Kurz notiert: Die „Berliner Schnauze“

März 16, 2009

                                    @ Ramon Schack

Neulich war es wieder einmal soweit. Ich begegnete einem Phänomen, welches einem in Berlin zwar nicht auf  Schritt und Tritt begleitet, doch immer wieder, meist unerwartet, unmittelbar, an ungewöhnlichen Orten, in der Regel ohne Vorwarnung, wie ein Faustschlag trifft.

Die Rede ist von der legendären „Berliner Schnauze„, von manchen Zeitgenossen beschönigend auch als „Schnauze mit Herz“ bezeichnet.  

Ich befand mich in einem Reisebüro, alle Mitarbeiter waren in Kundengespräche verwickelt. Zuvor hatte man mich gebeten, schon einmal an einem verwaisten Tisch Platz zu nehmen, mit dem Hinweis versehen, die Kollegin sei gleich für mich da. Während ich also auf die Rückkehr der Fachfrau wartete, belauschte ich -mehr oder weniger unfreiwillig- das Kundengespräch zu meiner Linken. Kurz zuvor hatte eine mollige Dame das Reisebüro betreten und war zielstrebig an den erwähnten Platz geeilt, den ein anderer Kunde gerade  verlassen hatte. „Darf ich erst einmal meinen Kaffe austrinken„, keifte die Mitarbeiterin des Reisebüros, in Richtung der Kundin, die sich gerade auf dem Stuhl vor dem Büro der Angestellten niedergelassen hatte. Die Angestellte, Typ blonde Durchschnittstussi mit Pferdeschwanz, verdrehte genervt die Augen, trank demonstrativ langsam ihren Kaffe aus, wobei sie die Tasse gelegentlich von den Lippen absetzte,  diese dann leicht hin und her drehte, dabei interessiert den Kaffesatz beobachte, als könnte Sie dort die Wünsche ihrer Kundin erkennen,  um  schließlich den letzten Schluck zu sich zu nehmen, bevor Sie daran dachte, die unterbrochene Konversation mit der Kundin wieder aufzunehmen, die geduldig, leicht eingeschüchtert, darauf wartete bedient zu werden.    

Schließlich war es soweit. die Angestellte ließ sich endlich dazu herab, ihrer Kundin zur Verfügung zu stehen.

Was kann ich denn für Sie tun„, fragte sie leicht genervt, wobei sie diesen Gemütszustand ,weder durch Tonfall, noch durch ihren Gesichtsausdruck, zu verbergen suchte.   

Wohin kann man denn dieses Frühjahr besonders günstig in denUrlaub  fliegen?“, fragte die Kundin freudig erregt. Die Angestellte, immer noch mit einem mürrischen Gesichtsausdruck versehen, antworte sofort. „Am billigsten  fliegen Sie immer noch auf  die Fresse!“

Lesen Sie dazu auch: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0316/berlin/0019/index.html

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One Response to “Kurz notiert: Die „Berliner Schnauze“”

  1. Tina Says:

    LOL-Det is Berlin

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