Ramon Schack

  9. tresco Says:

    bei Sarkozy kommt mir unweigerlich Louis de Funès in den Sinn

  10. ramonschack Says:

    @9
    Tresco

    Also ,Louis de Funès war wesentlich amüsanter

  11. Nico Says:

    Cher Ramon,

    wenn man nicht bcbg oder sloane ranger ist, dann sollte man in der Holzklasse nicht über die proletarischen Malocher klagen :-)

    Ein Tipp das nächste Mal die Le Monde oder Libé lesen das Format ist auf Billigflieger zugeschnitten :-)

    Und um auf de Gaulle und dem adligen Sarko zurückzukommen:

    Hier ein Zitat von de Gaulle:

    Je suis un monarchiste, la République n’est pas le régime qu’il faut à la France.

    :-) :-) :-)

  12. ramonschack Says:

    “Je suis un monarchiste, la République n’est pas le régime qu’il faut à la France.”

    Was für ein schönes Zitat!

  13. Nico Says:

    kleine grammatikalische Korrektur

    Es muß heißen:

    Und um auf de Gaulle und den Adligen Sarko

    :-)

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