Der Lidl am Innsbrucker Platz

November 27, 2006

                                                       @Ramon Schack

Der Lidl-Markt, direkt an der U-Bahn-Station Innsbrucker-Platz, ist ein sehr interessanter Ort. Anschaulich lassen sich dort die Auswirkungen von falscher staatlicher Wohlfahrt und deren Folgen für die Gesellschaft studieren. Bis vor kurzem war dieser Supermarkt, zusammen mit einer anderen Filiale, das einzige Geschäft Berlins dieser Art welches täglich-Sonntags und Feiertag inklusive- bis 21.00 Uhr geöffnet hatte.Begünstigt durch die geographische Lage, in unmittelbarer Nähe der Ringbahn, trifft man bei einem Einkauf auf einen Querschnitt der Bevölkerung Berlins. Begibt man sich die Rolltreppen abwärts , ich erwähnte schon das sich der Supermarkt an einer U-Bahnstation befindet, empfängt einen nicht nur der nackte Beton einer mißlungenen architektonischen Gestaltung, einer sozialdemokratischer Geschmacksverirrung, sondern auch ein beißender Gestank aus menschlichen Fäkalien, verderbenden Lebensmitteln ,getrockneten Schweiß, Alkoholfahnen und billigen Parfüms.Besonders am Wochenende, kurz vor Landenschluß, gleicht der Einkauf in eben diesem Supermarkt einem psychedillischen Horrortrip, einer surrealistischen Endzeitvision eines untergehenden und scheinbar aus allen Fugen geraten Sozialstaatsregime. Dutzende von Obdachlosen, diverser Mundart und beiderlei Geschlechts , haben sich zusammen mit ihren vierbeinigen Begleitern , links und rechts der Eingangstür platziert und strecken dem flüchtigen Besucher ihre Spendenbüchsen entgegen.Gelegentlich brennt eine Mülltonne und eine Rauchwolke aus glimmendem Plastik, Kunstoff und Essensresten, wabert dann durch die Gänge und treibt den Einkäufern und Passanten die Tränen in die Augen. Im Supermarkt selbst drängen sich bildungsferne Familien , reißen sich um die übriggebliebene Ware, die meistens lieblos und ohne Sinn für Verkaufsstrategie in die Regale gestopft wurde. Ghettokids aus Neukölln treffen hier auf verbitterte SED-Altlasten aus Schöneweide, die Kulturtunte vom Nollendorfplatz ist ebenso anzutreffen wie der Sowjetmensch aus Nowosibirsk.Man wälzt sich gemeinsam durch die übervölkerten Reihen , schiebt sich gegenseitig die Einkaufswagen in die Hacken und fühlt sich in den gegenseitigen Ressentiments bestätigt.Höchst demokratisch trifft, an den meistens sehr langen Schlangen vor den Kassen  ,der Malocher auf den Beamten, das Discoluder auf den Jungmacho, Gerda Grünwähler auf Norbert Nazischwein ,die Burka auf die Bomberjacke. S., die Traumdozentin, wurde dort schon lange nicht mehr gesehen“Also das ist nicht meine Welt. Das kannst Du nicht von mir verlangen!“ entgegnete Sie mir theatralisch, als ich Sie neulich bat -vor einem Besuch bei mir- dort noch eine Flasche Sekt zu kaufen.

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24 Responses to “Der Lidl am Innsbrucker Platz”

  1. Moritz Says:

    🙂 – 🙂 – 🙂
    Es ist nicht der einzige Laden dieser Art: Der Lidl am Ostbahnhof hat auch jeden Tag sogar bis 22 Uhr offen.
    Der Zustand ist aber in etwa der selbe. Daher habe ich gerade wieder ganz schön losgeprustet.

  2. Moritz Says:

    Oh Mann. Man sollte nach einem langen Tag genau lesen was man kommentiert.
    Da steht ja sehr wohl, dass es noch einen anderen Supermarkt dieser Art gibt.
    Vielleicht solltest Du eine Funktion zum editieren der eigenen Beiträge einbauen. Bei Flickr war mir die auch schon sehr oft nützlich.

