Im Iran gibt es Pläne die Landessprache Farsi von fremdsprachlichen Einflüssen zu „säubern“.
Persisch/Farsi ist die wichtigste und am meisten verbreitete Sprache im südwestlichen Asien .
Persisch wird von rund 70 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von ebensso vielen als Zweitsprache genutzt.
Persisch/Farsi gehört zum iranischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie.
Mit den meisten Sprachen Europas ist dieses Idiom aufs Engste verwandt.
Der amtierende Präsident Ahmadinedschad hat möglicherweise Probleme bei der Aussprache
fremder Ausdrücke.
Selbst im Persischen, in Farsi, ist seine Ausdrucksfähigkeit begrenzt.
Vielen Iranern, vielen Persern bedeutet Ihre Muttersprache sehr viel und ist weit mehr als nur ein Kommunikationsmittel.
Das heutige Persisch wurde durch seine klassische Dichtkunst geprägt.
Saadi und Hafes waren zwei der bekanntesten Poeten.
Goethe ließ sich vom West-Östlichen Divan des Dichters Hafes inspirieren.
Diese Sprache gehört zu einer der metaphernreichsten der Welt.
Viele persische Wörter wurden in andere europäische Sprachen übernommen.
Im Deutschen beispielsweise Paradies,Schach, Pistazie, Karawane, Magier etc…..
Die heutige persische Sprache ist von arabischen Lehnwörtern durchsetzt.
Ich bin gespannt ob Ahmadineschad auch diese Wörter entfernen möchte.
Wenn ja hätte er nicht nur viel zu tun, sondern auch einen Erklärungsbedarf bei seinem neuen
Verbündete-, den arabischen Volksmassen.
Nach den neuen Plänen sind westliche Ausdrücke durch Wörter in der Landessprache Farsi zu
ersetzen.
Pizza soll künftig dehnbarer Laib heißen. Lecker!
Ich hoffe nur die Geduld der Iraner ist nicht so unendlich dehnbar, wie der Laib eines Nahrungsmittels, formerly known as Pizza.

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Die neuen Weltbürger

Juli 31, 2006

Ich lese seit einigen Tagen wieder in einem Buch, welches mir vor einigen Jahren wichtige und intellektuelle Denkanstöße vermittelt hat.
„Die neuen Weltbürger“ von G.Pascal Zachary.

Zachary´s Buch erschien 2000 im Econ Verlag und ist stark geprägt von der relativen, positiven Grundstimmung gegen Ende des 20. Jahrhunderts, bezüglich der Globalisierung, der Wettbewerbsfähigkeit multiethnischer Gesellschaften und dem Zusammenwachsen der Welt.
Jenseits von Political Corectness und Gutmenschentum und basierend auf harten ökonomischen Fakten, analysiert der Autor die Standortvorteile von multiethnischen Gesellschaften, bei dem
permanenten Wettbewerb der Nationen in einer globalisierten Welt.
Zachary war damals Korrespondent des Wall Street Journal.
Man kann das Buch als ein Plädoyer deuten, eine Homage an ethnische Diversität und besonders an die Vermischung und Verschmelzung von Ethnien.
Zachary erkennt in diesem Prozess das Entstehen eines neuen , kosmopoliten Menschenschlages, der den Lebensfähigkeiten des 21. Jarhunderts entspricht und die Fähigkeit
besitzt den Herausforderungen dieser / unserer Zeit zu entsprechen.
„Die neuen Weltbürger“ erschien am Vorabend des 11. September 2001.
Beim heutigen reinlesen und durchblättern erscheint es mir rückblickend wie ein Dokument aus einer anderen Epoche.
Nicht ein paar Jahre, sondern ein Säkulum, scheinen seit der Veröffentlichung vergangen zu sein.
Zum Einen fällt mir auf wie stark die Feinde der offenen Gesellschaft in den letzten Jahren geworden sind, wie sehr sie sich aus den Trümmerlandschaften ihrer gescheiterten Ideologien erhoben haben und wie lautstark sie heute wieder ihre , schon oft zu Alpträumen und totalitären Exzessen mutierten, Utopien propagieren.

