Die nur ganz langsam gehen, aber immer den rechten Weg verfolgen, können viel weiter kommen als die, welche laufen und auf Abwege geraten.

René Descartes

 

MARVIN GAYE & TAMMI TERRELL „Ain’t no Mountain High Enough“

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                                                        @Ramon Schack

Die Ergebnisse der gestrigen Landtagswahlen bringen endlich etwas Schwung, in den bisher trägen Wahlkampf für die Bundestagswahl am 27.09. 

Ein Fazit der drei Landtagswahlen lässt mehrere Schlüsse zu. Erstens- hat die Linkspartei sich in allen drei Bundesländern hervorragend geschlagen. Allerdings stagniert sie , ihrer ostdeutschen PDS-Identität beraubt, in den neuen Bundesländern, in Sachsen hat sie sogar  leicht verloren. Dort nimmt man die SED-Nachfolgepartei schon längst nicht mehr als Protespartei wahr, sondern eher die  NPD, die ebenfalls mit DDR-Nostalgie und für einen völkischen Sozialismus wirbt, welche jetzt wieder-wenn auch geschwächt- in den Dresdner Landtag gewählt wurde. 

Zweitens hat sie ihre Stimmen vor allem auf Kosten der SPD geholt. Dieses Szenario könnte sich bei den Bundestagswahlen wiederholen. Dadurch würde sich vor allem der politsche Spielraum der SPD weiter einengen.  

Und drittens sollte man das starke Abschneiden der FDP in allen drei Ländern hervorgehoben.. In Sachsen können die Liberalen sogar in die Regierung eintreten. Dieses läßt ein spannenden Wahlkampf erwarten, besonders wenn die SPD,vor allem aber die Grünen, sich auf Rot-Rot-Grüne Bündnisse einlassen sollten. Bei dieser Konstellation würden beide Parteien langfristig verlieren. Die Verluste der CDU in Thüringen und im Saarland sind ein Menetekel für Angela Merkel.

 Schon werden innerhalb  der Union die kritischen Stimmen hörbarer, die den faden, schwammigen Wahlkampfstil der Kanzlerin kritisieren. Angela Merkel ist nun gezwungen, darauf zu reagieren. Diese mecklenburgische Pfarrerstochter, wahrscheinlich eine der mächtigsten Frauen der Welt, ist für uneingenommene Beobachter schwer einzuschätzen. Der Verdacht kommt auf, die raffinierte Taktik des Machterhaltes ersticke jeden Anflug gestalterischer Vision. Die trüben Erfahrungen, der intellektuelle Mief, mit denen sie im „Deutschen Arbeiter-und Bauernstaat“ aufwuchs, mögen bei ihr eine solche Allergie hinterlassen haben, daß sie allzu gutgläubig den Ritualen des parlamentarischen Demokratismus erlag. Andererseits solle man sich nicht täuschen, hinter der freundlichen, unverbindlichen Fassade,der Kanzlerin, verbirgt sich ein Konzentration von Kraft, Ausdauer und Ehrgeiz, die vielleicht erst in einer zweiten Amtszeit, möglicherweise in einer Koalition mit der FDP, ihren vollen Ausdruck erlangen wird.

 Dies lässt für die  Wahl vom 27. September einen spannenden Lagerwahlkampf erwarten. Eine Prognose -zum jetzigen Zeitpunkt- wäre reine Spekulation.

Zitat des Tages

August 30, 2009

„Ach! Es war nicht meine Wahl!“

Friedrich von Schiller

“Zwei Länder können sich nicht mehr voneinander unterscheiden als das narbige, das kluge Berlin mit seinen lebhaften , scharfen Intellekt, mit seinen revolutionären Gruppen, marxistischen Kinderläden, mit seinen blauen, roten, weißen Pamphleten, seinen Straßencafés und Buchhandlungen, Berlin, diese geheimnisvolle Schmiede zukünftiger Kräfte, eingesperrt hinter hohen Mauern und Minengürteln inmitten einer feindseligen , lehmgrauen Militärdiktatur mit endlosen Kartoffeläckern, dieses Berlin, das alles weiß, alles erfahren und seit langem seinen Zustand akzeptiert hat, und die dumme, geldstrotzende Bundesrepublik mit ihren Supermärkten, ihren transportablen Fernsehgeräten und ihren knarrenden Prachtmöbeln, schweren Teppichen und Sesseln aus schwarzem Leder und Stahlrohr.“

Lars Gustaffson-schwedischer Schriftsteller-zu Beginn der 1970er Jahre- über West-Berlin  

 

                                      @Ramon Schack

Ist West-Berlin, die bis 1989 freiheitliche Insel, inmitten des totalitären Meeres des realexistierenden Sozialismus, inzwischen untergegangen?

