Ein Linksruck in Deutschland?
Januar 28, 2008
Die Demoskopen haben sich wieder einmal gründlich blamiert.
Während in Hessen der Einzug- der sog. Linkspartei/Die Linke- als absolut sicher galt, wurden diesem jüngsten Politikgestirn,am bundesrepublikanischen Parteienhimmel, in Niedersachsen kaum Chancen eingeräumt.
Es kam anders.
Ausgerechnet in Wiesbaden schrammte die Linke äußerst knapp ins dortige Parlament.Dabei schien Hessen, dieses Bundesland in der Mitte der Republik, mit seinen urbanen Ballungszentren, seinen zahlreichen kleinen Universitätsstädtchen, mit seinen ausgeprägten postmarxistischen Politikenklaven, prädestiniert für einen größeren Wahlsieg dieser Partei.
Im behäbigen Niedersachsen hingegen, mit seiner endlosen geographischen Ausdehnung, seinen unzähligen Klein-und Mittelstädten, seinen wenigen Metropolen, seiner strukturkonservativen, eher ethnisch homogenen Bevölkerung, die bisher, von den Anfangsjahren der Republik einmal abgesehen, nicht gerade als das experimentierfreudigste Elektorat galt, erhielt die Linke auf Anhieb über 7 Prozent.
Die wachsende Akzeptanz für diese Partei, auch in den alten Bundesländern, ist wenig erfreulich.
Diese Gysi-Lafontaine-Truppe hat wenig zu bieten.Wenig ,was uns in Deutschland helfen könnte die kommenden Herausforderungen zu meistern.
Die politischen und ökonomischen Rezepte sind altbacken, milde ausgedrückt.Bisweilen auch reaktionär und -im wahrsten Sinne dieses Wortes- konservativ.
Wer glaubt , man könne mit Umverteilung, Mindestlöhnen, mehr Staat und Bürokratie, das internationale Kapital, die multinationalen Konzerne abhalten im Ausland zu investieren, Standorte zu verlagern, der irrt gewaltig.
Das Gegenteil wird der Fall sein.
Wer glaubt , die Linke sei eine freche, witzige und revolutionäre Partei, der irrt ebenfalls. Ein Besuch , in einem x-beliebigen Ortsverein, beseitigt Illusionen dieser Art nachhaltig.
In dieser Partei, gerade im Osten, steckt noch immer mehr Walter Ulbricht als Ernesto Che Guevara, mehr Amtsarsch als Straßenkämpfer.Mehr DDR-Nostalgie als Fortschrittsoptimismus. Da tummeln sich noch manche Ex-Stasi-Spitzel und Mauerschützen, die früher Punks von der Straße prügelten, neben Dreadlock-Typen, in scheinheiliger Harmonie.
Im Westen dominieren Politikspinner, Ex-DKP-isten, Maoisten, Uralt-68iger, neben Idealisten und Utopisten.
Unter den Wählern finden sich nicht wenige verhinderte NPD-Protestwähler, die sich an Lafontaines Fremdarbeiter-Terminologie, an geschlossenen Grenzen und an nationalsozialsitischen Utopien erwärmen. In der Angst vor offenen Märkten und offenen Gesellschaften, vor Vielfalt und Dynamik,überschneidet sich dort das betreffende Protestpotential.
Der Erfolg der Linken speist sich aus einer guten PR, aus dem Versagen der etablierten Parteien, aus der politischen Unreife , sowie der mangelnden ökonomischen Bildung weiter Teile der Bevölkerung.Auch aus der romantischen Sehnsucht vieler Deutscher ,sich den permanenten Herausforderungen der globalisierten Weltgesellschaft zu entziehen.
In diesem Wunsch sind die linken und rechten Konservativen vereint.
Ob die Linke das deutsche Parteiensystem dauerhaft verändern wird, ob sich die politische Achse der Republik nach „Links“ dreht, bleibt abzuwarten.
So wichtig ist diese Frage auch nicht.Das wir uns hierzulande immer noch 16 Bundsländer leisten, 16 Provinzfürsten , alle paar Monate eine Landtagswahl, ist sowieso ein Treppenwitz der Geschichte. Immer mehr-ehemals nationalstaatliche- Kompetenzen werden nach Brüssel verlagert.Selbst der Bundestag hat diesbezüglich weniger zu melden als man glaubt.
