Ein Interview mit dem Präsidenten Abchasiens

Juli 15, 2009

                                                @Ramon Schack 

Im Herbst 1996 war ich der Einladung -einer georgischen Kommilitonin – gefolgt. Von Istanbul ging es, per Bus, entlang der türkischen Schwarzmeerküste, über Trabzon, direkt zur georgischen Grenze, bzw. in die Provinz Adscharien.

Mein erster Eindruck, von dem ehemaligen Obstgarten und Badeparadies der Sowjetunion, war alles andere als positiv.Ein Faktum welches einerseits mit den miserablen Wetterbedingungen zu tun hatte, es regnete in Strömen, viel mehr aber dem Verhalten und Auftreten der georgisch-adscharischen Grenztruppen anzurechnen war. 

Stundenlang wurden wir aufgehalten.Besonders die georgischen Reisenden, überwiegend Damen, wurden penetrant gefilzt,drangsaliert und mit nervtötenden Fragen belästigt. Die georgischen Grenzschützer wirkten agressiv, grobschlächtig und irgendwie verschlagen. Die entsicherten Kalaschnikows wurden den Einreisenden, ob nun Einheimischer oder Ausländer, drohend präsentiert. 

Einer dieser Grenzschützer benutzte meinen Personalausweis, den er mir zusammen mit meinem Reisepass abgenommen hatte, als Zahnstocher.

Schließlich wurde unser Bus durchgewunken und passierte die Küstentraße, in Richtung Batumi.  

Mit gemischten Gefühlen, so entnehme ich meinen damaligen Reisenotizen, schaute ich auf die nebelverhangene Küste. Die platten Wellen schlugen in dunkelgrauer Farbe an den Sandtrand und rechtfertigten den Namen Schwarzes Meer. Die Dörfer befanden sich in einem kläglichen Zustand der Verwahrlosung und postsowjetischer Depression. Junge Frauen und Männer sammelten sich in mißmutigen Gruppen vor den geschlossenen Jugendclubs.

Erst bei der Einfahrt nach Batumi, der legendären “Weißen Stadt” am Schwarzen Meer, riss die Dichte Wolckendecke auf. Plötzlich, beim Blick auf die palmengesäumten Boulevards,die architektonischen Schönheiten, die sieben Jahrzehnte sowjetischen Verfall überlebt hatten, bekam ich einen angenehmeren Eindruck-dieser ehemaligen Sowjetrepulik-geboten. Im Hafengebiet waren die Fischer, viele von ihnen griechischer Abstammung, damit beschäftigt ihren Fang zu verladen.

Aber ich möchte mich jetzt nicht in Reiseerinnerungen verlieren, die Region steht ja-theoretisch- jedem Touristen offen. Nur so viel sei noch erwähnt. Georgien ist ein Land von märchenhafter Schönheit, eine uralte Kulturnation, mit beeindruckenden Landschaften, stolzer Tradition und liebenswürdigen Einwohnern

In Georgien wimmelte es damals von Flüchtlingen aus Abchasien.

Im letzten Jahr kam es ja zu einem Krieg zwischen Georgien und Russland, um die abtrünnigen Republiken Abchasien und Südossetien.

Lesen Sie dazu auch:https://ramonschack.wordpress.com/2008/08/14/georgien-versus-russlanddas-zerwurfnis-in-der-nato/

Spiegel online veröffentlicht heute ein Interview mit dem Präsidenten Abchasiens:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,636108,00.html

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