Zitat des Tages

November 30, 2006

“ Freiheit ist vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen“

 George Orwell

Über Putin

November 30, 2006

In Ihrem Buch ,“Die Mutanten des Kremls“, schreibt die junge russische Journalistin  Elena Tregubova folgendes, nach einer ihrer ersten Begegnungen mit Wladimir Putin:“ Seine professionellen Agententricks in der Konversation waren zwar allesamt ziemlich klassisch und ohne weiteres vorhersagbar, aber die Art , wie er sie einsetzte , war virtuos. Ich weiß nicht, ob mit der Mimik, der Intonation, mit Blicken, doch im Gesprächsverlauf suggerierte er, daß wir demselben Kreis angehörten und die gleichen Interessen hätten. Obwohl es keinerlei logischen Grund dafür geben konnte. Im Gegenteil-alle Fakten bezeugten , daß er der komplette Gegensatz von mir war. Ich begriff , daß er bloß ein genialer „Reflektor“ war, der seinen Gesprächspartner  wie ein Spiegel kopiert, um ihn glauben zu machen, daß man zusammengehört.Später hatte ich mehrfach Gelegenheit, diese phänomenale Gabe zu beobachten, wenn er mit Führungspersonen der westlichen Staten zusammentraf, die er für sich gewinnen wollte. Dieser Moment ist sogar auf manchen ofiziellen Fotos eingefangen:Anstelle des russischen und des amerikanischen Präsidenten sitzen plötzlich zwei Bushs beeinander und lächeln sich an. Oder statt des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers und des russischen Präsidenten sitzen sich zwei Schröders gegenüber. Für einen winzigen Augenblick schafft es Putin, mit erschreckener Genauigkeit die Mimik seines Gegenübers zu kopieren, den Ausdruck der Augen , die Neigung des Halses, das Doppelkinn und sogar die Gesichtszüge. Dabei stellt er sich so geschickt an, daß sein Gegenüber es nicht bemerkt und sich einfach wohl fühlt. Und nicht einmal weiß, warum.“  

Nach Aussage Ihres Verlages, ist Frau Tregubova aktuell untergetaucht. Putin kennt Sie und ich bin sicher das Ihre Vorsichtsmaßnahmen nicht unbegründet sind. Ich werde in den nächsten Tagen einen offenen Brief an Gerhard Schröder schreiben und an dieser Stelle veröffentlichen. Möglicherweise findet sich auch eine Zeitung für einen Abdruck.Es kann nicht sein, das der Gaspromkanzler und Putinknecht ungestraft durch die Gegend tingelt und sein lächerliches Buch vermarktet, während in Moskau und London Menschen radioaktiv verseucht und kritische Journalisten umgebracht werden  Ich koche vor Wut.

„Rotten from within“ nannte L. die Zustände in Russland gestern am Telefon. Sollte die Beziehung zwischen Schröder und „dem lupenreinen Demokraten“ Putin irgendwann als Theaterstück aufgeführt werden, dann, ja dann unter diesem Titel:“Der Kanzler, das Gas und der Völkermord“Gibt es eigentlich im Völkerrecht einen § „Beihilfe zum Völkermord“ oder „Begünstigung einer Diktatur“? Wenn ja, sollte man eine Anzeige gegen Schröder in Erwägung ziehen. Ich bereite aktuell das Interview mit Elena Tregubowa vor. Es wird am 4. Dezember in der Zeitung „Das Parlament“ erscheinen. Ach übrigens, in der heutigen Ausgabe dieser Zeitung befindet sich mein Interview mit Peter Scholl-Latour. Auch zum Thema Russland.Klickt einfach auf die Homepage und dann auf die Rubrik“Das politische Buch“ oder schaut es euch auf meiner Homepage an.

