„Innocence in Danger!/Eine Gala in Berlin

April 29, 2008

Fernsehkameras waren im Foyer aufgebaut, zahlreiche Fotografen und Reporter rissen sich um die eintreffenden prominenten Gäste.

In regelmäßigen Abständen wurde die Halle vom Blitzlichtgewitter erhellt.

Zur diesjährigen Gala „ART FOR CHILDREN“ im Grand HYATT HOTEL zu Berlin, waren wie gewöhnlich zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und der Gesellschaft des Hochadels geladen.

Zu Gunsten der weltweit agierenden Gesellschaft gegen Kindesmißbrauch“INNOCENCE IN DANGER“ in Anwesenheit Ihrer Kaiserlichen Majestät Farah Diba- Kaiserin des Iran- und der Schirmherrin Eva Louise Köhler, der First Lady der Bundesrepublik, fand diese Internationale Charity Gala statt.

Das Motto der Veranstaltung „INNOCENCE IN DANGER“ war zahlreich, in leuchtenden Lettern, an den Wänden angebracht und konkurrierte müde mit den funkelnden ,hochkarätigen, Diamanten der weiblichen Gäste.

Organisiert wurde die schillernde Veranstaltung von Gräfin Hardenberg.Ihre Tochter, die TV-Moderatorin Tita von Hardenberg ,moderierte die Veranstaltung.

Vor dem Saal hatten sich zahlreiche Sicherheitsbeamte postiert.Immer wenn den Gästen ein neuer Gang serviert wurde, hatten die Pressevertreter den Saal zu verlassen. Man nahm es gelassen hin und stärkte sich mit kostenlosen Drinks , an den installierten Bars im Vorraum.

Die französische Sängerin Patricia Kaas stellte mit einem Live Act den musikalischen Höhepunkt des Abends da.

Gemälde wurden versteigert, aus dem erwähnten wohltätigen Grund. „10.000, 15.000, 20.000 Euro zum Ersten..!“ vibrierte die Stimme des Moderators durch das Mikrofon . Für einen kurzen Augenblick, mußte ich an die unbezahlten Rechnungen denken, die in geöffneten Briefumschlägen, auf meinem Schreibtisch ,ausharrten.

Jedesmal , wenn ich Veranstaltungen wie diese besuche, könnte ich anschließend einer linksextremen Partei beitreten!“ flüsterte mir eine Kollegin, Angestellte einer großen Tageszeitung, zu.

Aber es dient doch einem guten Zweck!“, gab ich zur Antwort. „Ja, das muß man sich auch immer wieder in Erinnerung rufen„, erwiederte die Journalistin.

Kaiserin Farah Diba saß zusammen mit Friede Springer an einem Tisch. Das Antlitz der Shabanu setzte sich vorteilhaft von den gelifteten Gesichtszügen und den Lippen ,in Form von Luftkissenbooten, zahlreicher anderer weiblicher Gäste, ab. Farah Diba ist immer noch eine schöne Frau.Ihr Blick schweifte durch den Saal. In Ihren Augen spiegelte sich Offenheit und Traurigkeit zugleich. Auf der Pressekonferenz, am Tag zuvor, hatte ich Gelegenheit mit der Kaiserin ein kurzes Gespräch zu führen.

Berlin Germany

Die Monarchin trat auf mich zu.Zuvor hatte ich ihr eine Frage gestellt ,die für einiges Aufsehen sorgte. Die Kaiserin reagierte emotional.Jetzt begegnete sie mir mit mütterlichem Charme.

Ich habe keinen Zweifel, Farah Diba hatte sicherlich , während der Herrschaft Ihres Mannes, dem Schah Reza Pahlevi , der „Leuchte der Arier,“ das Beste für ihr Volk gewollt. Die sogenannte „Weiße Revolution„, das politische Konzept einer Entwicklungsdiktatur, sollte den Iran zu einer Supermacht führen. Das war zu einer Zeit, als im Iran israelische Kampfjets trainierten, als Persien einer der engsten Allierten der USA, des Westens, in der Region war, ein Bollwerk gegen den expandierenden Sowjet-Kommunismus, gegen die unruhige arabische Welt.Damals war das kaiserliche Ehepaar so häufig auf den Titelbildern der westlichen Boulevardpresse zu finden, wie heute Angelina Jolie und Brad Pitt.Der Kaiser regierte mit unerbitterlicher Härte, jede oppositionelle Regung wurde in Blut und Tränen erstickt.Wir bringen die Stadt aufs Dorf, lautete das kaiserliche Credo.Im Jahr 1979 schluckte dann das Dorf die Stadt.

