Historische Dokumente:Stalinismus und Personenkult:Der Fall von Berlin

August 23, 2008

Im Januar 1949 geiferte das sowjetische Zentralorgan PRAWDA( Die Wahrheit):

Unkontrollierte, böswillige Kosmopoliten, Profitjäger ohne Wurzeln und ohne Gewissen […] Gewachsen auf der schimmligen Hefe des Kosmopolitentums, der Dekadenz und des Formalismus der Bourgeoisie […] Nationalisten, hier nicht heimisch, ohne Mutterland, die unsere proletarische Kultur mit Gestank vergiften“

Die Kampagne gegen „wurzellose Kosmopoliten„, gegen „Westler“, wurde eröffnet, der bis zu Stalins Tod 1953, in der Sowjetunion und in Osteuropa, unzählige Menschen zum Opfer fallen sollten.

Alle Bürger des kommunistischen Weltreiches, die internationale Kontakte besaßen, über verwandtschaftliche Beziehungen im Ausland verfügten, vor allem jenseits des „Eisernen Vorhanges“, waren jetzt akut gefährdet.  

Die sowjetische Propaganda vermied es zu erwähnen, um wen es hier eigentlich ging. 4 Jahre nach dem Holokaust, wäre es auch der Weltöffentlichkeit schwer zu vermitteln gewesen. Stalin plante mit den Juden- im Parteiapparat und in der Gesellschaft- abzurechnen.

In den darauffolgenden Monaten und Jahren, überlebte kaum ein prominenter, kommunistischer Führer, jüdischer Herkunft, den einsetzenden Terror. Slansky wurde in Prag ermordet, Anna Pauker in Rumänien beseitigt, in der DDR wurden fast alle Juden aus einflußreichen Positionen verdrängt, bis auf Herman Axen.

4 Jahre nach dem 2. Weltkrieg, aus der die UdSSR als Sieger hervorging, hatten sich die Hoffnungen, der leidgeprüften Menschen zwischen Ostsee und Pazifik, zwischen Elbe und Oder, nicht erfüllt. Der Lebensstandart blieb niedrig, sporadische Hungersnöte erschütterten das Imperium, die Diktatur allgegenwärtig.

Zu dieser Zeit ließ der utopische Sozialist George Orwell, seine Erfahrungen mit dem Stalinismus, in sein berühmtes Werk 1984 einfließen. Bitte den Link anklicken:http://www.youtube.com/watch?v=J7Kznmrc3o4&feature=related

Der Terror nahm die alten Formen an, der Personenkult um Joseph Stalin erlebte einen neuen Höhepunkt, der Züge eines religiösen Wahnes beinhaltete.  

Das Bild, das sich die Menschen von Stalin machten, war Produkt einer bewussten Fälschung. Stalin war von kleiner Gestalt, der linke Arm verkrüppelt, das Gesicht pockennarbig, er wirkte schmalschultrig. „Erst nach einiger Zeit wurde mir klar, dass der Mann, dem ich gerade begegnete, Stalin war“, sagt Leonid Zamjatin, ehemals Mitarbeiter im sowjetischen Außenministerium, im Interview: „Ich kannte ihn nur von diesen majestätisch monumentalen Porträts.“ Es existieren nur wenige bewegte Bilder des Kremlherrschers. Pedantisch kontrollierte er jede Filmaufnahme.  

Hierzu ein interessanter Artikel“Als Stalin John Wayne töten lassen wollte“: Lesebefehl:  http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/299/77222/

Anbei ein Ausschnitt aus dem Film“ Der Fall von Berlin“, aus dem Jahr 1949. Regie führte Stalins Leibregisseur Mikhail Chiaureli. Stalin wird gespielt von Mikheil Gavoli.

Stalin w Berlinie Stalin in Berlin

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4 Responses to “Historische Dokumente:Stalinismus und Personenkult:Der Fall von Berlin”

  1. Nicolao Coelho Says:

    Hier noch weitere Informationen zu Slansky und den ebenfalls zum Tode verurteilten Mitangeklagten:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Sl%C3%A1nsk%C3%BD

    Übrigens Anna Pauker wurde nicht beseitigt,sprich getötet siehe:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Ana_Pauker

    Im Zusammenhang mit dem Slansky-Prozess kann ich den Film von Costa-Gavras : L`Aveu , Das Geständnis empfehlen.

    http://www.kinotv.com/page/film.php?filmcode=2531

    Basierend auf den Erzählungen eines der Mitangeklagten, Artur London, der nicht zum Tode verurteilt wurde.

  2. Nicolao Coelho Says:

    Die englische Wiki-Fassung ist umfassender:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Sl%C3%A1nsk%C3%BD#cite_note-0

  3. ramonschack Says:

    Lieber Nico,

    danke für die Links.
    Das Thema scheint Sie ja auch zu interessieren, deshalb sende ich IHnen demnächst ein paar Links per E-Mail.

    Schöne Grüße
    R.S

  4. wolfang sörgel Says:

    Der Stalindarsteller war Michail Gelovani (nicht „Gavoli“!),Abkömmling eines georgischen Fürstengeschlechts..

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