   

Dinner mit George W. Bush

November 28, 2006

L. aus Lettland rief mich vorhin an. Er war sehr aufgeregt. Heute Abend, irgendwann gegen 19.oo Uhr, ist er zu einem Dinner mit George W. Bush und der lettischen Präsidentin Freiberga eingeladen. L. ist ein smarter Jungunternehmer aus einer kleinen Hafenstadt südlich von Riga. Er verkörpert den Typus eines jungen Unternehmers wie man ihn sehr häufig im Baltikum antrifft. Vor einigen Jahren hat er sich selbsständig gemacht. Zusammen mit einigen Freunden und Verwandeten hat L. damals, es war unmittelbar nach seinem Abitur, ein ehemaliges KGB-Gefängniss  gekauft und dort ein Museum plus einem Hotel errichtet. Zahlreiche Touristen besuchen inzwischen diese, zum Touristenidyll ,umfunktionierte totalitäre Horrorstätte. Für einen symbolischen Übernachtungspreis  kann man dort sogar auf einer unbequemen Holzpritsche, in einer ehemaligen KGB-Gefängniss-Zelle, übernachten.L. ging fälschlicherweise davon aus  das ich mich auch, anlässlich des heutigen NATO-Treffens, in der prachtvollen lettischen Hauptstadt aufhalte.  Er bestellte mir schöne Grüße von A.R, der charmanten Pressesprecherin der lettischen Präsidentin, und versicherte mir das diese nicht mehr sauer auf mich sei. Ich hatte damals in einem Artikel Riga als Bordell des Baltikums bezeichnet und bezog mich auf den grasierenden Sex-Tourismus in der lettischen Hauptstadt. „Schade ,  ich dachte wir könnten heute Abend die Stadt unsicher machen!. Wie damals in Narwa!“

Anfang des Jahres, hatten L. und ich uns in der östlichsten Stadt der EU, im estnischen Narwa kennengelernt. Anlässlich einer Veranstaltung ,war ich dort mit Dutzenden anderen Journalisten aus ganz Europa eingeladen.  Auf Kosten der örtlichen Gemeindeverwaltung und finanziert von den EU-Födergeldern, wurden wir im besten und einzigenHotel am Platze untergebracht und verköstigt. In der ersten Nacht hatten wir damals, bei klärendern Kälte und dichtem Schneetreiben, das örtliche Nachtleben erkundet. Dieses „Estonian Saturday Night Fever“ begann in der größten Disco der Stadt und endete in einem Wachhäuschen des ,ebenfalls von EU-Fördergeldern errichteten, estnischen Grenzschutzes. Narwa ist nicht gerade als Mekka für ausländische Nachtschwärmer bekannt. Die Stadt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Russland, nur der gleichnamige Fluss trennt dort Estland vom Imperium des Wladimir Putin, ist von einer beispiellosen AIDS-Pandemie betroffen wie man sie sonst eher in Afrika vermuten würde. Außerdem gehört Narwa zum Operationsfeld der russischen Mafia und wird von zahlreichen militanten Skinheads bevölkert, die gelegentlich ausländische Besucher, besonders wenn diese über ein levantinisches Aussehen verfügen, in ein blutigen Klumpen Fleisch verwandeln. Trotz dieser Rahmenbedingungen , machten wir uns gegen 22.00 Uhr auf den Weg in den besagten Tanztempel. Fast die gesamte Jugend, sofern sie nicht nach Tallinn, Helsinki oder London abgewandert war, traf sich  dort auf der Tanzfläche.Platinblonde Partygirls ließen ihre Becken kreisen und bewegten sich im Rythmus des importierten musikalischen Mülls.

Gegen 2 Uhr morgens , nach unzähligen Flirts und reichlich Wodka , machten wir uns auf dem Weg zurück ins Hotel. Das Schneetreiben hatte inzwischen apokalyptische Ausmaße angenommen , man konnte  seine eigene Hand nicht mehr vor den Augen sehen. Schließlich wurden wir ein Opfer der sowjetischen Stadtplanung und kamen vom Wege ab. Einge Minuten später standen wir an der EU-Außengrenze und schauten über das zugefrorene Flussbett auf das gegenüberliegende Iwangorod auf der russischen Seite.“Nur noch 100 Kilometer bis St Peterburg“ sagte L. „Wenn wir uns beeilen, können wir dort noch etwas Party machen!“, fügte er als Scherz hinzu.   

