Erinnerungen an 1989

August 27, 2006

Neulich fragte mich ein befreundeter Journalist, „Erinnerst Du Dich an 1989, das Schicksalsjahr? Was fällt Dir persönlich zu diesem Jahr ein, welche Erinnerungen verbindest Du damit?“
Woran erinnere ich mich?

Ich erinnere mich an M. ,wie sie unter der Sonne Kataloniens eine Postkarte an Ihre Briefreundin aus Leipzig schreibt.
Es ist der August 1989. M. ist meine Urlaubsliebe, ein unglaublich schönes 16 Jähriges Mädchen.
Wie unterhalten uns. Ich frage Sie ob Ihre Freundin aus der DDR nicht neidisch wird. Eine bunte Postkarte aus Spanien, aus einem Land das sie wahrscheinlich niemals kennenlernen wird.
M. erwidert die Menschen dort sind an die Verhältnisse gewöhnt. Man kann das Leben dort nicht mit dem unseren vergleichen.
Ich erwähne die Fluchtwelle aus Ungarn, die Unruhe in der DDR.
„Glaub mir dort wird sich nie etwas ändern“, antwortet mir M..“ Die Verhältnisse sind festgefroren, daran wird sich nie etwas ändern.“

Ich erinnere mich an die spanischen Mädchen in der Disco“Eres Italiano?“, fragen sie mich.
Ich erinnere mich an eine Fahrradfahrt an die Ostsee und an das Swimming-Pool im Haus von H´s Eltern.
Ich erinnere mich an das Konzert von Jeremie Days“She´s my brandnew toy“, der Hit des Sommers, im Hamburger Stadtpark.
Ich erinnere mich , wie ich zum ersten Mal in Gegenwart meiner Eltern rauche.Ich bin ja schließlich volljährig.
„Du rauchst ja richtig auf Lunge!“, sagt meine Mutter erschrocken.
Ich erinnere mich an eine Party auf der mein Nasenbein zu Bruch geht.
Ich erinnere mich an die Zeitschrift Tempo, wir reißen sie uns gegenseitig aus den Händen .
New Journalism auf Deutsch.
Ich erinnere mich an das Trinity in Hamburg.
Ich erinnere mich an meinen 18. Geburtstag, am 18. Juni 1989.
Es ist der Tag der Europawahl.
Vor dem Wahllokal werde ich fotographiert, ein Artikel erscheint in der Lokalzeitung.
„Am 18. Juni wurde Ramon Schack 18 und durfte zum ersten mal wählen.“
Ich werde in den Landtag nach Kiel eingeladen.Björn Engholm unterhält sich kurz mit mir.
Die Republikaner zogen mit über 7% ins Europäische Parlament ein.
Ich erinnere mich an ein Wahlplakat der CDU.
„Radikale und SPD -Zukunft und Wohlstand Ade“
Ich erinnere mich an meinen Schuldirektor.
„Reps und Grüne sind eine Gefahr für unser Grundgesetz“
Ich erinnere mich an P.I meinen Klassenkameraden mit der schicken Vespa,(Jeder wollte damals Vespa fahren), der mich immer Zigeuner nennt und später ein militanter Neonazi wird,
P.I will entweder Republikaner oder Lafontaine wählen.Lafontaine ist doch nicht Links, sagte er und grinst dabei wissend.
Ich erinnere mich an Herrn Schäfer, unseren sozialdemokratischen Gemeinschaftskundelehrer.
„Die DDR ist das zehntgrößte Industrieland der Welt.
Man kann dort zwar nicht jeden Abend italienisch oder französisch essen gehen, aber das BSP ist höher als beispielsweise in Italien.“

Ich erinnere mich an B. , die neu auf unsere Schule gekommen ist.B. kommt aus der DDR. Sie ist zusammen mit ihrer Familie ausgereist.
B. ´s Familie hat 4 Jahre auf die Ausreise warten müssen. Sie weint als sie uns von den Schikanen und ihrem Leben in der DDR erzählt.
In diesen Tagen kommen viele Übersiedler. Das SED-Regime öffnet die Tore und kann dem Untergang doch nicht mehr entgehen.

