Haut die Popper platt wie „Whopper“/Sind die Popper zurück?

Juli 17, 2008

Die Avantgarde der Angepassten“ titelte das „Zeit-Magazin“ im März 1980 und staunte, dass da jemand nicht „anti“, sondern „in“ sein wollte. Das war unverzeihlich. „Früher war mein Kind engagiert„, jammerte die „Stern“-Redakteurin Uschi Neuhauser, „jetzt hat es nur noch Watte im Hirn.“ Der Grund: Tochter Katrin, 13, war Popperin geworden.
1979 war die Geburtsstunde der Popperbewegung, der wohl am meisten geschmähten Subkultur jener Tage.“Haut die Popper platt wie Whopper“, lautete  beispielsweise ein Schlachtruf jener Jahre.
In einer Zeit, in der es fast Pflicht war Anti-AKW-Aufnäher zu tragen, in der Alt-68iger sich etabliert hatten, legten Popper eine betont A-politische Haltung an den Tag, fröhnten einen hedonistischen Lebensstil und trugen Markenklamotten. Die Vespa, der hochgeklappte Polohemd-Kragen, Lacoste und College-Schuhe, gehörten zu der Grundausstattung. Vor allem aber die berühmte Poppertolle. Die Popper prägten das letzte jahrzehnt vor dem Mauerfall, vielleicht prägte aber das Jahrzehnt auch die Popper.
Foto:2 Popper in den 1980er Jahren
 
23 Jahre vor Arnulf Baring waren diese jungen Bürger auf den Barrikaden. Die Avantgarde nicht der Angepassten, sondern als neubürgerlichen Bewegung, die sich in Deutschland erst im 21. Jahrhundert durchsetzen konnte, zumindest teilweise.

Sind die Popper zurück?

Foto:All Rights Reserved

Lesebefehl:

http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/2002/aalglatt_bis_zum_anschlag.html

 

 

 Anbei die musikalische Hymne der Popperbewegung, aus den 1980er Jahren.

 

Spandau Ballet – Gold

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6 Responses to “Haut die Popper platt wie „Whopper“/Sind die Popper zurück?”

  1. S. Says:

    Oh ja, ich staune schon seit einiger Zeit darüber, dass eindeutige Symbole der Popper – Zeit ein Comeback erleben: Gazelle – Fahrräder, die Marke Lacoste riesen Ausstellung im KADEWE, Adidas – Turnschuhe… Nicht erwähnt bleibt, dass die Popperkleidung (für mich als ehemalige Halbppperin) vielmehr ein Zeichen gegen die aufkommende Ökobewegung darstellen sollte. Das ewige Peace-Gequatsche, antiautoritäre Erziehung, selbstgestrickte Pullover und Jute statt Plastik fanden wir nervig. Auf den Dauernerver – Spruch: „Erst wenn jeder Baum gefällt…usw.“ haben wir „Auf die Dauer hilft nur Power“ gesprüht!

  2. Brodaganda Says:

    Da ist es ja ganz gut, daß heutzutage Hedonismus und Protest dann doch wieder unter einen Hut zu bekommen sind. Haben Sie schonmal was von den Internationalen Hedonisten gehört?

    http://www.hedonist-international.org/

    Man möchte fast meinen das alte Sprichwort von wegen These – Antithese – Synthese wäre hier gut verwirklicht worden. 🙂

  3. EWA Says:

    „nur noch Watte im Hirn“, typisch, so sind sie, die linksliberalen,feministischen Karrieremamis.

  4. ramonschack Says:

    S.
    Halbpopperin?, von wegen. Warum nur die Bescheidenheit. Du bist doch noch immer die Ikone der Popperbewegung, obwohl Du damals natürlich noch ein Kind warst.
    LG
    Ramon

    Brodaganda
    „Man möchte fast meinen das alte Sprichwort von wegen These – Antithese – Synthese wäre hier gut verwirklicht worden“

    Um ein Sprichwort handelt es sich hierbei wohl nicht, eher um eine der Zentralen Dogmen des Marxismus, nicht wahr?
    Für mich gehören Hedonismus und Protest zusammen wie Lippen und Zähne. Frei nach dem Motto:
    In einem gesunden Hedonisten steckt auch ein gesunder Revolutuionär.
    Danke für den interessanten Link.Schöne Grüße

    EWA

    Schön von Dir zu hören.
    Ja, das war mir auch gleich unangenehm aufgefallen.Ich meine, eine Mutter, die ihre minderjährige Tochter für einen Artikel mißbraucht, das sagt ja wohl alles.
    Schöne Grüße

  5. Brodaganda Says:

    Ramon, das ist interessant. Viele Menschen verstehen Hedonismus ja abwertend, verbinden mit Hedonismus nur einen egoistischen, desinteressierten Aspekt. Sehen Sie das anders oder glauben Sie gerade an die revolutionäre Kraft dieses egoistischen Aspekts?

  6. ramonschack Says:

    Brodaganda

    Von einer revolutionären Kraft würde ich in diesem Zusammenhang nicht sprechen. Das wäre etwas zu pathetisch.

    Ich möchte aber folgendes zu bedenken geben. Viele Dogmatiker waren und sind von einer merkwürdigen Prüderie befallen.

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