Plötzlich traten 5 Grenzbeamte auf uns zu. „Halt! Ihre Papiere“ riefen diese Uniformierten auf Russisch“  Man hielt uns für illegale Grenzgänger und forderte uns unsanft auf die Beamten, ins schon erwähnte Grenzhäuschen, zu begleiten.Dort angekommen, klärte sich das Mißverständniss sehr schnell auf. Man entschuldigte sich tausendmal und fuhr uns direkt ins Hotel.Während ich in der Badewanne meines Hotelzimmers langsam wieder auftaute, beschloss ich ein Buch mit dem Titel „An den Grenzen der EU „anzufertigen und mich noch so lange wie möglich ,nicht meinem Alter entsprechend, zu verhalten. „Ich schicke Dir morgen ein paar Fotos vom mir und George W. Bush“ sagte mir L. zum Ende des Gespräches und lud mich abschließend , zum wiederholten Male, in sein KGB-Hotel ein.

Der Lidl am Innsbrucker Platz

November 27, 2006

                                                       @Ramon Schack

Der Lidl-Markt, direkt an der U-Bahn-Station Innsbrucker-Platz, ist ein sehr interessanter Ort. Anschaulich lassen sich dort die Auswirkungen von falscher staatlicher Wohlfahrt und deren Folgen für die Gesellschaft studieren. Bis vor kurzem war dieser Supermarkt, zusammen mit einer anderen Filiale, das einzige Geschäft Berlins dieser Art welches täglich-Sonntags und Feiertag inklusive- bis 21.00 Uhr geöffnet hatte.Begünstigt durch die geographische Lage, in unmittelbarer Nähe der Ringbahn, trifft man bei einem Einkauf auf einen Querschnitt der Bevölkerung Berlins. Begibt man sich die Rolltreppen abwärts , ich erwähnte schon das sich der Supermarkt an einer U-Bahnstation befindet, empfängt einen nicht nur der nackte Beton einer mißlungenen architektonischen Gestaltung, einer sozialdemokratischer Geschmacksverirrung, sondern auch ein beißender Gestank aus menschlichen Fäkalien, verderbenden Lebensmitteln ,getrockneten Schweiß, Alkoholfahnen und billigen Parfüms.Besonders am Wochenende, kurz vor Landenschluß, gleicht der Einkauf in eben diesem Supermarkt einem psychedillischen Horrortrip, einer surrealistischen Endzeitvision eines untergehenden und scheinbar aus allen Fugen geraten Sozialstaatsregime. Dutzende von Obdachlosen, diverser Mundart und beiderlei Geschlechts , haben sich zusammen mit ihren vierbeinigen Begleitern , links und rechts der Eingangstür platziert und strecken dem flüchtigen Besucher ihre Spendenbüchsen entgegen.Gelegentlich brennt eine Mülltonne und eine Rauchwolke aus glimmendem Plastik, Kunstoff und Essensresten, wabert dann durch die Gänge und treibt den Einkäufern und Passanten die Tränen in die Augen. Im Supermarkt selbst drängen sich bildungsferne Familien , reißen sich um die übriggebliebene Ware, die meistens lieblos und ohne Sinn für Verkaufsstrategie in die Regale gestopft wurde. Ghettokids aus Neukölln treffen hier auf verbitterte SED-Altlasten aus Schöneweide, die Kulturtunte vom Nollendorfplatz ist ebenso anzutreffen wie der Sowjetmensch aus Nowosibirsk.Man wälzt sich gemeinsam durch die übervölkerten Reihen , schiebt sich gegenseitig die Einkaufswagen in die Hacken und fühlt sich in den gegenseitigen Ressentiments bestätigt.Höchst demokratisch trifft, an den meistens sehr langen Schlangen vor den Kassen  ,der Malocher auf den Beamten, das Discoluder auf den Jungmacho, Gerda Grünwähler auf Norbert Nazischwein ,die Burka auf die Bomberjacke. S., die Traumdozentin, wurde dort schon lange nicht mehr gesehen“Also das ist nicht meine Welt. Das kannst Du nicht von mir verlangen!“ entgegnete Sie mir theatralisch, als ich Sie neulich bat -vor einem Besuch bei mir- dort noch eine Flasche Sekt zu kaufen.

