Was immer Du tun kannst oder träumst es zu können, fang damit an.“

Goethe

 

Chic – Everybody Dance

                        @Ramon Schack

 

Vor vielen Jahren  stieg ich aus einem Taxi in der mexikanischen Hauptstadt . Erst einige Tage vorher waren wir auf der Panamericana- aus Texas kommend- angereist. Ich war in diesen Tagen wie berauscht, von der Schönheit Mexikos, von den Ausmaßen dieser unerhörten Megalopolis, damals noch die größte Stadt der Menscheit, als auch von der überschäumenden Vitalität, der Dynamik, den scharfen sozialen Gegensätzen, sowie der massiven Luftverschmutzung, die dort überall spürbar war.    

Mein Ziel war das Grab von Leo Trotzki, in der gleichnamigen Gedenkstätte. 

Datei:Trotsky grave.jpg

 Vor dem Grabmal traf ich eine alte Dame, die frische Rosen niederlegte.“Er war das Idol meiner Jugend“, raunte sie mir zu und bekannte sich damit zur „Vierten Internationale“.

Datei:ForthInternational.svg

Vierte Internationale:http://de.wikipedia.org/wiki/Vierte_Internationale

Die Ermordung Totzkis war einer der spektakulärsten Polit-Morde  des 20. Jahrhunderts. Die ideologische Konfrontation, zwischen Trotzkismus und Stalinismus,  die Millionen von Menschenleben forderte, spielte sich vor den Augen der gebannten Weltöffentlichkeit ab.

In seinem berühmten Werk „1984″ hat der trotzkistische Schriftsteller George Orwell die Ereignisse verarbeitet. In der Figur des großen Bruders, bzw. des jüdischen Intellektuellen Goldstein, spiegeln sich die Persönlichkeiten Stalins und Trotzkis wieder. Bitte den Link anklicken: http://www.youtube.com/watch?v=OdyKJ1xXph8&feature=related

In Mexiko, seiner letzten Zufluchtsstätte, nach einer Flucht von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent, fühlte sich der alte Mann einigermaßen sicher. Viele seiner Familienmitglieder hatten schon ihr Leben lassen müssen. 

Der Agent Ramón Mecader benötigte einige Wochen, bis er das Vertrauen Trotzkis erlangte. Als es soweit war, zögerte Mercader nicht, seinen Auftrag auszuführen. Er erschlug Trotzki  mit einem Eispickel.Mercaders Auftraggeber saß in Moskau. Es war Stalin persönlich ..

Trotzki [german dok] (1/6)

             @Ramon Schack

Vor knapp 2 Jahren erlebte ich folgendes:

Ich hatte mir gerade eine Zeitung gekauft, verließ das Geschäft.Da sah ich ihn.Einen Mann, mittleren Alters, er sprang über die Brüstung  ins Untergeschoss. Er sprang in den Tod.Die Zeit stand still.Nach einigen Sekunden begannen die Menschen zu schreien, zu gestikulieren.Man schaute über die Brüstung, runter zum Untergeschoss.Dort am Gleis 6 lag er, wie ein geöffneter Koffer, in einer Blutlache.  Erst jetzt begriff ich, begriffen die anderen Passanten, was wir gesehen hatten.Es war der erste Suizid am neuen Hauptbahnhof in Berlin.Meine Zeitung war mir vorher aus der Hand gefallen.Ich verließ das Gebäude.“Er hat doch noch gelächelt!“, schrie eine Frau. 

„Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Eine Ausnahme ist beispielsweise dann zu rechtfertigen, wenn es sich um einen Vorfall der Zeitgeschichte von öffentlichem Interesse handelt.“Eine Richtlinie des Deutschen Presserates aus dem Jahr 1997

In unserer Gesellschaft, in der die Realität des Todes fast zwanghaft verdrängt wird, ist jeder Suizid nicht nur ein Schock, sondern fast  auch ein Tabubruch.

Nationaltorwart  Robert Enke hat sich das Leben genommen. http://www.taz.de/1/sport/artikel/1/robert-enke-ist-tot/

Robert Enke:1977-2009

Robert Enke hält.

Ein Mensch schaut in der Zeit zurück
Und sieht: Sein Unglück war sein Glück
.“ Eugen Roth

 

 

 

The O’Jays-Brandy (1978)

                                          @Ramon Schack

Den „Friedhof der Imperien“ nennt man Afghanistan schon seit den Tagen Alexanders des Großen. Afghanistan zu erobern ist leicht, es zu beherrschen ist unmöglich.

