„Schwere Depressionen und Demenz!“/Asif Zardari-Pakistans neuer Präsident

September 8, 2008

Der Patient leide unter schweren Depressionen und Demenz„, schrieb kürzlich ein renomierter New Yorker Psychiater, über Asif Zardari.

Herr Zardari, der heute als Präsident Pakistans vereidigt wird, ließ dieses Gutachten anfertigen, um der Vorladung eines britischen Gerichtes, aufgrund von Geldwäsche, entgehen zu können.

Solche Winkelzüge hat Herr Zadari nun nicht mehr nötig. Der Einzug in den Präsidentenpalast von Islamabad gewährt ihm Immunität.

Allerdings sieht sich der Ehemann, der ermordeten Politikerin Benazir Bhutto, jetzt mit viel größeren Herausforderungen konfrontiert.

Es geht um die Zukunft Pakistans.

Pakistan, mit einer größeren Einwohnerzahl als Russland versehen, demographisch explodierend, befindet sich im freien Fall.

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Diese 1947, aufgrund der Teilung Britisch-Indiens, am Reißbrett entstandenen Nation, geboren in Blut und Tränen, verfügt nicht nur über ein gewaltiges Atomwaffenarsenal, sondern ist inzwischen auch zum Aufmarschgebiet und Schlachtfeld der Taliban mutiert.

Eingeklemmt zwischen den Giganten Indien und China, dem Iran und Afghanistan, wird Pakistan von gewaltigen Interdependenzen erschüttert. Die politische Klasse ist korrupt, das gilt für alle Lager, die ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen sind desaströs.

In den paschtunischen Stammesgebieten, an der pakistanisch-afghanischen Grenze, haben die pakistanischen Behörden schon längst die Kontrolle verloren. In Teilen Pakistans herrscht offener Bürgerkrieg. 

Der Zerfallsprozess Pakistans begann schon vor langer Zeit. Er beschleunigte sich, als George Bush Pakistan als Allierten im sogenannten „War against Terror“ auswählte. Seit dem 11. September 2001 erhielt Pakistan ungefähr 10 Milliarden US-Dollar an Militärhilfe. Zardaris Amtsvorgänger, General Musharraf, dessen Regierungszeit alles andere war, als ein „Leuchtturm der Demokratie“, konnte den Niedergang Pakistans nicht aufhalten.

Ob Zardari dazu in der Lage sein wird, ist zur Stunde höchst ungewiss. Im In-und Ausland bestehen, nicht zu Unrecht, starke Zweifel.

Zu seiner größten Herausforderung, der Niederwerfung des islamistischen Aufruhrs in den pakistanischen Paschtu-Gebieten, hat er sich, wohl aus guten Gründen, noch nicht geäußert.

Sowohl Barack Obama, als auch John McCain, haben schon erwogen, in Pakistan selbst, aus militärischer Perspektive durchaus logisch, eine zweite Front zu errichten, zur Zerschlagung des Ruheraums und des Rückzuggebietes der sog. Taliban. Nebenbei möchte man aber auch noch den Iran ausschalten, Russland und China in Schacht halten, und vieles, vieles mehr.

Ja, bei dieser wahrlich globalen Perspektive, hatte man kürzlich Georgien völlig übersehen. Diesem engen verbündeten des Westens konnte man neulich nicht direkt beistehen. Obwohl der Kaukasus uns Europäern geographisch viel näher liegt, als der Hindukusch in Afghanistan, wo man angeblich unsere Sicherheit verteidigt. 

Der geistesgestörte lybische Staatschef Muammar al-Gaddafi, der nun wirklich ein Pate und aktiver Unterstützer des internationalenTerrorismus war, an dessem  totalitärer Herrschaft sich nichts geändert hat, gilt ja auch plötzlich als Hätschelkind der westlichen Diplomatie. Wunderlicher Westen! 

Aber zurück ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet.

Ob so ein militärisches Unterfangen die Lage in Afghanistan stablisieren könnte, oder in Pakistan selbst zu politischen Explosionen führen wird, ist ungewiss. So viel ist aber sicher, 6 Jahre „Enduring Freedom“, unter dem Aufgebot der gewaltigen Militärmaschine des Westens, haben weder Afghanistan, noch der Region, Stabilität gebracht.

Da mögen sich manche schlichte Gemüter an dem praktizierten Stimmzettel-Fetischismus erfreuen, der angeblichen Wunderwaffe des Westens bei der Beseitigung von Diktatur und Despotie. Wie erfolgreich dieses Modell funktioniert, kann man ja in Gaza bewundern, um nur ein Beispiel zu nennen. Bei den engen Verbündeten, so lange diese sich  gefügig zeigen, verzichtet man in Washington dann ja auch auf demokratische Experimente, die diesen Namen auch verdienen.Ägypten, vor allem aber Saudi-Arabien, wären diesbezüglich als Beispiel zu nennen. 

In Pakisten erleben wir aktuell das Drama unserer Epoche, wie unter einem Brennglas.

Den Aufstand uralter Mythen, im Verbund mit Massenvernichtungswaffen. Aber auch das Scheitern des „War against Terrors“, zumindest in seiner bisherigen Form.

Die Entwicklungen in Pakistan geben ein viel größeren Anlass zur Sorge, als das angebliche, oder tatsächlich, angestrebte Atomwaffenprogramm des Irans.

TRÜBE PERSPEKTIVEN NACH ZARDARIS-WAHL: Lesebefehl:http://www.nzz.ch/nachrichten/international/truebe_perspektiven_nach_zardaris_wahl_1.826324.html

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