Der Kaukasuskonflikt:Von Ossetien, über Abchasien, nach Transnistrien

August 24, 2008

Die brüchige Waffenruhe im Kaukasus wurde heute von einer schweren Explosion erschüttert. In der Nähe der georgischen Stadt Gori, an der Grenze zu Süd-Ossetien, fuhr ein Güterzug-offensichtlich- auf eine Miene.

http://www.nzz.ch/nachrichten/international/zug_gori_explosion_1.814862.html

In Berlin und Paris blickt man verwundert, auf den sich hinziehenden -vertraglich vereinbarten- Truppenrückzug der Russen. Das von Sarkozy und Medwedew -TV-gerecht- unterzeichnete Papier glänzt geradezu vor Schlampigkeit und ist mit Vertragslücken durchzogen, die jetzt von Moskau eifrig ausgenutzt werden. 

Beobachter gehen schon davon aus, es findet überhaupt kein Rückzug statt.

Mann kann sich des Eindruckes nicht verwehren, Moskau plane Georgien weiter im Würgegriff zu halten, zumindest solange Saakashwilli, dessen Tage mittelfristig ohnehin gezählt sein dürften, dort noch das Sagen hat.   

Hektischer Aktionismus dominiert das politische Geschehen, auf allen Seiten. Bundeskanzlerin Merkel plante sogar einen „Kaukasusgipfel„, aber ohne Russland. Man stelle sich vor, irgendwer würde einen Karibik-Gipfel, ohne die USA, veranstalten. Stattdessen standen neben Georgien, Aserbaidschan, Turkmenistan und Armenien, auf der imaginären Einladungsliste.

Droht ein „Neuer Kalter Krieg„, wie manche Kommentatoren munkeln? Natürlich nicht! Die aktuelle geopolitische Situation entspricht nicht im entferntesten der Konstellation des Kalten Krieges, vor allem aber fehlt der ideologische Überbau. 

Was aber droht ist ein langanhaltendes Zerwürfnis zwischen Russland und der NATO, bzw. dem Westen, zu einem Zeitpunkt wo man sich gegenseitig dringender benötigt, als jemals zuvor. 

Dafür kann man getrost auf die überflüssigen Aussagen von Gerhard Schröder verzichten, der sich in der letzten Ausgabe des  Spiegels ausführlich zu Wort melden durfte.

Der Altkanzler hat natürlich Recht. Westeuropa ist auf eine empfindliche Art und Weise von Russland abhängig. Dazu hatte Gerhard Schröder, während seiner unrühmlichen Amtszeit, ja auch seinen gewichtigen Beitrag geleistet, nicht ohne seine Altersversorgung, als Gasprom-Günstling, lukrativ abzusichern.   

Die NATO wirkt momentan wie ein Papiertiger, die der neuen Putin-Doktrin, getragen von imperialen Ambitionen und vom großrussischen Nationalismus, wenig entgegenzusetzen hat.  

In Washington ist man darum bemüht, eine totale Konfrontation mit Moskau zu vermeiden, wohl wissend, die brennenden sicherheitspolitischen Probleme unserer Zeit, werden ohne die Mithilfe Russlands nicht zu meistern sein.

Das ist um so erstaunlicher, wo doch gewisse Politiker unentwegt betonen, unsere Freiheit und Sicherheit, wird am Hindukusch, in Afghanistan, verteidigt, in direkter geographischer Nachbarschaft zur Volksrepublik China.   

 

Die dortige ISAF-Truppe, die ursprünglich unter der Autorität der UNO für Aufbau und Stabilisierung zuständig war-von „Nation building“ möchte ich lieber nicht sprechen-; wurde seitdem dem NATO-Kommando unterstellt.

Es sollte einem zu Denken geben, dass die dortige Operation „Enduring Freedom“, die ja schon bald länger andauert als der 2. Weltkrieg, bisher weder zu Freiheit- noch zu irgendeinem Frieden geführt hat. Stattdessen verstricken sich die westlichen Truppen, im Süden Afghanistans, in einen heftigen Abnutzungskrieg, gegen straff organisierte Aufstandstgruppen, die man oberflächlich mit dem Sammelbegriff „Taleban“ bezeichnet.

Diese Taleban sind übrigens dabei, im Westen Pakistans die Macht zu übernehmen, in dem Atomwaffen- Staat, mit einer größeren Einwohnerzahl Russlands, der sich im freien Fall befindet. Ein altraumhaftes Szenarion bahnt sich dort an, während gewisse Strategen, die weder die Irakisierung Afghanistans verhindern können, noch die vollständige Befriedung des Iraks, und den Verbündeten Georgien sprichwörtlich im Regen stehen lassen, schon auf den Iran schielen.    

Nicht weit vom afghanischen Kundus, dort wo die  deutsche Garnison stationiert ist, liegt die Republik Tadschikistan, die einzige persischsprachige der ehemaligen Sowjetrepubliken. In Tadschikistan, auf den Anhöhen des Pamirs, ist übrigens die 201. russische Infanteriedivision stationiert.

In Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans, findet am kommenden Mittwoch ein Gipfeltreffen der Schanghai-Gruppe SCO statt.

Erklärtes Ziel der SCO war und ist die Intensivierung der Zusammenarbeit in Zentralasien beim Kampf gegen „die drei bösen Kräfte” Terrorismus, Separatismus und Extremismus. In den USA hat man inzwischen das Gewicht der SCO erkannt , die sich zu einem Rivalen für die Nato entwickeln könnte. Peking trieb die Gründung dieser Organisation voran. Gerade auch weil der Westen versuchte, dieses Problem im Alleingang zu bewältigen und dabei die legitimen Sicherheitsbedürfnisse Chinas und Russlands ignorierte. Sicherlich kann die SCO einen Beitrag bei der Bekämpfung des Dschihads leisten. Ehemals verfeindete Nationen, wie beispielsweise China, Russland und Indien, kooperieren heute aufs Engste miteinander. Noch besser wäre es allerdings, Ost und West würden diesbezüglich an einem Strang ziehen.

Diesem Treffen sollten wir die höchste Aufmerksamkeit schenken. Einerseits wird sich wohl dort die gewichtige Stimme der Volksrepublik China, zu den Vorfällen im Kaukasus, erheben, andererseits wird man dort auch die zukünftige Taktik Moskaus erkennen können. Eventuell wird der Islamischen Republik Iran, die Vollmitgliedschaft, statt wie bisher nur der Beobacherstatus, dieses Staatenbündnisses verliehen.    

Sowohl Moskau als auch Peking dürften den USA somit, wenn es denn so kommen sollte, die Grenzen der Einflußnahme aufzeigen. 

Der NATO ist dringend eine gründliche Neudefinition, und auch eine Umstrukurierung, zu empfehlen, basierend auf knallharter Realpolitik und nicht auf träumerischen, ideologisch verzerrten Worthülsen. Gerade im Bezug auf die kommenden Herausforderung.   

Aber wenden wir den Blick zunächst ab, von den schneebedeckten Gipfeln des Hindukusch und des Kaukasus und streifen über die Landkarte Eurasiens, in unsere Breitengerade, nach Transnistrien.

Karte Transnistrien 02 02.png

Den meisten Lesern dürfte dieser absurde Gebietsstreifen, zwischen Moldawien und der Ukraine, in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen EU-und NATO-Mitglied Rumanien, ähnlich bekannt sein, wie Ossetien oder Abchasien, bis vor Beginn des aktuellen Kaukasuskonfliktes.

Aber mit Abchasien und Ossetien hat Transnistrien eine Gemeinsamkeit. Es handelt sich um ein De -fakto-Regime, wie man solche, international nicht anerkannten, Territorien in der Politikwissenschaft zu nennen pflegt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Stabilisiertes_De-facto-Regime

Wie auch Ossetien und Abchasien, Nagorny -Karabach wäre in diesem Zusamenhang auch zu nennen, handelt es sich bei diesen Gebieten um die geopolitischen Splitter, welche aus dem blutigen Zerfallsprozess der Sowjetunion hervorgegangen sind, mit denen sich Russland seinen Einfluß in Gebieten sichern kann, aus denen es sich eigentlich schon längst zurückziehen mußte.

1992 kam es zu einem blutigen Krieg zwischen Moldawien und Transnistrien. Als sich Moldawien von der Sowjewunion abspaltete, erklärte Transnistrien, überwiegend von ostslawischen Einwanderern geprägt, seine einseitige Unabhängigkeit . Mit den rumänischsprachigen Moldawiern, die damals noch eine Vereinigung mit Rumänien anstrebten, Moldawien ist die ehemalige rumänische Provinz Bessarabien, die nach dem 2. Weltkrieg von der UdSSR annektiert wurden ist, wollte die reaktionäre Führung in Transnistrien nichts zu schaffen haben. Bis heute schwelt der Konflikt. Transnistrien hat sich in eine poststalinistische Wagenburg verwandelt, unterstützt von Moskau.

Sollte der aktuelle Konflikt auf die Ukraine übergreifen, einige Anzeichen sprechen dafür, wäre Transnistrien ein Splitter im Rücken der Ukraine, bzw. ein weiterer Stolperstein bei der Westausdehnung der NATO.

Anbei eine interessante Dokumentation aus Transnistrien.

ransnistrien

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One Response to “Der Kaukasuskonflikt:Von Ossetien, über Abchasien, nach Transnistrien”

  1. Jörg Says:

    Klasse Artikel.Biete diese Blog-Beiträge doch einer Zeitun an, dann kannste etwas Geld verdienen.

    Ich frage mich auch,was die Russen in Kaliningrad und Belaruß anstellen könnten!

    Schreibst Du was darüber?

    Gruß
    Jörg

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