Mythos Diana

August 31, 2007

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Weiße Seegelboote glitten über die Alster, die Jugendstilvillen erstrahlten in ihrem schneeweißen Glanz.Wir befanden uns auf der Uferpromenade in Winterhude, die wunderschöne M.B und ich. Das Wetter, an diesem Tage in Hamburg, war besser als heute in Berlin. Eine Bilderbuchidylle, so wie diese Zeit ,vor einem Jahrzehnt, rückblickend etwas bilderbuchhaftes hat. Helmut Kohl war noch Bundeskanzler, Bill Clinton noch Präsident der USA, Tony Blair der neue Hoffnungsträger in Großbritannien, ich war nach Student.. Gegen Nachmittag zogen ein paar kleine Wolken auf, ein leichter kühler Wind begann zu wehen. Ein Freund von M.B trat hinzu, die beiden unterhielten sich in Farsi. M.B sagte mir dann:“Hast Du schon gehört , Diana ist Tod!“ Es war der 31. August 1997. 

Mythos Diana

„Jede Epoche , jede Gesellschaft braucht einen Mythos.Die Existenz von Mythen verdoppelt die Fläche, auf der sich unsere Vorstellung bewegt.Der Mythos ist gewissermaßen ein Vorbild ein Ideal, das unsere Gedanken und Handlungen die Richtung vorgibt.Eine Gesellschaft ohne Mythen verliert die Orientierung, den Sinn ihrer Existenz.“

Ryszard Kapuscinski

Es gibt in der heutigen Epoche, dem Zeitalter der Massenmedien, des virtuellen Wahnsinns, verschiedene Bedingungen die jemand erfüllen muß um zum Mythos zu werden.

-Der Tod muß plötzlich eintreten, unerwartet, auf dem Höhepunkt des Erfolges, der Prominenz. Zu einem Zeitpunkt wo von der Person noch viel zu erwarten wäre.

 –Man muß jung aus dem Leben gerissen werden. Der Tod liebt schöne junge Menschen. James Dean war 24,Ernesto Che   Guevara 39, Marilyn Monroe 36, Diana Spencer 36

 -Man muß Charme, Ausstrahlung und Charisma besitzen.

 -Man muß eine Celebrity sein, wie es die Amerikaner ausdrücken, der großen Welt angehören. Mit einem andauernden Platz in den Medien, unablässige Aufmerksamkeit,globales Interesse. Die Celebrities werden medial in zig Millionen Haushalte projeziert, deren Sorge, Niederlagen, Erfolge und Banalitäten. Der Tod dieser Menschen , wird von der Masse als persönlicher Verlust empfunden, als sei ein Familienmitglied dahingeschieden, ein Mensch, von dem man glaubt, diesen gut gekannt zu haben.

-Man muß vom mächtigen Establishment abgelehnt ,vefolgt und verurteilt werden, zumindest symbolisch.Außerhalb der vorherrschenden Hierarchien leben, deren Regeln ignorieren, wie ein ruheloser Ritter. Sich auflehnen, vergeblich nach einem Platz suchen, kämpfen und die medialen Mechanismen verstehen, akzeptieren und instrumentalisieren.

 Diana Spencer erfüllte all diese Bedingungen, litt unter ihnen, machte sich diese zu nutzen und fiel ihnen schließlich zum  Opfer.Diese ,viel zu früh, aus dem Leben gerissene Frau hat sich somit ihren Platz im Olymp der menschlichen Mythen gesichert.  Möglicherweise war es das beste was ihr passieren konnte. Sie starb auf ihrem Höhepunkt und wäre heute sicherlich nicht glücklicher als damals.

http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/10_todestag_diana_1.548800.html

http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/6968583.stm

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/meinung/682391.html

Zitat des Tages

August 30, 2007

Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit

Nicholas Chamfort

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Truman Capote,der Godfather des New Journalism, das literarische Wunderkind des Jetsets, fasziniert die Öffentlichkeit noch immer.Gerald Clarke hat eine neue Capote-Biographie geschrieben.