Weisheit der Woche

November 26, 2006

 „Ich bin kein Anhänger irgendeiner Idee oder irgendeines Anführers, ich bin immer Dissident.Vertrauen habe ich nur in das jeweilige Individuum, aber in dieses habe ich ein großes Maß an Vertrauen.Der Tod des Individums bedeutet den Tod des kritischen Geistes, in letzter Instanz des Menschlichen  überhaupt.“

Mihail Sebastian

„Wie ich zum Hooligan wurde“ 1935

Hossein Derakshan, der „Godfather“ der iranischen  Webblogszene, war kürzlich in Berlin.

Ich finde es sehr schade erst  heute davon erfahren zu haben. Ein Besuch auf seiner Homepage lohnt sich immer. WWW.Hoder.com

Habe gestern A.M zufällig in der U-Bahn getroffen. Er saß mit einigen seiner Jünger, offensichtlich Studenten, zusammen und unterhielt das ganze Abteil mit seinen Anekdoten. Ein junges Mädchen, sie kam aus Südafrika, hing förmlich an seinen Lippen. A.M bemerkte ihren Blick und gefiel sich in diesem Scheinwerferlicht. Er stellte mich kurz vor und nannte mich den „Vertreter des neuen Subjektivismus“, was anscheinend ein Kompliment sein sollte. Im Laufe der  kommenden 10 Minuten erzählte er seinen Studenten alles, was ich bereits von ihm wußte. Wie er die Kanzlerin vor der Mehrwertsteuererhöhung gewarnt habe, aber auf ihn wollte Sie ja nicht hören. Wer alles heute bei ihm abschreibe und seine Ideen klaue, etc. . Seine Reise nach Waschington vor einigen Wochen.. usw. , wie er vor vielen Jahren in Boston mit Bill Clinton an einer Hotelbar plauderte… „Sie kennen Bill Clinton?“ fragte die Südafrikanerin begeistert“Oh ja, das möchte ich wohl sagen. Seine Frau , die Hillary, aber noch viel besser.!“, gab A.M lautstark zu verstehen und schaute sich dabei interessiert die Blicke der, von einem öden Arbeitsalltag und einem überschaubaren Leben gezeichneten , Mitreisenden an. Er sah genauso aus wie vor 13 Jahren, als wir uns in New York City  zum ersten Mal begegnet sind. Jung ist er geblieben der gute, alte A.M. Das muß man ihm lassen .An der Station Wittenbergplatz stieg ich aus. „Ruf mich an, ruf mich unbedingt mal wieder an  und besuche meine Vorlesungen, “ rief er mir noch hinterher bevor er sich wieder seinen Studenten widmete.

Provinzielles aus dem Postamt

November 22, 2006

„Ist Polen eigentlich in der EU?“ fragte heute eine Beamtin im Postamt ihre Kollegin.“Keene Ahnung, wa!“ entgegnete die Angesprochene, eine Dame mit Margot Honecker-Frisur.

„Ist Polen eigentlich in der EU?“ fragte dieBeamtin erneut, diesmal in Richtung der in der Schlange vor ihrem Schalter wartenden Kundschaft .Ein Schweigen breitetet sich aus und waberte durch die stickige Halle der Filiale dieses halbstaatlichen Konzerns. „Ja Polen ist seit über 2 Jahren Mitglied der EU!“, antwortete ein älterer Herr, Typ pensionierter Studienrat und Angehöriger des überschaubaren Kreises des berliner Bildungsbürgertums. „Kann ja keener wissen, wa“! antwortete die Beamtin vergnügt und zwinkerte dabei lustig in die Runde .Die Szene ereignete sich heute in einem Postamt in Berlin-Zehlendorf, rund 100 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt.Die betreffende Dame ist Mitarbeiterin eines Unternehmens das sich selbst als GLOBAL PLAYER bezeichnet.

