Tage und Nächte in Gaza/Schicksalsstunden im Nahen Osten

Dezember 29, 2008

Gaza-Tage und Nächte in einem besetzten Land“  lautete der Titel des Buches   der israelischen Journalisten Amira Hass.

Amira Hass lebt in Gaza und berichtet von den Folgen der israelischen Luftangriffe in der linksliberalen Tageszeitung Haaretz/Das Land.

http://www.haaretz.com/hasen/spages/1050688.html

Diese Berichterstattung ist nicht nur dem persönlichen Mut von Frau Hass zu verdanken, sondern auch der Pressefreiheit in Israel.

Einer Pressefreiheit die gelegentlich zwar unter Einschränkungen leidet,aber niemals ernsthaft gefährdet war oder ist, gerade auch in Zeiten des Krieges.

Gaza ist heute kein besetztes Land mehr.  Vor einigen Jahren räümte Israel die israelischen Siedlungsenklaven, teilweise mit Gewalt.    

Der damalige Ministerpräsident Sharon hatte Klugheit und Standfestigkeit demonstriert, als er die jüdischen Siedler aus dem übervölkerten Gaza-Streifen evakuieren ließ. Eine Klugheit und Standfestigkeit die man diesem umstrittenen Mann nicht mehr zugetraut hätte.

Sharon war der eigentliche Verantwortliche für den desaströsen Libanon-Feldzug im Jahr 1982, um ihm haftete weiterhin die Schuldzuweisung am Massaker unter den Palästinensern in den Flüchtlingslagern von Sabra und Shatila an.

Damals begrüßte die schiitische Bevölkerung des Südlibanons die israelische Armee als eine Art Befreier vom palästinensischen Terror. Die PLO im Sdlibanon wurde damals ausgeschaltet, aber ein für Israel viel gefährlicherer Gegner, die schiitische und pro-iranische Hizbullah, wuchs heran. 

Sharon war es auch, der im Jahr 2000 durch seinen provozierenden Ausflug auf den Tempelberg von Jerusalem, als er wie ein Elefant im Porzelanladen auftrat, die zweite Intifada des palästinensischen Widerstandes auslöste.

Aber zurück zu den Ereignissen in GAZA.

Nicht nur die Hamas, auch die israelische Öffentlichkeit, wurde von den Luftschlägen überrascht. „Die Israelis würden wohl kaum an dem für alle Juden heiligen Shabatt losschlagen„, ließ ein Sprecher dieser Bewegung verkünden.

Aber genau das geschah. Unmittelbar nach der Beendigung der Gottesdienste in den Synagogen schlug die israelische Luftwaffe zu.

Seither wurde eine rekordverdächtige Anzahl von Bomben auf eines der dichtbesiedelsten Territorien der Erde abgeworfen.

Üner 300 Menschen kamen bisher ums Leben.

 Der von Korruptionsskandalen geplagte israelische  EX- Ministerpräsident Olmert sagte über sein Kriegsziel: „Wir wollen unseren Bürgern im Süden Israels Ruhe und Frieden verschaffen und die Möglichkeit, ein normales Leben zu führen.“

Dieses Ziel ist legitim. Kein Staat der Welt könnte es akzeptieren, wenn ein Teil seiner Bevölkerung einem permanentem Raketenbeschuss ausgesetzt ist.

Die israelische Regierung hat sich auch lange in Geduld geübt.

Über das Ziel soll hier auch gar nicht diskutiert werden, eher über die Mittel.   

Am Samstag hatte Olmert die Bürger im Gazastreifen beschworen, sich endlich nicht länger mit den dort herrschenden Islamisten zu solidarisieren. „Ihr seid nicht unsere Feinde, und wir kämpfen nicht gegen euch“, sagte er den Bürgern. Es seien schließlich die Terrorgruppen der Hamas, die das Unglück über die Bevölkerung brächten.“ 