Ich erinnere mich an den überfüllten Bahnhof in Lübeck. Ein Sonderzug mit DDR-Flüchtlingen aus Prag ist eingetroffen. Die Presse und das Rote Kreuz stehen bereit.
Die Flüchtlinge steigen aus dem Zug, sie werden beklatscht und begafft wie Wesen aus einem anderen Stern.
So sehen also DDR-Bürger aus.
Neben mir steht eine ältere Dame, sie kommt aus Oranienburg und ist auf Besuch in der Bundesrepublik.
„Ich würde auch gehen wenn ich könnte, aber meine Mutter ist schwerkrank, ich kann sie nicht alleine lassen.
Die Dame erzählt weiter, während ihre Landleute sich den Weg durch die Menge bahnen.
Sie fragt ob es schwer sei im Westen eine Lehrstelle zu bekommen.
Sie erzählt von den Fremdarbeitern aus Vietnam und Mosambik.
„Das sind keine Menschen.Keine Menschen sind das!“Ich erschrecke über ihre Worte,ihren Blick und ihren Hass in der Stimme.

Ich erinnere mich an den 9.November 1989.Ich sitze mit meiner Mutter vorm Fernseher.
Später gehe ich zu Fuß, ins Glashaus , meine Stammkneipe, einige Freunde treffen.
Es ist kalt, ich gehe schnell.Es gibt noch keine Handys, man ist zur Pünktlichkeit verpflichtet.
Ein Auto hält neben mir. Es stinkt fürchterlich aus dem Auspuff. Es ist das erste mal das ich einen Trabi sehe.“Wo bitte geht es nach Hamburg“, fragt der junge Mann am Steuer schüchtern.
Ich erinnere mich an die überfüllten Fußgängerzonen von Hamburg und Lübeck.
Die Menschen stehen an den Schaufenstern, betreten die Geschäfte und staunen über
die Warenvielfalt.
Sie verhalten sich wie Gläubige auf einer Pilgerfahrt, wie Besucher in einer Kathedrale im
gelobten Land.
Ich erinnere mich an unsere erste Fahrt in die DDR, nach Schwerin.
Wir sind zu viert.M.E, K.S und D.W sind mit an dabei.Wir sind alle 18 Jahre alt.
Unterwegs hupt fast jedes Auto, jeder Wartburg, jeder Trabbi begrüßt uns mit Lichthupe.
An einer Straßenkreuzung werden wir von Jugendlichen angehalten,man zieht uns aus dem Auto, umarmt uns schüttelt uns die Hände. Wir haben Tränen in den Augen.
Schwerin, trist, grau, Putz der von den Wänden bröckelt, die Luft riecht nach Braunkohle und Zweitaktern, der Leichengeruch der sterbenden DDR .Parolen an den Häuserwänden.
„DDR mein Staat mein Stolz“/“DDR-UdSSR ewiger Bruderbund“
Wir tauschen Zigaretten, trinken Clubcola die nach Seife schmeckt.Keiner unserer Gesprächspartner sagt irgendetwas gutes über die DDR, die Menschen haben die Schnauze voll.
„Die fette Sau ist zurückgetreten“, es geht um einen Stasi-Oberst.
Wir sehen Rotarmisten, die unsicher durch die Gegend laufen und entgeistert auf die Westwagen schauen.
Ich erinne mich an das Glücksgefühl auf der Rückfahrt in den Westen, beim Erblicken der ersten MC Donalds Filliale.

Ich erinnere mich wie meine Schwester plötzlich mit auf meine Parties kommt.
Ich erinnere mich an D.W und G.T.
Ich erinnere mich an Dave, den US-Amerikaner von Up with People, der ein paar Tage in unserer Familie zu Gast ist.
Meine Schwester ist in Dave verknallt, ich finde Dave cool.
Dave betet vor dem Essen und verzehrt kein Eiweiß.
Ich erinnerer mich an eine Zeitungsmeldung:
„Die Bundesrepublik ist das reichste Land der Welt“
Ich erinnere mich ein ein sehr reiches, sattes Land.
Bequem , Barock ,Bieder.
Ich erinnere mich an die alte Bundesrepublik, die in diesem Jahr eben so unterging wie die DDR.