Das bundesdeutsche Politik-Modell, der Förderalismus, das Verhältniswahlrecht, sind dringend renovierungsbedürftig.Mit oder ohne Linksruck.









Januar 28, 2008 at 2:01
Lieber Ramon,
also, als wahrscheinlich „typischer“ Vertreter des strukturkonservativen Niedersachsens – „in der endlosen geographischen Weite lebend“, vulgo auf dem platten Lande, Stammessachse, gut lutherisch, und was sonst noch zu einem ordentlichen Niedersachsen gehört, will ich versuchen Dir zu erklären, warum die „Linke“ hier auf 7,1% gekommen ist:
- Genosse Hartz, aber vor allem die Nuttenkomödie bei VW, in der etliche, hier renommierte SPDisten verwickelt sind, ist bei den SPD-Linken nicht allzu gut angekommen, folglich Denkzettel.
- Genosse Jüttner ist Stadthannoveraner und links. Beiden Kennzeichen begegnet der Durchschnittsniedersachse mit äusserstem Misstrauen, folglich Wahlenthaltung auf dem Lande. Da sein Wahlkampf unter dem Motto „wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass“ geführt wurde, haben die linken SPD´ler gleich die Linke gewählt.
- Die SPD, als Partei links von der Mitte kann in NS nur Wahlen gewinnen, wenn sie „konservative“ MP-Kandidaten aufstellt, wie Kopf, Diederichs (beide gut lutherisch, und, was die SPD nicht so sehr goutiert, „Alte Herren“ schlagender Verbindungen), auch Schröder trat hier konservativ auf. Mit der Ernennung eines gewissen Herren Kasimir(aus der Kirche ausgetreten, Schlesier)zum MP-Kandidaten fing das Drama bei der SPD an. Er hatte gegen CDU-Albrecht keinerlei Chancen. Seine Nachfolger Glogowski, Gabriel, Jüttner…..Schwamm drüber. Solange sich dies nicht ändert, wird NS von CDU/FDP regiert, ob die Linke im Landtag sitzt oder nicht.
Januar 28, 2008 at 4:18
@Rational
Eine interessante Wahlanalyse!
Aber glauben Sie wirklich, an dem erwähntem Strukturkonservativismus läßt sich nicht rütteln?
Wie gelang es der FDP beispielsweise, mit einem Spitzenkandidt der nicht nach Ur-Niedersachse ausschaut, sich auf einem hohen Niveau zu stabilisieren?
Januar 28, 2008 at 4:22
Die Linke taugt nichts.Das haben Sie richtig beschrieben Herr Schack.Aber, Gysi und auch Lafontaine besitzen Charisma und Unterhaltungswert.Wer möchte so etwas missen?
Januar 28, 2008 at 5:48
Lieber die Linke als die NPD!
Januar 29, 2008 at 7:33
@ V.E.: natürlich wird am Strukturkonservativismus gerüttelt. Aber, der bricht beim Rütteln nicht wie ein Kartenhaus zusammen, sondern verschiebt sich langsam.Genau dies hat ja Wulff vorexerziert, und damit ja auch herbe Wahlverluste eingefahren. Auf dieser Seite sind ja auch
etliche zuhause geblieben. Gott sei Dank war mieses Wetter, so dass die wohlfeile Ausrede für die Parteien auf der Hand lag.
Solange sich rechts von CDU/FDP keine wählbare Partei etabliert, haben die kaum etwas zu befürchten, es sei denn, sie machen eine miserable Politik. Das hat Niedersachsen schon einmal vorgemacht in Form der „DP“ (Deutsche Partei, die Nachfolger der Welfenpartei) und mit Hellwege einen respektablen MP gestellt. Die FDP hat noch Relikte dieser DP in sich. Deswegen die hohe Stabilisierung. Westerwelle ist hier weit weg.
Januar 30, 2008 at 3:30
Ich habe selten so gelacht:
Das wir uns hierzulande immer noch 16 Bundsländer leisten, 16 Provinzfürsten , alle paar Monate eine Landtagswahl, ist sowieso ein Treppenwitz der Geschichte. Immer mehr-ehemals nationalstaatliche- Kompetenzen werden nach Brüssel verlagert.Selbst der Bundestag hat diesbezüglich weniger zu melden als man glaubt.