Dieser Apell dürfte kaum Aussicht auf Erfolg haben. Der Hamas ist es seit ihrer Machtübernahme im Gazastreifen im Juni 2007 gelungen, die Opposition auszuschalten – vor allem die säkulare Fatah-Bewegung. Die anhaltende Blockade, mit der es Israel allemal seit Anfang November den Hilfsgruppen schwer macht, die darbende Bevölkerung zu versorgen, wird der Regierung in Jerusalem angelastet und nicht der Hamas, selbst wenn die Terroristen immer auch die Terminals der Warenübergabe im Visier ihrer Raketenwerfer haben. Schon vor Jahren sagte der später von Israel ermordete Hamas-Sprecher Rantisi: „Je schlechter die Lage für die Bevölkerung, umso besser für uns“
Ferner sei daran erinnert, wie die HAMAS an die Macht gelangte.
Durch freie Wahlen, dem angeblichen Wundermittel zur Errichtung von „Leuchttürmen der Demokratie „im Nahen Osten.
Der Westen wäre gut beraten, diesen exportierten Stimmzettelfetischismus endlich zu überdenken.
Hat schon einmal jemand die darüber nachgedacht, wie schnell die westlichen Werte wie Perlen vor die Säue geschmissen werden, bzw. welche psychologischen Folgen diese fatale Entwicklung mit sich trägt?
Man fordert freie Wahlen ein, um die Ergebnisse dieses „demokratischen Prozesses“ später militärisch zu revidieren.
Bei den engen Verbündeten, den angeblich „moderaten“ arabischen Staaten wie Ägypten und Saudi-Arabien beispielsweise, verzichtet man dann aber lieber doch auf diese Urnengänge, aus guten Gründen, und überschüttet diese autokratischen und feudalen Regime lieber mit Waffen, obwohl diese schon in 15-20Jahren, vom Druck der eigenen demographisch explodierenden Bevölkerungen, hinweggefegt sein werden. 
Welche militärischen Ziele verfolgt Israel?  Nun, in erster Linie die Vernichtung von HAMAS. 
Die Luftangriffe richteteten sich schwerpunktmäßig gegen die militärische Infrastruktir dieser islamistischen Bewegung.
In diesem Zusammenhang sei die Frage erlaubt, hat Ehud Olmert nichts aus dem Krieg im Sommer 2006 gelernt?
Mit Luftschlägen alleine ist Krieg nicht zu gewinnen. Das haben die maßlosen Verwüstungen im Libanon gezeigt. Die Kriegsführung Israels im Südlibanon war ein Fehlschlag, ja eine Niederlage.
Damals hatte Ehud Olmert beschlossen die Hizbullah physisch auszulöschen, wie heute die HAMAS. Die Israelis betrachteten ihre Luftwaffe, die mit modernsten amerikanischen Präzisionsaffen aufgerüstet ist, als das geeignete Instrument , um jenseits ihrer Nordgrenze aufzuräumen.
Aber die gigantische Bombardierung, die in keinem Verhältnis zu der Entführung von zwei Soldaten stand und die von US-Präsident Bush zweifellos abgesegnet war, hat zwar grauenhafte Verwüstungen und hohe Verluste unter der libanesischen Zivilbevölkerung bewirkt, das erwartete militärische Resultat blieb jedoch aus.
Die  Hizbullah ist heute stärker denn je.   
Sollte es in GAZA zu einer Bodenoffensive kommen, wie angedroht, sei auch an den jüngsten Libanon-Feldzug erinnert.
Die israelische Bodenoffensive kam nicht vom Fleck, obwohl das Aufgebot an Panzerkräften die Ausmaße der Schlachten an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg erreichte.
Der israelische Nachrichtendienst Mossad  hatte auf verblüffende Weise versagt und gar nicht wahrgenommen , dass die Hizbulah in unmittelbarer Grenznähe Verteidigungsbunker und Stollen ausgebaut hatte, die die israelischen Zeitungen  mit der französischen Maginot -Linie verglichen.
Dazu gesellte sich auch die Fähigkeit der Schiiten, täglich unzählige Katjuscha-Raketen auf Israel, bis nach Haifa, niedergehen zu lassen, deren militärische Wirkung zwar begrenzt war, deren psychologische Auswirkungen, auf die dortige Bevölkerung, allerdings enorm waren.
Hier erstellt sich auch die Parallele zu den aktuellen kriegerischen Ereignissen :    
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6 Responses to “Tage und Nächte in Gaza/Schicksalsstunden im Nahen Osten”

  1. heplev Says:

    Die hassende Amira lebt nicht im Gazastreifen, sondern meistens im PA-Herrschaftsbereich in Judäa und Samaria.
    Aus dem Gazastreifen wurde sie vor kurzem sogar rausgeworfen, weil die Hamas „nicht mehr für ihre Sicherheit garantieren“ konnte – was die Dame nun überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Sie kam übrigens mit einem der Terrorhelfer-Schiffe der „Free Gaza“-Bewegung dorthin.
    Im Übrigen glaube ich nicht, dass die Positionierung der Dame außerhalb israelischer Souveränität etwas mit ihrem Mut zu tun hat, sondern mit ihrer miesen ideologischen Ausrichtung.

  2. Horst Says:

    Die Israelis haben vor dem jetzigen harten Schlag lange gewartet. Das Kalkül der Hamas scheint vielen Aussenstehenden immer noch nicht klar zu sein. Die konstanten Terrorangriffen sollten dazu führen, dass Israel von der ganzen Welt isoliert wird als Nation welche Bomben auf Unschuldige abwirft. Wenn ich die aktuelle Debatte verfolge, scheint die Rechnung aufzugehen. Hamas wird von den wichtigsten Staaten des Westens als Terrororganisation (wie Al Kaida) eingestuft. Israel hat jetzt genug von diesem ewigen Terror und setzt sich energisch zur Wehr. Das ist legitim. Israel ist nicht schuld daran, dass sich die Terrororganisationen in Wohngebieten einnisten und auch unbeteiligte unter einem solchen Angriff leiden. Die Bevölkerung als menschliches Schutzschild zu missbrauchen gehört zum Kalkül der Hamas und anderen Terrororganisationen.

  3. Jens Says:

    Die Bevölkerung der arabischen Welt erscheint langsam in einer Infantilität, die es in der Weltgeschichte bisher kaum gegeben hat.
    Man erhält Strom aus Israel…und beschiesst das Kraftwerk
    Man erhält Nahrungsmittel über Israel…und beschiesst den Grenzübergang
    diese Verhalten gibt es wirklich nur bei Kleinkindern….

    Aber mal eine friedliche Lösung: Dere israelische Historiker Shlomo Sand hat ein Buch geschrieben, in dem die Hauptthese lautet, dass die arabisch-muslimischen Palästinenser Nachfahren der Juden der Rönmerzeit sind, nur eben im Laufe der arabischen Eroberung zum Islam konvertiert.

    Die Lösung wäre wahrscheinlich wirklich eine Massenkonversion der Gazaner zum Judentum. Dann kann Hongkong am Mittelmeer entstehen!


  4. Jens,

    erleuben Sie bitte einen ketzerischen Einwand.

    Wenn die israelischen Juden zum Islam konvertieren, kann dann auch Dubai am Mittelmeer entstehen?

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