Georgien versus Russland/Das Zerwürfnis in der NATO

August 14, 2008

Verworren, widersprüchlich und mysteriös klingen die Meldungen aus dem kaukasischen Krisengebiet.

Angeblich halten sich russische Trupen in Gori auf. Man plane dort eine Pufferzone zu errichten,heißt es in Moskau. In dem betreffenden Waffenstillstandsabkommen ist von so einer Zone,gar auf dem Territorium Georgiens, keine Rede.

Sakaashwili fühlt sich vom Westen, besonders von den USA und seinem väterlichen Freund GW Bush, nicht ganz zu Unrecht, verraten und verkauft.  

 

In Südossetien  wird von einer ethnischen Säuberung gesprochen. Die verbliebene georgische Bevölkerung wird vertrieben und liquidiert, die Siedlungen zerstört.

Wer die Methodik dieser Armee, bzw. deren brutale Kriegsführung, in den letzten Jahren erlebt hat, ob nun in Afghanistan, Tadschikistan oder in Tschetschenien, wird sich über solche Berichte nicht wundern. Die Frage sei erlaubt, weshalb die sog.Friedensbewegung, allen voran in Deutschland, die ja sonst kein Event ausläßt, sobald nur die USA im Spiel ist, mal wieder durch eisiges Schweigen auffällt?   

Selbst in der Hafenstadt Poti, eine Stadt die in der Antike- von griechischen Siedlern-gegründet wurde, wird von Operationen russischer Militärs berichtet.In der griechischen Argonautensage war die Stadt das Ziel Jasons und der Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies .

Jason Pelias Louvre K127.jpg

Poti ist von außerordentlicher strategischer Bedeutung. Die Stadt ist neben Batumi, einer der großen georgischen Schwarzmeer-Häfen. Ferner ist Puti der Sitz der georgischen Küstenwache, welche mit Hilfe der USA, in den letzten Jahren, im Wert von 17,5 Milliarden Dollar modernisiert wurde.

Außerdem, hier wird die Story hochaktuell, gilt Poti als zukünftiger Zielort, für eine Pipeline von den Erdölgebieten am Kaspischen Meer.

Schauen wir auf die Karte, dann erfassen wir, worum es in diesem Waffengang geht. Auf jeden Fall nicht um ein paar Gebirgszüge im Kaukasus, sondern um die Vorherrschaft über die immensen Erdölvorkommen in Aserbaischan.

Diese Pipeline, benannt nach ihrem Ausgangspunkt, der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku, bzw. dem Zielhafen an der türkischen  Mittelmeerküste Ceyhan,stellt für Russland eine ungeheure Provokation da, wird man somit doch, vor allem in direkter geographischer Nachbarschaft, von dem Milliardengeschäft, isoliert.  In diesem  Zusammenhang sollte man nicht unerwähnt lassen, weshalb die Amerikaner in Aserbaidschan nicht so genau hinschauen, wie dort es um Demokratie und Menschenrechte bestellt ist. Frei nach dem Motto, dort wo das Öl sprudelt, dort wo Geschäft winken, verzichtet man auf den ideologischen Kreuzzug. Zumindest solange die dortigen Potentaten sich als gefügige, korrupte Werkzeuge mißbrauchen lassen. Man kennt dieses Phänomen ja aus Saudi-Arabien, dem islamisch-fudamentalistischen Gottesstaat Nr.1.

Lesebefehl: https://ramonschack.wordpress.com/2007/10/26/sleeping-with-the-devil-mit-dem-teufel-schlafensaudi-arabien-und-die-usa/

In diesem Zusammenhang darf es nicht verwundern, weshalb die Russen Poti gezielt bombardiert haben, bzw. dort jetzt ihr Unwesen- in Form von Plünderung und Demontage- betreiben. Der erwähnte Hafen wurde schon in den ersten Stunden des Krieges, durch Luftangriffe schwer beschädigt, möglicherweise sogar vollständig zerstört.   

Moskau hat es offensichtlich darauf angelegt, Georgiens ökonomische und militärische Potenz, nachhaltig zu schädigen und die Westorientierung zu stoppen.

Wie reagiert die NATO, die offensichtlich von den Ereignissen überrumpelt wurde? Nun, wie auch schon in der Vergangenheit, hat sich ein tiefer Riss, ein Zerwürfnis, gebildet. Die osteuropäischen Neumitglieder, unter Führung von Polen, bekunden ihre Unterstützung für Georgien. Aufgrund der tragischen Geschichte dieser Völker, entweder als sowjetische Kolonie, oder als Satellitenstaat, reagiert man höchst sensibel auf das Gebrüll des russischen Bären.

Aktuell sind innerhalb der NATO drei divergierende Gruppen zu erkennen. Die schon erwähnten Osteuropäer.Die Gruppe um Berlin, Paris und Rom, sowie die Gruppe USA, Kanada, und Großbritannien.

