Was geschah mit Hossein Derakhshan?/60 Jahre UN-Menschenrechtscharta

Dezember 11, 2008

Nun, ich lebe ja schon seit über fünf Jahren im kanadischen Exil. Meine nächste Iran-Reise werde ich mit meinem kanadischen Pass antreten. Ich befürchte keine konkreten Schwierigkeiten, zumindest nicht mehr als sonst. Den iranischen Behörden war ich ja auch schon vor der Israel-Reise ein Dorn im Auge.“  , sagte mir der iranisch-kanadische Blogger und Journalist Hossein Derakshan, während eines Interviews vor einigen Jahren.

Meine Frage bezog sich auf das Verbot für iranische Staatsbürger Israel zu bereisen.

Derakhshan war damals gerade aus Israel zurückgekehrt und stellte den iranischen Lesern seines Weblogs das Land vor, jenseits der staatlichen iranischen Propaganda.

Hossein Derakshan habe ich damals als aufgeschlossenen, sehr sympathischen und wachen Freigeist kennengelernt.

Er schwärmte von Berlin und spielte damals mit dem Gedanken, in der deutschen Hauptstadt ein Studium aufzunehmen. 

 Später ging er dann nach London.

An diesem Tag, als ich mein Interview mit dem jungen Weltbürger führte, war Hossein Derakhshan auf dem Höhepunkt seines weltweiten Bekanntheitsgrades.  

Bitte den Link anklicken: http://de.youtube.com/watch?v=nluXchIqUVo

Damals galt er als  “Godfather”, bzw. “Blogfather”, der iranischen Weblogszene. Im Jahr 2000 verließ er den Iran und ging ins Exil nach Kanada.Von dort startete er eine virtuelle Revolution.Er eröffnete seinen Blog, dazu eine technische Anleitung. www.hoder.com

 

Inzwischen gilt die Weblogszene im Iran als eine der größten der Welt.Farsi, die indoarische Statssprache des Iran, ist eine der am meisten verbreiteten Sprachen in der Blogosphäre.Die überwiegend jungen iranischen Blogger haben sich einen “Raum ohne staatliche Indoktrination” erkämpft, jenseits der engen ideologischen Grenzen des Regimes.

Derakhshan reiste um die Welt.Vermarktete sich und seine politischen Ideen.

Damals galt er noch als politisches Idol, als Stimme des jungen Iran.

 Wenig später begann seine öffentliche Demontage.

In unserem trübseligen Zeitalter, einer aufgringlichen, penetranten Ideologisierung, werden Grautöne nicht gerne vernommen.Schwarz oder Weiß muß es sein, damit Eindeutigkeitsfanatiker sich bestätigt fühlen dürfen.

Plötzlich stand Derakhshan zwischen allen Stühlen. Stühlen.Derakhshans Aussagen und Verhalten gelten als Widersprüchlich.Er liebt Israel und den Iran,verachtet Achmedinedshad und bewundert Khomenei.Er kritisiert die US-Regierung und das iranische Regime, betrachtet sich als Weltbürger und gilt innerhalb der iranischen Diaspora inzwischen , wahlweise als iranischer, bzw. als israelischer Spion.

http://www.canada.com/components/print.aspx?id=83f9c3fd-dd92-4cef-8028-4e458a5721b2

Derakhshan kämpfte weiter.

Sein Schicksal gleicht dem vieler Emigranten, vieler Exilanten, weltweit.Es ähnelt den Biographien vieler Flüchtlinge aus Deutschland und Europa, während des 2. Weltkrieges .Es handelt sich um eine politische Odyssee.In einer Zeit ,in der es bisweilen gefährlich ist eine eigene politische Meinung zu vertreten.In den Iran durfte er inzwischen nicht mehr einreisen.Er hat seine Heimat verloren und noch keine neue gefunden.Wie immer man auch verschieden Aussagen von Derakhshan interpretieren mag, in seinem jungen Leben hat er bisher mehr Mut bewiesen,  als viele seiner Kritiker.

Im vergangenem Monat reiste Hossein Derakhshan doch wieder in den Iran.

Dort wurde er verhaftet, sein Kanadischer Pass wurde ihm abgenommen.

Seitdem verläuft sich seine Spur.

Inzwischen haben sein Eltern die Verhaftung bestätigt. Er wird der Spionage für Israel verdächtigt.

Wer sich mit der Rechtssprechung, bzw. dem Justizsystem in dieser Theokratie auskennt, weiß das es Hossein Derakhshan aktuell nicht besonders gut gehen kann.  

 Auf Spionage steht im Iran die Todesstrafe.

Lesen Sie dazu auch:http://blog.zeit.de/joerglau/2008/11/20/der-prominenteste-iranische-blogger-verhaftet_1618

Persönlich betrachte ich es als Schande, wie wenig sich die westliche Öffentlichkeit für das Schicksal dieses tapferen jungen Mannes  zu interessieren scheint.

Von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen.

Eine westliche Öffentlichkeit, die gerne auch mal Menschenrechte  durch Kriege und Interventionen erkämpfen möchte.

Nachdem Hossein Derakhshan im Westen zur Ikone hochstilisiert wurde, hat man ihn inzwischen fallengelassen wie eine heiße Kartoffel.  

Derakhshan steht stellvertretent für unzählige  Opfer morscher Regime weltweit.

Mein damaliges Interview mit Derakhshan können Sie hier lesen: http://www.netzeitung.de/internet/389639.html

Heute vor 60 Jahren, unmittelbar nach der Beendigung des 2. Weltkrieges, am Vorabend des Kalten Krieges, kam es zu der Erklärung der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen.

 

Lesen Sie dazu auch:

http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E53E5E406D5094314B387B426078D11A5~ATpl~Ecommon~Scontent.html

 

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One Response to “Was geschah mit Hossein Derakhshan?/60 Jahre UN-Menschenrechtscharta”


  1. […] Lesen Sie dazu bitte auch: https://ramonschack.wordpress.com/2008/12/11/was-geschah-mit-hossein-derakhshan60-jahre-un-menschenre… […]

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