Krieg im Kaukasus:Bomben auf Gori/Zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer

August 11, 2008

Russische Panzerdivisionen bewegen sich in Richtung Gori, meldet die beste Tageszeitung der Welt, die International Herald Tribune.

Schon seit dem Beginn der Kampfhandlungen, wurde diese georgische Stadt, von der russischen Luftwaffe, bombardiert.

 

Opfer von Luftangriffen auf Gori

Sollten die Russen wirklich eine Invasion Georgiens planen, gar ein warnendes Exempel statuieren, für alle ehemaligen Sowjetrepubliken, die es wagen sich der EU, oder gar der NATO, zu nähern?

Auffällig ist es schon, mit welcher Kaltschnäuzigkeit die Waffenstillstands-Betteleien der georgischen Regierung ignoriert werden. 

An einem Regime-Change, im Präsidentenpalast von Tiflis, hat man in Moskau das höchste geopolitische Interesse. Die Tage von Sakaashwili dürften ohnehin gezählt sein. Ich kann mir nicht vorstellen, das er dieses Fiasko, unabhängig davon wie übel es für Georgien ausgehen mag, politisch überleben kann.

Überhaupt ist eine NATO-Vollmitgliedschaft Georgiens, beziehungsweise die permanente Ostausdehnung des waffenstarrenden Nordatlantikbündnisses, für Russland ein Alptraum und eine permanente Bedrohungskulisse.  

So treibt man Russland zwangsläufig in die Arme der Volksrepublik China, bzw. die Welt in einen neuen „Kalten Krieg“.

In diesem Zusammenhang, verweise ich auf mein Interview mit Peter Scholl-Latour zu der Thematik:

Peter Scholl-Latour von Ihnen.

Lesebefehl:http://www.bundestag.de/dasparlament/2006/48/DaspolitischeBuch/001.html

Auch für die USA sieht es übel aus. Sollte man es-wie bisher- bei einigen diplomatischen Verwarnungen belassen, wäre das ein Ansehensverlust für Washington, nicht nur in dieser Region, ohne Gleichen.  

Wenn es den Russen gelingt, das strategisch bedeutsame Gori zu erobern, läge Georgien ohnehin am Boden.

Gori, nicht zu verwechseln mit der zerstörten tschetschenischen Hauptstadt Grosny, die nur einige hundert Kilometer nördlich liegt, habe ich im Herbst 1996 besucht.

Von Tiflis fuhr ich mit dem Bus in diese Stadt, dem Geburtsort Josef Stalins. Stalin, dessen Mutter übrigens Ossetin war, wurde und wird dort immer noch von vielen-als Genosse Gott– verehrt.Obwohl seine georgische Heimat ebensowenig von den Massenmorden und dem Terror , seiner fast 30ig jährigen Diktatur, verschont geblieben ist, wie die anderen Regionen und Republiken seines riesigen Herrschaftsbereiches.

Stalin 1902.jpg

FOTO:Der junge Stalin in Gori, 1902

Schon vom ZOB, war das 17 Meter hohe Stalin-Denkmal zu erkennen, welches dort wohl immer noch steht.

Ich verweilte damals nur einen Tag in Gori, besuchte aber vor meiner Abreise das Stalin-Museum, das Geburtshaus Josef Wissarionowitsch Dschugaschwilli. Den Beinamen Stalin, der Stählerne ,nahm er erst später an. Aus der ganzen Sowjetunion pilgerten die Nostalgiker zu dieser fragwürdigen Weihestätte, so auch an diesem Tag.Die Mehrzahl der Besucher war fast im gleichen Alter wie das Museum. Frauen wie Männer trugen breite Ordensschnallen aus dem „Großen Vaterländischen Krieg“ auf der Brust. In dem Museum selbst wurde Stalin wie ein liebenswürdiges Onkelchen präsentiert. Aus den Lautsprechern drang patriotische Musik, sowjetische Evergreens. Eine Greisin, die vor jedem Stalin-Porträt mit feuchten Augen verweilte, führte plötzlich ein Tänzchen auf.Schließlich wurde die Alte, die anscheinend nicht mehr ganz bei Sinnen war, von den Museumswächtern abgeführt.  

1956 war Gori übrigens der Ausgangspunkt von Unruhen, die man später, sofern man überhaupt davon weiß, das Tiflis-Massaker nennen sollte. Bitte den Link anklicken: http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Tiflis_1956

Die Russen bringen uns um„, riefen die Passanten damals in den Straßen, traumatisiert von dem Blutbad in Tiflis, ein Aufschrei, der vielen älteren Einwohnern Goris, in diesen dramatischen Stunden, alleingelassen von der Welt, vom großen Bruder USA, beklemmend aktuell vorkommen mag.

Während ich diese Zeilen niederschreibe, bahnt sich in Abchasien, der zweiten abtrünnigen Region, eine zweite Front an.

1993 hatte die Sezessionisten dort, unter aktiver Hilfe, gedungener prorussischer Mordbanden,grausam unter der georgischen Bevölkerung gewütet. Fast die gesammte georgische Mehrheitsbevölkerung wurde vertrieben.

Besonders in der lieblichen, subtropischen Hafenstadt Suchumi, kam es damals zu grauenvollen Exzessen.

