Deutschland treibt in die Rezession/Besuch in Frankfurt an der Oder

Oktober 27, 2008

Deutschland treibt in die Rezession, berichtet heute-unter Anderem- die NZZ.

Lesebefehl:http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/boersen_und_maerkte/deutschland_treibt_in_die_rezession__1.1175852.html

Na, das war ja auch zu erwarten. Die Situation ist besonders delikat, uns steht 2009 ein sogenanntes Superwahljahr bevor. 

Gestern besuchte ich -zusammen mit A. und M.- die sterbende Stadt Frankfurt an der Oder, direkt an der deutsch-polnischen Grenze.

Frankfurt(O)/Germany von Ihnen.

Frankfurt an der Oder ist eine Stadt mit rekordverdächtiger Abwanderung und Arbeitslosenquote, ja mit ungünstigen Sozialprognosen.

http://www.ostblog.de/2007/01/hart_an_der_grenze_frankfurt_o.php

Bei unserer Einfahrt begrüßten uns nicht nur die leerstehenden Plattenbauten, die zu DDR-Zeiten anscheinend wie mit der Streubüchse , inmitten historisch gewachsener Stadtteile, errichtet wurden, sondern  auch ein Begrüßungsplakat, von dem ein hübsches dunkelhäutiges Mädchen lächelnd die Besucher willkommen hieß, mit einem Begleittext versehen, der mahnend, fast verzweifelt, an die angeblich, ausgeprägte Weltoffenheit, und Europafreudigkeit, dieser Grenzstadt und ihrer Bewohner, erinnerte.

Beim Herumkurven durch die Straßen, konnten wir uns schnell vom Gegenteil überzeugen. Aus vorbeifahrenden Fahrzeugen glotzten nicht selten die feindselige Visagen unfreundlicher Zeitgenossen, welche zuvor, wild hupend, ihren Unmut über unsere Ankunft ausdrückten, Frei nach dem Motto-wir mögen hier keine Fremden-dabei neidisch auf das Fahrzeug der Marke BMW, die blonden Haare von A.,sowie das  spanische Nummernschild warfen.

Ich sollte in diesem Zusammenhang erwähnen, das unser Auto mit einen spanischen Kennzeichen versehen ist.

Schließlich parkten wir in der ausgestorbenen Innenstadt, bummelten zum Oder-Ufer und überquerten die Europa-Brücke, ins benachbarte polnische Slubice.

Dort entfaltete sich, ganz im Gegensatz zu Frankfurt, eine rege ökonomische Aktivität, in Form von geöffneten Geschäften, bummelnden Passanten und Tagestouristen.

Slubice Poland/Polen von Ihnen.

Während in Frankfurt Passanten mißmutig auf Parkbänken hockten, wohl in der Hoffnung Vater Staat, Oskar Lafontaine, oder Udo Voigt, möge sie von der ökonomischen Misere, in Form eines „Arbeitsbeschaffungsprogrammes“, erlösen, von „Fremdarbeitern“ und fremdländischen Einflüssen befreien, dabei feindselig auf das polnische Ufer schielten und sich einer fatalen politischen Sehnsucht nach gestern, bisweilen auch vorgestern, hingaben, wird in Slubice auch am Sonntag gearbeitet, gewerkelt, hier und da ein neues Geschäft eröffnet, frei von den engen Vorgaben der bundesdeutschen Bürokratie und der jeweiligen Ordnungsämter.

Slubice Poland/Polen von Ihnen.

Die einzigen Menschen- die in Frankfurt freundlich lächelten- waren die Besitzer eines pakistanischen Restaurants und ein nettes, einheimisches Ehepaar, welches mich über die dortige Europauniversität informierte, der Hochschule an der Gesine Schwan ihre Lehrtätigkeit ausübt. 

Frankfurt kann bis heute kaum von der EU-Osterweiterung ökonomisch profitieren. Die dortige Bevölkerung, besonders die jungen, ehrgeizigen und gebildeten zieht es in die westdeutschen Ballungsgebiete. Vor dem Hintergrund eines akuten Fachkräftemangels, übrigens auf beiden Seiten der Grenze, Millionen von jungen Polen sind in den letzten Jahren ins Ausland gezogen, haben sich Vertreter der brandenburgischen mittelständischen Wirtschaft, wie auch fast alle Bürgermeister dieser Grenzregion, für eine sofortige Arbeitnehmerfreizügigkeit ausgesprochen.

Denn, ganz im Gegenteil zu den unqualizierten Äußerungen selbsternannter Expertinnen, bitte den Link anklicken http://www.pi-news.net/2007/12/macht-hoch-die-tuer-die-tor-macht-weit/, besteht nur in einer weiteren Vertiefung, Öffnung und Integration dieser Grenzregion, die Chance auf eine ökonomische Gesundung.