Berlin Germany:Kurfürstendamm von Ihnen.

Existiert diese „Frontstadt der Glücklichen“ nur noch in der Erinnerung ihrer ehemaligen Bewohner, der Insulaner? 

In unserem Zeitalter, einer schwülstigen, reaktionären Ostalgie, einer kollektiven Geschichtsfäschung, bzw.Geschichtsverharmlosung, ohne Gleichen, ist es ja auch einmal eine Abwechslung, an das alte West-Berlin zu erinnern, welches vor 20 Jahren ebenso unterging, wie die DDR. 

Foto:DDR-ein Land „deutscher“ als die Bundesrepublik!

Der Artikel des Tages:“Das dritte Deutschland“, Lesebefehl:http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Berliner-Mauer;art141,2886556

Zitat des Tages

August 29, 2009

„Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Albert Schweizer

 

                                           @Ramon Schack

Mit Benjamin Netanjahu verbinden mich persönlich schmerzhafte Erinnerungen.

Im Frühjahr 1999, als  Bibi Netanjahu, von den Wählern aus dem Amt gefegt wurde, erlebte ich in Israel  den damaligen Wahlkampf aus nächster Nähe.  An der Universität von Tel Aviv schrieb ich meine Diplomarbeit über die russische und äthiopische Einwanderung nach Israel, in den 1990er Jahren. Eine mehrmonatige Reise durch den Nahen Osten, die mich nach Libanon,Syrien, Jordanien, Westbank, Gaza, Saudi-Arabien und anschließend nach Ägypten führte, war diesem akademischen Aufenthalt vorangegangen.  

Jeden Morgen verließ ich das Haus meiner charmanten Gastgeberin Avivit Lehrmann, der Tochter des Kneipen-Königs von Hamburg, und fuhr mit dem Bus nach Tel Aviv. Von der Central Bus Station ging ich meistens zu Fuß zur Universität , von einigen gelegentlichen Abstechern nach Banana Beach einmal abgesehen.

When I was younger so much younger then today. Tel Aviv Israel Spring 1999 von Ihnen.

Foto:Banana Beach Tel Aviv

 

When I was younger so much younger then today. Tel Aviv Israel Spring 1999 von Ihnen.

Foto:Tel Aviv

 

 Die Begegnung mit Tel Aviv, dieser unerhörten, hedonistischen und lebenshungrigen Metropole, war damals, in diesem friedlichen, letzten Jahr des vergangenen Jahrhunderts, ein betörendes, nahezu erotisches Erlebnis.

When I was younger so much younger then today. Tel Aviv Israel .Spring 1999 von Ihnen.

Foto:Ramon Schack in Tel Aviv 1999-auf dem Weg zur Uni?

 

Eines Tages, geriet ich in eine Wahlkampfveranstaltung von Benjamin Netanjahu, am Carmel Market.

Diese Gegend, überwiegend von Sefaradim bewohnt, oder Misrachim  wie man heute sagt, also orientalischen Juden die einst aus islamischen Ländern eingewandert sind, galt damals wie heute als Hochburg der nationalkonservativen Likud-Partei von Netanjahu. Der Likud  galt einst als Partei der „polnischen Krawattenträger”, als politisches Gegenwicht zur streng sozialistischen Kibbuz-Ausrichtung der Arbeiterpartei. In den ersten Jahren nach der Staatsgründung war der Likud in Israel zu einer ewigen Opposition verdammt Erst 1977, unter Menachim Begin, basierend auf der veränderten Demographie in Israel, gelang der Likud zur Macht. Ausgerechnet die Sefaradim, die äußerlich kaum von Arabern zu unterscheiden sind und damals die Bevölkerungsmehrheit erlangten, basierend auf höheren Geburtenraten, wählten Likud aus Protest gegen die Dominanz der politischen linken Elite, die überwiegend Ashkenazim, als europäischen Ursprungs war und ist.  

