Zitat des Tages:

Oktober 31, 2007

Manche leben mit einer so erstaunlichen Routine, daß es schwerfällt zu glauben, sie lebten zum ersten Mal.“

Stanislaw Jerzy Lec

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Foto des Tages

Oktober 31, 2007

Oh Really?

Chicago Illinois/USA von Erin

Erin dokumentiert  unermüdlich den Niedergang des öffentlichen Nahverkehrs in Chicago.

Als überzeugte Demokratin macht sie den amtierenden US-Präsidenten, den sie den „Fruitless GW Bush“ zu nennen pflegt, bzw. dessen Regierung ,für den Niedergang des öffentlichen Nahverkehrs in den US-Metropolen verantwortlich.

Zu diesem Foto schrieb sie ironisch:  

„Rep. Daniel Lipinski said the crisis involving mass transit in the Chicago region will be solved soon and should not affect  the city attracting the Olympics.“ 

Die Blätter der Kastanie ,vor dem Balkon meiner neuen Wohnung ,sind über Nacht gelb geworden.Dieser Wechsel von Grün zu Gelb erfolgte so plötzlich, so kompromißlos und unwiderruflich, daß kein einziges  grünes Blatt übriggeblieben ist.Nur helles, leuchtendes, brennendes Gelb und das dadurch um so deutlichere , kräftigere Schwarz des Stammes und der Äste.Wieder ein neuer Herbst, wieder ein Jahr das sich dem Ende zuneigt.

Auf dem Weg zur U-Bahn, ging ich durch den Park, und dort auf einer Bank zwei Jugendliche, so verweint, so unglücklich, so verzweifelt.Warum sind wir Menschen eigentlich jung, in einem Alter, wo wir nichts damit anfangen können?

Die unabänderliche Erosionskraft der Zeit,wir sind ihr schutzlos ausgeliefert, können diese höchstens akzeptieren.Schon 4 Jahre in Berlin, davor 2 Jahre in London, davor 7 Jahre in Hamburg,davor….wie sich die Jahre anhäufen, wie alles vergeht.

Eines Morgens, als sie an an der Steilküste zwischen Nizza und Villefranche entlangfuhren, spürte Louis eine seltsame Empfindung von Leichtigkeit und zugleich Benommenheit, und er hätte gern gewußt, ob es Odile ähnlich erging.Irgend etwas, von dem er sich später fragte, ob es nicht einfach seine Jugend war, etwas, das bis jetzt auf ihm gelastet hatte, löste sich da von ihm ab, so wie ein Felsbrocken langsam zum Meer hinabstürzt und in der Gischt verschwindet.“

UNE JEUNESSE/ Patrick Modiano

  

Zitat des Tages

Oktober 30, 2007

Jeder Erfolg, den wir erzielen, verschafft uns einen Feind.

Um beliebt zu sein, muß man  ein unbedeutender Mensch sein.“

Oscar Wilde

Foto des Tages

Oktober 30, 2007

HAWAII/USA

„The end of  a perfect day“, von Shadu

Daß es schlimm bestellt ist um diese Welt, ist kein Geheimnis, je mehr Tage ich durchlebe, um so trauriger fühle ich mich, um so lächerlicher erscheint mir das alles.Wenn ich je noble und tüchtige Menschen getroffen habe, waren die stets verlassen, ohne Hoffnung und jegliche Süße.Ich habe viele glückliche Narren gesehen, viele mächtige Schurken und konnte mich davon überzeugen, daß nur der auf Erden ein ruhiges Herz haben kann, der so niederträchtig ist, daß er das Böse wählt, oder so dumm und ungeschickt,daß er das Böse nicht spürt.Addio.“

Zygmund Krasinsky ist 23 Jahre alt, als er 1835 aus Neapel an seinen Freund Adam Soltan diese Zeilen schreibt:

Zitat des Tages

Oktober 29, 2007

Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben,alte Küsten aus den Augen zu verlieren.“

André Gide

Evelyn Hamann:1942-2007

Oktober 29, 2007

1942-2007

Nett, dieses Wort fällt mir ein wenn ich an Evelyn Hamann denke.Das war eine wirklich nette Dame.Dazu ,im Besitz einer unglaublichen, schauspielerischen, Begabung.

Vor ungefähr 10 Jahren lernte ich Frau Hamann kennen. So gut wie man , während Dreharbeiten für eine Serie, eine professionelle Schauspielerin halt kennenlernen kann.

Ich finanzierte mir damals mein Studium in Hamburg -unter Anderem -durch Rollen als Kleindarsteller in TV-Spots , Fernsehfilmen und eben Serien.Serien wie „Adelheid und Ihre Mörder„.Ich war halt jung und brauchte das Geld.Ach die „Goldenen Neunziger“

Als Barkeeper war ich gebucht, der Drehort befand sich in einer Bar in Hamburg St-Pauli.Die Garderobe hatte mich in ein schickes Bartender-Outfit gesteckt(glänzende Weste, weißes Hemd und Fliege), ;  Die Regie hatte mir meinen eher dürftigen Text präsentiert“Was darf es denn sein!“, sollte ich wohl sagen und dabei , hier lag wohl die eigentliche  schauspielerische Herausforderung, Adelheid, aka Evelyn Hamann ,plus ihrer weiblichen Kollegin, mit arroganter Mimik und vor allem hochgezogener linker Augenbraue, ja es mußte die linke sein, Drinks zu servieren.

Es gab aber noch eine weitere Hürde zu meistern.Auf dem Bartresen hatte man eine Art Leuchte befestigt, für den späteren TV-Zuschauer natürlich unsichtbar. Dieses Gerät erschwerte meine filmische Aufgabe, die betreffenden Drinks schnell zu dekorieren, es sollte natürlich professionell aussehen, ohne die Leuchte zu berühren, der Tontechniker wäre ausgerastet und dazu in der vorgeschriebenen Form in Richtung Kamera,  auf Evelyn Hamann und ihre Begleitung, zu blicken.   