Inzwischen haben sich die Dinge ja eh ins Gegenteil umgekehrt. Statt von „polnischen Kriminellen“ überflutet zu werden, wird das Arbeiten auf der polnischen Seite, für deutsche Arbeitnehmer, immer attraktiver. Die Firmen in Westpolen suchen dringend qualifizierte Arbeitskräfte, zahlen in Euro und orientieren sich am deutschen Lohnniveau.

Ferner profitiert der Einzelhandel im fernen Osten der Bundesrepublik inzwischen von der gestiegenen polnischen Kaufkraft, bzw. vom starken Zloty. Polen kommen zum Einkaufen nach Brandenburg, in großer Zahl.

Ja, Frankfurt an der Oder ist wirklich eine Reise wert.  Besucher sind dort herzlich Willkommen, so sehr , daß man Reisende kaum ziehen lassen möchte.

Nachdem wir in Slubice einige Kleinigkeiten erworben hatten, bestiegen wir unseren Wagen,passierten die offene Grenze und wurden in Frankfurt von einem Fahrzeug des Bundesgrenzschutz aufgefordert“Bitte Folgen“!

Nach einer kleinen Odysee, durch unzählige Seitenstraßen, wurden wir schließlich zum Anhalten genötigt. Zwei Beamte der Bundespolizei näherten sich breitbeinig der Fahrertür. „Sprechen sie deutsch“ ? wurde durch das geöffnete Fenster gebellt. Als M. diese Frage bejahte, antworte der Polizeibeamte, dabei sarkastisch lächelnd und sich die Hände reibend“Na, das ist ja schön!“  , bevor er im Befehlston, ohne bitte und danke, nach unseren Papieren verlangte.

Es entwickelte sich ein kleines Streitgespräch zwischen mir und diesem Grenzschützer, welches sich etwas entspannte, nachdem ich ihm meinen Presseausweis präsentierte. Auf meine Frage, warum ausgerechnet ein Fahrzeug mit spanischem Kennzeichen zur Kontrolle ausgewählt wurde, obwohl Spanien schon Mitglied der Europäischen Union war, als Frankfurt Oder noch zum totalitären DDR-Staatswesen gehörte , bzw. ob er sich nicht gefälligst gegenüber ausländischen Besuchern einen weniger schnoddrigen Umgangston angewöhnen könnte, blieb er mir einige vernünftige Antworten schuldig. „Weil es mich interessierte, was sich in diesem Auto befindet!“ äußerte sich dieser Bürger in Uniform, im Gassenjargon, und erzeugte damit den Verdacht, er würde seine private Neugier, mit beruflichem Interesse verwechseln. Ich notierte mir seine  Dienstnummer. Noch in dieser Woche wird sich dieser Herr, gegenüber seinen Vorgesetzten, erklären dürfen.

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10 Responses to “Deutschland treibt in die Rezession/Besuch in Frankfurt an der Oder”

  1. Nicolao Coelho Says:

    Lieber Ramon,

    haben Sie schon einmal etwas von der polnischen Bürokratie gehört???

    Wir hatten es an anderer Stelle doch schon einmal mit Vorurteilen 🙂

  2. ramonschack Says:

    Lieber Nico,

    „polnische Bürokratie“, darunter kann ich mir überhaupt nichts vorstellen!

  3. Nicolao Coelho Says:

    Lieber Ramon,

    wenn man diesen Satz hier schreibt:

    wird in Slubice ………… frei von den engen Vorgaben der bundesdeutschen Bürokratie und der jeweiligen Ordnungsämter.

    Ich weiß nicht auf welche Tatsachen sich Ihre Aussagen gründen???

    Ein Blick in die Wirtschaftswoche:

    http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/countdown-in-brzeg-261548/

    „Ganz so schnell – gegen die polnische Bürokratie ist selbst ein globaler Discount-riese machtlos – geht es dann doch nicht: Aldis Expansionsstrategen müssen sich mit den Eröffnungen noch gedulden, bis die polnische Gewerbeaufsicht ihnen die Lizenz zum Verkauf von Alkohol erteilt.“

    Und: Fragen Sie doch einmal die polnischen Unternehmer, was Sie von der polnischen Bürokratie halten 🙂

    Im übrigen:

    ein sehr guter Indikator für Bürokratie ist auch der Korruptionsindex von Transparency International:

    Hier ein etwas älterer Artikel zur Korruption in Polen aus dem Jahr 2006:

    http://www.welt.de/print-welt/article192546/Landesweite_Kampagne_gegen_Korruption_in_Polen_begonnen.html

    Und das neueste ranking:

    http://www.gowarsaw.eu/en/news/poland-ranks-58th-in-transparency-international-corruption-perce

    Platz 58 weltweit

    Und wie wäre es hier mit:
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/aussenwirtschaft/fallstricke-in-polen-geschickt-umgehen;1358579

  4. ramonschack Says:

    Lieber Nico,

    ich hatte jetzt noch keine Gelegenheit die beigefügten Artikel(Links) zu studieren.