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Anmerkungen zur NPD

August 26, 2006


Seit einigen Monaten arbeite an einem Artikel mit dem Titel“Unser Nachbar NPD“.
Die Idee kam mir vor rund einem Jahr, als ich zusammen mit S. vom Köpenicker Tourismusverband zu einem Wochenende in dem Stadtteil eingeladen wurde.
Der Bezirk versuchte mit dieser Aktion das touristische Potential des Bezirkes zu erhöhen und lud zu diesem Zwecke Journalisten und Tourismusexperten ein.
Gegenüber vor unserem Hotel klebte ein Plakat der NPD an einer Laterne.
Das Konterfei von Udo Voigt war darauf abgebildet.
Wenig später, noch vor dem Eintreffen der meisten Gäste, war das Plakat plötzlich entfernt wurden und meine berufsbedingte Neugier geweckt.
Statt mich dem offizellem Rahmenprogramm anzuschließen (organisierter Stadtbummel etc.),
machte ich mich alleine auf dem Weg um die versteckte braune Seite des Bezirkes zu erforschen.
An einem Denkmal aus kommunistischer Zeit, eine Arbeiterfaust in steinerner Form, kraxelten zwei Jugendliche herum.
Mit diesen Jungs kam ich ins Gespräch und wir landeten ziemlich schnell bei der NPD, bzw. der NPD-Bundesgeschäftsstelle in der Seelenbinderstr. , nur ein paar Häuserblocks entfernt.
Die beiden jungen Bewohner des Kiezes zeigten mir das betreffende Straße und führten mich an der braunen Immobilie vorbei.

Sowohl die Straße , als auch das Gebäude wirkten unscheinbar.
Die Seelenbinderstr. ist an Unauffälligkeit nicht zu überbieten.
Als Kleinbürgerlich könnte man das Millieu mit Recht beschreiben.
Die beiden Jugendlichen definierten sich als politisch Links und gaben sich als Gäste des linken Jugendcafés zu erkennen, welches sich nur ein paar Gehminuten von der NPD-Zentrale entfernt befindet.
Eine ruhige Seitenstraße,die NPD-Zentrale und ein linkes JugendCafé gleich um die Ecke, das ist der Stoff aus dem gute Reportagen entstehen.
Im April begann ich mit einem Kollegen die Recherche.
In regelmäßigen Abständen besuchten wir den Bezirk und die betreffende Straße.
Wir kamen ins Gespräch mit Anwohnern, Geschäftstreibenden und Passanten.
Besonders interessierte mich die Auswirkungen dieser „bizarren Nachbarschaft“ auf die Anwohner und das soziale Umfeld.
Natürlich auch im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen.
Bei der letzten Bundestagswahl hat diese Partei, in einem Wahlokal in der Seelenbinderstr., rund 6% erlangt.
Im ganzen Bezirk Treptow-Köpenick 2,4%.
In dem Bezirk, in der Straße ,schlägt die NPD Wurzeln.
Sie zieht Nichtwähler, Lumpenproletariat, Jugendliche und ehemalige PDS-Anhänger an.
Sie stützt sich auf das gut organisierte Netz von sog. Freien Kameradschaften.
Die Partei veranstaltet gut besuchte Familenfeste, gibt Nachhilfeunterricht und untersützt Arbeitslose bei ihren Harz 4 Anträgen.
Auf dem Gelände der Zentrale steht das neue NPD-Bildungszentrum kurz vor der Einweihung.
Nein in die Mitte der Gesellschaft stößt die Partei nicht vor.
Diese Mitte, wenn überhaupt vorhanden, existiert in Köpenick nur marginalisiert.
Diese Gegend ist wie andere Ecken im Osten der Republick, wie auch soziale Brennpunkte im
Westen, ein fruchtbarer Boden für die Partei und deren Ideologie.
Das Erbe von 60 Jahren Totalitarismus, die Abwesenheit von urbaner Bürgerlichkeit , die nichtvorhandene Alltagserfahrung mit Zuwanderern etc, Arbeitslosigkeit , politische Indifferenz
und geistige Orientierungslosigkeit ,schaffen ein günstiges Klima für Xenophobie, Irrationalität und Resentiments.
Ressentiments gegen die da oben, die Anderen, die Einwanderer, die Fremden, gegen die Stadt, das Kosmopolite etc.
Schnell wurde mir klar das ich diesen Artikel, diese Reportage ,ohne einen Besuch in der betreffenden Zentrale, dieses Gebäude mit den heruntergelassenen Rolläden, den Video überwachten Eisenzaun und der schmutzig,gelben Fassade, nicht schreiben könnte.
Der Artikel ist fertig, es gibt inzwischen schon zwei Versionen.
Von der Qualität des Artikels und dessen beklemmender Aktualität bin ich überzeugt.
Trotzdem ,habe ich selten schärfere Reaktionen von Seiten diverser Redakteure verschiedener Zeitungen erfahren.
So schnell wurde noch nie auf einen von mir angebotenen Artikel reagiert und noch nie eine
schnellere Absage formuliert.
Es wurde mir nicht direkt mitgeteilt, aber ich vermute das mein Besuch in der Zentrale und meine Kontaktaufnahme mit Voigt der wahre Grund für diese Reaktion sind.
In der akademisch-publizistischen Kunstlandschaft, die sich gemeinhin demokratische Öffentlichkeit nennt, gilt dieses als Tabubruch.
Ferner habe ich einen Wahlerfolg der NPD in mindestens drei Ostbezirken prognostiziert.
Die 3% Hürde auf BVV-Ebene , das Herabsenken des Wahlalters auf 16 Jahre und die schon erwähnten Wahlergebnisse der jüngsten Vergangenheit lassen darauf schließen.
Außerdem die gravierenden sozio-politischen Veränderungen im ostdeutschen Wahlverhalten.
Bald werden wieder viele festangestellte Journalisten, ihre Büroräume verlassen und in Scharen in die betreffenden Bezirke strömen.
„Oh nein, wie konnte das passieren!“ wird man sich fragen.
Experten werden eingeladen in TV-Shows und aufgeregt über Strategien nachdenken.
Nun wir werden sehen. Vielleicht kommt es auch anders. Vielleicht wird der Artikel auch noch veröffentlicht.
Beides würde mich freuen.
Sicher bin ich aber keineswegs.