Die Veröffentlichung von“In Cold Blood„, dieses Meisterwerkes , leitete den Sterbeprozess Capotes ein. „Answered Prayers“ das nie vollendete Werk, schon der Vorabdruck im New Yorker löste einen gesellschaftlichen Skandal aus“, gab ihm den Rest.“Answered Prayers“ eine hasserfüllte, subjektive Abrechnung mit der Welt des Jet Sets, der Stars, der Happy Few“, einem Milieu zu dem er seit frühester Jugend uneingeschränkten Zugang hatte, er der Sohn einer Alkoholikerin, mit dem Geburtsort New Orleans, diesem verdächtigen , anrüchigem Mix aus Indianern, Schwarzen und Franzosen, zumindest aus der Perspektive der US-Ostküsten-Elite.  Plötzlich knallten die Türen zu , die ihm fast ein Leben lang offen gestanden haben .Einsamkeit und gesellschaftliche Isolation  waren der Preis.Ich bin schwul, ich bin süchtig, ich bin ein Genie„, diese Selbstbeschreibung seiner Persönlichkeit galt auch noch am Ende seines Lebens, als er sich hemmungslosen Orgien im Studio 54 hingab und zu einer lebenden Karikatur mutierte.Capote im Original zu lesen ist- bis heute -wie der Genuß von frischem Quellwasser.Capote schaffte nicht nur Weltliteratur,sein Leben war gelebte Literatur. Truman Capote war ein Genie. 

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/feuilleton/682167.html

TRUMAN CAPOTE (ENG)

1967 Israels zweite Geburt

August 30, 2007

Tom Segev gilt als einer der führenden postzionistischen Historiker Israels. „1967-Israels zweite Geburt“ lautet der Titel  seines neuesten Buches.

Tom Segev habe ich kürzlich interviewt:

Lesebefehl:

 http://www.juedische.at/

Im Februar habe ich den bekannten Filmemacher und Journalisten Georg Stefan Troller in Paris interviewt.

Trollers Interviewtechnik gilt als legendär, der gebürtige Wiener hat fast alle Größen des 20 Jahrhunderts interviewt.Mit zittrigen Knien betrat ich die Wohnung im 16 Arrondissement . „Ihre Fragen gefallen mir , machen Sie weiter!“, sagte Troller gleich zu Beginn des Gespräches. Ein schöneres Kompliment konnte ich mir nicht vorstellen.

Regelmäßig ist die Sendung Personenbeschreibungen(Troller interviewt und poträtiert Personen der Zeitgeschichte) noch im deutschen Fernsehen zu sehen.Jedesmal ein Genuß.

Anbei das Interview:

http://www.juedische.at/

Eine TV-Dokumentation von Georg Stefan Troller mit  Edith Piaf aus dem Jahr 1962.

Edith Piaf German TV interview 10-10-1962

Zitat des Tages

August 29, 2007

„Besser einander beschimpfen als einander beschießen“

Winston Churchill

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Islamisierung.Viele Menschen fühlen sich von diesem Phänomen bedroht. Keineswegs nur xenophober Pöbel oder notorische Rassisten.

Was man unter der „Islamisierung Europas “ versteht ist dabei so individuell  verschieden,wie die Menschen die sich vor dem Islam, bzw. der Islamisierung , die Grenzen sind aktuell semantisch fließend, fürchten.

Am 11. September, diesem schicksalsträchtigen Datum, wollte ein Bündnis aus verschiedenen europäischen  Organisationen, Parteien und Individuen  in Brüssel demonstrieren.Der amtierende Bürgermeister der belgischen Hauptstadt , Thieleman, hat diese Demonstration verboten. Mit der folgenden Begründung.

“Ich habe mich entschlossen, die Demonstration am 11. September “gegen die Islamisierung Europas” zu verbieten. Das Verbot einer Demonstration ist eine Verwaltungshandlung, die zu den Befugnisssen des Bürgermeisters gehört. Genauso ist es meine Aufgabe, Sicherheit und öffentliche Ordnung im Gebiet der Gemeinde sicherzustellen. Falls Entscheidungen, die ich fälle, nachteilige Folgen haben,

Seit 2001 habe ich ungefähr 3.500 Demonstrationen genehmigt und diese ist erst die sechste, die ich verbiete. Es ist eine solche Ausnahme für mich, eine Demonstration zu verbieten, dass dies ein Grund ist, meine Entscheidung öffentlich zu erläutern, umsomehr, als sie aus den unterschiedlichsten Gründen kritisiert wurde.