Zum Anderen wird mir schmezhaft bewußt wie bedroht der ethnisch gemischte Mensch, wie gefährdet das Weltbürgertum aktuell erscheint.
Selbst in den „Offenen Gesellschaften des Westens“ wird das Irrationale, das Xenophobe nach oben geschwemmt, wird der Kern einer freiheitlichen Gesellschaft ausgehöhlt, wird deren Ausstrahlungskrat eingeschränkt.
Es gibt Zeichen an der Wand, die mich diesbezüglich absolut nicht beruhigen und ich befürchte
dies ist erst der Anfang einer unheilvollen Entwicklung ist.
Die ersten 6 Jahre des 21. Jahrhunderts waren bisher eine schreckliche, weltpolitische Enttäuschung.
Schon längst vergessene Konflikte sind wieder aufgebrochen und werden blutig ausgetragen.
Schon längst überholt geglaubte Debatten bestimmen die Tagesordnung.
Schon längst vertrieben Geister der Vergangenheit sind dabei zurückzukehren.
Es passiert überall und jeden Tag.
No Go Area statt New Economy, Asymetrischer Krieg statt Annäherung, religiöser Wahn statt Aufklärung/Nostalgie statt Neugier ..etc.
Tel Aviv, New York, London Dehli, Bombay etc.
Wie eine blutige Spur auf dem Film meiner Erinnerungen, wurden die Städte und urbanen Zentren, die Hot Spots der Globalisierung vom Terror heimgesucht.
Es sind Städte in denen ich zu Besuch war, Menschen kenne zum Teil auch gelebt habe.
Es sind Städte die ich liebe,deren Vielfalt und Dynamik ich schätze.
Dieser Lebensstil ist in Gefahr.

Im Schlusswort seines Buches“ Die neuen Weltbürger, schreibt Zachary im März 2000 folgendes:
„..Wenn wir unser Selbst und unsere Gemeinschaften- in hybrider Weise über Kontinente und
Kulturen, Rassen und Ethnien hinweg-formen und unformen können, dann können wir gewiss von einer besseren Zukunft träumen, in der die schönsten Dinge von gestern und morgen verschmelzen.“

Ich werde im kommenden Monat nach Rumänien,Moldawien und Transnistrien reisen.
Das Schlusskapitel meines Buches spielt an der Rumänisch-Moldawischen Grenze. Der neuen EU-Außengrenze.
Einen Trip nach Transnistrien, diesem nahezu unekannten und isoliertem Gebilde, kann ich mir
natürlich nicht entgehen lassen.
Die Reise verspricht spannend zu werden.
Ganz nach meinem Geschmack.
Ich wünschte es wäre schon August.

Sehnsucht nach Jamaika

Juli 24, 2006

Je länger Schwarz-Rot regiert, umso mehr wächst bei mir die Sehnsucht nach Jamaika.
Vielleicht hätte man doch einen neuen ,innovativen Start,eine ungewöhnliche politische Farbenkombination,dem jetzigen Dilletantismus vorziehen sollen.
Welchen politischen Parteien werden sich die Wähler bei einem Scheitern der jetzigen
Regierung hinwenden?
Die ökonomische und politische Krise Deutschlands, dessen mangelnde Vorbereitung
und Anpassung an die Globalisierung , ist keineswegs gemeistert.
Trotz FIFA-Flair und leicht verbesserten ökonomischen Rahmenbedingungen.
Förderalismus und Verhältniswahlrecht sind hierbei die wahren Stolpersteine auf dem Weg in die Zukunft.

Seit einigen Tagen lese ich wieder in einem alten Buch.
Dieses Buch habe ich vermutlich vor rund 20 Jahren zum ersten Mal in den Händen gehalten.
Es handelt sich „Allah ist mit den Standhaften-Begegnung mit der Islamischen Revolution““ von Peter Scholl-Latour.
Dieses Buch , kam vor einem Vierteljahrhundert auf den Markt und war seinerzeit ein Bestseller.
Es handelt sich um einen tour d´horizon , eine Begegnung mit der islamischen Welt, unmittelbar
nach der Revolution im Iran.
PSL nimmt den Leser auf eine Reise quer durch die islamische Umma.
Das Buch beginnt im Süden der Phillipinen und endet in Berlin-Kreuzberg.
Auch die Ursachen des aktuellen Konfliktes im Nahen Osten, im Irak und die Hintergründe des heutigen Irans werden beleuchtet.
Ich empfehle es all denen die sich intensiver Informieren und die Problematik verstehen möchten.

Mir persönlich hat das Buch auch schon Glück gebracht.
Ich glaube zwar nur sehr bedingt an Zufälle und an Schicksal, doch haben dieses Buch und Peter Scholl-Latour meine Entscheidung mich als freier Journalist zu etablieren, wesentlich beeinflußt.

