Deutschland an diesem Wochenende:Köhler Bundespräsident/Grundgesetz wird 60

Mai 24, 2009

                              @Ramon Schack

Alice Schwarzer war schon da. Sehr zu meinem Unbehagen erblickte ich die Godmother des bundesdeutschen Feminismus, auf der Tribüne für die Ehrengäste. Frau Schwarzer war nicht alleine, zu ihrer Linken saß die Schauspielerin Iris Berben, welche ihre gelifteten Gesichtszüge hinter einer übergroßen Sonnenbrille verbarg und leblos, in einer fast erstarrten Haltung, den Ausführungen ihrer Sitznachbarin ausgeliefert schien. Beide Damen waren in schwarz gekleidet.Was bei Iris Berben elegant erschien, wirkte bei Alice Schwarzer, wie das Outfit einer überalterten Kaffehaus-Tante.  Frau Schwarzer plapperte unentwegt auf Frau Berben ein, die dabei gelangweilt lächelte, sich gelegentlich hilflos umschaute, so als suchte sie nach Bekannten aus der Medien-und Schickeria-Welt, die sie von den nervtötenden Monologen der Schwarzer, wenigstens für einen Augenblich, auf eine Bussi-Länge, erlösen könnten. 

Iris Berben schaute aber in die falsche Richtung. Nicht weit von ihr entfernt, nur durch einen schmalen Gang getrennt, saß Thomas Gottschalk, mit einem Fünftage-Bart versehen und blickte mißmutig auf die Gäste in der vorderen Sitzreihe. Dort hatten sich der Hessische Ministerpräsident Roland Koch und Bundesbildungsministerin Schawan niedergelassen. Gottschalk kniff die Augen zusammen. Möglicherweise hatte er Frau Schawan zunächst mit seinem Vorgänger bei Wetten Dass, den Moderatoren Frank Elstner, verwechselt. Eine gewisse  äußerliche Ähnlichkeit, zwischen der Ministerin und dem TV-Mann Elstner, kann man ja nicht bestreiten.

Ich hatte diesesmal auf eine Akkreditierung verzichtet, mischte mich stattdessen unter das Volk und schaute mir das Spektakel, auf der erwähnten Ehrentribüne, die man wie ein abgestürztes Raumschiff, in unmittelbarer Nähe vom Bundestag, westlich vor dem Brandenburger Tor, gegenüber vor der Konzertbühne, in sicherem Abstand, wohl aber in Sichtweite, zum Volk, aufgebaut hatte, aus der Entfernung an.

Bei strahlendem Sonnenschein hatten sich abertausende Besucher, aus allen Winkeln der Republik, aus Europa und der Welt, auf den historischen Plätzen der Hauptstadt, eingefunden.Die Stimmung war heiter, wenn auch nicht ausgelassen, eher feierlich, dem Anlass angemessen. Schwarz/Rot/Gold die Farben der Republik ,waren weit seltener zu sehen, als beipielsweise auf der Fußball-WM vor drei Jahren. 

Wie so häufig in diesen Tagen, beim Bummel durch Berlin, erklang ein babylonisches Sprachengewirr, als Ausdruck für die ungebrochene Beliebtheit der deutschen Hauptstadt, als internationales Kurzreiseziel.

Man konnte den Eindruck gewinnen, an diesem Nachmittag, an diesem Ort, die Bevölkerung verfüge über ein ausreichendes historisches Bewußtsein, um dankbar zu sein, dafür 6 Jahrzehnte keinen Krieg mehr erlebt zu haben, ein Faktum welches keiner deutschen Generation zuvor vergönnt war, sowie-trotz aller Probleme- in dem besten deutschen Staatswesen zu leben, welches es jemals gab.  

Ich schaute noch einmal auf die Tribüne, zu den Ehrengästen. Inzwischen hatten sich die Reihen gefüllt. Guido Westerwelle war eingetroffen, sprühte vor Energie und guter Laune, in Begleitung seines Lebensgefährten.

 Auch der Lebensgefährte von Iris Berben, der Stuntman Heiko Kiesow, saß jetzt auf seinem Platz, kritisch beäugt von Alice Scharzer, die immer noch wie ein Wasserfall quasselte.

Berlin Germany:Alice Schwarzer spricht mit einem Mann von Ihnen.

Schließlich tauchte der Bundesinnenmister auf, dann die Kanzlerin, die in Begleitung ihres Ehemannes, milde in die Menge winkte, danach zielstrebig ihren Platz ansteuerte, einmal kurz die illustre Runde, bestehend aus Gästen aus der Elite von Medien, Wirtschaft, Politik und Hochfinanz, überblickte, dabei einige der Anwesenden freundlich übersah, zum Beispiel Claudia Roth, die gerade etwas ungeschickt durch die Reihen stolperte, auf der Suche nach ihrem  Sitzplatz, um dann festzustellen, dass man sie auf den hinteren Bänken plaziert hatte,  während sie andere mit einem kurzen, knappen Gruß bedachte.