Die zuständigen Abteilungen der Polizei haben den Antrag auf Genehmigung der Demonstration geprüft und empfingen dazu unter anderem die Organisatoren. So konnten sie sich einen deutlicheren Eindruck verschaffen von den Absichten der Organisatoren, den Absichten und Rahmenbedingungen, die zu erwartenden Demonstrationsteilnehmer und die Reaktionen, zu denen eine solche Demonstration führen kann…

Aus dieser Prüfung wurde deutlich, daß diese Demonstration drohte, die öffentliche Ordnung zu stören und die Sicherheit von Sachen und Personen in Gefahr bringen konnte. Meine Entscheidung stützt sich auf den Bericht der Polizei.

Einige erstaunt das. Man beruft sich auf die Meinungsfreiheit und auf das Recht seine Überzeugung zu äussern. Lassen Sie mich dazu anmerken, dass es um die Meinungsfreiheit überhaupt nicht geht. Die Betroffenen sind hierin übrigens sehr geschickt und finden hierfür bei einer großen Anzahl von Medien Gehör.
Das Demonstrationsrecht findet da seine Grenze, wo Ruhe und Ordnung gestört werden. Hier sind für mich drei Punkte wichtig:

Zuerst und vor allem die Entscheidung, eine solche Demonstration auf einem symbolträchtigen Datum wie dem 11. September stattfinden zu lassen. Die Bedeutung hiervon ist natürlich, die terroristischen Aktivitäten von Islamisten einerseits zu vermengen mit dem Islam als Ganzes und allen Muslimen andererseits.

Darüberhinaus pflegen die wichtigsten Führer bestimmter Organisationen, die zu dieser Demonstration aufrufen, einen Diskurs – auch schriftlich – der diese ungerechtfertigte Vermischung bestätigt. Sie behaupten unter anderem, daß

“Islam und Demokratie nicht zusammengehen”,

und daß sie

“nicht an einen gemäßigten Islam glauben. Die Muslime werden temporär so tun als ob, aber das ist der schöne Schein. Sie schaffen eine Nebelwand um uns in die Irre zu führen.”

Mitglieder und Sympatisanten dieser Organisationen sind im Allgemeinen für ihr wenig friedliebendes Verhalten während solcher Veranstaltungen bekannt.

Was für meine Entscheidung keine Rolle gespielt hat, aber was ich doch in Erinnerung bringen will, ist, daß die gefährliche Mischung, mit der die Organisatoren der Demonstration uns konfrontieren, von der Art ist, daß sie zu Diskriminierung und Hass aufruft in Bezug auf Muslime, und dass sich das mittlerweile ausbreitet auf jeden, der kulturelle Bindungen an den Islam hat.

Diese Anstiftung zu Diskriminierung und Hass, die wir durchgehend als Rassismus und Fremdenhass bezeichnen, wird verboten durch eine große Anzahl internationale Verträge und wird sowohl durch unsere Gesetze als auch durch die europäische Gesetzgebung strafrechtlich verfolgt. Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat wiederholt Taten wie diese verurteilt.

In einem Urteil vom 21. April 2004, das später durch das Hohe Kassationsgericht bestätigt wurde, stellt das Berufungsgericht in Gent auf der Basis eines gleichartigen Amalgams in einem Urteil gegen eine politische Partei (Vlaams Blok), dass diese

wissentlich und willentlich zum Hass auf bestimmte Bevölkerungsgruppen anstiftet, nicht alleine wegen ihrer Nationalität, sondern zugleich wegen ihrer Abstammung (Lokalisation ihres Herkunftslandes, gegenseitige kulturelle Verbundenheit, die kriminogen sein soll, wegen ihrer Religion, ihrer Sitten, ja sogar Aussehen und Kleidung. Dies ist eine gesetzlich verbotene Form von Diskriminierung.

Persönlich stört es mich nicht, daß man an einer Religion Kritik übt. Das Recht auf Gotteslästerung ist in einer nichtkonfessionellen Demokratie ein Zeichen von Freiheit und Toleranz. Doch darf das nicht so weit gehen, daß Männer und Frauen um ihrer Überzeugungen und ihres Engagements willen der schlimmsten Verbrechen verdächtigt werden.

