Das Café Kleisther liegt nur einige Gehminuten  vom U-Bahnhof-Kleistpark entfernt.Ein geschichtsträchtiger Ort, das ehemalige Hauptquartier der britischen Armee ist gleich um die Ecke.Ebenso das Haus indem vor 40 Jahren die Kommune 1 http://de.wikipedia.org/wiki/Kommune_1   ihr Unwesen trieb.Vielleicht war Uschi Obermaier  damals  Gast im Café Kleisther.

Im Café Kleisther werden schmackhafte Gerichte serviert, zu anständigen Preisen.Die blonde Kellnerin, eine charmante Dame, widmet sich ihren Gästen ,mit dem Herz am rechten Fleck.Mit der Köchin parliert sie auf italienisch, mit den Gästen berlinerisch.Weltläufigkeit und Provinzialismus vermischen sich zu einem einzigartigem Flair, eben typisch Berlin. 

Die Gäste setzen sich aus Studenten, Freiberuflern, sowie Bestandteilen der Schöneberger Kulturschickeria ,zusammen.Auch ein paar waschechte Malocher gehören dort zum Inventar.

In diesen Tagen  wird das Cafè K. allerdings von einem anderen Menschenschlag frequentiert.Schon morgens ist die Gaststätte gut besucht.

Die Fenster sind mit Plakaten beklebt”STREIK-LOKAL” steht dort geschrieben.Die Flagge der einflußreichen Gwerkschaft VERDI flattert stolz vor dem Eingang. Den ganzen Vormittag herrscht Hochbetrieb.Pausenlos strömen Mitarbeiter der BVG, der Berliner Verkehrsgesellschaft, in die Gaststätte,oder treffen sich vor der Tür, zu einer der häufigen Zigarettenpausen.

Während die Hauptstadt still steht, während die Berliner und ihre Gäste sehr viele Unbequemlichkeiten auf sich nehmen, um zur Arbeit zu kommen,  um ihre Dinge zu erledigen,  um ihren Lebensunterhalt bestreiten,während der Einzelhandel Umsatzbußen verzeichnet, genießen die streikenden Mitarbeiter der BVG die arbeitsfreien Tage.Das Chaos da draußen tangiert die gesellige Runde nur peripher.Die Gesprächsthemen kreisen um Haus und Garten, um Mutti und Vati, Tochter und Sohn, Hund und Katze.Gelegentlich wird auch politisiert.”Die da oben, wir da unten!”halt in diesem Stil.

Heiter geht es zu, es wird viel gelacht, geschwatzt, gezischt und gefuttert.Die Szene wirkt idyllisch, wie in einem Ausflugsrestaurant , an einem Sonntag.Viele der streikenden Mitarbeiter sind leger gekleidet.Jogginghosen und Trainingsjacke, ausgebeulte Jeans zum Schlabberpulli.

Nur der Herr vor der Tür, eine Bonze, sorry ein Funktionär ,der erwähnten Gewerkschaft, achtet auf sein Äußeres.Ein elegantes Jacket,Lederschuhe, ein roter Schal, elegant um den Hals drappiert. Der Herr verteilt Flugblätter, schwärmt von Oskar Lafontaine”;Der Oskar wird es schon richten!”, und betreibt Wahlkampf für die LINKE.  Das Parteiabzeichen klebt , deutlich sichtbar, an seiner Brust.

Ein Lächeln hat sich auf die Lippen dieser Mitarbeiter gelegt, ein Lächeln welches man als Kunde, als Fahrgast der BVG, selten zu Gesicht bekommt. In der Regel überwiegt ein mürrischer Gesichtsausdruck, im Kombination mit hochgezogenen Augenbrauen und herunterhängenden Mundwinkel.”Wat woll´n se denn?”

Doch dieser Tage ist alles anders, zumindest bei den Mitarbeitern der streikenden BVG. Die Frage des Freiberuflers, der auf keinen subventionierten Polstern klebt, keinen Urlaubsanspruch,keine Sozialleistungen, besitzt, wird mit einem gelangweilten Achselzucken beantwortet.”Weeß ick nicht wa!Wer sind Sie denn überhaupt?Kann ja wohl nicht anjehen wa!Wir streiken doch!

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/berlin/732300.html

4 Responses to “Kurz notiert:Aus dem “Streik-Lokal””

  1. Nico Says:

    Etwas für den rasenden Reporter:

    Reporter ohne Grenzen ruft zum Tag der Meinungsfreiheit auf
    Onlineprotest gegen Zensur im Netz am 12. März 2008

    Die Menschenrechtsorganisation “Reporter ohne Grenzen” (ROG) hat den 12. März zum “Internationalen Tag für freie Meinungsäußerung im Internet” erklärt. Er wird 2008 zum ersten Mal stattfinden.
    Den Gedenktag hat ROG unter der Schirmherrschaft der UNESCO eingerichtet. Ziel ist, gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit im Internet und des Zugangs zum Internet zu demonstrieren. Außerdem will ROG an diesem Tag eine aktualisierte Liste der so genannten “Feinde des Internets” und eine neue Ausgabe des “Handbuchs für Blogger und Cyberdissidenten” veröffentlichen.

    Die Onlinedemonstration, die auf der internationalen Website der Organisation stattfinden wird, beginnt am 12. März um 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit und wird 24 Stunden lang dauern.

    In dieser Zeit können Demonstranten einen Avatar erstellen und sich gegen Zensur in China, Kuba, Ägypten, Burma, Eritrea, Nordkorea, Tunesien, Turkmenistan und Vietnam aussprechen. In diesen neun Ländern wird nach Angaben von ROG das Internet am stärksten eingeschränkt. (wp)

  2. EWA Says:

    Danke!So habe ich mir das gedacht.Während wir leiden, hocken die BVG´ler gesellig zusammen.
    Die sollte man zur Arbeit treiben, notfalls mit einem Tritt in den Hintern.

  3. ramonschack Says:

    @Nico,

    vielen Dank!
    Ein interessanter Hinweis.Die “freie Meinungsäußerung ist übrigens auch in unseren Breitengraden bedroht!
    Herzlichst
    Ramon

    @EWA

    ein zartes Ding wie Sie!Und dann solche kraftausdrücle..


  4. [...] Schack: Kurz notiert:Aus dem “Streik-Lokal” Ramon hat die Umtriebe der SED bei verdi [...]

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