Unheimliche Beobachtungen am Friedhof Friedrichsfelde

Januar 15, 2007

Gestern hielt ich mich rein zufällig, oder auch nicht, auf dem Friedhof Friedrichsfelde, tief im Osten der Hauptstadt, auf. Der Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurde, wie jedes Jahr, zu einer Promotionbühne der Linkspartei, ehemals PDS, bzw. SED ,umfunktioniert.Die gesamte Parteispitze, deren Fußvolk und Sympathisanten, hatten sich dort eingefunden, neben Vetretern von Verdi, der GEW, und diversen anderen Elementen, aus dem Restbestand der Kommunistischen Völkerwanderung. Dauerstudenten mit Dreadlocks sah man ebenso wie , wie gutmenschelnde Veganer aus Kreuzberg. Prädominant war aber ein anderer Menschentypus der, trotz des heiteren Frühlingswetters, dem Szenario eine unheimliche Note verlieh. Die Rede ist von den, inzwischen gealterten , Kasernenhof-Sozialisten, Stasi-Schranzen und NVA-Generälen, also den Leuten, die noch 1989 ,im Auftrag der damals allmächtigen Staatspartei, Demonstranten niederknüppelten und mißhandelten, die es gewagt hatten sich auf ein Zitat von Luxenburg zu berufen welches wie folgt lautet“Freiheit ist auch immer die Freiheit der anders denkenden“. In der braungrauen Menge stachen die eiskalten Gesichtszüge von Sahra Wagenknecht hervor, dieser ewiggestrigen Vorzeige-Stalinistin, der man am liebsten ein paar Monate Sommerfrische im „Gelben Elend“ von Bautzen verordnen würde, und zwar unter den gleichen Bedingungen wie die ehemals politischen Gefangenen der DDR.   Ich mischte mich unter das Volk und fragte einige der Anwesenden, was sie von dem  neuen Gedenkstein, welcher den Opfern des Stalinismus gewidmet wurde, halten. „Das ist doch eine Provokation!“ erzürnte sich ein Tattergreis, wobei mir nicht ganz klar war ob er damit meine Frage oder den Gedenkstein meinte. „Wir haben es nicht nötig uns unsere Geschichte von Fremden erklären zu lassen!“ schnautzte eine ehemalige Lehrerin für Staatsbürgerkunde. „In der DDR gab es keine Armut und keine Drogen!“ fügte die Margot-Honecker -Pädagogin hinzu. „Auch nicht so viele Ausländer , oder?“ fragte ich hinterher. „Ja auch nicht so viele Ausländer, wenn Sie es genau wissen wollen. Ich bin nicht ausländerfeindlich, aber Volk soll immer bei Volk bleiben!“, gab sie mir zu verstehen und wiederholte dabei, wohl eher unwissend, eine NPD-Parole.  Während der Zeremonie beobachte ich Lothar Bisky wie er, zusammen mit Hans Modrow, einen Blumenstrauß an der Gedenkstätte ablegte. Dieser nicht unsymphatische Mann hatte mir vor drei Jahren, nach einem Interview, über seine Wähler folgendes gesagt: „Das ist ein Milieu, indem ich mich nicht besonders wohlfühle und indem Sie sich auch nicht wohfühlen würden!“  Die arme Rosa Luxemburg  wird sich gestern auch nicht wohlgefühlt haben. Ich bin mir sicher, sie hat sich in ihrem Grabe umgedreht.

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5 Responses to “Unheimliche Beobachtungen am Friedhof Friedrichsfelde”

  1. anonym Says:

    sehr guter Beitrag


  2. […] Sie dazu auch:  https://ramonschack.wordpress.com/2007/01/15/unheimliche-beobachtungen-am-friedhof-friedrichsfelde/ Posted in Uncategorized […]

  3. Fritz N. Kohn Says:

    Wieso die arme Rosa Luxemburg? Sie scheinen von ihr nichts gelesen zu haben. Ihre politischen Anschauungen sind grauenhaft. Selbst Lenin konnte sich mit ihr nicht anfreunden.

  4. ramonschack Says:

    Lieber Fritz N. Kohn,

    vielleicht haben Sie nicht ganz Unrecht.

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