Fidel Castro lobt Obama

November 14, 2009

                           @Ramon Schack

Trotz aller Rückschläge und Fehlentscheidungen verfügt Fidel Castro weiterhin über ein gewaltiges Prestige. 

Das gilt nicht nur für Kuba, sondern für ganz Lateinamerika, wo selbst seine entschiedenen Gegner ihm Respekt zollen, bisweilen sogar als Nachfolger Bolivars oder Mirandas bewundern.

Vor eingen Jahren lauschte ich einmal auf  dem Malecon in Havanna einer Rede dieses Maximo Lider.

 

Von den rethorischen Fähigkeiten des alten Mannes, der stundenlang -ohne Punkt und Komma- zu reden pflegte, war ich weniger angetan. Von seinem eigentümlichen Charisma, bzw. seiner Wirkung auf seine Untertanen, konnte ich mich damals aus nächster Nähe überzeugen. Im Gegensatz zu seinem Bruder Raoul, der offiziell die höchste Verantwortung trägt, empfinden noch immer weite Teile der kubanischen Bevölkerung, in der Mulatten und Nachfahren afrikanischer Sklaven die knappe Mehrheit bilden, eine Art sentimentale Zuneigung gegenüber Fidel, Übrigens unabhängig vom jeweiligen politischen Standpunkt.

Der alte, todkanke Mann, der seine Partisanenuniform gegen einen vulgären Jogginganzug eingetauscht hat, wechselt ständig sein Domizil und meidet die Öffentlichkeit. Wenn diesem Machtmenschen aber das Gefühl beschleicht, sein unscheinbarer Bruder Raoul weiche allzu auffällig vom  radikal-revolutionären Weg ab, dann vernimmt man aus dem Krankenzimmer ein drohendes Grollen, und der Nachfolger fügt sich den Weisungen.   

Elf amerikanische Präsidenten hat Fidel Casto überlebt, aber seit dem letzten Führungswechsel im Weißen Haus von Washington DC ahnt diese politische Dinosauerier  wohl, dass in dem übermächtigen  Nachbarland, mit dem Amtsantritt Obamas, ein politischer Erdrutsch stattgefunden hat, welcher  für die Stabilität seines maroden Regimes gefährlich werden könnte.  

Es war ja auch viel leichter, gegen einen Präsidenten vom Schlage George W. Bush Front zu machen, der selbst bei seinen eigenen Landsleuten als Heuchler und Totalversager in Verruf gekommen war., als gegenüber Obama, dem die ganze Welt zu Füßen liegt und der-seh viel schneller, als man in Havanna erwartete- auch gegenüber Kuba eine großzügige Kursänderung andeutet und offenbar auf die überflüssigen Blockademethoden verzichten möchte. Eine solche Lockerung und Öffnung- das spürte der gealterte Revolutionär Fidel instinktiv- würde sich für die Selbstbehauptung, des von ihm errichten Zwangsregimes weit negativer auswirken als die ermüdenden Wirtschaftsschikanen, in die sich die Neokonservativen verrannt hatten. Sollten sich die Reisebeschänkungen lockern, könnte sich die paradoxe Zuneigung vieler Kubaner-für den Lebensstil der Yankees, man denke nur an die Leidenschaft für das Baseball-Spiel, neu entflammen.

 Die Attraktivität und Veführungskraft der nordamerikanischen Konsumgesellschaft, gerade angesichts der kubanischen Mangelökonomie, würde ein übriges tun. Andererseits ist die Frage erlaubt, ob die latente Bewunderung des „American way of Life“ nicht kompensiert wid durch eine unaufhaltsame Kubanisierung und Hispanisierung Floridas, die durch die großen karibischen und mittelamerikanischen Migrantenkolonien dort bereits weit vorangeschritten ist und im Falle einer Grenzöffnung neue Dimensionen erreichen würde.  

Von Rassismus ist auf Kuba nicht viel zu spüren, aber es mutet schon eigenartig an, dass in dem Moment, da Fidel Castro-Sohn europäischer Einwanderer-, der in seiner Alleinherrschaft überwiegend von der nichtweißen Bevölkerungsmehrheit seiner Heimat getragen wurde, im Begriff steht das Zeitliche zu segnen, in den USA hingegen, die unlängst noch als Hort rassistischer Diskriminierungen angeprangert wurden, ein Präsident ins Weiße Haus gewählt wurde, dessen Vater einem afrikanischen Niloten-Stamm aus Kenia entstammt und der Glaubensgemeinschaft des Propheten Mohammed angehörte.

Fidel Castro lobt Obama: Lesebefehlhttp://www.nzz.ch/nachrichten/international/fidel_castro_lobt_obama_1.4012383.html

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One Response to “Fidel Castro lobt Obama”

  1. D.E Says:

    Toller Artikel-Sie vermitteln immer neue Denkanstöße. Dafür danke ich Ihnen..

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