US-Wahlkampf:Schlagabtausch in der Megakirche

August 18, 2008

 

Auf Einladung von Pastor Rick Warren, einer der führenden Köpfe der evangelikalen Szene in den USA, kam es zu einem Schlagabtausch zwischen Barak Obama und John McCain.

Die Debatte fand in der Saddleback Church statt, einer dieser Megakirchen, die von Küste zu Küste, weit über die geographischen Kerngebiete des sog. Bible Belt hinaus, in den USA wie Pilze aus den Boden schießen.

http://www.faz.net/s/Rub0A1169E18C724B0980CCD7215BCFAE4F/Doc~E339519ABBAD94C0193417C208EC1FD0D~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Der Bible Belt, also der Bibel-Gürtel der USA, war traditionell im Deep South, im klassischen Süden der USA angesiedelt und reichte bis in den Mittleren Westen.

Gerne ignorierte man in Europa diesen integralen Bestandteil der US-Gesellschaft, der allen gesellschaftlichen Modernisierungen zu trotzen schien.

In diesem Zusammenhang sollte man daran erinnern, der Begriff „Fundamentalismus„, welcher heute eine inflätionäre Verwendung erfährt, bezeichnet ursprünglich die buchstabengetreue Auslegung-diverser Bibelzitate- durch die Evangelikalen.

Aber ich möchte mich hier nicht auf eine theologische Debatte einlassen, stattdessen auf Alexis de Tocqueville verweisen.

Dieser französische Aristokrat, Angehöriger einer elitären, priviligierten Oberschicht, war bereits 1840 -nach einem neunmonatigen Aufenthalt in der Neuen Welt- zu der Erkenntnis gelangt, daß die Demokratie, die Herrschaft des Volkes, die-im Gegensatz zu dem von Revolutionen geschüttelten Frankreich-der amerikanischen Staatsgründung  quasi friedlich in die Wiege gelegt wurde, einer auf religiöse Konformität gegründete Grundstimmung bedarf, um nicht in Anarchie und Verrohung abzugleiten. Die Gründungsväter der transatlantischen Republik, die von Aufklärung und Freimaurererei stark beeinflußt waren, was sehr zu begrüßen ist, haben zwar die gesetzlicheTrennung von Staat und Kirche verfügt, an der quasi sakralen Sonderstellung von „God´s own Country“ jedoch nicht zu rütteln gewagt.

Die USA heute befinden sich, als Führungsmacht des Westens, inmitten des historischen Prozesses, den André Malraux- schon vor über 50 Jahren- mit dem berühmten Zitat“Das 21. jahrhundert wird religiös sein, oder es wird gar nicht sein „, Geltung verschafft hat.

Während Europa bisher die säkulare, demographisch alternde Ausnahme, in einer immer religiöser werden Welt, darstellt, besuchen 80 % der Amerikaner Sonntags den Gottesdienst.

Innerhalb der Familie, des amtierenden Präsidenten der USA, lassen sich diese Tendenzen anschaulich verdeutlichen.

Bush Senior, der als Chef des CIA internationale Erfahrungen sammeln durfte, der mit der eleganten Attitüde eines typischen Ostküsten Politikers auftrat, dürfte gegenüber dem Regierungsstil seines Sohnes George Walker, der mit den Allüren eines Texas-Cowboy das diplomatische Parkett betrat, dabei viel Porzellan zerschlagen hat und sich- nach Vermeidung der eigenen Wehrpflicht in Vietnam-als War-President brüstete, eine steigende Abneigung und Entfremdung empfunden haben. Bush Senior erinnert sich noch allzu genau an die jugendlichen Ausschweifungen, dem Alkoholismus, seines  Sohnes, der eher durch Skandale, als durch Leistungen, auffiel.

Es muß diesen Elderly Statesman schockiert haben, daß dieser Tunichtgut urplötzlich von einer Art religiösen Wahn befallen wurde und seitdem behauptet, den Weisungen Gottes zu folgen.

Diese Entfremdung ging sogar so weit, daß GW Bush, bei seinem Verweis auf die Mahnungen seines Vaters, denen er gehorche, ausdrücklich betonte, damit sei nicht sein leiblicher Erzeuger gemeint, sondern der Herr im Himmel.

Wie dem auch sei, neben den demograpischen Umwälzungen in den USA, ab 2042 geraten die Amerikaner-europäischer Herkunft- in die Minderheit, ist der Aufstieg der Evangelikalen, ein weiteres Zünglein(eigentlich eine ausgewachsene Zunge) an der Waage, bezüglich der zukünftigen politischen Orientierung der Supermacht!

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5 Responses to “US-Wahlkampf:Schlagabtausch in der Megakirche”

  1. Mike Seeger Says:

    „Religion? Zum Teufel damit!“ Diese zwei kurzen Sätze bieten genug Stoff für einen langen Roman. Ich glaube weder an Gott, noch an den Teufel, doch an dem Ausspruch ist zu ersehen, wie „verseucht“ auch Atheisten, bzw. Agnostiker (trifft es besser) durch die Erziehung der Kirche sind. So lange, wie Kinder von Eltern und Kirche ihren Glauben mit der Muttermilch einsaugen (müssen), so lange es im Islam Kinderprediger gibt, die als achtjährige vor Präsidenten Hass predigen, den sie selbst weder fühlen noch begreifen, zudem gerne den Märtyrer-Tod sterben möchten und als Stars gefeiert werden, so lange die Menschen – wo auch immer in der Welt – von Anfang an daran gehindert werden unbeeinflusst von Religion aufwachsend, nur mit ethischen und moralischen Grundwerten „bewaffnet“ ein freies und selbst bestimmtes Leben zu leben, so lange wird es keinen wirklichen Weltfrieden geben.
    Das ist bestimmt kein Aufruf zur Diskussion, denn die würde uferlos.

  2. Jörg Says:

    Religionsfeinde aller Länder vereinigt euch!

  3. ramonschack Says:

    Mike
    „Das ist bestimmt kein Aufruf zur Diskussion, denn die würde uferlos“

    Dannhandelt es sich also um ein Manifest?

    Jörg

    Na,na,na!

  4. Mike Seeger Says:

    Mein ganz persönliches, ja!

    Liebe Grüße
    Mike

  5. Osama Says:

    Ne ganz einfache allgemeine Festellung ist doch: „Was ist das besondere an dieser Wahl?“. Ich kenne weder von Obama noch von McCain die wahre politische Vorgeschichte. Mir ist die Wahl in den USA (wenn sie überhaupt stattfindet) sowas von egal. Der Fahrplan für die nächsten Monate und Jahre steht doch sowieso.

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