“ Der Horizont der meisten Berliner ist nicht so groß wie der ihrer Stadt“,   schrieb Kurt Tucholsky 1928. Dieses Zitat wurde mir heute auf eine beklemmende Art bestätigt. Mal wieder!

Die Mutanten des Kreml

November 21, 2006

Ich lese aktuell „Die Mutanten des Kreml“von Elena Tregubova.

Das Buch ist so etwas wie ein Schlag in die  grinsende Fresse  von Altkanzler und Gaspromfürsten Gerhard Schröder .

Man sollte  diesem Individum, bei seiner nächsten Buchpräsentation, das Werk der jungen russischen Journalisten Elena Tregubova buchstäblich um die Ohren schlagen und seinem Hofliteraten, Günther Grass ,gleich dazu.

Jetzt aber wieder etwas sachlicher. Elena Tregubova ist eine junge russische Journalistin und war Mitarbeiterin der Tageszeitung „Kommersant“.Einst wurde Sie von Wladimir Putin umworben und entwickelte sich später zu seiner schärfsten Kritikerin.

“ Für mich persönlich ist das heutige Rußland Putins ein Land, in dem man mich zunächst bei der Zeitung feuerte-dafür, daß ich in meinem Buch die Wahrheit über Putin und seinem Kampf gegen die die unabhängigen Medien erzählt habe . Und dann versuchte man mich auch noch in die Luft zu sprengen, indem man mir eine Bombe vor die Wohnung legte. Das heutige Rußland ist für mich ein Land , in dem Putin mir Berufsverbot erteilt hat. Das heutige Rußland ist ein Land, in dem zur J.agd auf alle unabhängigen Journalisten geblasen wird….“

„Die Mutanten des Kreml“ ist im Tropen Verlag erschienen. Nach Aussage des Verlages kommt die Autorin im Dezember nach Berlin. Ich werde auf jeden Fall ein Interview mit Ihr führen. Hiermit erteile ich einen dringenden Lesebefehl.

Elena Tregubova

Die Mutanten des Kreml

Tropen Verlag GmbH Berlin 

K. hatte uns am vergangenen Samstag zu Ihrem 30.Geburtstag nach Hamburg eingeladen.

Am frühen Morgen bestiegen S. und ich den IC nach Hamburg um diesen epochalen Ereigniss beiwohnen zu können. S. ,die Traumdozentin, präsentierte sich in einem recht gewagten Outfit. Sie war  als Amazone gestylt. Eine hautenge, tarnfarbene Militärjacke, dazu einen recht kurzen Jeansrock und schwarze Lackstiefel, so stand Sie vor mir.Fast alle am Bahngleis versammelten Männer- und auch so manch herbe Dame – warfen dieser Augenweide wohlwollende Blicke zu.

Auch während der Zugfahrt, als S. und ich uns zum Bordbistro begaben, verstummten die Gespräche bei unserem Gang durch die Abteile und ein Raunen ging durch die Menge. Wer ist diese unbekannte Belle de jour, diese Femme fatale, die da durch  die Reihen mit gekonnten Hüftschwung eilt. Lediglich meine Anwesenheit, da bin ich sicher, verhinderte unzählige Annährungsversuche und Belästigungen seitens der männlichen Mitreisenden.“Que bonita eres?“ stammelte ein spanischer Passagier als S. sich  anschickte neben ihm Platz zu nehmen.“Buenos Dias“ erwiederte S. sachlich distanziert.