    .cheers

  3. Berliner Says:

    Viel zu übertrieben. Es ist zwar wahrlich nicht der schönste Supermarkt, aber so derbe negativ wie mit den Obachlosen und Fäkalien ist das da dennoch nicht. Aber okay….

  4. ramonschack Says:

    Lieber Berliner,

    gehe doch einmal heute-am Sonntag- dort einkaufen, vorzugsweise ab 18:00 Uhr.

  5. Sorhvar Says:

    Oh mann, ihr habt doch alle Langeweile…

  6. Jule Says:

    Ich war nur auf der Suche nach den Öffnungszeiten (heute ist Sonntag, 17.00) und landete hier (ach, Internet…). Kenne den Laden nur vom dran vorbei Eilen (wo er eher leer ist… kann an den regulären Zeiten liegen, an denen er mit diversen anderen Discountern konkurrieren muss…). Die Berufspunks und ihre Mitleidshunde stimmen. Geruch… na gut, Alkoholfahnen lass ich gelten, Fäkalien… da musst du einen üblen Tag erwischt haben. Ich lass mich überraschen, welchen gesellschaftlichen Querschnitt ich heute erwische. Wenns spektakulär wird, berichte ich…

  7. unwichtig Says:

    Genau solche Typen, die solche Beiträge wie oben verfassen, stehen am Sonntag um 7:30 vor der Ladentür, um sich ihren Tetrapak Wein zu holen.
    Dieser Text ist einfach mal zu stark überzogen…
    Ich kann aus eigener Erfahrung sagen (ich arbeite ja schließlich dort), dass dort nicht der „gesellschaftliche Abschaum“ verkehrt. Das es am Sonntag voll ist, ist ja wohl auch kein Wunder oder haben alle das notige Kleingeld um ihren Einkauf an der Tankstelle zu tätigen.

  8. Icke Says:

    Beschwerst du dich jetzt über dieses Geschäft oder freust du dich darüber, dass du einfach etwas gefunden hast, wo du deinen literarischen Aderlass vollziehen kannst? Meinst du nicht, da gibt es Themen, die etwas mehr hergeben? Wie wärs denn mal mit der Frage, WARUM

  9. Icke Says:

    Beschwerst du dich jetzt über dieses Geschäft oder freust du dich darüber, dass du einfach etwas gefunden hast, wo du deinen prosaischen Aderlass vollziehen kannst?

  10. Icke Says:

    Ach übrigens, Danke! Ich war auch bloß auf der Suche nach den Öffnungszeiten, weil ich es nicht mehr schaffen werde, bei mir einzukaufen; und so bin ich doch sehr froh, dass es diesen „Gesindelladen“ gibt.

  11. zufällig verirrt Says:

    Dieser Text, der sich offensichtlich am kreativen, wortmalerischen Limit des Autors befindet – und zwar am oberen -, zeigt eindrucksvoll, dass nicht einjeder als begnadeter Verfasser sozialsatirischer Kolumnen das Licht der Welt erblickt.

  12. Ёш Says:

    Ja ein sehr dreckiger Laden, was aber kein grund ist in dieser selbstdiskreditierenden form über die unterschichten einer von ignoranz nd blinheit durchzogenen gesellschaft auszulassen …

    schöngruss другселлер

  13. Clythoss Says:

    Och nu lasst mir doch den armen Reporter in ruhe. Er hats immerhin geschafft nen hetzenden Artikel zu schreiben ohne die Worte Killerspiel oder Terrorismus zu verwenden. Ist doch auch schon was. Wenn man sich dran gewöhnt hat Artikel dieser Art gedanklich durch einen „ich muss was provozierendes schreiben“ Filter laufen zu lassen ist es doch ganz ok.