Diese Tendenz ist bis heute erkennbar, obwohl es seitdem erneute gravierende Veränderungen gab. Die Masseneinwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion beispielsweise, jeder fünfte Israeli gehört in diese Gruppe, als auch die stärkere ethnische Durchmischung, wofür die Armee als Schmelztiegel des jüdischen Staates einige Verantwortung trägt.

When I was younger so much younger then today Tel Aviv Israel Spring 1999 von Ihnen.

Foto:Tel Aviv

Aber zurück zu der erwähnten Wahlkampfveranstaltung mit Netanjahu. Am Carmel Market herrschte große Aufregung.Zahlreiche Anhänger Bibis hatten sich eingefunden, ebenso zahlreiche Gegendemonstranten. Ein Sicherheitsbeamter sprach mich an, fragte woher ich komme, was ich hier wolle und kontrollierte meine Tasche. Wie es der Zufall so will, entdeckte der Beamte meine Nagelschere, die ich einige Tage zuvor verzweifelt gesucht hatte. Triumphierend, wie ein potentielles Mordwerkzeug, hielt er die Nagelschere in die Höhe, ich habe die Szene noch genau vor Augen.

Das Mißverständnis wurde schnell aus dem Weg geräumt und ich begab mich in die Menge der Schaulustigen. Umrundet von schreienden Anhängern und Gegnern des damaligen Premiermisters, wartete ich auf Netanjahu, der einen Rundgang   über den Markt angekündigt hatte.

Nach einiger Zeit tauchte er schließlich auf, das Blitzlichtgewitter setzte ein, die Buh-und Jubelrufe wurden lauter.

Noch bevor ich Netanjahu zu Gesicht bekam, verspürte ich einen stechenden Schmerz im linken Fuß. Irgendein gewichtiges Individuum hatte sich auf meinen Fuß gestellt und fühlte sich dort wohl, ja die Person schien sich auf meinen Fuß zu drehen bis es quietschte.

Schließlich erkannte ich, wer meinen Fuß als Plattform mißbrauchte, es war Netanjahu selbst. Milde lächelte der Ministerpräsident von meinem Fuß aus in die Kameras. Für einen kurzen Moment spielte ich mich dem Gedanken Bibi wegzustoßen, um meinen Schmerzen ein Ende zu bereiten. Ich entschied mich dann allerdings doch dafür, den Märtyrer zu spielen.

Nach einigen Minuten zog Netanjahu, dieses politische Schwergewicht, weiter. Verärgert humpelte ich durch Tel Aviv.

Als ich am Abend bei meiner Gastgeberin Avivit  eintraf, empfing diese mich lachend mit folgenden Worten”  Ich habe Dich heute im Fernsehen gesehen, direkt hinter Netanjahu, es lief in den Nachrichten.  Hast Du es eigentlich schon einmal als Comedian versucht? Du hast ein Gesicht gezogen, wirklich drollig, als würde Dir die Anwesenheit Netanjahus persönlich Schmerzen bereiten” Lesebefehl: http://www.handelsblatt.com/politik/international/netanjahus-werbetour-hat-wenig-erfolg;2449692

 

„All die Zeiten der Sorglosigkeit, als wir einander kennen lernten, Zeiten, die so lange zurückliegen-und die fühllosen Briefe, die wir jetzt schreiben…”

Jacqueline Kennedy in einem Brief an Truman Capote,  nach dem Mordanschlag auf Robert Kennedy, im Juni 1968

 

                                                @Ramon Schack

Irans Revolutionsführer Chamenei, der gemäß Artikel 5  der iranischen Verfassung sein Amt ausübt , hat -zum ersten Mal während seiner ewigen Amtszeit- etwas bemerkenswertes von sich gegeben.“Der Westen stecke nicht hinter den Demonstrationen im Iran“, war von dem Nachfolger Khomeinis zu hören. Lesebefehl:   http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/25/0,3672,7620729,00.html