Das bundesdeutsche Politik-Modell, der Förderalismus, das Verhältniswahlrecht, sind dringend renovierungsbedürftig.Mit oder ohne Linksruck.
Was würden wohl die Bürger von Wyoming sagen, wenn alle Macht in Washington D.C. konzentriert wäre??
Lieber Ramon,
schauen Sie doch einmal über Ihren deutschen Gartenzaun, bevor Sie Forderungen nach einer Zentralisierung des deutschen Sytems publizieren.
Januar 30, 2008 at 9:25
@7
²Ich habe selten so gelacht“
Nico, ist das nicht erfreulich? Lachen ist gesund!
Über diesen Kommentar konnte ich leider nicht lachen.
Habe ich mich irgendwo für eine Zentralisierung des „deutschen systems“ ausgesprochen?
Ich denke nicht.
Was Ihr Beispiel Wyoming soll, ist mir ebenfalls schleierhaft?
Vielleicht erläutern Sie mir bitte einmal Ihre Kritik etwas ausführlicher.
Ich bitte darum, o.K?
P.S
Sie müsse nun auch nicht jeden Kommentar mit einer leicht herablassenden Bemerkung beenden, hm?
Provinzialismus haben Sie mir jetzt schon öfter vorgeworfen, direkt und indirekt.
Man kann mir auch viel nachsagen.Das ich aber provinziell sei , entspringt diesbezüglich wohl Ihrer Phantasie.
Januar 31, 2008 at 8:08
Lieber Ramon,
vorab, wer wie Sie austeilt, hat doch sicherlich auch eine Elefantenhaut um ein paar bissige Kommentare abzuwehren
1. Das föderale System in Deutschland wurde nach dem 2. Weltkrieg nicht zuletzt unter dem sehr starken Einfluß der USA etabliert…warum wohl brauche ich an dieser Stelle nicht weiter zu erörtern.
2. Meiner Auffassung sind kleinere dezentrale Regierungseinheiten besser als große.
3. Wenn Sie letztlich (und ausgesprochen) fordern, dass deutsche Kleinstaaten, wie Bremen, HH, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland in größere Bundesländer aufgehen sollen, dann stellt sich für mich die Frage, warum eigentlich im 2. Vaterland der Demokratie der USA immer noch solche Kleinstaatewn, wie Wyoming (mit knapp 500000 Einwohner)nicht einem der Nachbarstaaten anschließen.
Hier finden auch alle 4 Jahre Gouverneurswahlen statt, hier gibt es auch einen Senat und ein Parlament.
Wenn man sich Ihre Argumentation zu eigen macht, dann müßte doch in Wyoming schon längst der Zopf eines Senats, eines Parlaments und eines Gouverneurs abgeschnitten worden sein.
Aber vielleicht haben die Amerikaner immer noch ein besseres Verhältnis zu demokratischen Institutionen. Vielleicht auch aufgrund der längeren demokratischen Tradition.
Februar 1, 2008 at 3:46
Diesen Artikel und Ihre Einstellung zur Linkspartei finde ich nun wieder ganz gut.
Allerdings irren Sie: Konservative sind nicht per se Globalisierungsfeindlich.
Bleibt für mich die Frage: Wenn Sie hier so vernünftige Ansichten haben, wie kommt es dann an anderer Stelle zu solchen Ausreissern.
Schade, eine gerade Linie ohne Kurven würde sie eventuell akzeptabel machen. (smile)
Februar 1, 2008 at 3:47
Diesen Artikel und Ihre Einstellung zur Linkspartei finde ich nun wieder ganz gut.
Allerdings irren Sie: Konservative sind nicht per se Globalisierungsfeindlich.
Bleibt für mich die Frage: Wenn Sie hier so vernünftige Ansichten haben, wie kommt es dann an anderer Stelle zu solchen Ausreissern.
Schade, eine gerade Linie ohne Kurven würde sie eventuell akzeptabel machen. (smile)
Februar 1, 2008 at 3:49
Sorry sind zwei Fehler drin „globalisierungsfeindlich“ klein und „sie“ groß.
Ist schon spät…