In unserer Gesellschaft haben wir uns einen langen Kampf geliefert, um zu erreichen, daß bestimmte Verhaltensregeln, die mit dem katholischen Glauben verbunden waren, nicht mehr als bürgerliches Gesetz jedem aufgezwungen werden konnten. Meines Wissens gibt es im Islam keine einzige religiöse Regel, die sich in gleicher Weise aufdrängt. Und nichts wird mich dazu bringen, zu beschließen, daß eine breite Mehrheit unserer muslimischen Bevölkerung hiernach fragen könnte.
Lassen wir zum Schluss nicht vergessen, daß Brüssel immer ein Beispiel für Toleranz und Offenheit gegeben hat für jeden, der hier lebt oder hier Zuflucht gefunden hat. Verschiedenheit, Kompromiss, Toleranz und das Abweisen der Extreme sind immer noch die Fundamente der Brüsseler Identität. Ich kenne meine Mitbürger: sie werden nicht wollen, daß ihre Stadt sich zur Haupststadt des Hasses auswächst.
Ich überlasse es jedem selber, hierüber weiter nachzudenken und sich auf der Basis dieser kurzen Reflexion eine eigene Meinung zu bilden. Für die Organisation der am 11. September geplanten Demonstration “gegen die Islamisierung von Europa” steht meine Meinung fest: sie findet nicht statt.

Diese Entscheidung ist falsch. Sie widerspricht den Prinzipien für die Europa steht. Wenn es in Europa möglich ist Demonstrationen zu erlauben , in denen Transparente mitgeführt werden mit der Aufschrift“Europe is the cancer -Islam is the answer“, bzw. neonazistische und kommunistische Manifestationen zu gestatten, dann ist diese Begründung als ein Umknicken zu bezeichnen, eine Unterwerfung und ein Appeasement.Persönlich halte ich nicht viel von den Organisatoren dieser Demo. Die xenophobe und seperatistische Partei Vlaams Belang gehört mit dazu.,ebenso wie der mysteriöse  Prof Dr. Ulfkotte“ Die Akte Islam“.

http://www.akte-islam.de/

Wenn diese Leute mir glaubhaft beweisen könnten, daß sie für ein säkulares Europa kämpfen, für das Vermächtnis der Aufklärung, die Verteidigung der „Offenen Gesellschaft“, dann, ja dann hätten Sie meine Unterstützung.Vielen dieser erwähnten Gruppierungen und Individuen nehme ich dieses Anliegen nicht ab.Dafür faselt man mir dort viel zu viel von den sog. „Jüdisch-Christlichen “ Grundlagen Europas, das neue Modewort dieser Bewegung.ohne genau erklären zu können was damit gemeint ist.Da tummeln sich neben besorgten Bürgern , auch viele Wölfe im Schafspelz.Aber darum geht es nicht,bzw. nur am Rande. Es geht hier um das Recht auf freie Meinungsäußerung, das in diesem Fall mit Füßen getreten wurden ist. Nicht zum ersten Mal, wohl auch nicht zum letzten Mal. Diese Entscheidung führt keineswegs zu einem friedlichen Zusammenleben von Völkern, Religionen etc..Das Gegenteil ist der Fall. Die Ressentiments gegen die „Moslems“, den „Islam“ und „die da Oben“ werden  zunehmen. Es werden politische Bewegungen enstehen, direkt aus der politischen Mitte, im Nadelstreifenanzug, die das politische Establishment ins schwitzen bringen werden. Die Partei „Vlaams Belang“ ist diesbezüglich ein Prototyp.

http://de.wikipedia.org/wiki/Vlaams_Belang

Warum New Yorker für Berlin schwärmen:

Lesebefehl:

 http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/feuilleton/681875.html

Foto des Tages

August 29, 2007

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Madrid/Spanien: Das Foto des Tages von Mike(El Madrileno) 

Für manche Menschen ist ihr Dorf die Welt, für andere die Welt ein Dorf.Jeder so wie er mag und kann.

Ein lesenswerter Beitrag aus der Spiegel-Online-Reihe“Wo Deutschland provinziell ist“.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,502281,00.html