Bitte den Link anklicken:http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Sochumi_1993

Werfen wir noch einmal einen Blick auf die Karte:

Wie man sieht, befindet sich der Kaukasus in einer strategisch höchst sensiblen Lage. Fast könnte man vom Fluch der Geographie sprechen. Eingezwängt zwischen dem Kaspischen Meer und dem Schwarzen Meer, eingebettet in einer atemberaubenden Gebirgslandschaft, mediteran anmutenden Küstenregionen, stoßen hier Russland,die Türkei, Zentralasien und die Ukraine aufeinander. Die Südküste des Kaspischen Meeres gehört ja schon zum Iran.

Wenn wir uns jetzt einmal verdeutlichen, welche Bodenschätze in der Region lagern, wieviele Völker, Sprachen;Religionen, Kultureinflüsse und Konfliktzonen hier aufeinanderstoßen,beziehungsweise sich überlappen, dann erfasst man ungefähr die Brisanz der aktuellen Ereignisse, beziehungsweise die geopolitischen Hintergründe.

Nicht umsonst nennt man den Kaukasus ja gelegentlich die Wiege der Völker und Sprachen. Die folgende Karte gibt ein ungefähres Bild, über die ethno-linguistische Verteilung:

Caucasus-ethnic de 150dpi.png

Neben dem aktuellen Krieg, haben wir ja noch den Krisenherd Tschetschenien, das brodelnde Dagestan, beziehungsweise die anhaltenden Spannungen zwischen Armenien und Aserbeidschan.

Von den Pulverfässern, im weiteren geographischen Umfeld, ganz zu schweigen.

In Tschetschenien ist übrigens nur scheinbar Frieden eingekehrt. Eher ist von einer Friedhofsruhe zu sprechen. Der dortige Aufstand wurde von den Russen in einem dermaßen brutalen Feldzug niedergergeschlagen, der Züge eines Völkermordes trägt.

Der dortige Präsident Ramzan Kadyrow , dessen Amtsvorgänger und Vater von einer Bombe zerfetzt wurde, hat eine gewisse Entspannung bewirkt. Beobachter schließen aber nicht aus, schließlich ist der Mann Tschetschene geblieben, daß seine demonstrativen Lobhudeleien, gegenüber Putin, eines Tages in offene Feindschaft umschlagen könnten.Falls Kadyrow eines Tages die Forderung nach einer Unabhängigkeit von Tschetschenien, dort Ischkeria genannt, wieder aufnehmen sollte, würden die Agenten des rusischen FSB seiner Karriere ein blutiges Ende bereiten.       

Ein Flächenbrand droht! Lesebefehl:http://www.welt.de/politik/arti2313183/Russen_besetzen_Stuetzpunkt_in_Georgien.html

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12 Responses to “Krieg im Kaukasus:Bomben auf Gori/Zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer”


  1. […] Konflikt ist komplexer aufgrund der im Hintergrund ausgefochtenen Interessenlagen. Zum einen der Wunsch […]

  2. Brodaganda Says:

    Danke für die gelungene Übersicht!

  3. ramonschack Says:

    Nico:

    Danke für die fotografischen Ergänzungen

    Brodaganda:
    Gerne geschehen.Danke für das Kompliment!

  4. Nicolao Coelho Says:

    Was ich nicht verstehe, ist die Tatsache, dass im demokratischen Staat Georgien immer noch ein Stalinkult herrscht???

  5. ramonschack Says:

    Nico,

    ob Georgien nun eine „Lupenreine Demokratie“ ist, wenn ich mich dieser verwerflichen Ausdrucksweise bedienen darf, möchte ich bezweifeln. Der Begriff Demokratie leidet ja uch unter gewissen Abnutzungserscheinungen.Leider.

    Die Korruption ist unter Saakashwilii nicht geringer ausgeprägt,als wie unter seinem Vorgänger.Der Umgang mit politischen Gegnern war ja auch nicht gerade die gute alte demokratische Tradition

    Offiziell wird von der georgischen Regierung kein Stalin-Kult betrieben.Die Aufarbeitung,dieser düsteren Epoche, hat Fortschritte gemacht. Ganz im Gegensatz zu Russland, wo es immer noch schwer ist Stalinkritische Bücher zu finden.

    Gleichwohl wird Stalin immer noch, von einem kleinen, schrumpfenden Teil der Bevölkerung, auch nicht nur In Georgien, göttlich verehrt.

    Man sollte nicht vergessen,was der Stalinismus aus den Menschen gemacht hat. Dieses Regime war viel erfolgreicher, als beispielsweise der Nationalsozialismus, das Bewußtsein der Menschen totalitär zu beeinflussen. Bisweilen bis heute.
    Dieser Tage ercheint ein neues Buch im Handel, es ist sogar schon erschienen -fällt mir gerade ein. „Der Flüsterer“. Sie sollten es lesen!
    Gruß
    Ramon

  6. ramonschack Says:

    Nico,

    das Buch heißt „Die Flüsterer“! Sorry.

    Hier der passende Link!

    http://www.welt.de/kultur/arti2305115/Den_Opfern_des_Stalinismus_auf_der_Spur.html

  7. Amiraner Says:

    Der Iran-Konflikt wird sich in diesem Jahr noch zuspitzen. Irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass die Bush-Administration wirklich noch vor dem Ende von Bush(idos) Amtszeit einen Angriffskrieg beginnt? und dann gute Nacht?

  8. ramonschack Says:

    Amiraner,

    möglich ist alles. Hoffen wir das Unmögliche!

    Gruß
    Ramon S.

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