Eine trügerische Waffenruhe im Kaukasus/Unruhe in Osteuropa über Ossetien

August 13, 2008

Georgien ist bestraft„, tönte es gestern aus dem Kreml. Wladimir Putin zeigte der Weltöffentlichkeit, obwohl er ja angeblich als Präsident zurückgetreten ist, wer in diesem Eurasischen Imperium das Sagen hat. Seine Marionette Medwedew auf jeden Fall nicht.

Ja so geht es zu, in dieser „Lupenreinen Demokratie„, wie Altkanzler Gerhard Schröder dieses autokratische Regime einmal nannte. 

In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal Peter Scholl-Latour zitieren. Im vergangenen September war er Putin in Sotschi persönlich begegnet und hat seinen Eindruck niedergeschrieben:“ Beim intensiven Studium, dieses undurchdringlichen, recht banalen Gesichts, das in einer Menge von Passanten nicht auffiele, bemerke ich die Kinnpartie, die wie im Trotz nach vorne geschoben ist. Ich weiß nicht, wie George W. Bush zu dem Schluß kam, es handele sich beim rusischen Staatschef-so ähnlich wurde es ausgedrückt-um eine „ehrliche Haut“. Nach den langen Ausführungen, zu denen er sich beim ausgedehnten Abendessen und anschließend in intimer Runde auf der Aussichtsterasse am Schwarzen Meer bereit findet, kann ich in ihm auch keinen „lupenreinen Demokraten“ entdecken, wie ihm Gerhard Schröder lobhudelte.“

Beide Konfliktparteien feiern sich als Sieger. Der georgische Präsident ließ es sich nicht nehmen in Tiflis, vor handverlesenem Publikum, eine schwülstige Blut und Boden-Rede zu halten.

In Moskau marschiert die Kreml-Jugend auf, skandiert anti-georgische, bzw. anti-amerikanische Parolen. Der russische Rassismus gegenüber den „Schwarzärschen“, so nannte man schon zu Sowjetzeiten die Bewohner des Kaukasus, in den slawischen Republiken, wird instrumentalisiert.

Die russische Regierung spricht von einem angeblichen Genozid, an Landsleuten in Süd-Ossetien. Die russische Staatsbürgerschaft wurde sowohl Abchasen, als auch Osseten, aus geopolitischem Kalkül, quasi hinterhergeworfen. 

Rührend. Als das russische Regime zigtausende von russischen Staatsbürgern in Tschetschenien massakrierte, als man kritische Journalisten, Oppositionelle und Meinungsgegner, vergiftete und beseitigen ließ, hat man sich im Kreml solche Sentimentalitäten nicht erlaubt. 

Abenteurliche Zahlen machen die Runde.Tausende von ossetischen Zivilisten seien getötet wurden, heißt es aus Moskau. Es bewahrheitet sich immer wieder, im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer. Nicht nur in diesem Konflikt, auch nicht nur auf der russischen Seite.

Bedauerlicherweise geniert sich die westliche Prese nicht, diese Lügen, Fälschungen und Fake-Fotos, zu verbreiten. Die vielgepriesene Globalisierung, bzw. das angebliche Informationszeitalter führt zu einer betrüblichen Provinizialisierung der Berichterstattung. Jetzt rächen sich auch die verheerenden Einsparungen im Medienbereich. Statt Auslandskorrespondenten zu fördern, schickt man unbedarfte Bürohengste, versehen mit Wikipedia-Wissen, direkt aus den klimatisierten Redaktionsstuben in die jeweiligen Krisengebiete. Diese Tendenz ist sowohl im Print-, wie im TV-Journalismus, erkennbar. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Da darf es natürlich nicht verwundern, wenn es einer berliner Veterinärmedizinerin einfällt, Autorin auf einer bestimmten, vermeintlich verfassungsfeindlichen, deutschsprachigen Website, sich als Islam-Expertin aufzuspielen. Man darf diesbezüglich nur hoffen, kein Islamwissenschaftler oder Politologe startet einen Blog über Tiermedizin. 

Unterdessen haben die Führer der seperatistischen Regionen Süd-Ossetien und Abchasien, überwiegend mafiotische, hochkriminelle Subjekte, gedroht den Waffenstillstand zu brechen.

Aus Washington vernimmt man scharfe Töne in Richtung Moskau. Noch ein Eckpfeiler- der Außenpolitik von Georg W.Bush-ist gerade wie ein Kartenhaus zusammengestürzt. Die revolutionäre Verbreitung von Demokratie und Marktwirtschaft, die sich notfalls unter dem Druck von Waffengewalt, Interventionen und dem Regime-Change, vollziehen sollte, hat sich als eine gefährliche weltpolitische Sackgasse erwiesen. Der ungehemmte Feldzug der NATO -in Richtung Osten- ist jetzt ins Stocken geraten.