Während mich die charmante Dame von der Maske zum wiederholten Male abpuderte, es war Hochsommer und das gleißende Scheinwerfelicht verwandelte den Drehort in eine  Sauna, betrat Evelyn Hamann den Raum.Sie war mit einer ausgefallenen Perücke bekleidet, trug einen dekadenten Fummel und war stark geschminkt. Ihre Kollegin, die in dieser Szene die Begleitung spielte, war ähnlich kostümiert.So schrieb es  das Drehbuch vor.

Bei diesem Anblick konnte ich mir ein freches Grinsen nicht verkneifen. Evelyn Hamann lächelte umgehend zurück.Sie spielte in dieser Folge eine Betrunkene ,die Abends an den Bartresen einer schicki-micki Bar torkelte und sich dabei lächerlich machte.

Die Dreharbeiten begannen. Ich war voll und ganz damit beschäftig meinen Part zu erfüllen.Während der kurzen Pausen setzte sich Frau Hamann auf den Barhocker, fragte wer ich  bin und was ich so mache. Später, die Dreharbeiten zogen sich für diese Mini-3-Minuten-Szene in die Länge, verlangte Frau Hamann man möge mir doch einen Stuhl zur Verfügung stellen.“Der arme Junge kann doch nicht die ganze Zeit stehen!“   Ihr Wunsch wurde, sehr zu meiner Dankbarkeit, umgehend erfüllt.

Was mir auffiel, Evelyn Hamann hatte sich etwas bewahrt was in dieser Branche, besonders unter deutschen Schauspielern, als Eigenschaft häufig verlorengeht.Natürlichkeit, Witz und die Fähigkeit über sich selbst zu lachen.Vor der letzten Einstellung, das Film-Team wirbelte hektisch um uns hin und her, erzählte wir uns gegenseitig schmutzige Witze.Frau Hamanns Lachen klingt mir dabei noch bis heute im Ohr. Es war das Lachen einer lebenslustigen Frau,einer Frau die Menschen mochte, die auf mich  damals, obwohl Kinderlos, einen fast mütterlichen Eindruck machte, im besten Sinne dieses Wortes. 

Nach Drehschluß strich Sie mir über den Oberarm, schenkte mir ein Lächeln und sagte;“Gut gemacht!“ 

Evelny Hamann starb heute im Alter von 65 Jahren.

Lesebefehl:

http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/evelyn-hamann-gestorben/?src=TE&cHash=56ad8e434a

Vor rund 2 Jahren hielt ich mich in der litauischen Hauptstadt Vilnius auf.

Damals suchte ich die Dependance der EHU, der Europäischen Humanistischen Universität von Minsk /Weissrussland ,auf.

Die Suche nach der EHU verlief nicht reibungslos.Schnell hatte ich mich in der beeindruckenden barocken Altstadt, dieses ehemaligen „Jerusalem des Nordens“ ,verlaufen.

Passanten die ich unterwegs nach der Adresse , bzw. dieser Institution,fragte, schüttelten irritiert den Kopf. Besonders das Wort „Weissrussland“, eines Staates der nur 40 Kilometer hinter der Stadtgrenze von Vilnius beginnt, einer Republik, die ebenso wie Litauen jahrzehntelang Bestandteil des Sowjetimperiums gewesen ist, löste bei den Befragten negative Assoziationen aus.“Eine weissrussische Universität?Hier bei uns in Litauen, im Westen?“ wurde ich irritiert gefragt, als hätte ich mich nach einer Anschrift in der „Äußeren Mongolei“ erkundigt.Es schien mir , so schrieb ich es in mein Tagebuch, als hätten die Litauer -fast pathologisch-jede Erinnerung an ihre jüngere Vergangenheit begraben. Dafür mag es historische, menschliche und auch emotionale Gründe geben.Trotzdem stellt ich mir die Frage, wieso ausgerechnet die negativen Eigenschaften der westlichen Gesellschaften, wie „Ethnozentrismus und Ignoranz“ sich dort so schnell verbreiten konnten.Immerhin hatten die Litauer erst 1991, nach fast bürgerkriegsähnlichen Unruhen und einem totalen ökonomischen Kollaps, mühsam die Unabhängigkeit und damit das Eintrittsticket zum „Goldenen Westen“ erlangt. Seitdem befindet sich diese baltische Nation in einem atemberaubendem Wachstumsprozess und genießt die materiellen Vorzüge des litauischen Wirtschaftswunders.

Schließlich fand ich das Gebäude ,indem die Akademiker aus Weissrussland ihre Auslandsuniversität eröffnet hatten.Ich kam ohne Voranmeldung und wurde von den anwesenden Dozenten und Studenten herzlich empfangen.  

Auf Betreiben des Diktators Lukaschenko, dieses Prachtkerls, wie er von der einfachen belorussischen Landbevölkerung tituliert wird, war die einzige unabhängige pro-europäische Bildungsstätte -dieser ostslawischen Nachfolgerepublik- der UdSSR geschlossen wurden.Die Gleichschaltung des weissrussischen Bildungssystems war damit vollzogen.

In Vilnius, der Hauptstadt des aufstrebenden EU-Neumitgliedes Litauen, hatten die Studenten und Mitarbeiter dieser weissrussischen Universität zuflucht gefunden.

  Lesebefehl: ttp://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20051112

Der Exodus der jungen weissrussischen Intelligenz hält unvermindert an.

Lesebefehl:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,512026,00.html

Song des Tages

Oktober 28, 2007

Enjoy: 

Joy Denalane – Geh Jetzt