Afghanistan:Obamas Krieg/Neulich bei Peter Scholl-Latour

Dezember 2, 2009

                   “ Nehmt Rat von jenen , die Erfahrung bieten,

                     Die lange Jahre,Monate, durchschritten.

                      Hält der Gelehrte sich auch in Bewahrung,

                      Vermittelt doch viel Wissen die Erfahrung.“

                          Aus den Lusiaden (Canto decimo)

                               Luis Vaz de Camoes 

 

 

                                  @Ramon Schack

Vor rund 2 Wochen suchte ich Peter Scholl-Latour  zu einem Interview auf. Der bekannte Publizist und letzte Chronist unserer Zeit empfing mich an der Eingangstür seiner mondänen Penthouse-Wohnung in Berlin-Wilmersdorf. Schon während des Begrüßungsgeplauders, als wir die Treppe zur zweiten Etage hinaufgingen, kamen wir auf die aktuelle Lage in Afghanistan zu sprechen

Wann wird man in Washington begreifen, dass Afghanistan-landlocked und in sich selbst verkapselt-allenfalls ein Nebenkriegsschauplatz ist?Wann wird man dort zu der Erkenntnis gelangen, daß die Tragödie von Nine Eleven kein afghanisches, sondern ein saudisches Unternehmen war, auch wenn Osama bin Laden sich zu diesem Zeitpunkt in irgendeiner Felshöhle des Hindukusch aufhielt?“  gab Peter Scholl-Latour zu bedenken, während er uns einen Drink mixte. In einem früheren Interview mit mir, unmittelbar nach dem Amtsantritt Obamas , hatte er sich wie folgt über die Thematik geäußert:    http://www.freitag.de/politik/0911-afghanistan-obama-taliban-verhandlungen

 

Droht die ISAF-Mission in Afghanistan zu scheitern? Ja, wenn man den Worten des obersten NATO-Kommandeurs in Afghanistan, dem amerikanischen General Stanley McChrystal, Glauben schenken möchte.

McChrystal forderte im September eine deutliche Aufstockung der Truppen. Sollte in den nächsten zwölf Monaten keine Trendumkehr erreicht werden, riskiere man „ein Ergebnis, bei dem ein Sieg über den Aufstand nicht länger möglich ist“, hieß es in einer damals von der „Washington Post“ in weiten Teilen veröffentlichten Lageeinschätzung McChrystals für Verteidigungsminister Robert Gates. „Unzureichende Kräfte werden vermutlich zu einem Scheitern führen“, schrieb der General .

http://www.handelsblatt.com/politik/international/afghanistan-mission-droht-zu-scheitern;2459015

McChrystal  kritisierte damit direkt  die Äußerungen von US-Präsident Obama, der erst dann weitere Truppen schicken möchte, wenn die richtige Strategie zur Bekämpfung der Taliban feststeht. Barack Obama hat bisher seiner Strategie, die er zu Beginn des Jahres formulierte, keine Taten folgen lassen.Damals signalisierte Obama Gesprächsbereitschaft, mit sogenannten gemäßigten Taliban. Gemessen an diesen Worten, hat Obama bisher versagt

  

Inzwischen hat sich die Ausgangslage geändert. Der US-Präsident scheint den Vorschlägen Mc Chrystals zu folgen:Lesebefehl: Obamas Krieghttp://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E2B4C3043BB514A0F925

Gegen Ende meines Gespräches mit Peter Scholl-Latour, fragte ich ihn, ob er Parallelen zwischen dem Krieg in Afghanistan  und Vietnam erkenne, wohl wissen, dass ihm beide Kriegsschauplätze  bestens vertraut waren  und sind. Scholl-Latour antwortete mit einem ernsten Blick.“Auch am Mekong -in Vietnam-hatte die Strategie des General Westmoreland zwischen den beiden unvereinbaren Alternativen der counter-insurgency geschwankt, zwischen „search and destroy“ und „Clear and hold“. Auch in Vietnam hatten sich die US-Strategen-ähnlich wie heute die durchaus fähigen Generale Petraeus und McChristal-immer wieder der Illusion hingegeben, es sei möglich und unverzichtbar“to win hearts and minds“- die Herzen und Gemüter der einheimischen Bevölkerung zu gewinnen.Das war in Vietnam gründlich mißlungen, und es wird auch in Afghanistan mißlingen.“

 

Anbei ein Film von Peter Scholl-Latour aus dem Jahr 2004:

 Kampf dem Terror – Kampf dem Islam (1/5)

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5 Responses to “Afghanistan:Obamas Krieg/Neulich bei Peter Scholl-Latour”

  1. Jörg Says:

    Peter Scholl-Latour ist einmalig. Er wird irgendwann eine gewaltige Lücke hinterlassen.

  2. Ricky Hallgarten Says:

    Hat Afghanistan offiziell den USA Krieg erklärt, so kann man wirklich von Krieg sprechen. In diesem Fall wären Verbündete durch ggf. vertragliche Grundlagen verpflichtet, sich den USA anzuschließen. Da sich dies meiner Kenntnis entzieht, würde ich als Bundesregierung die Forderung seitens des Präsidenten der USA als gegenstandslos zurückweisen. Sicherlich „herrscht“ dort ein Krieg, aber formell ist dieser eben nie erklärt worden. Wieder einmal ein Alleingang der USA, insb. der Bush jun. Administration, um von Problemen im Irak abzulenken. Auch unter Berücksichtigung der Netiquette bleibt mir nichts Anderes übrig, die Ganze Sache als „Total Fuck Up“ zu bezeichnen.

  3. ramonschack Says:

    Ricky

    „. Sicherlich „herrscht“ dort ein Krieg, aber formell ist dieser eben nie erklärt worden. Wieder einmal ein Alleingang der USA, insb. der Bush jun. Administration, um von Problemen im Irak abzulenken“

    Das haut nicht hin. Der Einmarsch in den Irak erfolgte erst ein Jahr nach Afghanistan.

  4. Ricky Hallgarten Says:

    Ups, dann eben umgekehrt.


  5. Vergleiche mit Vietnam:

    wenn trotz eigener militärischer Überlegenheit und einer entscheidenden Schwächung der Gegner nach Niederschlagung der Teth-Offensive

    http://de.wikipedia.org/wiki/Vietnamkrieg

    , die öffentliche Meinung im eigenen Land zu der Ansicht kommt, „der Krieg sei nicht zu gewinnen“ und die truppen zurückgezogen werden, freut sich der rücksichtslose Gegner, der seine Eroberungspläne jetzt trotz „Friedensverhandlungen“ relativ ungestört umsetzen darf.

    die Zeche für den endlich erreichten Frieden zahlten die Südvietnamesen, die nicht in einer kommunistischen Diktatur leben wollten.

    das kann natülich jederzeit wieder passieren…

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