Mit dem Teufel schlafenl/Das europäische Islambild wird geprägt von der wahhabitischen Strömung aus Saudi-Arabien

Dezember 1, 2009

 

                          @Ramon Schack

Der ägyptische Schriftsteller Alaa-Al-Aswani sagte heute, in einem Interview mit dem Tagesspiegel:“ Zudem wird das europäische Islambild geprägt von der wahhabitischen Strömung aus Saudi-Arabien, die sehr engstirnig und aggressiv ist.“  http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Schweiz-Minarette-Alaa-Al-Aswani;art123,2963533

 Mit dieser Aussage steht dieser Schriftsteller nicht allein. Unter arabischen Intellektuellen wird diese Problematik, der wachsende Einfluss der Wahhabiten, intensiv diskutiert. Ganz im Gegensatz zum Westen, wo selbsternannte Experten die Debatte prägen, um permanent am Kern der Problematik vorbei zu diskutieren.   

„Sleeping with the devil/Mit dem Teufel schlafen“ lautet der Titel des sehr empfehlenswerten Bestsellers , des EX-CIA-Agenten Robert Baer.In diesem Buch hat Baer die skandalöse Komplizenschaft zwischen der Saudischen Dynastie und der amerikanischen Erdöl-Plutokratie aufgedeckt.

Solange das Erdöl und die Petrodollar sprudelten, drückte man in Washington beide Augen zu, wenn wieder einmal ruchbar wurde, daß irgendwelche saudischen Geldgeber den religiösen Fanatismus weltweit schürten.Ob in der islamischen Welt oder in der Diaspora.

Da hat es gewisse Kreise in Washington auch nie gestört, das  im wahhabitischen Königreich- bis heute- die antisemitische  Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von ZION“, den unzähligen Pilgern(Hadschis) alljährlich als Bettlektüre ,in den bescheidenen Pensionen der unteren Preisklasse ,dargeboten wird. Niemand störte sich daran, das über Jahrzehnte besonders fundamentalistische Strömungen des Wahhabitismus in der Uma verbreitet wurde.Das in Saudi- Arabien Frauen als Menschen dritter Klasse gelten, wenn überhaupt, das die Swiss-Air nicht in Riad landen durfte, wegen dem Kreuz als Symbol dieser Fluggesellschaft, wurde verschwiegen.Auch die drakonische Gesetzgebung, auf der Basis der Sharia, die permanenten Menschenrechtsverletzungen, die Ausbeutung der unzähligen Gastarbeiter, die wie Sklaven schuften um das saudische Gebilde am Leben zu halten, fand man nicht erwähnenswert, ganz im Gegensatz zu anderen Staaten der Region.Noch in den siebziger Jahren wurden bundesdeutsche Geschäftsleute von saudischen Würdenträgern als „Partner against the common enemy- the zionism“ begrüßt.

Aber zurück in die jüngere Vergangenheit.Spätestens am 11. September 2001 wurde auch den letzten Strategen im Pentagon bewußt ,was man sich da für einen Frankenstein-Freund  angelacht hatte.Schon bei  den Anschlägen von Khoba, im Juni 1996, die 19 US-Soldaten das Leben kostete, hatte sich der Verdacht bestätigt, daß die saudische Dynastie in diverse Verschwörungen gegen die USA verwickelt ist.

Prinz Nayef, der damalige Innenminister Saudi-Arabiens gilt insgeheim als Symphatisant der Kaida .Nayef der militant gegen jede „liberale“ Strömungen vorgeht,wobei Liberal  eigentlich ein unpassender Begriff für ein Land ist, indem es bestenfalls gemäßigte Konservative gibt.

Inzwischen habe die Amerikaner in Saudi-Arabien jede Übersicht verloren. Kam es unmittelbar nach dem Anschlag von Manhattan zu einer ernsthaften Abkühlung zwischen den beiden Staaten, umgarnte man später das wahhabitische Königreich wie eine betörende Geliebte.

George Bush entblödete sich  nicht, diese finstere fundamentalistische Erbmonarchie  als „Moderaten arabischen Staat “ zu titulieren.

FOTO:Geld regiert die Welt:Bush und die Wahabiten

Gegen Ende seiner unrühmlichen Amtszeit, ließ Bush die Saudis mit Waffen und Kriegsmaterial überschütten. 

Die Amerikaner stützen sich dabei auf die starke anti-schiitische Grundhaltung der Saudis, übersehen dabei aber das die anti-amerikanische Grundhaltung ebenso vertreten ist.Die Attentäter von 9/11 hatten nicht nur überwiegend die saudische Staatsbürgerschaft, sondern alle einen wahhabitischen Background.

Während man in Washington den Iran zum Teufelsstaat Nr 1 aufbaute, das Teheran-Syndrom hatte sich inzwischen zu einem Wahn entwickelt,wurde der eigentliche Troublemaker, Saudi-Arabien, wie ein Kuscheltier gehätschelt. 

Michael Scott Doran, Nahost-Experte der Princeton University schreibt dazu:

„Die Situation ist kritisch, weil die USA über geringe Mittel verfügen, der anitischiitischen und antiamerikanischen Strömung entgegenzuwirken. Der Wahhabismus ist die Grundlage eines gesamten poltischen Systems.Jeder , der vom Status qou profitiert, wird sich um dieses System scharen, falls es von außen angetastet wird. Den Vereinigten Staaten bleibt keine andere Wahl, als die fälligen demokratischen Reformen im Irak und in Saudi-Arabien energisch voranzutreiben.Doch jeder Versuch, eine liberale politische Ordnung zu schaffen, wird zusätzlichen Disput auslösen.Die antiamerikanische Stimmung würde angeheizt. Bei seinem Bemühen, die Demokratie im Mittleren Osten zu fördern, wird Washington wieder einmal feststellen müssen, daß seine engsten arabischen Verbündeten gleichzeitig seine erbittersten Feinde sind. “

Den erwähnten Robert Baer habe ich Anfang dieses Jahres in New York City interviewt:Lesebefehl:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-ist-eine-insel-der-stabilitaet;2125354

 

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One Response to “Mit dem Teufel schlafenl/Das europäische Islambild wird geprägt von der wahhabitischen Strömung aus Saudi-Arabien”

  1. Udo Says:

    Danke für diesen Beitrag!

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