Israel wählt:Die Taktik der Tzipi Livni/Die Tragödie des Ehud Olmert/Der Triumph des Awigdor Liebermann

Februar 8, 2009

                                        @Ramon Schack

Israel wählt, am 10 Februar finden dort die Parlamentswahlen statt. Welche Parteien werden gestärkt in die Knesset einziehen, wer wird der neue Premierminister Israels?

Benjamin „Bibi“ Netanjahu gilt als heimlicher Favorit.

Vor 10 Jahren, als Netanjahu von den Wählern förmlich aus dem Amt gefegt wurde, erlebte ich den damaligen Wahlkampf in Israel aus nächster Nähe. Mit dem potentiellen alten, neuen, Premierminister des „Jüdischen Staates, verbinden mich seitdem schmerzhafte Erinnerungen:

Lesen Sie dazu auch:      https://ramonschack.wordpress.com/2009/01/23/israels-unbehagen-mit-obamaschmerzhafte-erinnerungen-an-netanjahu/

 

 

Um den politischen Rechtsruck in Israel entgegenzuwirken, präsentiert sich die amtierende Außenministerin  Tzipi Livni als Kandidatin der Mitte. Ihre Partei, die einst aus dem rechtsnationalen Likud hervorgegangene KADIMA(Vorwärts), wird als eine Art liberale säkulare Nachfolgerin der, inzwischen in  die Bedeutungslosigkeit abgesunkenen, SHINUI(Wechsel) – Partei inszeniert.

Lesen sie dazu auch..     https://ramonschack.wordpress.com/2008/06/01/tomy-lapid-1931-2008/

ציפי לבני  von Tzipi Livni Gallery ציפי לבני גלריית.

Aus diesem Grunde vollzog Frau Livni ihren Wahlkampf schwerpunktmäßig in der kosmopolitischen High-Tech-Metropole Tel Aviv, der heimlichen Hauptstadt Israels. 

Unentwegt war sie in den letzten Tagen und Wochen auf Veranstaltungen der dortigen Kulturschickeria anzutreffen.   

Selbst vor Auftritten, in der hedonistischen und dekadenten Disco- Szene Tel Avivs, schreckte die junggebliebene 50 jährige Livni nicht zurück.

תומכים במסיבת ההזדמנות האחרונה באומן 17 von Tzipi Livni Gallery ציפי לבני גלריית.

Wahlweise präsentierte sich die Vollblutpolitikerin dabei als Schwulen-Mutti, als Aushilfs-DJ, oder als Tanzmaus.

ציפי לבני באומן 17  - תרימו את הידיים באויר von Tzipi Livni Gallery ציפי לבני גלריית.

 

Ferner wirbt Tzipi Livni  massiv um die Stimmen der ethnischen und religiösen Minderheiten Israels, die rund 20% der israelischen Bevölkerung ausmachen.   

ציפי לבני בכנס המגזר הדרוזי בטמרה von Tzipi Livni Gallery ציפי לבני גלריית.

Die isralischen Beduinen, Drusen, Tscherkessen und Araber fühlen sich zunehmend von dem Aufstieg des ultrarechten Hazadeurs Awigdor Liebermann bedroht, der als Zünglein an der Waage, einer neuen Regierung,  nahezu unentbehrlich ist.

Liebermann, der schon einmal damit drohte arabische Knesset-Abgeordnete zu erschiessen,bzw. arabischen Israelis die Staatsbürgerschaft zu entziehen, findet nicht  nur in dem Milieu der Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, aus dem er selbst stammt und welches rund ein Fünftel aller Wähler repräsentiert, wachsenden Anklang.

Lesen Sie dazu auch:     http://www.tagesspiegel.de/politik/international/nahost/Avigdor-Lieberman-Israel-Wahl;art2662,2722636

Laut Umfragen dürfte seine Partei stärker abschneiden, als die sozialdemokratische Arbeiterpartei, die über Jahrzehnte die politische Landschaft Israels dominierte. 

Wird es Frau Livni gelingen, sich von der gescheiterten Amtszeit ihres Parteifreundes Ehud Olmert glaubwürdig zu distantzieren?

Immerhin war sie ja Außenministerin, als Olmert die beiden gescheiterten Kriege seiner Amtszeit führte. Kriege die Israel weder sicherer- noch weltweit beliebter gemacht- haben. Sowohl  die Hisbollah im Libanon, als auch die viel schwächere Hamas im Gaza-Streifen, sind gestärkt aus diesen blutigen Konflikten hervorgegangen. 

Olmert gilt schon heute als gescheiterter Premierminister. 

Lesen Sie dazu auch..   http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1233304694388&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

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6 Responses to “Israel wählt:Die Taktik der Tzipi Livni/Die Tragödie des Ehud Olmert/Der Triumph des Awigdor Liebermann”

  1. turke2 Says:

    ICh war leider noch nie in Israel, habe mir aber schon öfter ein paar Fragen gestellt.
    Ist da wirklich so ein schlechte Stimmung gegenüber arabischen Israelis und wie werden die von offizieler SEite behandelt(dazu hab ich schon paar Sachen gelesen,aber ich meinte jetzt vom gemeinem Volk).
    Wenn es eine „schlechte“ Stimmmung gegen Araber/arbaische Israelis gibt, wie erkennt man die? ICh sehe auf den Bildern immer Menschen und weiß meist nicht, wer jüdischer Israeli und wer muslimischer Israeli ist. Is ja nicht gerade so, das alle Juden dort ne Kippa aufhaben und alle Muslime „Allah Akubar“ schreiend durch die Straßen ziehen. Gibt es auch Araber in der isaraelischen Armee? Wenn ja, durften sie sich aus gewissen GGründen zurückstellen lassen, als der Gazastreifen bombardiert wurde(vergleiche Siedlungsräumung)?