Vor über drei Jahren, ich war gerade aus London zurückgekehrt und war übergangsweise bei Freunden in Hamburg untergekommen,besuchte ich meine Eltern im südlichen Schleswig-Holstein.
Von dort hatte ich mir das besagte Buch mitgenommen und las es auf der Zugfahrt nach Hamburg.
Dort angekommen lief ich quer über den Bahnhof.
Am Gleis 12 stand der Zug nach Berlin abfahrbereit.
Verträumt schaute ich beim Vorbeigehen in die Abteile und entdeckte Peter Scholl-Latour.
Einige Monate zuvor hatte ich mich in seinem Pariser Büro um ein Interviewtermin bemüht, welcher leider abgelehnt wurden war.
Ich stürmte das Abteil und bat PSL um eine Signatur des Buches, welches ich zufällig und ausgerechnet an diesem Tag bei mir trug.
PSL war sehr aufgeschlossen ,wir beide lachten über diesen Zusammenhang und er gab mir seine Privatnummer in Berlin, nachdem ich Ihm von meinem Interviewwunsch erzählte.
Das erste Interview fand dann einige Wochen später in der berliner Wohnung des bekannten Publizisten statt.
Ein Weiteres folgte.
Diese Begegnung hatte mir damels Mut gemacht den harten Aufstieg als freier Journalist zu probieren.
Merci Peter Scholl-Latour.

Das Leiden der Levante

Juli 16, 2006

Habe gestern drei Telefonate geführt.
Der erste mit B. aus Beirut, dann mit M. in Haifa und schließlich mit M. in Teheran.
Alle drei Personen haben viel gemeinsam.
Sie haben an renomierten Universitäten im englischsprachigen Ausland studiert, sind relativ jung, ambitioniert und beruflich erfolgreich.
Alle Drei sind schon viel in der Welt herumgekommen und pflegen einen urbanen , kosmopoliten Lebensstil.
Alle Drei haben eine bewegte Biographie und eine interessante Lebensgeschichte.
Alle Drei denken liberal und lieben Ihre jeweilige Heimat.
Alle Drei kennen sich nur vom Hörensagen, von meinen Erzählungen .
Alle Drei könnten gute Freunde sein.

B. aus Beirut, die attraktive Geschäftsfrau, war gerade dabei Ihre Koffer zu packen.
Morgen früh wird Sie nach Tripoli , in den Norden des Libanons ,reisen.
Seit einigen Tagen war Sie nicht mehr an Ihrem Arbeitsplatz, seit die Bombardements begannen hat Sie sich in Ihrer Wohnung ein Home-Office eingerichtet.
Zum Arbeiten kam Sie bisher nicht. An den Wänden Ihrer Wohnung im Zentrum Beiruts haben sich Risse gebildet.
Sie schluckt Unmengen von Johanisskraut.
Seit einigen Stunden ist Ihr Festanschluss defekt, aus Ihrem Wasserhahn tropft nur noch eine
braune Brühe.
B.besitzt die australische und libanesische Staatsbürgerschaft, momentan kann Sie den Libanon nicht verlassen.
Höchstens nach Syrien könnte Sie fliehen, in den totalitären Baath-Einheitsstaat, gegen dessen Okkupation des Libanons Sie im vergangenen Jahr demonstriert hat.
„Bevor ich dorthin fliehe , lasse ich mich lieber hier von einer Bombe zerfetzten“, sagte Sie mir
sarkastisch am Telefon, bevor Sie in Tränen ausbrach.
B. Ist Maronitin.
Durch das offene Fenster Ihres Appartements dringt eine Wolke aus dunklem Staub.
Aus dem Fenster beobachtet Sie wie der Süden der Hauptstadt in Trümmern versinkt.
Vor sieben Jahren sind wir beide durch die Straßen Beiruts gelaufen.
Ich war damals fasziniert von der möndänen und kosmopoliten Atmosphäre dieser Perle des Orients, Beirut und Tel Aviv, die Shenkin-Street und La Corniche, hatten damals viel Gemeinsam.
Multiethnizität, Freigeist, Libertinage, schöne Menschen und Subkultur.
Wir fantasierten damals wie schön es wäre in rund 4 Stunden von Beirut nach Tel Aviv zu fahren.
Damals kehrten viele junge Menschen aus der libanesischen Diaspora nach Beirut zurück.
Auf den Sprachen herrschte ein babylonisches Sprachengewirr , Englisch, Französisch, Italienisch,Griechisch, Arabisch und Deutsch.
„Warum strafen uns die Israelis für die Verbrechen der Hisbollah?“, fragte B. am Telefon
„Glaubt man in Tel Aviv mit der Zerstörung Beiruts, erreicht man Stabilität und Sicherheit?
„Glaubt man in Waschington so errichtet man einen Bacon of Democracy?“

