Wenn Gerhard Schröder eine Reise tut…/Der Altkanzler im Iran

Februar 23, 2009

                                        @Ramon Schack

 

Gerhard Schröder bin ich nur einmal begegnet, vor vielen Jahren.Schröder war damals noch nicht Bundeskanzler, sondern Ministerpräsident von Niedersachsen. Ich hatte in jenem Jahr einen interessanten Studentenjob beim NDR in Hamburg, in der Sendung DAS. Eine der Moderatorinnen dieser Live-Sendung war übrigens Eva Herman. Lesen Sie dazu auch:  https://ramonschack.wordpress.com/2007/10/10/eine-schabige-schmierekomodie-mein-jahr-mit-eva-herman/

Ich hatte an diesem Tag die Aufgabe Gerhard Schröder im Studio zu begrüßen und in die Maske zu begleiten. Er strahlte große Energie aus, eine innere biologische Kraft, eine unermüdliche, rastlose Triebkraft. Durschnittliche Menschen scharen sich um solche Gestalten,weil ihnen diese die beruhigende Gewißheit verleihen, sie würden “ es schon schaukeln!“ Er wird es  für uns  und, was mindestens ebenso wichtig ist, an unserer Stelle  schaukeln.

Schröder ist gut gebaut, trotz eher unterdurchschnittlicher Körpergröße, elegant(ein diskretes, doch sichtbares Make-up), mt den Bewegungen eines selbstsicheren Menschen, der den sozialen Aufstieg geschafft hat.

Er war nur für eines zugänglich:Für die Bitten, Zurufe und Anweisungen der Kameraleute vom Fernsehen, ein richtiger Bühnenmensch, ein Schauspieler. Auf ihren Befehl stellte er sich seitlich hin, dann wieder en face, einmal sah er ernst drein, dann nachdenklich und schließlich lächelte er,genau so, wie ihn die knipsende und drängende Meute in ihren Objektiven sehen wollte. Ein ideales, williges und telegenes Objekt.Er schien sogar enttäuscht zu sein, als die Scheinwerfer und Blitzlicher erloschen, nach Sendeschluß, die  Kameraleute sich eilig davonmachten.

Wenig später tauchte Gerhard Schröder in der Kantine auf, in Begleitung von einigen NDR- Redakteuren. Ich saß nur einige Sitzplätze von ihm entfernt.Schröder bestellte Orangensaft, er trank das Glas in einem Zug leer, und dann noch ein Glas und noch eines. Er saß müde, mit gesenktemKopf da und beteilige sich missmutig an der Konversation. Plötzlich wirkte er nicht mehr energetisch und dynamisch, sondern müde und ausgelaugt. Gerhard Schröder, vor und hinter der Kamera, das waren zwei verschiedene Menschen: der eine war fröhlich, freundlich, lebhaft, mit einer kräftigen Stimme, der andere schwerfällig, launisch, mit einem erloschenem Gesicht.      

„Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen…“ lautet eine alte deutsche Volksweise.

Auf die jüngste Reise von Gerhard Schröder, in den Iran, ist dieses Sprichwort aber nur sehr bedingt zu übertragen.

Schröder hat nichts zu erzählen, was man nicht unbedingt als Nachteil interpretieren sollte . Sowohl der Altkanzler, als auch seine iranischen Gesprächspartner, sind in ein mysteriöses Schweigen verfallen.

Lesen Sie dazu: http://www.handelsblatt.com/politik/international/schroeders-raetselhafter-iran-besuch;2167640

Zumindest sprach Gerhard Schröder diesesmal nicht öffentlich von einer „Lupenreinen Demokratie“, wie bei vergangenen Reisen, die man nachträglich getrost als Vorstellungsgespräche interpretieren darf.

Hatte Gerhard Schröder vielleicht die Absicht, sich im Iran nach vakanten Stellenangeboten in der dortigen Gas-Industrie zu erkundigen? Immerhin kann er ja auf eine inzwischen mehrjährige Berufserfahrung- beim russischen Konzern GASPROM- zurückblicken . Man darf ja auch nicht unberücksichtig lassen, mit der russischen Wirtschaft geht es aktuell abwärts, während der Iran als kommende Macht angesehen wird. Lesen Sie dazu auch: http://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-ist-eine-insel-der-stabilitaet;2125354

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Responses to “Wenn Gerhard Schröder eine Reise tut…/Der Altkanzler im Iran”

  1. Dagny Says:

    Bei Zettel lässt sich nachlesen, dass die russische Presse Schröders Besuch als Arbeitsbesuch eines Gaslobbyisten charakterisiert. Zettel benutzt das Wort ‚Einflussagent‘.

  2. ramonschack Says:

    Danke für den Hinweis.

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