  14. Sunny Says:

    Wenn Du Deinen Sekt bei Lidl kaufst (oder ihn Dir von dort mitbringen lässt), hast Du (oder das arme Schwein das Du für Dich einspannst) es auch nicht besser verdient…

  15. Toni Says:

    Also ich finde den Artikel (ist zwar mehr als 2 Jahre alt) sehr zutreffend und sehr lustig!!!
    Macht euch mal nicht alle in die Hose…
    Toni aus Schöneberg

  16. egalo Says:

    also ich kann auch nich gerade sagen das der laden einer zu meinen lieben gehört aber was ich sagen kann is das ich froh bin das es diesen laden mit diesen öffnungszeiten gibt…denn immer wenn ich noch paar sachen brauche weiss ich der hat offen… WAS ICH ABER SCHLECHT FINDE IST WENN MAN SONNTAGS NACH 18:00UHR HIN GEHT IS BEI BROT IMMER ALLLES LEER…
    GEHT EINFACH MAL SELBER ALLE HIN !!!! und schreibt dann mal nen text wo man knapp 2 jahre später immer noch drüber diskutiert 😉

    • berlinerdöner Says:

      ach mensch… wisst ihr, ich finds immer lustig wie berlin zu dem wird wie´s dargestellt wird! habt ihr neulich berlin calling gesehen? schöner film oder? hm aber ich hab den film im tacheles mit 50 jährigen turisten aus süddeutschland gesehen, soviel zu dem thema.
      der artikel ist nicht mal amüsant sondern arbeitet sich nur an jedem clichee ab das berlin zu bieten hat, sogar dem der morgenpost. hei zum glück tauchst du bei google unter dem stichwort innsbrucker-platz lidl ganz oben auf oder?
      nichts für ungut

      grüße vom ghetto insbrucker-platz

  17. ramonschack Says:

    Liebe Leser,liebe Lidl-Freunde,

    haben Sie vielen Dank für Ihr starkes Interesse an diesem Blog-Eintrag.

    Aufgrund Ihrer zahlreichen Kommentare und Kritiken, habe ich mich entschlossen diesen Beitrag einer Zeitung anzubieten.Dann verdiene ich noch etwas daran(Kann ich beim Lidl ja wieder ausgeben)und erreiche so noch mehr Leser.

    Ferne möchte ich Sie gerne bitten heute-am 7. Juni 2009- von Ihrem Wahlrecht gebrauch zu machen.

    Den Weg ins jeweilige Wahllokal können Sie ja mit einem Einkauf beim Lidl verbinden.

    Vielleicht trifft man sich ja dort einmal. Es würde mich sehr freuen.
    Vielen Dank!
    lG
    Ramon Schack

  18. robert Says:

    ich muss mich entschuldigen, ich wollte kein typisches journalisten/blogger basheing aus der anonymität des netzes heraus betreiben.
    (war noch zu besoffen und wollte bloss wissen wann ich was ausem lidl krieg) aber eigentlich mag ich lokele berichterstattung. noch ein schönen sonntag

    grüße

  19. ramonschack Says:

    Robin

    Kritik ist immer willkommen..

    Egalo

    danke für Deinen Kommentar nachträglich

  20. Tim Says:

    Ach Leutz,

    die Berichterstattung mag dahin gestellt bleiben…Ein paar Punkte treffen zu ein paar sind übertrieben. Fakt ist der liddl am Innsbrucker Platz hat immer offen (ich mein wirklich immer)! Und ihr Idioten diskutiert darüber who cares????
    Weiss auch nicht wie ich hier gelandet bin, wollte euch aber noch sagen nemmt die Dinge so wie sie sind und freut euch. Idioten

    liebste Grüße

    der Tim

  21. Enrico Says:

    Hallo Lidel am insburckerplatz ist wirklich nicht der Schöhnste Ort umm Einkaufen zu gehen aber so schlech machen das es dort nach Fäkalien Riecht ist es auch nicht. Aber ein sozialer Brenpunkt ist es. Spannend um Berlin mal anders Kennen zulerhnen

  22. unknown Says:

    seht her, da hat wohl ein FDP-wähler mal sein gut duftendes Immobillienbüro verlassen und dabei gemerkt, dass es noch eine andere Welt gibt…

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