Auch M. in Haifa wird Ihre Wohnung verlassen.
M. ist Dozentin an der Universität.
Ihr Büro liegt im Eskhol-Tower, dem höchsten Gebäude der Stadt, von wo aus man über das gesamte westliche Galiläa, bis hin zur libanesischen Grenze schauen kann.
Die Büros und Fakultäten im oberen Stockwer wurden evakuiert.
M. Eltern sind 1962 aus Marokko nach Israel gekommen.
M. fragte ob Sie für ein paar Tage nach Berlin kommen könnte, Sie habe Angst.
Wenige Stunden nach unserem Gespräch schlug eine weitere Rakete aus dem Libanon in Haifa ein.
In dem Bahndepot, nur einige hundert Meter von M´s Wohnung entfernt.9 Menschen, alles Mitarbeiter der israelischen Bahn ,wurden getötet.
M´s Wohnung kenne ich gut, ich habe dort vor einigen Jahren für rund zwei Wochen gelebt.
M war damals gerade aus Tel Aviv zurückgekehrt und bevorzugte den ruhigeren Lebensstil in Ihrer Heimatsstadt gegenüber dem querligen Nachtleben in Tel Aviv.
Eben habe ich eine E-Mail von Ihr erhalten.
Ihr geht es gut. Sie fliegt morgen zu einem Freund nach New York City.
Die Wände in Ihrer Wohnung haben Risse erhalten, durch das offene Fenster dringt Rauch.

M. erreichte ich in seiner Wohnung im Norden Teherans.
Diese Gegend gehörte schon immer zu dem Viertel der Reichen und Gebildeten.
Selbst die Islamische Revolution hat daran nichts geändert.
Von seinem Balkon hat er einen fantastischen Blick aus das ausufernde Häusergewirr der iranischen Hauptstadt.
„Seit einigen Tagen schaue ich kein Fernsehen mehr und höre auch kein Radio“.
Überall taucht die Stimme und die Fratze des Scheusals auf“, erzählte er mir gleich zu Beginn.
Mit dem Scheusal war der iranische Präsident gemeint, dem M. nichts als Verachtung gegenüber aufbringt.
Ich erzählte Ihm von B. und M. von diesen beiden Frauen aus dem Libanon und Israel.
„Unserem Präsidenten kommt dieser Konflikt gelegen, genauso wie der Bürgerkrieg im Irak.
Gerade das Aufbegehren der Schiiten dort gibt ihm eine außenpolitische Legimation in der arabischen Welt, von der er bei uns Ariern nur träumen kann.
Jeder Iraner hält sich den Arabern gegenüber für Überlegen und hegt eine gewisse Abneigung gegenüber unseren westlichen Nachbarn.
Wir Iraner haben mehr mit den Israelis gemeinsam als aktuell ersichtlich.
Das unruhige Aufbegehren der Schiiten in der arabischen Welt ist die letzte Trumphkarte des
Regimes.
Jehr mehr Blut dort vergossen wird um so mehr festigt sich die Macht Achmedinejads.
Ich hatte mehr vom 21. Jahrhundert erwartet sagte M., mehr Weisheit, mehr Vernunft.
Die Kräfte der Dunkelheit ziehen uns in den Abgrund“, fuhr er fort“und werden ein Zeitalter
der Dunkelheit aufbauen.“

Good By to the FIFA

Juli 10, 2006

Und plötzlich ist alles wieder vorbei.
Als hätte es dieses Völkerfest, diesen kosmopoliten Rausch nie gegeben, ist Berlin seit heute wieder in den Normalzustand zurückgebeemt wurden.
Die Fressen in der U-Bahn waren schon wieder verhärtet, die Blicke glasig und stumpf.
Keine Spur mehr von dem Enthusiasmus der vergangenen Tage und der kosmopoliten Brise der vergangenen Wochen.
Schade.
Ob diese FIFA Deutschland nun wirklich Deutschland nachhaltig geändert hat, wird sich zeigen.
Viele Menschen, Einheimische und Besucher hatten auf jeden Fall eine schöne Zeit und werden sich noch lange an diesen Sommer 2006 zurück erinnern.
Und was ist das Leben schon anderes als eine individuelle Ansammlung von Erinnerungen.
Glücklich dürfen sich dabei diejenigen schätzen, die sich an mehr Gutes als Schlechtes erinnern
können.