In der Hansestadt angekommen ,bereitete uns K. ein charmanten Empfang. Munter plaudernd begaben wir uns zu dritt in die Abgründe des hamburger U-Bahnsystems.K. erzählte uns von ihren Shanghai-Plänen und erntete aufmunterte Kommentare. Während wir auf den nächsten U-Bahn-Zug warteten drängte ein Ehepaar, Typ Prekariat, an uns vorbei. „Mach Dich nicht so dick!“ schnauzte der Popelbremsenträger, während er mit seiner stark übergewichtigen Tussi , die eher einem Brauerei-Gaul als einer Dame glich, an uns vorbei ging. „Sollen wir etwa auf die Gleise fallen?“ fügte die Dicke hinzu.“Ein kleiner Schritt für Sie, ein großer für die Menschheit!“ erwiederte K. spontan. Während der Fahrt zu K´s Domizil ,diskutierten wir angeregt die Vorteile von Zwangssterilisation für gewisse Bevölkerungssegmente.  

Während K. uns in Ihrer Wohnung mit Kaffe und und ungarischen Kuchen verwöhnte, die beiden Ladies sich über frauenspezifische Themen unterhielten, lies ich meinen Gedanken freien Lauf.War es wirklich schon, auf den Tag genau, 10 Jahre her als ich ich mit K. ihren 20. Geburtstag in der Bar des Radisson SAS gefeiert hatte. Damals hatten wir uns zufällig auf dem Jamiroquai-Konzert getroffen. Zusammen mit P.A hatten wir uns anschließend in die Bar namens „Top of the Town“ begeben und es zünftig krachen lassen.“Cosmic Girl“ war der Hit des Abends, der noch  heute in meinen Ohren klingt. Konnten wir damals schon ahnen das wir nur einige Jahre später durch die Gassen von Old Dehli laufen sollten oder eine schöne Zeit in dem Loft in Brooklyn verbringen würden.Ein Jahrzehnt verweht, war es nicht gestern. 

Als die Mädels begannen ,sich ihre Lippen mit dem Farbton Jungelrot zu verschönern, begab ich mich zu meiner liebenswerten Ex-Komilitonen G., der kaschubischen Perle, nur ein paar U-Bahnstationen entfernt.

G. wirkte noch schlanker als beim  letzten mal und erblühte in slawo-tatarischer Pracht. Mit Erschrecken stellten wir beide fast das wir uns 1 Jahr nicht gesehen hatten. G. zeigte sich etwas genervt von ihrer kolumbianischen Mitbewohnerin. Wir unterhielten uns über gemeinsame Bekannte unter Anderem auch über A.J ,ihrem Ex-Freund. A.J pendelt aktuell zwischen China und Taiwan hin und her. Er zeigt sich schockiert über die Bildungsdefizite seiner chinesischen Kollegen und die weitverbreitete  Inkompetenz.In Taiwan hingegen sei das Arbeitsumfeld durch Effizienz und Professionalität geprägt , die Menschen sind aufgeschlossener und das gesellschaftliche Klima ist angenehm. Später gab G. mir ein paar gute Tips bezüglich der Vermarktung meines Buchprojektes. Ich versprach ihr die ersten 50 Seiten in Kürze zu schicken. 

