Iran 1974-: Eine Reise mit Peter Scholl-Latour/“Weiße Revolution“/Im Namen des Fortschrittes

Juli 12, 2009

                                             @Ramon Schack

Im Februar 1974 befand sich Peter Scholl-Latour auf einer Reise durch den Iran. Es war seine erste Iran-Reise nach 23 Jahren.

Zu seinen Reisebegleitung zählte damals die französische Filmemacherin Marie-Claude Deffarge und der legendäre Luxemburger Gordian Troeller, der sich damals schon einen Namen gemacht hatte. 

Der Kaiserliche Iran  befand sich auf dem Höhepunkt  seiner Macht, die Herrschaft von Sha Reza Pahlevi, der Leuchte der Arier, auf dem Pfauenthron, schien gefestigt. Reza Pahlevi bekämpfte Kommunisten und Mullahs konsequent. Er  sprach in diesem Zusammnhang von der“ unheiligen  Allianz von Schwarz und Rot „. Der Kaiser hatte die sog. „Weiße Revolution“ ausgerufen, die den Iran zu einer Supermacht, mit amerikanischer Hilfe, aufbauen sollte. 

Scholl-Latour findet eine uralte dekadente Kulturnation vor, die Oberflächlich verwestlicht erscheint. Nach einer Begegnung mit Studenten schrieb der bekannte Publizist:“Diese jungen Leute würden ebenso gut nach London und Paris passen. Einheitsuniform sind Jeans und T-Shirt.Die Hosen der Mädchen sitzen prall auf den orientalischen Rundungen, und die Hemden-stets eine  Nummer zu klein-unterstreichen die Weiblichkeit. Die Haare werden offen getragen. Auch bei den Jünglingen fällt die Mähne oft bis auf die Schulter. Es wird geraucht und Coka-Cola getrunken. Aus den Transistor-Radios kommt harter amerikanischer Beat.Es ist eine ungezwungene,sympathische, total verwestlichte Generation, der wir hier begegnen. Seit meiner Persienreise von 1951 scheinen nicht 23 Jahre, sondern ein Säkulum vergangen zu sein.“     

Während dieses Aufenthaltes kommt immer wieder zu heftigen Diskussionen, zwischen Scholl-Latour und Marie -Claude, über die Zukunft Persiens. Peter Scholl-Latour sagte mir einmal ,bezogen auf diesen Iran-Aufenthalt vor 35 Jahren:“   Es gehört wohl zur Pose, aber auch zum Erfahrungswert des journalistischen Berufs, daß man sich stets in der Rolle der Kassandra gefällt. Im Prinzip waren wir uns darüber einig, daß die Hybris des Pahlevi-Regimes in einem revolutionärem Umsturt enden müsse. Während jedoch die französische Kollegin auf die progressistische oder gar marxistische Auflehnung der Massen unter Führung der Intelligenzia baute,um dieser uralten, verbrauchten Nation ein vielversprechendes Morgenrot zu weisen, neigte ich zu der Annahme, daß die große Wandlung eines Tages aus den Tiefen des schiitischen Glaubens und der angestauten Wut seines gedemütigten Klerus kommen werde. Letztere These klang in jenen Tagen ziemlich abenteurlich, und als ich sie nach meiner Rückkehr in einem Dokumentarfilm vortrug, brachte sie mir den Spott der jungen deutschen Linken, aber auch den Widerspruch jener deutschen Industriekreise ein, die im Schah einen Garanten ihrer marktwirtschaftlichen Ziele im Orient sahen.“  

5 Jahre später war die kaiserliche Herrschaft hinweggefegt, Khomeini kehrte aus dem Exil zurück, der erste islamische Gottesstaat der Neuzeit wurde errichtet. In der Maschine, die den Ayatholla von Paris nach Theheran flog, saß auch Peter Scholl-Latour: Lesen Sie dazu auch: 

https://ramonschack.wordpress.com/2009/02/01/5086/

 

Bei dem folgenden Ausschnitt, handelt es sich um den Film, den Marie-Claude und Gordian, die beiden damaligen Reisebegleiter von Peter Scholl-Latour, 1974 angefertig haben:

GORDIAN TROELLER – IM NAMEN DES FORTSCHRITTS 6

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11 Responses to “Iran 1974-: Eine Reise mit Peter Scholl-Latour/“Weiße Revolution“/Im Namen des Fortschrittes”

  1. Waschechter Berliner Says:

    Er hat mal wieder Recht behalten..

