60 Jahre DDR/ Eine Republik der Rekorde

Oktober 7, 2009

 

                “ Die Gündung der DDR ist ein Wendepunkt in der Geschichte Europas“

                     Josef Stalin im Oktober 1949 

 

                           @Ramon Schack

Heute vor 60 Jahren wurde die DDR gegründet. Als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges, beziehungsweise der dadurch veränderten soziopolitischen Rahmenbedingungen in Europa. Bis 1953 fielen dem  stalinistischen Terror dort zehntausende Menschen zum Opfer. Nicht selten wurden Menschen inhaftiert, die gerade den Konzentrationslagern des Nazi-Regimes entkommen waren. Liberale, Sozialisten, Sozialdemokraten, Konservative, Christen, Freidenker, auch viele Kommunisten.

Die DDR war ein Staat der Superlative, ja der Rekorde.Nicht nur im Sport.

 Kein Staat der Erde hatte in Friedenszeiten eine größere Flucht seiner eigenen Bürger zu verkraften, zumindest bis zum Mauerbau am 13. August 1961.

Die DDR, die heute gerne als soziale Idylle verklärt wird, hatte eine der höchsten Jugendselbstmordraten der Welt. Ab 1977 ließ die DDR keine Suizidstatisken mehr veröffentlichen. Die Umweltverschmutzung erreichte in den 1980 er Jahren apokalyptische Ausmaße, ebenso der Zerfall der historischen Bausubstanz, in den Städten und Dörfern dieser selbsternannten Arbeiter-und Bauern-Republik.

 Es gab auch kaum einen Staat der Erde, der seine eigenen Bürger im gleichen Außmaß bespitzeln und überwachen ließ.  Bitte den Link anklicken: http://www.youtube.com/watch?v=OWX3v6uHo-w

Die DDR ging vor 20 Jahren zu Grunde. Seitdem verwest dieser Staat auf dem Schrotthaufen der Geschichte.    

Es ist eigentlich kaum begreifbar, dass es immer noch Menschen gibt, die dieser realsozialistischen Diktatur einige Tränen nachweinen.Aber was ist schon am kollektiven menschlichen Verhalten begreifbar? Vielleicht liefert diese Interviewpassage, mit der Schriftstellerin Monika Maron, einige Erklärungsansätze:

SPIEGEL: In diesem Jahr jährt sich der Mauerfall zum 20. Mal. Und plötzlich kommen einige Politiker und fragen, ob die DDR wirklich ein Unrechtsstaat war. Glauben Sie, dass viele Menschen, die in Ostdeutschland gelebt haben, ähnliche Gedanken hegen?

Maron: Wer in diesem Staat nicht viel wollte, wer nicht bestimmte Bücher lesen oder gar schreiben wollte, wer nicht ständig seine Meinung sagen wollte – und zwar öffentlich, nicht einfach nur meckern, das konnte man immer und überall, da passierte einem gar nichts -, der hat ja gar nicht so schlecht gelebt, der wurde nicht behelligt. Wer sich in dem eingerichtet hat, was war, der kann heute mit Recht sagen: „So schlecht war es ja gar nicht“, weil er, abgesehen vom Reisen und von Konsumträumen, von 15 Jahren Wartezeit auf ein armseliges Auto, von schlechten Straßen, verfallenen Städten, gar nicht an die Grenzen seiner Wünsche gestoßen ist. Wer unter Unfreiheit nicht leidet, weil er sich nach Freiheit nicht sehnt, der konnte sich irgendwie einrichten.

SPIEGEL: Und warum fällt es denen so schwer, sich auch unter den neuen Bedingungen einzurichten oder doch wenigstens zurechtzufinden?

Maron: Plötzlich mussten die Menschen eine Ungleichheit ertragen, die es so vorher nicht gab. Sie haben nicht gelernt, damit zu leben. Man konnte alles, auch eine scheiternde Ehe, auf den Staat schieben. Du hast keine größere Wohnung bekommen, und darum ist die Ehe kaputtgegangen. Du bist ein begnadeter Dichter, aber niemand druckt dich. Plötzlich ist dieser Staat weg, du bekommst eine größere Wohnung, aber die Ehe funktioniert immer noch nicht. Mit den Gedichten wird es auch nichts. Du musst plötzlich die Verantwortung für dein Scheitern übernehmen, du kannst niemandem mehr die Schuld geben. Und dann siehst du, der Nachbar schafft es, du aber nicht, das kann ja nicht gerecht zugehen.“ Quelle:http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,631351,00.html

Heute vor 40 Jahren feierte das SED-Regime den 40. Jahrestag der DDR.Es sollte der letzte Geburtstag  sein. Die DDR war zu diesem Zeitpunkt schon todkrank und wurde nur noch künstlich am Leben erhalten. Das Regime hatte sich an diesem Tag abgeschottet, trotzdem muckte das Volk auf. Wenige Wochen später, mit dem Fall der Mauer, ging die DDR im Strudel der Weltgeschicht unter.Die da oben konnten nicht mehr, die da unten wollten nicht mehr, es war eine klassische revolutionäre Situation.   

 

Anbei eine SFB-Sendung vom Herbst 1989: 

 

1989: Die DDR windet sich vor ihrem Untergang. SFB Kontraste

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One Response to “60 Jahre DDR/ Eine Republik der Rekorde”

  1. Henning Says:

    Die DDR war ohne jeden Zweifel ein totalitäres Regime, in dem seit 1961 den „Bürgern“ dort alle Menschenrechte vorenthalten worden sind, selbst die wenigen, die das NS-Regime seinen Bürgern noch gewährt hatte. Ich bin bis 1989 in diesem Unrechtsstaat eingesperrt gewesen und bin immer wieder aufs Neue erstaunt, daß am verbrecherischen Charakter dieses Regimes öffentlich gezweifelt werden darf. Viele der Verbrechen wie die Morde an Mauer Westgrenze waren ja gar nicht nicht zu verheimlichen und auch im Westen sichtbar.
    Es wird höchste Zeit, daß der Gesetzgeber der Glorifizierung der DDR ein Ende setzt so wie er das im Falle des Naziregimes getan hat. Dann wird dieser Spuk, der die Opfer des DDR-Regimes beleidigt, zumindest dezimiert. Ausrotten läßt sich menschliche Dummheit leider nicht.

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