Auf dem Weg zu meinem nächsten Termin sah ich zufällig Eva Hermann am Gänsemarkt stehen. Ich lächelte freundlich und sagte hallo, worauf Sie sich , trotz hamburger Schmuddelwetter, grußlos eine Sonnenbrille aufsetzte. „Los Knipsos“, so hatte Sie mich damals ,während meiner Zeit als studentische Hilskraft beim NDR“Redaktion Aktuelles und Zeitgeschehen“, genannt, als ich ihr kurz vor Sendebeginn rgelmäßig den Programmablauf auf den Schreibtisch legte.  Schlagartig fiel mir ein, wie ich Sie abends nach der Sendung auf den Gängen des Funkhauses auf und ab gehen sah. Sie wartete auf T.O, den jungen Redakteur , der wenig später ihr Ehemann Nummer ,4,5 oder 6, sowie Vater ihres Kindes werden sollte. Nun war es Zeit meinen sehr guten Freund D.Z in seiner mondänen Penthouse-Wohnung, direkt an den Landungsbrücken ,aufzusuchen. Es war wohl der letzte Besuch dort. Zum Jahresende wird D.Z mit seiner Freundin nach Rumänien gehen. Ein lukrativer Job in der Schiffahrtsbranche , es hilft dabei natürlich wenn es sich bei dem Unternehmen um die Firma des eigenen Vaters handelt, macht diesen Umzug nötig.D.Z Sohn einer ägyptischen Koptin und eines hamburger Reeders,Cambridge-Absolvent und symphatischer Sonnyboy, erzähle mir von einem Erlebniss im hamburger Michel zu Heiligabend im vergangenen Jahr. Zusammen mit seinem, überwiegend in Los Angeles lebenden Bruder, begab er sich zum Gottesdienst in diese, auch als  hamburger Wahrzeichen fungierende, Kirche. Die beiden waren etwas spät dran und drängten sich mühsam durch die dichten Reihen der Messebesucher.“Hier ist doch keine Moschee“ grunzte ein ungebildeter Spießer, von der falschen Tatsache ausgehend Chrsten müßten blond sein und in offensichtlicher Unkentniss über die geographischen Ursprünge dieser Religion, die beiden an.“Meinen Bruder regt sich noch heute über diesen Vorfall auf“ erzählte mir D.Z während wir uns über die Vor- und Nachteile eines levantinischen Aussehens, in Zeiten der hysterisch um sich greifenden Islamophobie unterhielten.  Wir beide kamen zu dem Fazit, das nicht die Dummheit der Masse besorgnis erregend sei, die gab es schon immer, sondern vielmehr mit welcher Vehemenz und mit welchem Selbstbewußtsein sich diese heute äußert.Später trafen noch J.R und seine blutjunge Freundin ein, die mich durch ihren trockenen Humor begeisterte   „Wie habt ihr euch kennengelernt “ fragte ich Sie auf dem Weg zu K´s Party. „Im Internet“, antwortete Sie mir direkt.

K´s Party fand in den Räumlichkeiten des Erotik Art Museums statt. Bei unserem Eintreffen hatten sich schon zahlreiche Gäste eingefunden. S. stürmte auf mich zu“Gott sei dank , da seid ihr endlich, ich mußte mir gerade A.s politische Meinung anhören!“ 

N.K ,Redakteur bei Stern Online , war schon recht früh angeheitert. Er lieh sich etwas Geld von mir und war wenig später spurlos verschwunden. Zuvor berichtete er mir im lallenden Tonfall das er vor vielen Jahren mit S. einmal geknutscht habe und das er Berlin nicht mag. F.J stellte uns seine peruanische Freundin vor, von der S. behauptete das sie komisch sei.“Mit Latino-Frauen komme ich nicht klar!“, flüsterte Sie mir ins Ohr während Sie mich auf die Tanzfläche zerrte. K hatte sich zur Feier des Tages in ein Kleid Baujahr 45 gezwängt. Sie sah ganz bezaubernd darin aus und erschien mir fast wie eine Darstellerin in einem nachträglich kolorierten frühen Hitchkock-Streifen .

Die Party endete früh am Morgen, später trafen wir uns noch in einem Café in der Schanze. K´s Mutter war auch anwesend und behauptete ich habe zugenommen was mir aber gut stehen würde. „Sieht Männlich aus!“ stellte Sie fest.

D.Z fuhr S und mich zum Bahnhof. S. bestieg den Zug nach Berlin, während ich auf den Regionalexpress Richtung Norden wartete.Ich hatte mich noch für einen Kurzbesuch bei meinen Eltern angemeldet.

„Wenn ich auf eines in meinem Leben stolz bin, dann auf meine Freunde!“  sagte ich zu mir selbst, während ich in den Zug einstieg