Rund 30 Jahre sind seitdem vergangen.Ein Wimpernschlag der Weltgeschichte.Nach dem Sturz vom Pfauenthron, nach der Rückkehr des Ayatollah Khomeini, der Errichtung des ersten islamischen Gottesstaates , begann für die Kaiserliche Familie eine Odysee. Die USA ließen die Pahlevis fallen, wie eine heiße Kartoffel . Der Schah starb wenig später.Der Rest der Geschichte ist ja bekannt, die historischen Folgen spüren wir bis heute.

Vielleicht dachte die Kaiserin gerade an die rauschenden Feste in Teheran. Damals, am „blutigen Freitag“ 1978, feierten die Günstlinge des Hofes unverdrossen in den Nobelvierteln im Norden Teherans.Die Männer trugen weißen Smoking, die Damen Dior-Abendkleider aus Paris.Sektkorken knallten, während ein paar Strassenzüge weiter Schüsse fielen. Es floss Blut durch die Strassen der iranischen Hauptstadt. Wenig später war der Shah auf der Flucht.

Die Kaiserin hätte Ihnen gerne ein Interview gegeben. Sie hat heute lange überlegt.“, sagte mir jetzt Herr H., der Begleiter der Kaiserin, zuständig für Presseanfragen und den Personenschutz.“Vielleicht ein anderes Mal, in Amerika oder Frankreich!“, fügte er hinzu. „Ja, vielleicht.Vielen Dank für Ihre Bemühungen!“

Inzwischen hatte sich die Gesellschaft ins Foyer begeben. Supermodel Nadja Auermann wandelte wie eine Schneekönigin durch die Reihen. „Schau mal was ich auf der Tombola gewonnen habe!“, rief sie Mario Adorf verzückt zu ,der, umringt von ältlichen Fans beiderlei Geschlechts, verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit Ausschau hielt. „Eine Tasche!“,jauchzte Frau Auermann stolz und schwenkte den Wertgegenstand , ein Modell aus schwarzem Leder,triumphierend in die Höhe.

Sehen wir uns noch, später!“, fragte Mario Adorf fast flehentlich, während ihn eine verblühte Society-Lady mit lauwarmen Erinnerungen von damals, an angeblich gemeinsame Abende auf Capri, langweilte.

Vielleicht„! antwortete Nadja Auermann, während Sie den aufdringlichen Rufen der Fotografen schon wieder nachgegeben hatte, um professionell, im einsetzenen Blitzlichtgewitter, vor den hungrigen Teleobjektiven zu posieren.

Wir wissen ja alle so wenig!“, hatte mir Frau Auermann nach der Pressekonferenz gesagt.“Deshalb sollte man auch keine politischen Fragen stellen,auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung!“, fügte Sie streng hinzu.

Vielleicht können wir unsere Konversation ja einmal fortsetzen!“ , entgegnete ich.“Vielleicht“ antwortete das Supermodel, setzte ihre Beine, die wahrscheinlich längsten der Welt, in Bewegung und folgte den Anweisungen eines Kameramannes, der sie um ein paar Aufnahmen gebeten hatte .http://youtube.com/watch?v=a8cxwxa9L-0

In der Raucherlounge traf ich auf einen Verantwortlichen für das musikalische Rahmenprogramm.“Könnten Sie zum Ausklang bitte „Guantanamera!“ spielen ?“, bat ich den Herren.

Wenig später, ich hatte mir gerade eine Zigarette angezündet, erklang schon die Melodie des gewünschten Liedes.“Yo soy un hombre sincero!“ ertönte der trotzige Gesang.

Die anwesenden Gäste, Medienmogule und Models, Bankiers und Baulöwen,Stars und Sternchen,Politiker und Diplomaten ,Fürsten und Filmschauspieler, hielten für einen Moment inne.“Con los pobres de la tierra quiero yo mi suerte echar„, steigerte sich der dürftige , anklagende Text des Liedes.“Mit den Armen der Erde will ich mein Los teilen!“

Von den anwesenden Gästen, die sich der High Society, dem Globalen Jetset, ja der bonne société der Bundeshauptstadt zurechneten und müde zu tanzen begannen, hat kein einziger die von mir beabsichtigte Anspielung begriffen.

Innocence in Danger/Unschuld in Gefahr„, lautete das Motto dieses Abends.Die Veranstaltung diente einem guten Zweck.

http://www.morgenpost.de/content/2008/04/27/berlinboulevard/959494.html

Advertisements

4 Responses to “„Innocence in Danger!/Eine Gala in Berlin”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s