Unser Feld ist die Welt

August 23, 2006


„Unser Feld ist die Welt“ war lange Zeit der Leitspruch und das Motto der Firma Hapag Loyd.
Im letzten Jahr habe ich diesen Satz als Titel für einen Artikel über die gestiegen Auswanderung aus Deutschland gewählt.
Der Artikel erschien damals in der Frankfurter Rundschau.
Es gab seinerzeit einige Leserreaktionen die mir Naivität vorwarfen und behaupteten ich würde die Härten und Risiken dieses Prozesses verschweigen.
Wie dem auch sei, seit einigen Tagen arbeite ich wieder an einem Artikel zu dem Thema.
Es fällt mir nicht schwer, sogar Jahr für Jahr leichter, in meinem eigenen Bekanntenkreis Menschen zu finden die ich in dem Artikel poträtieren könnte.
Menschen wie L.S, die seit einem Jahr in Wien lebt.
L.S. ist Volljuristen und bereitet sich heuer, wie man in Wien sagen würde, auf ihre Zulassung als Juristin in Österreich vor.
Ich denke auch an D.Z, meinem guten Freund, Sohn eines hamburger Reeders und einer ägyptischen Koptin, der zu Beginn des kommenden Jahres nach Bukarest ziehen wird um dort in das Unternehmen seines Vaters einzusteigen.
Natürlich denke ich auch an lovelyR.G, schon lange nichts mehr von Dir gehört, die ein kleines Häuschen in der Blackhorse Road in Nordlondon besitzt
Seit über 13 Jahren lebt sie jetzt schon im U.K, sie ging direkt nach dem Abi. und kehrte nie mehr zurück.
M.K fällt mir ein, Miss Brandenburg 1999, die Frau mit dem charmanten Lächeln und ebenfalls seit Jahren in London zu Hause.
Wir standen in Hamburg mal gemeinsam vor der Kamera, kurz bevor sie der Liebe wegen nach London zog.
H.D und seine Frau, seit knapp 2 Jahren in der „Capital of the World“ in Manhattan wohnhaft.
I.B der Kommilitone mit der Ostasien-Sehnsucht, nach einem Zwischenstopp in Thailand, inzwischen in Shanghai ansässig.
C. fällt mir ein der sich im sonnigen AlAndalus, dort wo Europa auf Afrika trifft, mit Gelegenheitsjobs durchschlägt und sich als Brückenbauer zwischen seiner alten und neuen Heimat engagiert.
Dr. A.N, die mit Kind und Mann zu Beginn des neuen Jahres nach Südafrika gehen wird.
A.E der Karriere in einem multinationalen Unternehmen in der Schweiz macht.
M.B die sich auf die Immigration nach Kanada vorbereitet.
Über 150.000 Deutsche sind im vergangenen Jahr ins Ausland gezogen.
Die höchste Zahl seit der Nachkriegszeit.
Die Dunkelziffer liegt viel höher.
Bei einem Umzug in einen anderen EU-Staat bleiben die meisten Personen in Deutschland gemeldet und erscheinen in keiner Auswanderer-Statistik.
Wie meine erwähnten Freunde und Bekannten, sind die meisten Auswanderer, jung, gebildet , engagiert, weltoffen und polyglott.
Deutschland verliert eine Elite, gerade die Menschen die das Land im globalisierten Wettbewerb benötigt.