Diese Weisheit hat der Westen seit 2002 konsequent ignoriert.

Seltsamerweise hält die Londoner Regierung, die im Begriff steht den Irak den Rücken zu kehren, an ihrem Engagement im Hindukusch fest, speziell in der Provinz Helmand.

Dabei müssten die Briten wissen, dass man keinen Krieg in Afghanistan  gewinnt.

Gewiss, das Desaster von 1842, als die aus Kabul ausbrechende Garnision Ihrer Majestät mitsamt Familien und Hilfskräften in den Schluchten des Hindukusch durch Stammesangehörige massakriert wurde, gehört einer anderen Epoche an. Aber wie heiß es doch so treffend.“Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht begreifen und die Zukunft nicht meistern  “ 

 Das damalige Ereignis war immerhin so sensationell, dass Theodor Fontane  dem einzigen Überlebenden, einem Militärarzt, der bis Jalalabad gelangte, eine Ballade widmete:“Mit Dreizehntausend der Zug begann; einer kam heim aus Afghanistan“

Bei ihren Expeditionen dürften den Soldaten der ISAF-Truppen die Vielzahl der zerstörten sowjetischen  Tanks -im Norden Afghanistans- aufgefallen sein. Es sind die ausgebrannten Überreste  der Militärmaschinerie der Roten Armee, die sich 1989 aus Afghanistan-nach einem 10 jährigen blutigen Feldzug-zurückziehen musste. 2 Jahre später kam es dann ja zum Einsturz des Sowjetimperiums selbst. Den muslimischen Völkern- der untergehenden Sowjetunion- ist diese Höllenfahrt ihrer atheistisch-marxistischen Kolonialherren  wahrscheinlich wie ein Gottesgericht vorgekommen. Schließlich war dieser Rückzug der Roten Armee aus Afghanistan ja begleitet von einer spektakulären Hinwendung -der zentralasiatischen, turanischen und kaukasischen Ethnien  der UDSSR- zum Islam, trotz jahrzehntelanger bolschewistischer Indoktrination und Unterdrückung. 

 7 Jahre nach dem Beginn der Operation „Enduring Freedom“, ist in Afghanistan weder Frieden noch Freiheit eingekehrt. Auch ein „Leuchtturm der Demokratie“ ist nicht entstanden. Dafür sieht sich der amtierende Marionetten-Präsident Karzai mit dem Vorwurf einer gigantischen Wahlfälschung konfrontiert. So schmeißt man westliche Werte wie Perlen vor die Säue. Dafür ist die Atommacht Pakistan, der „gefährlichste Staat der Welt“, jetzt direkt in den Konflikt involviert.

 Zu Beginn dieses Jahres, regte US-Präsident Obama an, mit sog. moderaten Taliban Verhandlungen aufzunehmen.

 Lesen Sie dazu auch mein damaliges Interview mit Peter Scholl-Latourhttp://www.freitag.de/politik/0911-afghanistan-obama-taliban-verhandlungen

 Gemessen an seinen damaligen Worten hat Obama bisher völlig versagt. 

 Dafür haben die Briten jetzt diesen Vorschlag wieder aufgenommen: Lesebefehl:http://www.ftd.de/politik/international/:afghanistan-briten-wollen-taliban-an-macht-beteiligen/50035036.html

Zitat des Tages

November 10, 2009

„Die Verfassung eines Staates solle so sein, daß sie die Verfassung des Bürgers nicht ruiniere.“

Stanislaw Jerzy Lec 

                                          @Ramon Schack

Gelegentlich, wenn ich jüngeren Zeitgenossen von der Zeit des Mauerfalls erzähle, also jungen Menschen um oder nach 1989 geboren, komme ich mir vor wie ein uralter Greis, wie der letzte Erdenbürger, der sich noch erinnert, wie alles einmal gewesen ist.Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, vor 20 Jahren, vor fast einem halben Leben, fällt es mir schwer- diese damalige Aufbruchsstimmung und Euphorie in Worte zu fassen.

In Zeiten historischer Umbrüche, sind die irrationalen Momente am faszinierendsten. Die Revolten, die Ausbrüche kollektiver Emotionen, die Zerstörungswut, die Eruptionen, ihre verblüffenden Ursachen-oft Belanglosigkeiten- als Auslöser. Die plötzliche Freisetzung mächtiger, lange aufgestauter ,Energien. Und wie dann alles wieder in sein altes Bett zurückkehrt, wie der Strom langsamer wird… Ich bin dankbar, die Ereignisse von 1989,  im richtigen Alter, am richtigen Ort, erlebt zu haben

Das folgende Jahrzehnt , unmittelbar nach dem  Mauerfall von Berlin ,die 1990 er Jahre, lagen wie ein funkelndesVersprechen vor uns. Freier, lebendiger, hedonistischer und optimistischer, als die meisten Dekaden davor und danach es sein konnten -oder sein werden.

