Iran: Aufstand während des Ashura-Festes

Dezember 28, 2009

 

                      @Ramon Schack

Die Lage im Iran bleibt weiter angespannt. Die iranische Gesellschaft ist die modernste im Nahen und Mittleren Osten. Die samtenen Revolutionen von Leipzig bis Tiflis sind in den Städten gemacht worden. In Iran leben mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in Städten, ihr Anteil ist damit etwas höher als in Japan. Auf der Straße demonstriert vor allem die urbane Jugend. Die heute 20 bis 35 Jahre alten Männer und Frauen, die das prowestliche, säkulare Sha-Regime nur noch aus Erzählungen kennt.

Eine politische Generation, erzogen in der Strahlkraft der revolutionären Mythen, die nun zur entleerten Propaganda werden, richten sich gegen das theokratische System und vergleichen die knüppelnden Volksmilizen der Basidschi mit der Knüppelpolizei des Schahs.

Diese jungen Menschen nutzen die Symbolik und Mythen der Islamischen Republik, wie beispielsweise jetzt das  schiitische Ashura-Fest .

Der Oppositionsführer Karrubi kritisierte auf seiner Webseite den harten Polizeieinsatz und erklärte, selbst das Shah-Regime habe das heilige Ashura-Fest respektiert.

In diesem Zusammenhang sei ein kleiner religiöser Exkurs gestattet:

Mit dem Ashura-Fest gedenken die Schiiten der Schlacht von Kerbala im heutigen Irak im Jahre 680. Dabei starben der Imam Hussein, ein Enkel des Propheten Mohammed, und fast alle seiner männlichen Verwandten. Die Schlacht zementierte das Schisma (die Teilung) des Islam in eine schiitische und eine sunnitische Glaubensrichtung.

Die frommen Schiiten verharren im Haß ihrer sunnitischen Gegner und insbesondere jener in Saudi-Arabien alles beherrschenden , extrem intoleranten Sekte der Wahhabiten, die seit ihrem Entstehen im achtzehnten Jahrhundert die schiitischen Heiligtümer in Nedschaf und Kerbala häufig zerstören ließ. Da auch die Terrororganisation Al-Quaida in der Korandeutung des Wahhabismus wurzelt, ein Radikalismus, der auch auf die Taleban Afghanistans übergreifen sollte, kann es keine Gemeinsamkeit geben zwischen Osama bin Laden und seinen Anhängern mit dem Achmedineshad-Regime von Teheran . Dieser Gegensatz steigerte sich sogar während des iranisch-irakisch Krieges zu glühendem Hass. Der irakische Diktator Sadam Hussein, damals „everybodys darling“ in Ost und West, sprach seinerzeit ja sogar von den drei  Plagen,  die Gott  nicht hätte erschaffen sollen:“Perser, Juden und Fliegen“.  

Viele Schiiten interpretieren die Schlacht als Kampf für die Freiheit. Anhänger des späteren Revolutionsführers Ajatollah Ruholla Khomeinyi hatten während des Ashura-Fests gegen das Schah-Regime protestiert. Nun versucht die Opposition die Symbolik des Festes für sich zu nutzen.

Erneut kam es zu Todesopfern, erneut schlugen die Prügelgarden des Regimes erbarmungslos zu.

Welche Folgen wird der anhaltende Aufruhr für die Stabilität des Regimes haben? In diesem Zusammenhang sei noch einmal daran erinnert, dass die Herrschaft Reza Pahlevis und seiner Kamarilla erst dann beendet war, als die Basaris, die Einflussreichen Händler, der „Leuchte der Arier“, wie der Shah sich zu nennen pflegte, die Gefolgschaft verweigerten. Bisher verhalten sich die Basaris  ruhig.  Lesebefehl:http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1228/feuilleton/0008/index.html

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One Response to “Iran: Aufstand während des Ashura-Festes”

  1. Schlaumeier Says:

    Ich habe da mal eine Frage: Kann mir noch mal jemand die Farben der diversen CIA-Unruhen bzw. „Revolutionen“ der letzten 10 Jahre kurz darstellen?

    Ich habe da viele schon wieder vergessen.

    Ich weiß nur noch orange in Kiew, grün im Iran und free Tibet! Wie war da eigentlich die Farbe?

    Wiederholen sich die Farben dann auch wieder mal?

    Könnte es also z.B. sein, daß die Revolution in Deutschland auch wieder orange wird, wenn das Merkel seinen Befehlshabern nicht mehr richtig die Stiefel leckt und weg muß?

    Erbitte dazu Antworten

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