 

 

Bella ciao, Iran

I met Capote in 1970, at a party given by George Plimpton, a well-known editor and writer, in Plimpton’s Manhattan apartment overlooking the East River . Plimpton’s parties always attracted many famous people, but when Truman entered, they made way for him, as if he were a movie star. And in a way he was, easily the most famous writer in America . It was two years later, however, in 1972, that I really got to know him. I was doing a series of profiles of famous writers—Gore Vidal, P. G. Wodehouse, Vladmir Nabokov, and Allen Ginsberg, among them. When my profile of Truman appeared, a publisher asked me to write his biography. I called Truman to see if he would cooperate. He thought for thirty seconds and said: “Sure.”

Gerald Clarke-der Biograph von Truman Capote – in einem Interview mit Ramon Schack: 23. August 2009              

Lesen Sie dazu auch:    https://ramonschack.wordpress.com/2007/08/30/847/              

TRUMAN CAPOTE (ENG)

File:Davidlowrendezvous.png

Karikatur:Rendevouz:Hitler begrüßt Stalin mit den Worten“Der Abschaum der Menschheit, wie ich vermute?“  Stalin entgegnet“Der blutige Mörder der Arbeiterklasse, wie ich annehme?“ David Low-Evening Standart, 20.09.1939

   

                            @Ramon Schack

Am 24. August 1939, vor 70 Jahren, waren die Straßen und Plätze Moskaus mit unzähligen roten Fahnen geschmückt. Es handelte sich an diesem Tage  aber nicht, wie man annehmen könnte, um die  Fahne der Sowjetunion, mit dem dazugehörigen Hammer und Sichel-Emblem, sondern um die Hakenkreuzflagge Nazi-Deutschlands, welche da im  Winde flatterte.

Reichsaußenminister Ribbentropp hielt sich zu einem  Staatsbesuch im Kreml auf. Wenige Tage vor dem Beginn des 2. Weltkrieges, der wenige später-mit dem deutschen Überfall auf Polen- seinen tragischen Anfang nehmen sollte, unterzeichneten die beiden totalitären Regime einen Geheimvertrag, den man als Hitler-Stalin-Pakt bezeichnet.   

Dieser Pakt, zwischen den roten und braunen Sozialisten, besiegelte das Schicksal von Staaten, Nationen, Völkern und unzähligen Menschen. Die beiden Despoten hatten ihre Einflußgebiete abgesichert, die Teilung Polens, sowie die Okkupation des Baltikums und Bessarabiens, beschlossen. Ferner wurde eine intensive wirtschaftliche Kooperation in die Wege geleitet. Unmitelbar nach der Unterzeichnung wurden viele, der in die Sowjetunion geflüchteten deutschen und österreichischen Kommunisten, mit folgenden Worten  den Nazis ausgeliefert“Jetzt wird das deutsche Volk über euch richten!“

Stalin, der von einem ähnlichen Hass auf Juden, Polen, Freidenker und Weltbürger, geprägt war, wie Hitler, zeigte sich am Abend der Vertragsunterzeichnung gelöst und munter. Bereitwillig ließ er sich von den angereisten Vertretern der deutschen Nazi-Presse ablichten, obwohl er gewöhnlich dafür sorgte, sein wahres Erscheinungsbild – vor der Öffentlichkeit zu verbergen: Lesen Sie dazu auch:     https://ramonschack.wordpress.com/2008/10/05/3204/

In den westlichen Demokratien schrillten die Alarmsirenen. Auch die kommunistische Propaganda hatte große Mühe, dieses neue „Freundschaft“, zwischen den -bis dahin- ideologischen Todfeinden- als der Weisheit letzter Schluss zu verkaufen. Trotzdem folgten viele der neuen Linie bedingungslos. Als wenige Monate später deutsche Truppen in Paris einmarschierten, waren es ausgerechnet die französischen Kommunisten, die den Nazis bereitwillig zur Hilfe eilten, zumindest bis zum deutschen Überfall auf die Sowjetunion.  

Lesebefehl:http://www.welt.de/kultur/article4368021/Als-Stalin-und-Hitler-den-Teufelspakt-schlossen.html