Man könnte diese Tendenz bedauern, auch mit Genugtuung betrachten, sie ist auf jeden Fall real und neben der demographischen Entwicklung ein weiteres Zeichen für den schleichenden Niedergang des Landes.
Die Motive der Auswanderer, ob auf Zeit oder entgültig, sind so vielschichtig wie die betreffenden Menschen selbst.
Viele gehen, weil sie keine Perspektive erkennen, in einem Land das zu einer Bürokraten-Diktatur mutiert, zu einer Herrschaft von Amtsärschen und Kleingeistern.
Ein Land das sich ängstlich wegduckt, kollektiv beschwert und sich selbst der Zukunft verweigert.
Ein Land das rostet und verostet, sich zu einem morschen Skelett verwandelt und zu einem Schonraum für romantisierende Spießer transformiert und dabei weit unter seinen eigenen Möglichkeiten bleibt.
Da mögen manche schlichte Gemüter vom FiFA-Flair schwärmen, von den angeblichen Chancen im neuen Berlin träumen.
Die Fakten sprechen für sich.
Vor über 4 Jahren kam ich selbst aus London zurück.
Ich weiß nicht wie oft ich diesen Schritt bedauert habe.
Meine gepackten Koffer habe ich niemals ausgeräumt und sitze immer noch auf ihnen.
Zum richtigen Zeitpunkt ,werde ich sie in die Hand nehmen und mit mir zusammen davon tragen.
Der letzte macht bitte das Licht aus.

Über den Provinzialismus

August 22, 2006

Der Begriff der Provinzialität wird für gewöhnlich mit dem Raum verbunden .
Provinziell ist demnach jemand, dessen Denken sich auf ein marginales Gebiet beschränkt, dem er eine übermäßige, universelle Bedeutung zumißt.
T.S. Eliot warnt vor einer anderen Provinzialität, nicht der des Raums, sondern der der Zeit:
„In unserer Zeit, wo die Menschen mit immer größerer Vorliebe Weisheit und Wissen und Wissen mit Informiertheit verwechseln und Lebensfragen mit den Mitteln einer technisch-mechanischen Begriffswelt zu lösen suchen, entsteht allgemach eine neue Art des Provinziellen, der man vielleicht schicklicherweise einen anderen namen geben sollte.
Es ist eine Provinzialität nicht des Raumes, sondern der Zeit; eine Provinzlerhaftigkeit, für die die Geschichte nichts weiter ist als eine Chronik menschlicher Planungen, die der Reihe nach ihre Schuldigkeit getan haben und dann zum alten Eisen geworfen worden sind.; eine Provinzlergesinnung, der zufolge die Welt ausschließlich den Lebenden angehört, während die Toten keinen Anteil an ihr haben.
Das Gefährliche an dieser Art Provinzialität besteht darin, daß wir zusammen, sämtliche Völker des Erdballs zu Provinzlern werden können; wem es nicht paßt, provinziell zu sein, der kann dann nur noch Einsiedler werden.“

T.S. Eliot aus seinem Essay über Vergil aus dem Jahre 1944.
Wie aktuell!

