Alexander Solschenizyn (1918 – 2008)/Der Chronist des Stalinismus

August 5, 2008

Im April 1933 machte der sowjetische Schriftsteller Michail Scholochow in einer Ortschaft des ukrainischen Kubangebietes Station.

Zu dieser Zeit wurde die Ukraine, wie auch andere Regionen der Sowjetunion, von einer der schlimmsten Hungerkatastrophen -des 20. Jahrhunderts- heimgesucht. Schätzungsweise 6 Millionen Menschen gingen dabei zugrunde.

Diese Hungerkatastrophe wurde von Stalin bewußt herbeigerufen, um den Widerstand gegen die Zangskollektivierung in der Landwirtschaft , bzw. den ukrainischen Nationalismus, zu brechen. 

Holodomor nennt man in der Ukraine dieses Ereignis, welches von zahlreichen Staaten heute als Völkermord anerkannt wird.http://de.wikipedia.org/wiki/Holodomor

In seinem Buch“Ernte des Todes-Stalins Holokaust in der Ukraine“ beschrieb der Wissenschaftler Robert Conquest später diese Ereignisse detailliert.

Der italineische Konsul in der ukrainischen Industriestadt Charkow schrieb damals nach Rom:“Jede Nacht werden in Charkow 250 Leichen eingesammelt, Verhungerte oder Typhustote. Wie man feststellte, hatten viele von ihnen keine Leber mehr:Sie schien durch einen großen Schnitt in das Fleisch herausgerissen worden zu sein.Die Polizei stieß schließlich auf einige mysteriöse Amputierer, die zugaben, mit diesem Fleisch die Füllung der pirojki(kleine Pasteten) zubereitet zu haben. Die pirojki hatten sie anschließend auf dem Markt verkauft.“  

Scholochow, glühender Kommunist und gläubiger Stalinist, ist entsetzt. In zwei Briefen -an Stalin persönlich-berichtet er in allen Einzelheiten,wie die lokalen Behörden unter Anwendung von Foltermethoden ihre Vorräte abgepresst und sie so dem Hunger ausgesetzt haben:

Auszug aus dem Brief von Michail Scholochow, Autor des Romans der stille Don, vom 4 April 1933 an Stalin:

Die Kältemethode..Man zieht den Kolchosbauern aus und setzt ihn splitternackt in einer Scheune- der Kälte- aus.

Die Hitzemethode.Man übergießt die Füße und die Rockzipfel der Kolchosbäuerinnen mit Kerosin  und zündet beides an. Dann löscht man alles wieder und beginnt von vorne…

…..Ich könnte die Liste mit Beispielen solcher Art endlos fortsetzen. Es sind keine einzelnen Fehlgriffe, sondern gängige Methoden beim Einzug des Korns..“

Wenn Ihnen mein Brief der Aufmerksamkeit des Zentralkomitees wert scheint, so schickt wahre Kommunisten hierher, die den Mut haben, alle diejenigen , die dem Aufbau der Kolchosen in diesem Distrikt einen tödlichen Schlag versetzt haben, zu entlarven..Sie sind unsere einzige Hoffnung.

Ihr Michail Scholochow

 In seiner Antwort an den Schriftsteller macht Stalin aus seiner Position keinen Hehl:die Bauern würden lediglich dafür bestraft, daß sie gestreikt und sabotiert haben:

Auszug aus dem Antwortschreiben Stalins an M. Scholochow vom 6. Mai 1933

„…Aber es liegt klar auf der Hand, daß unsere geschätzten Bauern keine Unschuldslämmer sind, wie man beim Lesen Ihrer Briefe glauben könnte.

Also , halten Sie sich gut.Ich drücke Ihnen die Hand. Ihr J.Stalin“

(Archiv des Präsidenten der Russischen Förderation)  

Dieses Katastrophe war nur eines, von den unzähligen Verbrechen Stalins an seinem eigenen Volk.

Fünf Jahre später beginnt der sog. Große Terror, die Ausrottung der Intelligenzia aus Wirtschaft und Partei.

Die Katastrophe des Kommunismus ist immer noch nicht im weltweiten Bewußtsein verankert. Die Gründe hierfür sind vielfältig.Der Kommunismus bestand vor dem Faschismus und dem Nationalsozialismus, er hat sie überlebt und auf den vier großen Kontinenten manifestiert, flankiert von einer geschönten Presse,Propaganda und der Unterstützung pseudoelitärer Zirkel.

Keine Spielart des Kommunismus, die einmal bei westlichen Intellektuellen populär war, hat auf Massenterror und Menschenrechtsverletzungen verzichtet.  

Eine legitime und normale Bewertung der Verbrechen des Kommunismus fand nicht statt, weder aus historischer noch aus moralischer Sicht.

Alexander Solschenizyn war einer der wenigen Chronisten des Stalinismus. Mit seinem Werk der Archipel Gulag,  gelang es die internationale Meinung, gerade in westlich-kommunistischen Kreisen, zu verändern. Ein großes Umdenken began, die Erkentnis wuchs, das nicht nur der Stalinismus das Problem war, sondern die ganze Ideologie.

Solschenizyn war der große Chronist des Stalinismus. Er verstarb gestern im Alter von 89 Jahren:

Lesebefehl:http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EF845D2B3531C46F09541AAEA8F8FB514~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

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