„Wenn Bauarbeiter sich vom Rohbau stürzen“/The Happening:Ein neuer Film von M. Night Shyamalans

Juni 13, 2008

Das Grauen beginnt um 8:33 Uhr in der Früh. Ein ganz gewöhnlicher Werktag in New York City.

Im Central Park, der „Grünen Lunge“ der Welthauptstadt, bringen sich die Passanten um, eine kollektive Selbstmordwelle rast durch die Strassen und Plätze.

Wenig später stürzt sich eine ganze Kolonne Bauarbeiter vom Dach eines Rohbaus.    

Diese Selbstmordwelle greift auf die gesamte Ostküste der Vereinigten Staaten über. Von Maryland bis nach Maine gehen die Menschen freiwillig in den Tod.

THE HAPPENING nennt sich der neue Film des hochbegabten indo-amerikanischen Regisseurs M. Night Shyamalans.http://de.wikipedia.org/wiki/M._Night_Shyamalan

Das ehemalige Mitglied ,der ersten kommerziell erfolgreichen Boy-Band weltweit und spätere Unterhosen-Model Mark Wahlberg, spielt die Hauptrolle, den Biologielehrer Moore.

Mr. Moore, hinter desssen sachlicher Pädagogen-Fassade sich ein kraftstrotzender Teufelskerl verbirgt, ein amerikanischer Held wie wir ihn seit den Tagen der Western-Filme kennen, der sich jeder Gefahr stellt und für alles Irrationale, Obskure eine logische Erklärung sucht, die in diesem Fall aber auf sich warten läßt.

Hitchcock sei sein großes Vorbild, erklärt Shyamalans regelmäßig gegenüber der Öffentlichkeit.

Und wie bei seinem Idol erscheint auch in  Shyamalans Filmen die Gefahr in Form der verdrängten Ängste, in den Alpträumen und Abgründen der menschlichen Seele .  

Es sind bestimmte Neurotransmitter, die uns Menschen vor dem Todestrieb bewahren. Und so wird in dem Film auch angedeutet, durch die Vermutung eines Gärtners, seltene Pflanzengifte wären Schuld ,an diesem Massenmord durch eigene Hand, da diese die erwähnten Neurotransmitter  ausschalten.

 Weiter verfolgt wird diese Theorie in dem Film dann aber nicht, sondern durch weitere Spekulationen angeheizt.

 So ist in einer Szene das Kernkraftwerk Harrisburg zu sehen, für einen kurzen Augenblick.

 Später , auf der Flucht ins Herzland der USA, begegnet den flüchtenden Hauptdarstellern eine strenge, mürrische Alte, die sich wie eine zürnende Rachegöttin von der Zivilisation, dem Fortschrittsglauben, in die Einsamkeit zurückgezogen hat.     

Auch dieses Motiv zieht sich durch die amerikanische Literatur-und Filmgeschichte, als Gegenpol zum Mythos der ewigen Jugend, der physischen Attraktivität , der banalen Geselligkeit, des materiellen Erfolges und der Verfolgung des individuellen Glücks. Man erinnere sich an „Nick in the Woods“, an „Jeremiah Johnson“ beispielsweise.

Nein, „The Happening“ beantwortet nicht alle Fragen des faszinierten , aber ratlosen ,Zuschauers.

Vieles bleibt im Unklaren und wahrscheinlich ist dieses auch die unerklärte Absicht des Regisseurs.

Auf 25 Stunden ist die Zeitspanne des Films angelegt. Als die Flüchtlinge, wovor laufen sie eigentlich davon, in die ehrenwerte Universitätsstadt Princeton einfahren, baumeln dort die Körper der Bewohner von den Bäumen. Auch in diesem liberalen Mekka der Intellektualität, eingebettet in lieblicher Landschaft, stattlicher Architektur, wütete die unheimliche Selbsttötungsorgie. 

Möglicherweise ist „The Happening“ als eine cineastische Parabel zu begreifen.

Eine Parabel auf die US-Gesellschaft am Ende der Amtszeit von George W. Bush, noch immer geprägt vom Trauma des 11. September, zu neuen Ufern aufbrechend, nach neuer Orientierung suchend.

Einer Gesellschaft die sich vielleicht schon in dem unerbittlichen und unvermeintlichen historischen Prozess befindet, welcher den Aufstieg und den Fall großer Mächte und Imperien begleitet und charakterisiert.  

      

 

The Happening – Trailer

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