„Ich sehe , daß mir widerfahren ist, was Schriften geschieht, die durch langes liegen
zusammenkleben: man muß das Gedächtnis gleichsam ausrollen und von Zeit zu Zeit
alles ausschütten , was sich dort angesammelt hat.“
SENECA

Politische Blogs sind heute zu einem wichtigen Medium der aktuellen politischen Debatte
mutiert.
Es gibt alleine in Deutschland politische Blogs wie Sand am Meer.
Linke, Rechte, Liberale, etc.
Diese Blogs sind von großem Unterhaltungswert, teilweise auch sehr informativ.
Sie sind oftmals amüsant ,geistreich und vermitteln bisweilen auch neue Denkanstöße.
Trotzdem irgendetwas stört mich an diesen Blogs, ich rede dabei nicht von anderen Meinungen oder abwegigen Behauptungen.
Vielleicht liegt es an der mangelnden Reflektion bei der Thematisierung aktueller politischer Themen.
Möglicherweise auch an der mangelnden historischen Betrachtungsweise politischer Sachverhalte.
Problematisch wird es dann, wenn Blogs die einzige Quelle der politischen Information gewurden sind.
Ich habe so das Gefühl, das nicht wenige der betreffenden Personen einen wesentlichen Teil ihres politischen Wissens aus Blogs beziehen.
Man liest den Blog von A, dann wieder von B, kloppft sich gegenseitig auf die Schulter und verteilt Komplimente.
Das eigene Weltbild wird somit bequem bestätigt, verfestigt sich und entwickelt sich schließlich zu einer geistigen Klerose die direkt ins Dogma führt.
Selbst politische Blogs, die von sich Behaupten die Offene Gesellschaft zu vertreten, sind nicht frei von dieser Tendenz.
Menschen mit starken politischen Überzeugungen lesen immer nur Blogs mit ähnlicher politischer Ausrichtung.
In der Regel werden dort aktuelle Ereignisse , mit genehmen Zeitungsartikeln garniert und zur
Diskussion freigegeben .
Gelegentlich wird auch mal eine gegenteilige Meinung veröffentlicht um diese gleich wieder
zu falsifizieren, zu zerlegen und zu entlarven.
Es entsteht somit eine Scheinöffentlichkeit, den die Grundrichtung steht schon vorher fest.
Der Diskurs, wenn überhaupt vorhanden, bewegt sich in engen Grenzen.
Das Ereigniss A wird dem Weltbild B angepasst, zurechtgestutzt damit es in den ideologischen
Kontex passt.
Die Diskutanten begießen dann das jeweilige Thema mit ihrem Senf und fertig ist das Bloggericht.
Die meisten politischen Blogs sind Fast Food für Dreiviertelgebildete.
Die Blogs haben somit die Funktion des Stammtisches und der Debatierclubs angenommen und übernommen.
Blogs befördern einen gewissen Provinzialismus, nicht der des Raums sondern der der Zeit.
Manche politische Blogger verwechseln dabei Weisheit mit Wissen und Wissen mit Informiertheit.

K. ´s Besuch in Berlin verging mal wieder viel zu schnell.
Zusammen mit S. haben wir am Samstag J. Einweihungsparty besucht.
K. lies es mal wieder richtig krachen und auch S. lies nichts anbrennen.
Durch eine List gelang es ihr einen , ihr näher bekannten Schüler, abzuwimmeln und von dem Besuch der Party abzuhalten.
Dadurch war sie aller moralischen Pflichten entbunden und haute ordentlich auf den Putz.
Es war eine Wonne den beiden Grazien bei ihrer Tanzdarbietung zusehen zu dürfen.
K.´s ungarische Gene kamen ihr mal wieder zu gute.
Wie eine scharfe Paprika, ja wie eine enthemmte Piruschka aus der Pusta, fegte sie über
die Tanzfläche und brachte so manchen männlichen Gast ins schwitzen.
Meine Kamera war wie immer anwesend.
Unter www.flickr.com findet ihr die Picts.
Viel Spaß!