Die geopolitischen Karten werden neu gemischt, wir erleben die Rückkehr der Großmächte,in multilaterarer Modifizierung.

Die Staatschefs Polens, der Ukraine und der baltischen Republiken, weilen zur Stunde in Tiflis, Man erklärt sich mit Georgien solidarisch.

Die baltischen Staaten erleben regelmäßig, wie es Moskau schafft, die dort ansässigen russischen Minderheiten zu instrumentalisieren. Trotz NATO und EU Vollmitgliedschaft. Zur Situation der russischen Minderheit in Estland, empfehle ich diesen Artikel:  http://www.das-parlament.de/2006/15-16/Ausland/002.html

In Osteuropa werden die Ereignisse mit wachsender Unruhe verfolgt. Besonders in der Ukraine, die auch ein Anwärter, protegiert von den USA, auf die Mitgliedschaft in EU und NATO ist, liegen die Nerven blank. Im Osten dieses, nach Russland, größten Flächenstaates Europas, gibt es kompakte russische Siedlungsgebiete.

Auch die landschaftlich reizvolle Halbinsel der Krim, bietet genügend Sprengstoff. Die Krim gehörte ursprünglich zu Russland. Erst Nikita Chruschtow verscherbelte dieses strategische Juwel, während seiner Amtszeit als Generalsekretär, an seine Heimatrepublik-die Ukraine. Möglicherweise hatte er damit die Absicht, seine kalte Heimat für die grauenhaften Exzesse zu entschädigen, welche dort, während der Stalinzeit, unter seiner direkten Beteiligung, rund ein Viertel der dortigen Bevölkerung-durch Terror und Hunger- zum Opfer fielen.

Stalin, der unter einer krankhaften Ukrainophobie litt, einer seiner zahlreichen Phobien, ließ seinen Schergen dort freie Hand. Als die deutsche Wehrmacht, im Sommer 1941, die sowjetischen Grenzen überschritt, wurden die Soldaten von der Bevölkerung mit Brot und Salz, zw. als Befreier vom sowjetischen Joch, begrüßt. Die NS-Propaganda verstand es- diese Ereignisse, die nur von kurzer Dauer waren, propagandistisch in Szene zu setzen,bzw. für die eigenen rassistischen, totalitären Ziele zu instrumentalisieren und die antisemitische Mordmaschinerie zu rechtfertigen:Bitte den Link anklicken:http://de.youtube.com/watch?v=Sn7ImUOmzKw

Aber, ich möchte mich nicht in den Tiefen der Zeitgeschichte verlieren.Obschon sich die jetzige Situation, ohne ein vertieftes Wissen der historischen Zusammenhänge, dem geneigten Leser nicht erschließt.

Schauen wir uns einmal die Karte der Ukraine an:

In Moskau hat man den Verlust, dieser Kornkammer der ehemaligen Sowjetunion, nie überwunden. Kiew, die ukrainische Hauptstadt, gilt als „Mutter aller russischen Städte“.

1991, mit dem Untergang der UdSSR, ging die ukrainische Unabhängigkeitsbewegung überwiegend von den westlichen Randregionen, dem ehemaligen Galizien, bis 1918 ein Bestandteil von Österreich-Ungarn, dem Habsburger Reich, aus.

Lassen wir den ukrainischen Popliteraten, den von mir hochgeschätzten Jury Andruchowytsch, zu Wort kommen. Ich hatte ihn vor 5 Jahren interviewt:

An Interview with the famous ukrainian writer Jury Andruchowitsch von Ihnen.

Lesebefehl: http://www.freitag.de/2003/51/03511602.php

 Die Ukraine ist also gespalten, wird von einer instabilen Regierung beherrscht, verfügt über fruchtbare Böden, Rohstoffe, wichtige Städte, einem großen Zugang zum Schwarzen Meer., bzw. nach Mitteleuropa.

Wer glaubt, Russland würde eine Integration der Ukraine in das westliche Verteidigungsbündniss akzeptieren, der irrt. Die osteuropäischen Staatschefs, die aktuell in Georgien weilen, haben dieses schon begriffen. Lesebefehl: http://www.nzz.ch/nachrichten/international/ossetien_krise_unruhe_osteuropa_1.805010.html

Russland wird rückständig„, ein Interview mit Pawel Felgenhauer

Lesebefehl:  http://www.ftd.de/politik/international/:Interview_Russland_wird_r%FCckst%E4ndig/398764.html

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