Obama und der Friedensnobelpreis

Oktober 10, 2009

              @Ramon Schack 

Als dritter US-Präsident, nach Teddy Roosevelt und Woodrow Wilson, wurde  Barack Obama mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.  Diese Entscheidung- des Osloer Komitees- wurde weltweit mit  Überraschung, bisweilen auch mit großem Erstaunen aufgenommen.  

Auch in den USA wird diese Preisvergabe kontrovers diskutiert. Die innenpolitischen Gegner, unter Führung der Republikaner,   überziehen den Präsidenten mit einer Hetzkampagne, die jeglichen Patriotismus vermissen lässt.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/republikaner-ueberziehen-obama-mit-spott;2467543 Schon seit geraumer Zeit versucht die Opposition, welche im vergangenem Jahr vom Wähler abgestraft wurde, die politischen Entscheidungen des Präsidenten zu sabotieren.   

Als Barack Obama Ende letzten Jahres sein hohes Amt antrat, wurde er mit einem verheerenden innen- und außenpolitischen Erbe seines Vorgängers konfrontiert.    

Noch ist es zu früh, über das Ausmaß der Rezession in der Real-Wirtschaft zu spekulieren, die sich aus dem Zusammenbruch der Hypothekenbanken und der Finanzbastion vor allem in den USA beinahe zwangsläufig ergeben haben. Allerdings sind die Folgen für Bevölkerung in den USA bis heute deutlich spürbar.

Wenn die Banknoten eines Staates mit dem Spruch versehen sind:“IN GOD WE TRUST“, dann nimmt der Währungsverfall eine beinahe theologische Dimension an. Auf jeden Fall findet ein irreparabler Prestigeverlust statt, der inzwischen nur durch das Charisma von Barack Obama  abgemildert wird.

Das wirliche Scheitern dieses Systems offenbarte sich in der arroganten Hochburg des Weltkapitalismus, wo sich unter der unrühmlichen Amtszeit von George W. Bush ein horrendes Haushaltsdefizit aufgetan hatte und eine an Kriminalität grenzende Manipulation fauler Kredite die radikale Umkehr zu staatlichem Dirigismus erzwang. Man denke in diesem Zusammenhang an die von Insolvenz bedrohten Bankhäuser, die kurzerhand nationalisiert wurden. Eine Maßnahme die von den Vertretern der “reinen Liberalen Lehre“, noch vor kurzem, als abscheulicher Akt von marxistischer Kommandowirtschaft verurteilt wurden wäre.Das die Verursacher dieser Krise, die frivolen Spekulanten und betrügerischen Zocker, daraufhin am lautesten um staatliche Kredite bettelten , führte auch nicht gerade zu einer Werbekampagne für die Vorzüge des Freihandels.    

Der Kommentator Roger Cohen drückte das damals sehr drastisch aus:“The two M´s-Money and Me-became the loadstone of the Zeitgeist and damn these distant wars“.Der Verlust der Gründertugenden, die Amerika groß gemacht haben, ist wohl das verhängnisvollste Kennzeichen dieser Entwicklung.  Dem amtierenden US-Präsidenten konnte es in den vergangenen 12 Monaten gar nicht gelingen, die Auswirkungen dieses epochalen Wirtschaftseinbruches abzumildern. 

F.D Roosevelt gelang es zu Beginn der 1930 er Jahre die damalige Wirtschaftskatastrophe einzudämmen, nachdem sein Vorgänger Herbert C. Hoover noch bis zuletzt beteuert hatte”Business as usual, prosperity is around the corner”.Allerdings war die ökonomische Stabilisierung der Roosevelt-Politik nicht dauerhaft. Der Rückfall in die Stagnation wurde nur durch das zunehmende Eingreifen der USA in die kriegerischen Wirren Europas, bis hin zum totalen Kriegseintritt und die damit verbundene  Ankurbelung einer gigantischen Rüstungsindustrie überwunden.

 Was nun die außenpolitischen Merkmale Obamas bisheriger Amtszeit angeht, so ist wenigtens eine neue Tendenz zu erkennen. Es wäre ja auch Naiv anzunehmen, der Präsident der Supermacht könnte die globalen geostrategischen Zielsetzungen der USA, gemessen an den Realitäten, in ein ewiges Love and Peace -Festival umwandeln.

Seltsamerweise hat sich US-Präsident Obama  für eine fatale Gewichtsverlagerung , der US-Militärmaschinerie, von dem Irak nach Afghanistan ausgesprochen und sogar für bewaffnete Übergriffe auf die „tribal areas“ Nord-Pakistans plädiert.       

Offenbar ist er sich nicht bewußt, dass er sich mit der Einbeziehung der Islamischen Republik Pakistan in  den Gespensterkrieg gegen den islamischen Terrorismus mit einem turbulenten, unkontrollierten Staat von 170 Millionen Muslimen(mehr Einwohner als Russland) anlegt und dass das Regime von Islamabad zudem über Atombomben verfügt. Lesen Sie dazu auch mein Interview mit Peter Scholl-Latour: http://www.freitag.de/politik/0911-afghanistan-obama-taliban-verhandlungen

Während die mediale Öffentlichkeit des Westens, unter der Führung der an einem Teheran-Syndrom leidenden USA, den Iran als schlimmsten aller Schurkenstaaten aufbaute, entwickelte sich Pakistan, als enger Verbündeter des Westens, zu dem gefährlichsten Staat der Welt. Inzwischen scheint in Washington diesbezüglich ein zaghaftes Umdenken angebrochen zu sein.

 

In diesem Sinne mag man  die Verleihung des Friedensnobelpreises, an den jungen Präsidenten Obama,  als eine Art Vorleistung interpretieren.

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One Response to “Obama und der Friedensnobelpreis”


  1. „Während die mediale Öffentlichkeit des Westens, unter der Führung der an einem Teheran-Syndrom leidenden USA, den Iran als schlimmsten aller Schurkenstaaten aufbaute, entwickelte sich Pakistan, als enger Verbündeter des Westens, zu dem gefährlichsten Staat der Welt.“

    unter Musharraf konnte der wohl gefährlichste Staat der welt halbwegs unter Kontrolle gehalten werden und insbesondere der Konflikt mit Indien (fast 10 mal so viel Einwohner wie Russland und auch Atom-Macht)deeskalieren – und das ohne gröbere Menschenrechts-verletzungen und Terror gegen die eigene Bevölkerung.

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2008/08/07/musharraf-mag-man-nicht/

    trotzdem ist Musharraf kein Liebling der Medien – auch Scholl-Latour, der sonst so pragmatisch um Verständnis für nicht-demokratische Regierungen wirbt, fand für ihn nicht gerade lobende Worte…

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