Ich gebe es gerne zu, ich habe  dieses Jahrzehnt geliebt.

Heuten wissen wir es, spätestens seit dem 11. September 2001, es war nur eine Auszeit der Geschichte.

 Die These des amerikanischen Politologen Fukuyama vom „End of History“, nach der sich Marktwirtschaft und Demokratie weltweit ausbreiten würden, keine Kriege mehr geführt werden, die globalisierte Menschheit in einer Art Brave New World- per Mausklick- zusammenwächst, überwacht von einer Pax Americana, hat sich als gravierende Fehldiagnose entlarvt. Es gibt kein Ende der Geschichte. Gerade deshalb sollten wir uns gut an den  9. November 1989 erinnern.

Lesebefehl“Das Wunder von Berlin:http://www.faz.net/s/RubA91992BFFBF84DB3B4EBE604A92D275B/Doc~E2F08308923434E6797EC32449B1A1674~ATpl~Ecommon~Scontent.html

 

„ Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren. “

André Gide

 

 

 

 

 

!!RANDY CRAWFORD „STREET LIFE“ LIVE!!

                                                @Ramon Schack

Berlin, am 9. November 2009

 Der 9. November ist ein Schicksalstag der Deutschen im 20. Jahrhundert.

1918, 1923, 1938 und 1989, die historischen Ereignisse -im jeweiligen Jahr- fanden immer an einem 9. im November statt.

Es waren Ereignisse, die miteinander zusammenhingen, die ohne einander nicht denkbar gewesen wären, die ohne einander so nicht stattgefunden hätten, die verdeutlichen- wie historische Prozesse funktionieren, sich gegenseitig bedingen, voneinander abhängig sind.

Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht begreifen und die Zukunft nicht meistern, heißt es bei Konfuzius. 

FOTO:9.November 1918:PILLIP SCHEIDEMANN RUFT IN BERLIN DIE REPUBLIK AUS

Es waren Ereignisse die über das Leben von Millionen Menschen entschieden, die Grenzen auflösten,verschoben, veränderten, die Freude, Trauer und Angst auslösten und immer noch hervorrufen, weit über die Grenzen Deutschlands und Europas hinaus.

FOTO:HITLER UND LUDENDORF:DER HITLER-PUTSCH FAND AM 9.NOVEMBER 1923 STATT:

Ereignisse von wahrhaft epochaler Bedeutung mit globalen Auswirkungen.

FOTO:DIE REICHSPOGROMNACHT AM 9. NOVEMBER 1938 in BERLIN

Ich bummelte heute durch Berlin-Mitte, dem historischen Zentrum der Hauptstadt. Welche deutsche Stadt ließe sich auch besser eignen, für einen Wandel auf den Spuren der Geschichte als Berlin?

Einer Stadt, in der die jeweiligen historischen Schauplätze nur wenige Gehminuten voneinander entfernt liegen.

Einer Metropole, die von den Geschichte des 20 Jahrhunderts, ein Jahrhundert welches man auch das verfluchte Jahrhundert nannte, überrollt, vergewaltigt, zerstört und geprägt wurde, wie keine andere Kapitale.

FOTO:DER FALL DER BERLINER MAUER AM 9. NOVEMBER 1989 IN BERLIN

Der 9. November war ein Tag der Hoffnung und Freude, als morsche Regime einstürzten, wie 1918 und 1989.

Der 9. November war auch ein Tag der Angst, als 1923 Hitler in München putschte.

Der 9. November war auch ein Tag der Trauer und der Schande, als 1938 der  Pöbel durch die Straßen zog, mit staatlicher Genehmigung, mit billigender Unterstützung des Regimes, mordete, plünderte, vergewaltige und brandstiftete.

Am 9.Novermber 1989, vor 20 Jahren, fiel die Mauer in Berlin. Die realsozialistischen Regime brachen zusammen, Die Nachkriegsordnung Europas geriet ins Wanken, die bipolare Welt sollte schon bald Geschichte sein. 

 

 

The opening of the Berlin Wall 1989 / Reichstag (English Subtitles)