Einmarsch in den Gaza-Streifen:Israels Dilemma

Januar 3, 2009

Israelische Truppen marschieren in den Gaza-Streifen ein. Angesichts der sich überstürzenden Meldungen, aus dem nahöstlichen Krisengebiet, läßt sich schon eine Feststellung machen:“Die Wahrheit ist wieder einmal das erste Opfer im Krieg“ 

Eines scheint die militärische und die  politische Führung Israels   inzwischen verinnerlicht zu haben:“ Ein Rückzug wird im Nahen Osten immer als Schwäche interpretiert.“

Die zwangsweise Evakuierung der jüdischen  Siedler aus dem Gaza-Gebiet, bzw. die Beendigung der israelischen Besatzung dort, hat für Israel keine sogenannte Friedensdividende eingebracht.

Im Gegenteil. Dieser Rückzug hat Israel verletzlich gemacht und die Bevölkerung im nördlichen Negev in die Reichweite der Hamas-Raketen manövriert, deren militärische  Zerstörungskraft zwar gering , deren psychologische Auswirkungen aber verheerend sind.

Das israelische Militär, wie auch die politische Führung, steht unter einem gewaltigen Druck.

Noch ein Debakel, wie bei dem letzten Krieg im Jahr 2006, würde den Nimbus der Unbesiegbarkeit von Zahal, entgültig begraben.

Die Topographie des Gaza-Streifens mag  sich aus militärischer Sicht vorteilhafter für eine Bodenoffensive  eignen, als die Hügelkette  und das Gebirgsland des Südlibanons.

Eine totale Zerschlagung der Hamas, die ja durch freie Wahlen an die Macht gekommen ist, dem angeblichen Heilmittel für Frieden und Demokratie in der Region, mag das Ziel der israelischen Militäroffensive sein. Realistisch ist diese Option nicht.

Die Hamas, eine Organisation die die kompromißlose Vernichtung Israels verfolgt, hat schon jetzt die Sympathien der arabischen Massen in den Nachbarstaaten gewonnen, die ja in totaler Opposition zu ihren eigenen autokratischen , feudalen und inkompetenten Regierungen stehen. Schon vor Jahren sagte der später von Israel ermordete Hamas-Sprecher Rantisi: „Je schlechter die Lage für die Bevölkerung, umso besser für uns”

Hat schon einmal jemand die darüber nachgedacht, wie schnell die westlichen Werte wie Perlen vor die Säue geschmissen werden, bzw. welche psychologischen Folgen diese fatale Entwicklung mit sich trägt?
Man fordert freie Wahlen ein, um die Ergebnisse dieses “demokratischen Prozesses” später militärisch zu revidieren.
Bei den engen Verbündeten des Westens, den angeblich “moderaten” arabischen Staaten wie Ägypten und Saudi-Arabien beispielsweise, verzichtet man dann aber lieber doch auf diese Urnengänge, aus guten Gründen, und überschüttet diese autokratischen und feudalen Regime lieber mit Waffen, obwohl diese schon in 15-20Jahren, vom Druck der eigenen demographisch explodierenden Bevölkerungen, hinweggefegt sein werden. 

Sollte Israel die Bodenoffensive vorantreiben, würden die Opferzahlen unter der gebeutelten Zivilbevölkerung weiter steigen.

 Auch die Verluste- unter den israelischen Soldaten- würden deutlich ansteigen.

 

Schließlich handelt es sich um eines der dichtbesiedelsten Territorien der Welt .

Spätestens dann würde auch innerhalb der israelischen Zivilbevölkerung die Stimmung dramatisch umschlagen. Die Zustimmung- zu dieser Militäroperation- würde  sich radikal ins Gegenteil verkehren und die politisch Verantwortlichen, bei den bevorstehenden Wahlen, abstrafen.