Der Terror kommt nach Deutschland.
Es wird knallen.Wenn nicht morgen, dann übermorgen.
Langsam dämmert es Lieschen Grünwähler und Gustaf Gutmensch, das keine Friedensdemo,
keine Peace-Flagge und kein USA oder Israel-Hass, als auch kein regelmäßiger Falafel-Verzehr
daran etwas ändern wird.
„Aber nein, wir stehen auf keinen Terrorlisten“, sagte mir eine befreundete promovierte Politologin vor einiger Zeit und argumentierte mit der angeblichen Friedenspolitik der
letzten Bundesregierung.
„Was versuchen die Täter zu bezwecken?“ fragt DF auf seiner Homepage und aufgeregt wird versucht die Ereignisse und die Bedrohung in rationale Erklärungskanäle zu gießen.
Die Absicht und Motive des Islamistischen Totalitarismus entziehen sich aber rationalen
Motiven und Erklärungsansätzen und sind lediglich getragen von Nihilismus, Suizidalität und
Mordlust.
Dieser Terror zielt auf den Kern „Offener Gesellschaften“ und ist dabei bisher höchst erfolgreich.
Keineswegs sind die Täter an einem sozialen Aufschrei, einer Verbesserung der Massenarmut und der politischen Ungerechtigkeiten in weiten Teilen der islamischen Welt interessiert.
Die Terrorwellen der letzten Jahre sind inspiriert von den Thesen von Sayed Qubt dem Godfather des islamistschen Terrors, sunnitisch, wahabitischer Provenienz.
Nach seiner Auffassung gibt es heute keine islamische Gesellschaft mehr, auch nicht in islamischen Ländern.
Erst auf den Trümmern dieser Welt wird das weltumspannende Kalifat errichtet, also der islamistische Einheitsstaat.
Nicht umsonst sind die meisten Opfer islamistischen Terrors Muslime in islamischen Ländern.
Ob nun Hotelangesellte und Passanten in Bali , Sharm-El-Sheik oder die Bevölkerung des Irak,
die einer blutigen Orgie von Terror und Gewalt ausgesetzt ist, die Züge eines Völkermordes trägt.
Sayed starb vor 40 Jahren am Galgen des arabischen Nationalisten, dem Rais von Ägypten
Gammar Ab dal Nasser.
Vor knapp vierzig Jahren, scheiterte auch das Konzept des arabischen Nationalismus, in der
verheerenden Niederlage der arabischen Staaten gegen Israel.
Welche Folgen ein Terroranschlag á la Madrid , London, Tel Aviv, Bagdad oder Bombay auf das
gesellschaftliche Klima in der Bundesrepublik haben wird, bleibt ungewiss und ist zur Stunde
spekulativ.
Ein Volk das sich so sehr vor Veränderung fürchtet, das sich durch Harz 4 existenziell bedroht fühlt und vor allem schon seit 61 Jahren keinen Krieg mehr erlebt hat,(Die längste Phase in der
jüngeren Geschichte) ist mehr als Prädestiniert der perversen und perfiden Taktik der islamistischen Blutsäufer zum Opfer zu fallen.
Diese Taktik basiert auf Hass, Angst und Misstrauen, den Kern freiheitlicher , pluraler und
multhiethnischer Gesellschaften.
Südländisch sehen die Täter aus, so lautete die Aussage der Polizei.
Südländisch aussehende Männer wissen, welch Blicke und nervöse Reaktionen sie dieser Tage,
beim Betreten öffentlicher Verkehrsmittel ausgesetzt sind.
Vor fast einem Jahr habe ich Avishai Margalit, den Co-Autor des Buches „Occidentalism-The West in the Eyes of the enemie “ interviewt.
Ich fragte ihn damals nach der größten Gefahr für den Westen durch den islamistischen Terror.
„Islamophobie und der Abbau unserer Freiheitsrechte“, antwortete mir der israelische Soziologe .
Wenn wir uns als Westen aufgeben , von offenen Gesellschaften zu Angstgesellschaften wandeln,
hätte der Gegner gewonnen und es gäbe nichts mehr zu verteidigen.
Ein chinesischer Fluch lautet.“Ich wünsche Dir in interessanten Zeiten zu leben“.
Nun wir leben in interessanten Zeiten, in sehr interessanten.

