2010-Ein Jahrzehnt verweht..

Januar 2, 2010

         Wer in der Zukunft lesen will,
    muss vorher in der Vergangenheit blättern…

                     André Malraux

                     @Ramon Schack

2010: War es nicht gestern, als man weltweit Millennium- Partys  feierte, als die Menschheit mit großem Optimismus das neue Jahrtausend, das 21. Jahrhundert, begrüßte?

War man nicht bereit, die Versprechen der 1990 er Jahre, nachdem Ende der Bipolarität, dem Zusammenruch des Kommunismus, das Zusammenwachsen des globalisierten Erdballs zu erleben und zu genießen?   

Waren wir damals nicht alle froh, das „verfluchte 20. Jahrhundert“, mit seinen Kriegen, Völkermorden, ideologischen Verirrungen, hinter uns zu lassen..? 

Heute wissen wir es besser. Die schöne neue Welt, von der der neokonservative Vordenker Francis Fukuyama einst schwärmte, das Ende der Geschichte, in der sich Marktwirtschaft und Liberale Demokratie, wie ein Flächenbrand über den Erdball ausbreiten sollten, um selbst die finstersten totalitären Ecken unseres Planeten zu erleuchten, hat es niemals gegeben.

Die neokonservativen Utopien von „Leuchttürmen der Demokratie“, die man notfalls herbeibomben müsste, die Inszenierungen von schnell verblühten Rosen-Revolutionen, sind ebenso gescheitert, wie die Dogmen von der „Klassenlosen Gesellschaft“, oder der „allseits entwickelten sozialistischen Persönlichkeit „, wie es im DDR-Deutsch einst hieß.

Statt den freien Markt anzubeten, oder den Marxismus, findet weltweit, nicht nur in der islamischen Welt, ein Revival der Religionen statt.

Das Zitat von Andre Malraux, der vor über 50 Jahren prophezeite „Das 21. Jahrhundert wird religiös sein oder es wird gar nicht sein“ scheint sich zu erfüllen. 

 Zumindest erleben wir ein Erwachen uralter Mythen, im Verbund mit totalitären Ideologien und Massenvernichtungswaffen. In unserer globalisierten Welt, globalisiert sich nichts so schnell wie der Terror.

Wir erleben auch unsere westlichen Gesellschaften, die dieser Entwicklung, besonders in Europa, hilflos entgegen taumeln, nicht ohne sich -langsam aber sicher- in hysterische Angstgesellschaften zu verwandeln, flankiert von einem massiven Abbau unser Bürger- und Freiheitsrechte.

Wir haben die Schreckensvision Orwells, die er in seinem Werk „1984“ aufzeichnete bald eingeholt, und die düsteren Vorstellungen Huxleys von einer Brave New World  wohl bald schon überholt.  

Die großen Hoffnungen, die man mit dem Anbruch dieses Jahrhunderts verknüpfte, haben sich bisher nicht erfüllt. 

War es nicht gestern? 2010, ein Jahrzehnt verweht.

Die beschleunigten historischen Abläufe, die ein Kennzeichen unseres Zeitalters sind, gönnen uns keine Atempause.Wir erleben eine Welt im Aufbruch und Auflösung, den Aufstieg und Fall großer Imperien, die unaufhaltsame Verlagerung der geopolitischen Machtzentren, vom Atlantik an die Gestaden des  Pazifiks.

Diese Entwicklung  enthält Chancen und Risiken, produziert Gewinner und Verlierer. Die Natur des Menschen, von der man keine zu hohe Meinung haben sollte, bleibt aber immer gleich, trotz Internet, W-Lan, Facebook und der fast weltweiten Verbreitung von Starbucks-Filialen. 

Allerdings, aufgrund der heutigen Kommunikationsmöglichkeiten, von denen unserer unmittelbaren Vorfahren nicht zu träumen wagten, aufgrund einer sukuntanen kulturellen Anpassung und Osmose, deren Ausmaß wir noch nicht ermessen, wären wir vielleicht in der Lage Fehlentwicklungen zu erkennen und darauf zu reagieren.Ob dieses gelingt, wird uns die Zukunft zu zeigen.

Diesen Tatsachen und Herausforderungen sollte man  mit Entschlossenheit, mit Realismus, mit der Kenntnis von Historie und Weltgeschehen begegnen, nicht aber mit Wunschdenken, mit neuen Utopien, oder gar neuen ideologischen Dogmen.

Lesebefehl:http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~E262F2972A91240C29D0F6C48F51B3886~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

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3 Responses to “2010-Ein Jahrzehnt verweht..”

  1. Wolfgang Says:

    Pessimistische Prognose, aber zutreffend.

  2. drgeldgier Says:

    Danke für den ernsten, aber sehr treffenden Ausblick.
    Als einer meiner ersten Leser möchte ich Ihnen trotz allem ein gutes 2010 und ein gutes neues Jahrzehnt wünschen.

    Herzlichst Dr. G.

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