    Fragen über Fragen. Ich wollte jemand fragen, der schon mal da war und einen gesunden Menschenverstand zu haben scheint 😉

  2. turke2 Says:

    ich meinte natürlich Gewissensgründen und nicht aus gewissen Gründen 😀

  3. ramonschack Says:

    Turke

    eine sehr interessante Frage.

    Offiziell gelten die israelischen Araber als vollwertige Staatsbürger Israels.

    Sie haben israelische Pässe, partizipieren an den Wahlen, wenn sie denn möchten, etc.

    In Städten wie Haifa, Akko, Nazareth, gibt es ein gelungenes Zusammenleben, auch viele Freundschaften unter arabischen und jüdischen Israelis.

    Gleichwohl gibt es natürlich auch starke Ressentimens gegenübern muslimischen Arabern in Teilen der Bevölkerung. Bei der Jobsuche werden sie diskriminiert, beim Erwerb von Boden, bei Polizeikontrollen.

    Diese Vorurteile sind dort stärker anzutreffen, wo man keine Araber kennt, beziehungsweise segregiert lebt.

    Israelische Araber sind in der Regel frei gestellt vom Militärdienst, weil man ihnen nicht zumuten möchte auf Verwandte zu schießen.

    Hierbei man muß man aber genauer unterscheiden. Die Beduinen aus dem Negev, die Drusen aus dem Galil dienen sehr wohl in der Armee. Die Beduinen gelten als die besten Spurenleser der Armee. Ich bin sicher, wenn ein muslimischer Araber unbedingt in der israelischen Armee dienen möchte, wird man ihn nicht daran hindern.

    Man sollte auch daran erinnern, der Militärdienst in Israel ist eine Grundvoraussetzung für eine berufliche KARRIERE: In diesem Sinne sind Araber auch diskreminiert wenn sie keinen Armeedienst leisten.

    Eine Arpartheidspolitik findet auf jeden Fall nicht statt. Ich bin vor 10 jahren durch die gesammte Region gereist und ich stehe noch heute zu meiner Aussage:Die freiesten Araber habe ich in Israel getroffen. Wenn es in Israel so schlimm wäre, hätten die arabischen Israelis sicherlich schon längst die Flucht in die Nachbarländer angetreten.Nein-Israel bieten ihnen die Vorzüge einer westlichen Gesellschaft.

    Die israelischen Juden stammen aus über 180 Staaten der Welt.
    Israel ist eine der größten Einwanderungsgesellschaften der Welt.

    Wenn Du Dich in Israel aufhälst, wirst Du schnell bemerken, Du findest dort jeden ethnischen Typus,Haarfarben von Weizenblond bis Blauschwarz.

    Ein Großteil der jüdischen Bevölkerung Israels ist mediteranen-, bzw. levantinischen Typus, äußerlich also nicht von Arabern zu unterscheiden.

    Die sogenannten orientalischen Juden, die Sfaradim, oder Misrachim, stammen aus islamischen Ländern, von Marokko bis zum Iran. Ferner gibt es die Falash Morra, die äthiopischen Juden.

    Iranische Juden sehen aus wie Iraner, äthiopische Juden wie Äthioper…etc.

    Nach der Staatsgründung beklagten sich diese Bevölkerungsgruppen über Diskriminierung seitens der europäischen/ashkenasischen Eliten..1977 übernahmen sie die demographische Macht..und wurden zur stärksten Bevölkerungsgruppe.

    Seit 1990 sind über eine Millionen Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion hinzugekommen.

    Durch die Armee-Zeit(3 Jahre für Männer/2 Jahre für Frauen) findet eine Durchmischung statt, man heiratet untereinander, mit dem Ergebnis das in Israel eine äußerlich sehr attraktive Jugend herangewachsen ist(Mutter aus Russland, Vater aus dem Jemen)…

    Wenn Du weitere Fragen hast..nur zu

    Schöne Grüße
    RS

  4. turke2 Says:

    different country, same shit würd ich sagen ;)Kann ich als „Papierdeutscher“ nachfühlen

    Sie haben israelische Pässe, partizipieren an den Wahlen, wenn sie denn möchten, etc.
    Gleichwohl gibt es natürlich auch starke Ressentimens gegenübern muslimischen Arabern in Teilen der Bevölkerung. Bei der Jobsuche werden sie diskriminiert, beim Erwerb von Boden, bei Polizeikontrollen.“

    Aber interessant, dass die arabischen Israelis freigestellt werden können. Das zeigt wieder mal, wie kompliziert die Verhältnisse dort sind. Ich möchte ja im Rahmen eines Auslandssemesters in Isreal unterkommen, aber das wird sich wohl etwas schwieriger gestalten, als anfangs gedacht.

    Danke für die Antowrt und die persönliche Einschätzung

    Grüße

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