  2. Ricky Says:

    Ein interessantes Dokument, danke auch für die Hintergrundinformationen.
    Würde gerne den ganzen Film sehen.

  3. ramonschack Says:

    Fareus

    ich würde ganz bestimmt nicht auf einer solchen Seite Kommentare hinterlassen..

  4. fareus Says:

    Danke dir für deine schnelle Antwort, ich konnte es mir natürlich nicht vorstellen.

  5. Aron Sperber Says:

    Peter Scholl-Latours Sympathien lagen wohl auch nicht bei der „progressistischen oder gar marxistische Auflehnung der Massen unter Führung der Intelligenzia“, die den „dekadenten Iran“ hätten führen sollen. (das erklärt wahrscheinlich die heftigen Auseinandersetzungen mit seiner idealistischen 68er Kollegin)

    Peter Scholl-Latours Antiamerikanismus gefällt seinem „links“-progressiven Publikum so gut, dass es seine eigenen (eindeutig sehr „rechten“) politischen Ansichten gerne ignoriert.

    http://aron2201sperber.wordpress.com/tag/peter-scholl-latour/

  6. ramonschack Says:

    Das politische Denken Peter Scholl-Latours ist mit tradierten Begriffshülsen nicht zu erfassen.

    Während seine langen Berufslebens wurde er schon von ultralinks bis ultrarechts kritisiert.

    Unabhängig davon, hat er immer Recht behalten, gerade weil er sein eigene politische Überzeugung, die übrigens eher Alt-Liberal -als „sehr rechts“ ist, niemals zur Grundlage seiner glasklaren politischen Analysen machte.

    Weder habe ich bei Peter Scholl-Latour jemals einen Antiamerikanismus erkannt, was immer man darunter verstehen mag, noch ist sein Publikum überwiegend „links-progressiv“.


  7. was soll „altliberal“ sein?

    er unterstützte auf jeden Fall die „Junge Freiheit“, einer der wohl eindeutig „rechts“ stehenden Zeitungen in Deutschland.

    hier ein interview, in dem er nicht auf sein angeblich nicht links-progressives Publikum (bei Meischberger,…) zu achten braucht:

    http://www.jf-archiv.de/archiv04/52534yy11.htm

  8. ramonschack Says:

    Scholl-Latour unterstützt nicht die Junge Freiheit, er gibt dieser Publikation gelegentlich Interviews. Übrigens hat er auch schon einmal der Jungen Welt ein Interview gegeben, was aber für weniger Aufregung gesorgt hat.

    Scholl-latour pflegt dazu zu sagen, in altliberaler Tradition, wir brauchen keine Zensur-sondern Meinungsfreiheit.


  9. wikipedia:

    2004 zierte sein Konterfei ein Faltblatt der neurechten Jungen Freiheit[1]. 2006 unterstützte Scholl-Latour die Werbeaktion der „Jungen Freiheit“ auf der Frankfurter Buchmesse, indem er als prominenter Gast an deren Diskussion teilnahm, über die ein Bericht mit Foto in der Ausgabe vom 13. Oktober 2006 erschien. [2] Auch in der „Junge Freiheit“ Abonnentenkampagne 2007 ist Peter Scholl-Latour neben Alexander von Stahl wie schon 2004 das Aushängeschild der Zeitung. Mindestens seit dem 19. Mai 2000[3] gibt er dem Blatt regelmäßig Interviews. Das Online Archiv der Zeitung verzeichnet derzeit 172 Erwähnungen seines Namens.

    Am 7. Dezember 2008 erhielt er in Berlin den Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreis für Publizisten, ausgelobt von der von Caspar von Schrenck-Notzing gegründet und geleiteten Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung (FKBF) in Kooperation mit Ingeborg Löwenthal und der Jungen Freiheit. [4]

    die „Junge Welt“ vertritt zwar innenpolitisch komplett konträre Ansichten zur „Jungen Freiheit“

    in der Außenpolitik (also PSLs Baustelle) decken sich die Ansichten durchaus oft.

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