New Orleans/Klage um eine Kurtisane/Ein Abend mit Romina Power

September 1, 2008

Heruntergekommen, abgetakelt, modrig und morbid erschien mir die Stadt, bei meiner Ankunft, damals im Sommer 1993.

Es war nur ein Zwischenstopp, nach einer ausgedehnten Reise durch Nordamerika, von Montreal bis nach Mexico-City, entlang der kalifornischen Westküste, quer durch die Wüste, bis ins Mississippi-Delta nach New Orleans. Ein letzte Auszeit, bevor ich mich für einige Monate in New York City niederlassen sollte.    

Man hatte uns gewarnt, vor dem „Deep-South“, dem tiefen Süden der Staaten, drüben in San Francisco, in L.A, im „Traumland Kalifornien“. Dort sei es so wie  im deutschen Osten, total rückständig.

In der Tat schien die erste Begegnung mit einem Einheimischen alle Klischees zu bestätigen.“Oh Germany-I hate Jews-I love Hitler“, brüllte dieser Redneck erfreut, nachdem wir ihm  seine Frage,“ where you from?“;wahrheitsgemäß beantwortet hatten.   

Es sollte dann noch einige Tage andauern, bis wir uns erfreuen konnten, an dem einzigartigen, etwas versumpften, Charme dieser unerhörten Stadt.

Ja, New Orleans war damals wirklich noch die Kurtisane unter den US-Metropolen, wie es William Faukner einmal ausgedrück hatte. Die Wiege des Jazz, Geburtsort von weltbekannten Künstlern wie Louis Armstrong und Truman Capote, ein spezieller Bevölkerungsmix aus Afro-Amerikanern, Franzosen, altenglischem Geldadel, verarmten Großgrundbesitzern, unter schwühlheißen, fast schon karibisch-tropisch anmutenden, klimatischen Rahmenbedingungen.  

Nachts streiften wir durch die Blues-, Jazz- und Soulkneipen der Bourbon-Street, berauschten uns an den akkustischen Signalen dieses musikalischen Mekkas, sowie dem gastronomischen Highlights der örtlichen Cajun-Cuisine.

Draußen, auf den Straßen, präsentertierten  sich die Huren  in -für nordamerikanische Verhältnisse-ungewohnt freizügigen Posen. Jenseits der Hauptstraßen herrschte wie eh und jeh, besonders nach Einbruch der Dunkelheit , Mord und Totschlag, der alltägliche Überlebenskampf großer Bevölkerungsgruppen, seit Generationen abgehängt, von den Verheißungen des American Way Of Live.    

Der Untergang des alten Südstaaten-Geldadels und der gleichzeitige Aufstieg der durch Einwanderer geprägten Supermacht, wie sie die Nordstaaten der USA verkörperten, erschien mir damals allgegenwärtig, aber noch unentschieden. New Orleans empfand ich als eine Art Sonderzone, eine feuchtheiße Oase, eine Lebensstil-Enklave, inmitten der von permanenter Mobilität, fieberhafter Dynamik und immer neuen Einwanderungswellen geprägten US-Gesellschaft.

Tennessee Williams  hatte dieses Phänomem seinerzeit ja eindrucksvoll dargestellt, in seinem weltberühmten Drama „ENDSTATION SEHNSUCHT/A STREETCAR NAMED DESIRE . Bitte den Link anklicken:http://de.youtube.com/watch?v=o_lToyPAUyE&feature=related

Eines Tages, es war wohl kurz vor der Abreise, lernten wir dort Al Bano und Romina Power kennen, die ihre in New Orleans ansässige Tochter besuchten. Gemeinsam zogen wir um die Häuser, wurden dicke Freunde, zumindest für diese eine Nacht.    

 

Once. When I was younger/Romina and Ramon von Ihnen.

FOTO:Ramon Schack und Romina Power/Sommer 1993/New Orleans/Louisiana/USA ALL Rights Reserved.

Besonders mit Romina, der Tochter des Hollywood-Superstars Tyron Power, verstand ich mich ausgesprochen gut.

Foto:Tyrone Power, Vater von Romina Power:  http://de.wikipedia.org/wiki/Tyrone_Power

 

Ich berichte es hier ja nur ungern, aber Al Bano wurde an diesem Abend etwas eifersüchtig. Ein Glas flog irgendwo, irgendwie, irgendwann gegen eine Wand. Schwamm drüber, wir lachten sehr viel in dieser Nacht ,wir hatten Spaß. 

Monate später, ich lebte schon ein halbes Jahr in Manhattan, wahrscheinlich hatte ich diesen Abend in New Orleans kurzzeitig vergessen, sah ich ein Foto von Al Bano und Romina Power in der New York Times, aufgenommen in New Orlens. An diesem Tag war die Tochter der beiden musikalischen Stars eben dort spurlos verschwunden. Bis heute, 14 Jahre später, ist sie nie wieder aufgetaucht. http://de.wikipedia.org/wiki/Ylenia_Carrisi

Zur Stunde rast der Hurrican Gustaf auf New Orleans zu. Drei jahre nach Katrina, einer Katastrophe in der das alte, einmalige, New Orleans für immer untergegangen ist.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,575633,00.html

Fast prophetisch erscheinen mir heute die Worte von William Faulkner:New Orleans … eine Kurtisane, deren Reiz der Gereifte mächtig verspürt, deren Zauber der Junge unfehlbar erliegt. Und wer immer ihr treulos wird, und die Jungfrau sucht, mit dem Haar weder recht Braun noch recht Gold, und der bleichen und eisigen Brust, an der noch kein Liebender dahinstarb, kehrt zurück, wenn sie lächelt über’m matten Flügelschlag ihres Fächers …

New Orleans/Klage um eine Kurtisane“ 

 
William Faulkner, New Orleans. Skizzen und Erzählungen

 

 

 

 

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2 Responses to “New Orleans/Klage um eine Kurtisane/Ein Abend mit Romina Power”


  1. […] Einige Navajos, aus einer benachbarten Siedlung, halfen uns bei der Instandsetzung unseres Autos. Wir verbrachten 2 unvergessliche Tage bei diesen gastfreundlichen Ureinwohnern, bevor wir unsere Reise in Richtung New Orleans forsetzten. Lesen Sie dazu auch..https://ramonschack.wordpress.com/2008/09/01/2803/ […]

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