Das Paneuropäische Picknick vom 19. August 1989

August 19, 2009

                                     

                                    @Ramon Schack

Heute vor 20 Jahren, am 19.08.1989, begann der Einsturz des Eisernen Vorhanges. Ein Prozess der schon länger im Gange war, der sich in diesen Tagen, Wochen und Monaten, des träge dahin plätschernden  Schicksalsjahres 1989, dramatisch beschleunigte und schließlich zum Fall der Berliner Mauer, zum Zusammenbruch der poststalinistischen Regime in Mittelost-Europa führen sollte.  An diesem Tag geschah im ungarisch-österreichischen Grenzgebiet, also an der Demarkationslinie des Kalten Krieges, etwas unerhörtes: http://www.n-tv.de/politik/dossier/Bella-hat-Geschichte-geschrieben-article466909.html

Der Eiserne Vorhang, mit dem wir- die Kinder des Kalten Krieges- aufgewachsen waren, der für uns so natürlich war wie der Sonnenaufgang, hatte Risse bekommen.  

Diesen 19. August -vor 20 Jahren- verbrachte ich unter der Sonne Kataloniens, im zarten Alter von gerade 18 .Ich erinnere mich deshalb so genau, weil ich an diesem Tag, von dem erwähnten Europa-Picknick, bzw. der Massenflucht von ca. 700 DDR-Bürgern, aus Ungarn ins österrreichische Burgenland, in der Zeitung las. Wir saßen am Pool-Meine damalige Urlaubsliebe M., die sich zu meiner Linken- im rosafarbenen Bikini -rekelte , schrieb gerade eine Postkarte an ihre Brieffreundin in Leipzig. Klapprige LKWs, auf der Straße gegenüber von unserem Hotel,  verursachten Staubwolken, die in der grünen Luft hingen wie zerpulverte Bronze. Ich frage M., ob Ihre Freundin aus der DDR nicht neidisch wird. Eine bunte Postkarte aus Spanien, aus einem Land ,welches sie wahrscheinlich niemals kennenlernen wird.
M. erwiderte, „
die Menschen dort sind an die Verhältnisse gewöhnt. Man kann das Leben dort nicht mit dem unseren vergleichen“
Ich erwähnte die Fluchtwelle aus Ungarn, die Unruhen in der DDR.
Glaub mir dort wird sich nie etwas ändern”, antwortete mir M..” Die Verhältnisse sind festgefroren, daran wird sich nie etwas ändern.”

In Zeiten historischer Umbrüche, sind die irrationalen Momente am faszinierendsten. Die Revolten, die Ausbrüche kollektiver Emotionen, die Zerstörungswut, die Eruptionen, ihre verblüffenden Ursachen-oft Belanglosigkeiten als Auslöser. Die pötzliche Freisetzung mächtiger, lange aufgestauter ,Energien. Und wie dann alles wieder in sein altes Bett zurückkehrt, wie der Strom langsamer wird… Ich bin dankbar, die Ereignisse von 1989,  im richtigen Alter, am richtigen Ort, erlebt zu haben.

 

Ungarische Grenzöffnung 1989

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