Welche Konsequenz läßt sich bisher aus diesem Krieg erkennen? Nun, die Sicherheit Europas wird eher im Kaukasus verteidigt, als in Afghanistan, am Hindukusch.

Um es in deutlichen Worten auszudrücken.

Durch die Anwesenheit der Bundeswehr in Afghanistan wird nicht Deutschland am Hindukusch verteidigt, sondern die Russische Förderation und deren Klienten. Das russische Militär beobachtet mit Genugtuung, wie das westliche Bündnis sich dort verfängt, so wie einst die „ruhmreiche Rote Armee“, zuvor die Truppen des Britischen Empire und davor die Heerscharen Alexander des Großen. Eine alte Weisheit kommt einem da in den Sinn“Afghanistan zu erobern ist einfach, es zu beherrschen unmöglich

Ein Versacken der NATO in Afghanistan entspricht den objektiven Interessen Moskaus und Pekings. Diesbezüglich äußerte sich kürzlich ein enger Berater von Wladimir Putin, an die Adresse des Westens gerichtet:“You´ll have to eat your own shit!“

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12 Responses to “Georgien versus Russland/Das Zerwürfnis in der NATO”

  1. Jörg Says:

    Danke für die fantastischen, geopolitischen Analysen. Weiter so, wenn es Deine Zeit erlaubt..

    Gruß Jörg


  2. […] auch: Ramon Schack — besonders den Abschnitt über die Erdölvorkommen in […]

  3. NUB Says:

    Auch von mir großes Lob für die Analysearbeit!

    Es zeigt sich immer wieder, dass hinter den einzelnen Ereignissen die Mächte USA, Russland, China zum Vorschein kommen, die Endrunde um die Rohstoffe losgegangen ist und Menschenleben hinter all dem als bedeutungslose Zahlen zurückbleiben.

  4. ramonschack Says:

    Jörg/NUB

    Danke für das Kompliment

    Jörg, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre…

    NUB

    Richtig, wir erleben aktuell die Rückkehr der Geopolitik…

    Gruß
    Ramon

  5. John Dean Says:

    Schwacher Text, Schack. Gründe kannst du – falls es dich interessiert – im Kommentarbereich beim Freiburgerthesen-Blog nachlesen.

    Hier:
    http://freiburgerthesen.blogsome.com/2008/08/12/immer-noch-nicht-naher-gekommen/#comments

  6. ramonschack Says:

    John Dean:

    Ich habe Deine Kritik zur Kenntnis genommen!


  7. @Ramon:
    Mein war da ja nur der Kommentarbereich. Nach all den Diskussionen, Beiträgen und Kommentaren, habe ich immer noch keine wirkliche Meinung.

    Aber bei einem bin ich mir sicher:

    Wo wir die Verantwortung nun verorten, wer das größere Dreckschwein nun sein mag: All diese Aktivitäten sind Teil des „New Great Game“, also der Geopolitik.

  8. ramonschack Says:

    @freiburgerthesen

    Die Frage nach dem größeren Dreckschwein ist völlig überflüssig, zum Verständnis der aktuellen Situation. Du hast es ja schon erwähnt, wir erleben die Rückkehr der Geopolitik,getragen von Staaten. Und Staaten, wir wissen das seit Nietsche, sind ja die kältesten aller Ungeheuer.

  9. NUB Says:

    Und Staaten, wir wissen das seit Nietsche, sind ja die kältesten aller Ungeheuer.

    Vor allem haben sie einige Eigenschaften, die Individuen fehlen und andere, die Individuen ihr Eigen nennen, Staaten jedoch nicht. Staaten werden ja gerne symbolhaft gesehen, z.B. mit dem russischen Bären. Im Gegensatz zu einem Bären reagiert ein Staat aber nicht spontan, instinktiv und kann sich auf geänderte Situationen u.U. nur mit einiger Verzögerung einstellen, um seine Interessen nicht zu gefährden und Abhängigkeiten zu beachten, seine Sicherheit zu wahren. Ein Staat ist da vielleicht mit einem Güterzug zu vergleichen, der auch nicht auf 10 Meter zum stehen kommt und auf einmal rückwärts fährt. Die Sinnesorgane des Staates sind viel komplexer, dies sind die Geheimdienste und Agenturen, ein Heer von Mitarbeitern und eine Menge Technik…

  10. ramonschack Says:

    NUB,

    ein brillianter Kommentar!

    Danke!


  11. Makrostrukturen, sage ich einfach mal, sind prinzipiell Ungeheuer. Wir erleben eine Zeit, in der wir zahlreiche dieser Makrostrukturen erleben dürfen, zahlreiche extreme Ungeheuer also. Und unter diesen Strukturen sind die Staaten vermutlich die schlimmsten (aber nicht die einzigen, die Probleme machen).

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