Die Hoffnung,  der noch amtierenden Regierung in Jerusalem, das Machtvakuum in Washington, bzw. die bevorstehenden Wahlen in Israel, für diese Operation zum eigenen Vorteil zu nutzen, hätte sich dann als eine blutige Milchmädchenrechnung entpuppt.

Unterdessen wird hinter dem Nebel-aus Desinformationen und Propagandalügen- eine bittere Wahrheit sichtbar.

Dieser Konflikt ist mit politischen Mitteln- in absehbarer Zeit- nicht lösbar. Ein wirklich lebensfähiger palästinensischer Staat, wäre für Israel existenzbedrohend . Mit dem ca. 150 Kilometer langen und etwas 15 Kilometer breiten Gazastreifen, bzw. mit dem von israelischen Siedlungsblöcken -wie ein Flickenteppich- durchzogenen Westjordanland, ist kein Staat zu machen.  

Hinter dieser nüchternen Feststellung verbirgt sich die eigentliche Tragödie von Israelis und Palästinensern.  

Israels Dilemma besteht darin, statt wie ein schwerbewachter Club Méditerranée, eher wie „Daniel in der Löwengrube“, inmitten einer feindseligen, erdrückenden arabischen Umgebung,  zu leben.

 

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4 Responses to “Einmarsch in den Gaza-Streifen:Israels Dilemma”

  1. Shalom Says:

    Die Operation „Gegossenes Blei“ ist ein tragischer Kampf. Tragisch, weil sie den Tod von hunderten Menschen bewirkt und die Verwundung von tausenden weiteren. Tragisch, weil sie unschuldigen Palästinensern, darunter auch Frauen und Kinder, körperliche und emotionale Verwundungen zufügt. Tragisch, weil sie wie jeder Krieg unerträgliche menschliche Not und herzzerreißendes Leid verursacht.
    Aber die Tragik von Operation „Gegossenes Blei“ ist unvermeidlich. Sie folgt unmittelbar aus der Tatsache, dass die Palästinenser die historische Chance, die ihnen im Jahr 2005 gegeben wurde, nicht angemessen genutzt haben. Sie folgt aus der Tatsache, dass die Palästinenser, als sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte komplette Selbstverwaltung erlangten, diese missbrauchten. Sie folgt aus der Tatsache, dass der Drang der Palästinenser, Israel zu zerstören, immer noch größer ist als ihr Bedürfnis, Palästina aufzubauen.

  2. Kopfschmrzen Says:

    Jede Rechtfertigung dieses Völkermordes ist nicht weniger als Mittun. Gerade ein Hohn, wenn sie von denjenigen kommt, die seit 60 Jahren den jüdischen opfer bejammern. Einem Volk wird jede Lebensgrundlage entzogen, Land -für Siedlungen Auserwählte gestohlen- erniedrigt und auf hinterlistigste Weise entmenschlicht und dennoch verlangen die unversöhnliche Gegner der Nazi-Ungerechtigkeit liebe zu Israel.


  3. […] weiter lesen […]

  4. Aramäer Says:

    Israel begeht mit einer Bodenoffensive einen gefährlichen Fehler. Es bringt Symmetrie in die Konfliktsituation: Israel gibt seine Machtposition auf, es wird angreifbar. Hamas hatte erklärt, einen Waffenstillstand zu halten, wäre da nicht der Gulag. Israel verneint ein lebenswertes Leben der Palästinenser, wenn man die Gebietsansprüche außen vor lässt, denn es befürchtet eine Dritte Intifada (der Fatah auf eigenem Gebiet), wenn Gaza freien Zugang hätte. Dieses Risiko ist jedoch kleiner als der mögliche jetzige Schaden an Leben in Folge des Einmarsches. Israel weiß das Risiko zu kalkulieren, folglich ziel Israel in Gaza nicht auf die Hamas. Die Eskalation zielt auf den schiitischen Iran und dient der Unterstützung der Rückkehr Fatah an die Macht in Gaza.

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