Mein Filmdebüt

August 17, 2006

Hallo,

das ich ein begnadeter Journalist ,talentierter Fotograf und Deutschlands letzte
literarische Hoffnung,nach Günther Grass, bin ist Euch bekannt.
Damit aber nicht genug.
Ich habe auch noch einen Film in eigener Regie und mit eigenem Budget erstellt.
„Indian Summer in Berlin“ lautet der Titel.
Ich werde ihn bald bei den Filmfestspielen in Cannes und Venedig präsentieren.
Es handelt sich dabei um ein aktuelles Melodram und wird sicherlich eine Zäsur in der bisherigen Filmgeschichte darstellen.
Aber schaut doch bitte selbst.
Für die Prämiere gibt es noch einige , wenige ,Karten.
Bitte per E-Mail bei mir anfordern, 50,- Euro pro Ticket.
Aber jetzt präsentiere ich Euch einen kleinen Ausschnitt.
Setzt Euch hin, macht es Euch bequem und knabbert Popcorn.
Viel Spaß!! MVI_1582.AVI

Noch 48 Stunden

August 17, 2006


K.´s Ankunft in Berlin rückt immer näher.
Weniger als 48 Stunden verbleiben bis zu diesem ergreifenden, gesellschaftlichen
Spektakel.
Schon lange sind S. und ich der Meinung,K. sollte sich dauerhaft an der Spree niederlassen.
Deshalb erhält sie von uns regelmäßig kleine Geschenke zum Abschied, die ihr den Umzug in die Hauptstadt und das Verlassen der Hansestadt erleichtern sollen.
Bisher waren unsere Bemühungen aber nicht erfolgreich.

Für den aktuellen Besuch haben wir uns deshalb etwas ganz besonderes einfallen lassen.
K. legt sehr viel Wert auf Ihre Unterwäsche, kein Wunder bei Ihrer Anzahl von flüchtigen Affären und One Night Stands.
Ihre Dessous sind deshalb nicht nur ein Mittel der Verführung sondern auch ein Ausdruck Ihrer Persönlichkeit.
Mit diesen Textilien verführt Sie nicht nur ihre männlichen Bekanntschaften, sondern vermittet auch Botschaften.
In einem kleinen Szene-Laden, in Kreuzberg hat S. gestern das passende Geschenk gekauft.
Liebe geht bei K sprichwörtlich durch die Unterwäsche, deshalb erhält Sie von uns am Sonntag, zum Abschied folgendes Exemplar.
Wie gefällt es Euch?
Ach ja, es handelt sich natürlich um eine Überraschung, deshalb behandelt die ganze Aktion bitte diskret.

Urlaub im November

August 17, 2006

Gestern habe ich mit meinem guten, alten Kumpel C.H telefoniert.
C.H ,das ehemalige männliche Supermodel des späten 20.Jahrhunderts, ist aus seinem
Londoner Exil zurückgekehrt und lebt aktuell bei seinen Eltern in einer Ortschaft
mit dem Namen Klein-Pampau(gibt es wirklich).
Bis vor kurzem pendelte er noch regelmäßig zwischen Rio und Bangkok hin und her und ist nun täglicher Fahrgast in der Regionalbahn zwischen dem Wohnort seiner Eltern
und dem Hamburger Hauptbahnhof.
C.H und ich haben in den vergangen 10 Jahren viel erlebt und überlebt.
Nicht nur unser Fitnesstraining im Plaza-Hotel in Hamburg,diverse Modelparties ,
die Slums von Manila und die Jungel des Philippinischen Archipels, sondern auch unsere Wohngemeinchaft in der berüchtigten Caledonian Road in London,einschließlich überstürztem Auszug und geprellter Miete, etc.
Wie dem auch sei, Reisen mit C.H werden niemals langweilig und sind immer von einem gewissen Unterhaltungswert.
Deshalb fragte ich Ihn gestern ob wir nicht im November mal wieder auf die Phillipinen reisen wollen.
Unser letzter Trip dorthin liegt schon bald 9 Jahre zurück.
Er war nicht abgeneigt.
Nun wir werden sehen, ich glaube es erst wenn ich das Flugticket in der Hand habe.