Der grenzenlose Kampf gegen das Böse/Kritik am Begriff „Krieg gegen den Terror“

Februar 17, 2009

                                      @Ramon Schack

 

Der „Krieg gegen den Terror“, den George W. Bush nach den Anschlägen von 9/11  ausrief, hat viele Fronten.

Was Afghanistan betrifft, ein im Grunde zweitrangiger Kriegsschauplatz, dem nunmehr Washington die Priorität einzuräumen scheint, so sollten auch die deutschen Parlamentarier endlich zur Kenntnis nehmen, was der brtische General Carleton-Smith, der  seine Erfahrungen in der umkämpften südafghanischen Provinz Kandahar sammelte, sowie neuerdings sogar der amerikanische Staatschef Mike Mullen kundtaten, nämlich dass dieser Krieg nicht zu gewinnen ist.

Seltsamerweise hat sich US-Präsident Obama  für eine fatale Gewichtsverlagerung , der US-Militärmaschinerie, von dem Irak nach Afghanistan ausgesprochen und sogar für bewaffnete Übergriffe auf die „tribal areas“ Nord-Pakistans plädiert.       

Offenbar ist er sich nicht bewußt, dass er sich mit der Einbeziehung der Islamischen Republik Pakistan in  den Gespensterkrieg gegen den islamischen Terrorismus mit einem turbulenten, unkontrollierten Staat von 170 Millionen Muslimen(mehr Einwohner als Russland) anlegt und dass das Regime von Islamabad zudem über Atombomben verfügt.

Während die mediale Öffentlichkeit des Westens, unter der Führung der an einem Tehran-Syndrom leidenden USA, den Iran als schlimmsten aller Schurkensstaaten aufbaute, entwickelte sich Pakistan, als enger Verbündeter des Westens, zu dem gefährlichsten Staat der Welt.  

Inzwischen scheint in Washington diesbezüglich ein zaghaftes Umdenken anzubrechen, zumal die Amtszeit , des im Westen völlig überschätzten Präsidenten Achmedinedshad, sich dem Ende zuneigen dürfte.

 Zunehmend erkennt die in außenpolitischen Fragen eher unbedarfte Außenministerin Clinton, dass die engen Verbündeten des Westens in der Region sich als fragile Kartenhäuser erweisen, gegenüber denen die Islamische Republik Iran wie eine „Insel der Stabilität“ erscheint.  

Lesen Sie dazu auch mein Interview mit dem ehemaligen CIA-Agenten Robert Baer:  http://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-ist-eine-insel-der-stabilitaet;2125354

Es wäre wirklich im Interesse des Westens, eine grundlegende Neuorientierung der Politik gegenüber dem Nahen- und Mittleren Osten anzustreben, jenseits von Trugbildern und Halluzinationen.

Der mit Nachdruck exportierte Stimmzettelfetischismus , als das Abhalten von freien und geheimen Wahlen, ist eine zwiespältige Sache.

Wenn es wirklich zu freien Wahlen kommt, wie im Gaza-Streifen, mit dem Ergebnis das die Hamas an die Macht gelangt, schaut der Westen gerne zu, wenn so ein Wahlergebnis mit Waffengewalt beseitigt wird. Zur Glaubwürdigkeit führt diese Entwicklung nicht, zumal gerade die USA, aber auch die EU, gegenüber den engen Verbündeten, wie  beispielsweise dem autoritären Ägypten und dem korrupten, fundamentalistischen Gottesstaat Saudi-Arabien, auf solche Spielchen gerne verzichten.      

Das es hingegen im Iran wirklich Ansätze einer originären, wenn auch nicht perfekten, demokratischen Willensbildung gibt, beziehungsweise das dort in Ansätzen einer lebhaften Zivilgesellschaft entsteht, wird nicht zur Kenntnis genommen. Stattdessen stürzt sich die westliche Presse auf  die unsäglichen Absonderungen von Präsident Achmedineshad, der dadurch eine internationale Aufmerksamkeit erfährt, die ihm nicht im geringsten zusteht. 

Der sogenannte „Krieg gegen den Terror“, was immer man sich unter diesen Begriff vorstellen möchte, war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Man sollte endlich begreifen, beim Terrorismus handelt es sich um eine asymmetrische Form der Kriegsführung, die sich klassischen Militärstrategien entzieht.

Dieser „Krieg gegen den Terror“ vollzieht sich auf einem immensen Schlachtfeld, das sich von Marroko bis Indonesien erstreckt, und tangiert die islamische Glaubensgemeinschaft von bald 1, 5 Milliarden Menschen, mit steigender Tendenz. Al-Kaida, falls diese Phantom-Organisation überhaupt eine organische Struktur besitzt, ist längst nicht mehr auf die Schlupfwinkel im Hindukusch angewiesen, sondern verfügt von den Gestaden Westafrikas, bis zum Dschungel der südlichen Philippinen, über eine Vielzahl von Ausweichbasen und Rückzugsräumen.

 

Kritik an dem Begriff“Krieg gegen den Terror“:http://www.nzz.ch/nachrichten/international/kritik_am_begriff_krieg_gegen_den_terror_1.2020693.html

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s