Berlin Germany:Angela Merkel von Ihnen.

Die Menge nahm das Schauspiel mit großem Interesse auf, viele Kurzurlauber äußerten sich begeistert, die politische Prominenz  einmal aus der Nähe sehen zu dürfen „Guck mal Mutti, die Merkelsche!“

Wie immer, wenn ich der Kanzlerin begegne, vor einigen Jahren titulierte ich sie einmal als „Frau Merkel“, auf einer öffentlichen Veranstaltung, was bei ihr eine gewisse Belustigung auslöste, nicht ohne dabei lächelnd einen herben Charme zu versprühen, der der breiten Masse verborgen bleibt, spürte ich die stille Faszination, die von Angela Merkel ausgeht.

Diese mecklenburgische Pfarrerstochter, wahrscheinlich eine der mächtigsten Frauen der Welt, ist für uneingenommene Beobachter schwer einzuschätzen. Der Verdacht kommt auf, die raffinierte Taktik des Machterhaltes ersticke jeden Anflug gestalterischer Vision. Die trüben Erfahrungen, der intellektuelle Mief, mit denen sie im „Deutschen Arbeiter-und Bauernstaat“ aufwuchs, mögen bei ihr eine solche Allergie hinterlassen haben, daß sie allzu gutgläubig den Ritualen des parlamentarischen Demokratismus erlag. Andererseits solle man sich nicht täuschen, hinter der freundlichen, unverbindlichen Fassade,der Kanzlerin, verbirgt sich ein Konzentration von Kraft, Ausdauer und Ehrgeiz, die vielleicht erst in einer zweiten Amtszeit, möglicherweise in einer Koalition mit der FDP, ihren vollen Ausdruck erlangen wird.

Unterdessen hatte es sich unter den Besuchern herumgesprochen. Horst Köhler wurde in seinem Amt bestätigt, sogar im ersten Anlauf. Jetzt war auch das Geheimnis, für die gute Laune von Merkel und Westerwelle, ersichtlich.

Wenige Minuten später traf der Bundespräsident, in Begleitung von seiner charmenten Gattin, ein, und wurde von den Besuchern mit  starken Applaus begrüßt. Das neue und alte Staatsoberhaupt nahm neben der Kanzlerin platz, die ihm, ohne ihn dabei anzuschauen, einige Freundlichkeiten zuflüsterte.  

Inzwischen hatte Dainel Barenboim  die Konzertbühne betreten , das Konzert, anlässlich des 60. Jahrestages der Verabschiedung des Grundgesetzes, begann. Die Bundeskanzlerin, wie auch der Bundespräsident, schauten jetzt glücklich aus. Unter den Anwesenden verbreitete sich eine feierliche Grundstimmung, die Musik erklang. In diesem Augenblick schien es mir, als gäbe es keine Weltwirtschaftskrise, keine Verwerfungen, keine drohenden Herausforderungen, keine Politikverdrossenheit und keinen Anlass, an der Stabilität unserer Republik zu zweifeln.. 

Das Grundgesetz trat am 23. Mai 1949 in Kraft. Dieses Datum gilt als Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland.

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One Response to “Deutschland an diesem Wochenende:Köhler Bundespräsident/Grundgesetz wird 60”

  1. Lindemann Says:

    Köhler Bundespräsident aus Gnaden der Grünen, das ist doch ein Witz, Herr Köhler hat alle Stimmen seines Lagers bekommen, bei einer geheimen Wahl muß man bei dem Ergebnis davon ausgehen, wenn ich schon höre das an seiner Wahl ein Makel klebt, wo bitte ist dieser Makel, er hat die absolute Mehrheit im 1. Wahlgang bekommen ob nun mit 613 oder 614 Stimmen das ist doch völlig egal. Ich kann nur sagen, ich bin froh das nicht Frau Schwan gewählt worden ist, ich müßte mich dann als deutscher schämen wenn diese Dame uns im Ausland vertreten würde, diese Frau ist affig, wenn ich mir nur anschaue wie sie nicht schnell genug zu Horst Köhler zum gratulieren kommen konnte, wie eine dummes Schulmädchen hat sie sich da benommen, nichts gegen eine Frau als Bundespräsidentin aber dann bitte eine Frau mit Format und vernünftigen Umgangsformen, durch die ich mich auch gern vertreten lasse. Peinlich auch der Auftritt von Frau Merkel, Herrn Seehofer und Herrn Westerwelle, war das nicht bei der ersten Wahl von Horst Köhler genauso das sie die Wahl als Signal für Schwarz/Gelb im Bund verkündet haben, heute wissen wir was daraus geworden ist, Frau Merkel läßt auch wirklich kein Fettnäpfchen aus und Herr Westerwelle will ihr da in nichts nachstehen.Der einzige Kritikpunkt den ich bei der Wahl sehe ist das Horst Köhler in seinen Amtssitz zurück gefahren ist und nicht im Bundestag geblieben ist, das hat zur dem Chaos vor der bekanntgabe des Ergebnisses geführt.

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