    Trotzdem werde ich Ihnen antworten.

    „wird in Slubice ………… frei von den engen Vorgaben der bundesdeutschen Bürokratie und der jeweiligen Ordnungsämter.

    Ich weiß nicht auf welche Tatsachen sich Ihre Aussagen gründen???“

    Auf welche Tatsachen sich meine Aussagen gründen?
    Ganz einfach, auf die Tatsache, dass die deutsche Bürokratie dort nichts zu melden hat. Der Einfluß der bundesdeutschen Bürokratie endetja bekanntlich an der Bundesgrenze.

    Damit habe ich aber noch kein Werturteil über die polnische Bürokratie abgegeben, oder diese als leuchtendes Beispiel dargestellt.

    Tatsache ist aber auch, in Slubice herrscht eine stärkere ökonomische Aktivität. Unabhängig davon, wie man über die polnische Bürokratie denken mag, zumindest verzichtet diese auf die völlig unsinnige Strangulierung( in Form von schwachsinnigen Gesetzen und Auflagen) des Mittelstandes, wie in Deutschland.
    Im zweiten deutschen Staat, in Österreich, sind die Dinge diesbezüglich ja auch nicht allzu rosig.

    Wie dem auch sei.Ich bedanke mich für Ihre Ergänzungen und Ihr Interesse an meinem Beitrag.

  5. Zaphod Beeblebrox Says:

    Hallo Ramon, möchte nicht „Oberlehrerhaft“ wirken, aber der Artikel ist gespickt mit Rechtschreibfehlern. Solltest Du bei Gelegenheit noch mal Korrektur lesen.
    Was das aus Deiner Sicht prosperierende Slubice betrifft: Der vermeintliche wirtschaftliche Aufschwung dort ist im wesentlichen vom Deutsch-Polnischen Preisgefälle verursacht.
    In Slubice wimmelt es von Zigarettengeschäften und Friseuren, weiterhin kann man preiswert und gut essen. Schön dargestellt im Bild „Gut Preis Billig“
    Ansonsten ist Slubice genauso todlangweilig und so ausgestorben wie Frankfurt.
    Was den Herrn vom deutschen Grenzschutz betrifft:
    „bzw. ob er sich nicht gefälligst gegenüber ausländischen Besuchern einen weniger schnoddrigen Umgangston angewöhnen könnte“
    Den verbitte ich mir als Deutscher genauso.
    Besser gesagt, so geht man nicht mit Menschen um, egal woher sie kommen.

  6. Nicolao Coelho Says:

    Lieber Ramon,

    anders sind die Wiesen auch grün 🙂

    Ich muß Sie in Ihrer positiven Einschätzung zur vermeintlichen “ light Bürokratie “ in Polen leiderenttäuschen. Schauen Sie einmal auf Seite 2 des folgenden pdf-files:

    http://www.insm.de/Downloads/Umfragen_Studien/Studie_Deregulierung_Kurzfassung.pdf

    Während Deutschland mit dem Wert 51 immer noch ein hohen Rang in der “ Regulierungswut “ einnimmt, liegt Polen bei 66.

    Soviel zu Vorurteilen 🙂

    P.S. Österreich liegt auf Rang 41

  7. ramonschack Says:

    Nun gut!

    Wenigstens in Österreich ist alles rosig!

  8. Nicolao Coelho Says:

    Lieber Ramon,

    nur rosiger was die Bürokratie betrifft 🙂

    Was die Ökonomie betrifft gibt es leider keine Unterschiede…….

  9. ramonschack Says:

    Hallo Zaphod

    „Besser gesagt, so geht man nicht mit Menschen um, egal woher sie kommen“

    Da bin ich ganz Deiner Meinung.Habe ich den Eindruck erweckt, gegenüber Deutschen wäre dieser Ton erlaubt? Bin ich vielleicht kein Deutscher?

    Egal, ob Deutsche oder Ausländer, dieser Herr bekommt jetzt einen Anschiss, den er so schnell nicht vergessen wird.


  10. […] Als Oberbürgermeisterin von Frankfurt/Oder könnte ich mir die Dame durchaus vorstellen, schon um dieser abgetackelten Stadt ein neues Image zu verleihen.Lesen Sie dazu auch.. https://ramonschack.wordpress.com/2008/10/27/deutschland-treibt-in-die-rezessionbesuch-in-frankfurt-a… […]

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