Sind die Deutschen demokratiemüde?

Juli 15, 2008

Der deutsche Michel:Lieber Untertan als mündiger Bürger? All Rights Reserved.

In seinem berühmten Roman „Der Untertan“ , erzählt Heinrich Mann  von Diederich Heßling als Beispiel für einen bestimmten Typ Mensch in der damaligen deutschen Gesellschaft. Heßling ist obrigkeitshörig, feige und ohne Zivilcourage, ein Mitläufer und Konformist.

Heßling wünscht sich Ruhe und ein Judenprogrom, eine Revolution und Restauration.

Er wird dargestellt als Stammtischagitator, Herr über einen Betrieb und damit Kämpfer gegen das Proletariat, Beherrscher der Familie und intriganter Kumpan des im Grunde verhassten Sozialdemokraten Napoleon Fischer. An eine Kette solcher Episoden, denen Zitate aus Kaiserreden als Leitfaden dienen, wird Heßling einerseits als Tyrann dargestellt, dem die Hierarchie der Gesellschaft des Kaiserreichs Macht verschafft, andererseits als Untertan, der von der „Zugehörigkeit zu einem unpersönlichen Ganzen, zu diesem unerbittlichen, menschenverachtenden, maschinellen Organismus“ geprägt ist und unter ihm leidet.

Heßling identifiziert sich mit den Weltmachtambitionen der radikalen Nationalen, die den kommenden Weltkrieg herbeiwünschen. Bei der Einweihung eines kaiserlichen Denkmals, in der sich Heßling selber als Bürger der Zeit beschreibt, wird die Ordnung durch ein apokalyptisch anmutendes Gewitter aufgelöst. Als kritischen Gegensatz zu Heßling lässt Heinrich Mann als Darstellung des verkümmernden Liberalismus den Vater eines Freundes, den 1848er-Revolutionär Buck, im Angesicht Heßlings sterben.“

Quelle: Wikipedia

Die Veröffentlichung dieses Buches, am Vorabend des 1. Weltkrieges, führte zu einem jahrzehntelangen Zerwürfnis zwischen den Brüdern Heinrich und Thomas Mann. Thomas Mann schmähte seinen Bruder als Asphaltliterat, dem westlich rationalen Zivilisationsmodell verpflichtet. Er selbst fühlte sich damals noch der deutschen Romantik, dem Kaiserreich verpflichtet. In seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“ polemisiert Thomas Mann gegen den Westen, den Liberalismus, das Individuum und verteidigt Deutschlands Kampf .

Die Deutschen wenden sich ab, von der Demokratie, behaupten heute Experten.Die Politische Klasse scheint erstarrt und wehrlos.

 

Lesebefehl:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,565291,00.html

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