Iran- der Wille zur Großmacht

Oktober 12, 2009

@Ramon Schack

rs-in-nyc

Als ich im Januar dieses Jahres durch die Straßen von Manhattan lief, auf der dringenden Suche nach einem Taxi, versuchte ich mich gedanklich schon auf meinen Interviewpartner , den ehemaligen CIA-Mitarbeiter und Nahost-Experten Robert Baer, einzustellen.

Wir hatten uns in einer kolumbianischen Bar in Spanish Harlem verabredet. Erst wenige Stunden zuvor war ich am John F. Kennedy Flughafen eingetroffen, hatte eilig mein Gepäck bei Bekannten in Tribeca abgegeben, um mich vor meinen Termin noch etwas umzuschauen.  Mag sein, daß andere europäische Einreisende in den USA höchst unerfreuliche Erfahrungen mit den Einwanderungs-und Zollbehörden machen. Ich konnte mich nicht beklagen, obwohl ich den Flug extra mit einem Dreitagebart angetreten war.

Als ich  schließlich in einem Taxi saß, eines der berühmten Yellow Cabs, schwelgte ich in Erinnerungen.

Bei dem Anblick  der himmelstürmenden Wolkenkratzer, der immer noch atemberaubenden Skyline von Manhattan, verspürte ich eine stille Euphorie, die sich selten einstellt . Aber ich will mich hier nicht in Banalitäten verlieren und Dinge beschreiben, die inzwischen Millionen von Besuchern und Touristen erlebt haben.

Die Metropole am Hudson River war mir immer noch sehr vertraut. Im Sommer 1993 hatte ich mich einige Monate in dieser “ Capitel of the World ” niedergelassen. Fifth Avenue/Ecke 27. Strasse, das Gershwin-Hotel.Memories…

Seit meinem letzten Besuch hier waren  allerdings schon viele Jahre vergangen. Damals war ich gleich nach meiner Ankunft  zur Station World Trade Center gefahren, stöberte in der wunderbaren Buchhandlung, die es dort einmal gab  und besuchte später ein kleines Café am Fuße der Zwillingstürme. In jenem Jahr war Bill Clinton noch Präsident der USA, die Supermacht erstrahlte in ökonomischer Prosperität und wurde von Historikern als ein neues “Römisches Imperium” bezeichnet.

Once. When I was younger............ von Ihnen.

Foto:Ramon Schack in New York City 1999

Das war 1999. Seitdem scheinen nicht nur knapp 10 Jahre vergangen zu sein, sondern ein ganzes Säkulum.

Damals kehrte ich zurück, mit der festen Absicht mich bald, nach der Beendigung meines Studiums, in New York niederzulassen. Es kam anders. Ich ging nach London, später nach Berlin. Nun ja.

New York City habe ich immer geliebt und mich hier immer zu Hause gefühlt, auf eine Art und Weise, wie es mir in Berlin bis zum heutigen Tag nicht gelingen will.

Times Square in Motion von Roboputz.

Die einst positive Grundstimung ist allerdings verflogen. Viele Freunde und Bekannte bangen um ihren Arbeitsplatz, aber das ist natürlich nicht auf die USA begrenzt. Intellektuelle und Lebenskünstler, die hier noch immer zahlreich anzutreffen sind, behaupten, New York sei langweilig geworden. Der Provinizialismus des Mittleren Westens habe sich der Stadt bemächtigt, lautet die Klage.

... von _kf82_.

Ob das Leben in New York immer noch dem Dasein inmitten einer Glühbirne gleicht, wie es Truman Capote einmal formuliert hat und wie ich es früher auch empfunden habe?

New York ist immer noch eine imperiale Metropole. Seit meinem letzten Besuch hat sich die ethnische Zusammensetzung der hiesigen Bevölkerung, diesem einst historischen Mix aus Iren, Italienern, Juden und Puerto Ricanern, den Israel Zangwill einst als “Melting Pot/Schmelztiegel” bezeichnete , dramatisch verschoben.

Schon damals war NY  keine “Weiße” Stadt mehr und Spanisch war häufiger in den Straßen zu hören, als Englisch. Diese Tendenz hat sich deutlich verstärkt. Der kürzlich verstorbene Historiker Samuel P. Huntington warnte in einem seiner letzten Bücher, sicherlich nicht sein größtes Werk, vor der “Hispanisierung der US-Metropolen.” Die Hispanics hätten ein recht auf ihren “Amerikanischen Traum”, den sie aber gefälligst auf englisch träumen sollten, schrieb Huntington. Ein” American Dream”, kein “Sueno Americano” .

Anyway, schon in absehbarer Zukunft wird ein Viertel der US-Bevölkerung  hispanischer Abstammung sein. Im Verbund mit der steigenden asiatischen Einwanderung, werden die USA sich aus ihrer europäischen Grundorientierung lösen.

Das Taxi stoppte ruckartig. „The Devil we know – Dealing with the New Iranian Superpower“ lautete der Titel von Baers Buch. Baer plädierte darin für eine Annäherung zwischen denUSA und dem Iran.Ferner fordert er Washington dazu auf, die engen Verbindungen zu Saudi-Arabien zu lösen.Baer hält den Iran für eine kommende Supermacht, für eine Insel der Stabilität.

Einige Monate zuvor hatte mir Farah Diba-die Kaiserin des Iran- etwas ähnliches gesagt, auf einer Veranstaltung in Berlin.

Der Iran wird wieder wie Phönix aus der Asche steigen- die Mullahs werden stürzen, Sie werden es erleben!“ Wir konnten das Gespräch leide nicht fortsetzen.Supermodel Nadja Auermann-dieFrau mit den wahrscheinlich längsten Beinen der Welt- mischte sich ungefragt ein.

Man stellt keine politischen Fragen, auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung“, sagte sie schnippisch in meine Richtung“Wir wissen ja alle so wenig„, fügte sie noch hinzu. „Man sollte nicht immer von sich auf andere schließen„, gab ich ihr zur Antwort. Als ich mich umdrehte, war die Kaiserin schon wieder von ihren Leibwächtern umringt.

Ich öffnete die Tür zu dem Restaurant. Die Bar war verchromt. Der Barkeeper schaute neugierig und begleitete mich zu einem Nebenraum, welcher durch einen giftgrünen Vorhang von der Bar getrennt wurde. Als er den Vorhang beiseite schob, begrüßte mich Robert Baer freundlich im gebrochenen deutsch.  Seines neues Buch lag auf dem Tisch..Baers Werke See No Evil und Sleeping with the Devil lieferten die Vorlage für den 2005  fertiggestellten Film Syriana.

Die Person des Film-Charakters Bob Barnes  George Clooney wurde Robert Baer nachempfunden. Wir unterhielten uns ca. 2 Stunden.Baer berichtete mir von einer Begegnung mit Barack Obama. Das Interview wurde später im Handelsblatt veröffentlicht: Lesebefehl: http://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-ist-eine-insel-der-stabilitaet;2125354

Teil 1 Iran der Wille zur Großmacht – 100 Jahre Chronik einer 3000 Jährigen Nation

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One Response to “Iran- der Wille zur Großmacht”

  1. Conrad Says:

    Lieber Herr Schack,

    danke für diesen fantastischen Beitrag.

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