Terror in Bombay/ 5 Tage in Colaba

November 27, 2008

Vor rund 10 Jahren streifte ich durch die Straßen von Bombay, heute Mumbai.

Unser Hotel lag in dem berühmten Stadteil Colaba, dort wo sich die meisten Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen der Megapolis befinden.

 

Nach einer mehrwöchigen, ausgedehnten Reise durch den Subkontinent, verfiel ich schnell dem Charme dieses- gräßlich übervölkerten- 20 Millionen Schmelztiegels.

In Colaba, an den Palmengesäumten Ufern des „Arabischen Meeres“, befindet sich das Gateway to India, die Fährverbindung nach Elephante, eines der berühmtesten Luxus-Hotels der Welt, das legendäre Taj Mahal.   

Britische Kolonialbauten, himmelstürmende Wolkenkratzer,Slums, unbeschreibliches Elend, Lebenshunger, Dekadenz,Gewalt, märchenhafter Reichtum und ein babylonisches Sprachengewirr, aller 700 Idiome  und aller unzähligen Dialekte, dieses Milliardenvolkes, prägen das öffentliche Bild der indischen Metropole.

 

Weltbürgertum und Rassismus, Toleranz und religiöser Fanatismus, sind dort ebenso anzutreffen, wie die größte Filmindustrie der Welt-BOLLYWOOD.

 

 

Bombay war niemals ein Paradies. Der Überlebenskampf ist erbarmungslos. Aber wer immer Dehli oder gar Kalkutta gesehen hat, der weiß Bombay zu schätzen. 

Die hindufaschistische Shiv Shena Partei, im Verbund mit ihren rechtsradikalen Schlägertruppen, besitzt einen starken, unguten Einfluß auf die Lokalpolitik.

 

Das organisierte Verbrechen, ebenso die Korruption, sind allgegenwärtig.

Die größte Stadt Indiens ist eine Hoffnung, ein Anziehungspunkt, für die Bewohner dieses demograhischen Riesenreiches, indem fast jeder fünfte Mensch der Erde lebt.

Bombay24.jpg

Go West young Men„, lautet ein bekannter Spruch in den armen, ländlichen Bundesstaaten,dort wo Indien  nahezu in den Fäkalien seiner überschüssigen Bevölkerung zu versinken droht.   

Täglich kommen sie, zu tausenden, manchmal nur mit einer Schlafdecke und ein paar Rupien in den Taschen, auf der Hoffnung nach einem Job, einer geregelten Mahlzeit. 

Nirgendwo sonst ist der „Indische Traum“ so lebendig, nirgendwo sonst ist der Mythos“vom Tellerwäscher zum Millionär“, spürbarer als in Bombay.

Heute erreichen uns schlimme Bilder aus Bombay, aus Colaba. Terroranschläge haben Bombay heimgesucht, das erwähnte Hotel Taj Mahal steht in Flammen.

Zum wiederholten Male hat der dschihadistische Terror eine Metropole getroffen.

Tel Aviv, New York City, Madrid, London, Beirut und Bombay. Wie so oft, in den vergangenen verflixten 7 Jahren, folgt der Terror mir auf den Spuren meiner bisherigen Biographie, schlägt an den Plätzen zu, in denen ich einmal gelebt habe oder mit denen mich Erinnerungen verbinden.

Eines Tages werden wir solche Bilder auch in Hamburg, München oder Berlin zu sehen bekommen. Dieser anhaltende asymetrische Weltkrieg, gegen das Urbane, Säkulare, Westliche und Weltoffene, dieser Aufstand der pervertierten uralten Mythen, im Verbund mit Massenvernichtungswaffen, Blutrausch und Todeskult, getragen auf Wellen von jugendlichen, überschüssigen Energien, wird uns nicht verschonen. 

Warum schlagen die Dschihadisten bevorzugt in Metroplen zu? Lesen Sie dazu auch mein Interview mit Avisha Margalit:  https://ramonschack.files.wordpress.com/2008/09/margalit1.pdf

Lesen Sie dazu auch:

http://www.nzz.ch/nachrichten/international/verheerende_terroranschlaege_in_mumbai_1.1319715.html

http://indiatoday.digitaltoday.in/

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One Response to “Terror in Bombay/ 5 Tage in Colaba”

  1. Lars Says:

    Ramon,

    ein interessanter Artikel.
    Ich habe auch das Interview gelesen.

    Hälst Du den „Krieg gegen den Terror“ für gerechtfertigt?

    Gruß aus Bremen
    Lars

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