Die 1989er-Eine Generation in der Krise?

Oktober 18, 2008

Gestern, bei der langen Ausfahrt aus Berlin, wurde ich plötzlich wieder mit dem Gefühl konfrontiert, in einem Zeitalter der beschleunigten, historischen Entwicklung zu leben.

Wir hatten gerade mit unserem PKW die ehemalige Grenzkontrollstelle bei Staaken passiert. Links und Rechts der Fahrbahn tauchten die verlassenen, sich in einem Zustand des fortschreitenden Zerfalls befindlichen,  Gebäudekomplexe der sowjetischen Streitkräfte auf, die dort, bis 1989, die Demarkationslinie zwischen der DDR und der Frontstadt West-Berlin überwachten.

Wie archeologische Fundstücke, aus einer längst vergessenen Epoche, präsentierten sich diese Immobilien aus der Zeit der Bipolarität, aus der Zeit des „Kalten Krieges“.

Ich erklärte A., Jahrgang 1980, wie es früher war, vor dem Mauerfall, wenn man aus Westdeutschland anreiste, auf der Transitstrecke nach West-Berlin, die man auf gar keinen Fall unterwegs verlassen durfte, um beispielsweise irgendwo abzubiegen, sich der Frontstadt West-Berlin näherte, vorbei an diesen erwähnten Kasernen der Roten Armee, um sich erneut einer Grenzkontrolle zu unterziehen.

Ich erzählte ihr von den Propagandaplakaten“DDR mein Staat mein Stolz“/“Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen„, von den Grenzschikanen, dem unguten Gefühl, welches den meisten Reisenden beim passieren der DDR ergriff, sowie der anschließenden Erleichterung, bei der Einfahrt nach West-Berlin, der Begegnung mit den strahlenden Lichtern der westlichen Konsumgesellschaft, welche damals noch heller schienen als heute, nachdem man einige Stunden auf dem dunklen Territorium des Kommunismus verbracht hatte, wo höchstens die Grenzanlagen in ein gespenstisches Licht getaucht waren, nach Einbruch der Dämmerung, um die eigenen Bürger vom Verlassen des dunklen „Arbeiter- und Bauernparadieses“ abzuhalten. 

Interessant„, antwortete A.“ Das hätte ich auch gerne einmal erlebt„, fügte sie hinzu.

Schlagartig fühlte ich mich wie ein Greis, der von seinen Frontberichten aus dem 2. Weltkrieg erzählte. Nicht 9 Lebensjahre, sondern Jahrhunderte, schienen uns zu trennen.

Die Fahrt ging weiter, Richtung Westen.

On the Road/Unterwegs von Ihnen.

Wir, die 1989er, die noch bewußt den Mauerfall erlebt haben, in der Zeit davor aufgewachsen sind, dann die hedonistischen Verführungen und globalen Versprechungen der  goldenen 1990er Jahre genießen konnten, bis zum 11. September 2001, sind eine spezielle Generation, dachte ich bei mir. 

Hamburg Germany summer 2001 before I moved to London von Ihnen.

Liegen die besten Jahre schon hinter uns? Sind wir eine Generation in der Krise?

Lesebefehl:

  http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~EA1CBF5BA1228406CBE49BDF152BBEB20~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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2 Responses to “Die 1989er-Eine Generation in der Krise?”

  1. Astrid Says:

    Das ist ja wirklich ein sehr spannender Artikel. A. muss vom Hedonismus getrieben sein.

  2. ramonschack Says:

    Astrid

    sprechen wir lieber von der Gnade der späten Geburt

    lG
    Ramon

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