USA:Ein Jahr Obama

Januar 17, 2010

 

                                              @Ramon Schack

Es ist kein überraschendes Fazit, dass sich nach dem ersten Jahr der Präsidentschaft von Barack Obama, flankiert von einer an Hysterie grenzenden weltweiten Begeisterung, Ernüchterung eingestellt hat.

Schon an dem strahlenden Wintertag, als Obama auf den Stufen des Capitols seinen Amtseid ablegte, lies sich erahnen, dass der neue Präsident mit unerfüllbar hohen Erwartungen konfrontiert war.

Vermutlich wäre Obamas Wahlsieg gescheitert und der republikanische Gegenkandidat  McCain hätte einen schmalen Vorsprung behauptet, wenn nicht die Basis des Finanz -und Wirtschaftssystems, auf der die angelsächsisch-protestantische Staatsgründung der USA bisher ruhte, in ihren Grundfesten erschüttert worden wäre. Auf dem Höhepunkt der Krise reichte es nicht aus, dass der calvinistisch geprägte Kapitalismus, der sich anfangs in puritanischer Strenge entfaltet hatte, durch die maßlose Gier der Spekulanten und den vulgären Hedonismus einer neuen Kategorie von Glücksrittern verdrängt wurde.

Der Ursprung dieses „schwarzen Mannes“ im Weißen Haus, gibt Eindeutigkeitsfanatikern der unterschiedlichsten Provenienz manches Rätsel auf.

Es ist bestimmt nicht Kansas, wo ihm die liebevolle weiße Großmutter einst gestand, dass sie sich als kleines Kind noch vor dem „schwarzen Mann“ gefürchtet habe.

Kenia kann es auch nicht sein, dessen afrikanische Stammesfehden wie auch das vom britischen Empire hinterlassene Flair ihm fremd blieben.

In das elitär -intellektuelle Milieu der Ostküste, hat er sich am Ende erfolgreich eingefügt, aufgrund seiner brillianten Intelligenz, aber auch aufgrund seiner herausragenden sportlichen Leistungen.

Sein Image als „wonder negro“ wurde er in Harvard allerdings nie los.

In Chicago, wo es zu seinem politischen Durchbruch kam, war es gewiss nicht einfach sich durchzusetzen. In dieser Stadt, der Welthauptstadt des Kapitalismus, von der Saul Bellow schrieb: “Chicago ist nirgendwo, es hat keine Grundlage,..“, fühlt er sich bestimmt nicht heimisch. „Chicago zu lieben“, hat ein anderer Autor, Nelson Algren geschrieben,“ kommt der Liebe zu einer Frau gleich, die eine  gebrochene Nase hat -like loving a women with a broken nose.“ 

Bleibt also nur Hawai, wo Obama das Licht der Welt erblickte, und wo er den dortigen „Aloha Spirit“ in sich aufgenommen hat. Von der Aloha -Mentalität heißt es, sie zeichne sich durch die friedfertige Akzeptanz unterschiedlichster Ideen und Kulturen aus. Augrund seiner Sozialisation in diesem pazifisch-polynesischen Kulturkreis, sowie der anhaltenden demographischen Veränderungen in den USA, dürfte sich Obama nicht mehr an dem Leitfaden bisheriger amerikanischer Außenpolitik orientieren, der altlantischen Präferenz. Schon wird auf dem alten Kontinent die ängstliche Frage gestellt“Obama-wie hälst Du es mit Europa?“ 

In Obamas Lebenslauf gibt es tatsächlich kaum Berührungspunkte zum alten Kontinent, und vielleicht hat ihn der hemmungslose Jubel von 200.000 Berlinern vor der Siegessäule im Tiergarten ähnlich befremdet, wie das angeblich bei John F. Kennedy der Fall war, als dessen Erklärung „Ich bin ein Berliner“ einen Begeisterungstaumel auslöste, der eines Reichsparteitages würdig war.

Unabhängig davon, dieser kosmopolite Außenseiter im Weißen Haus, der alle ererbten und anerzogenen Normen Amerikas sprengt, wird am Ende daran gemessen werden, ob es ihm gelingt, die katastrophalen Hinterlassenschaften seines Amtsvorgängers, der viel zu lange den abstrusen ideologischen Vorgaben seiner neokonservativen Einflüsterer folgte,  zu beseitigen.

Der „American Dream“ hat seit dem 20.Januar 2009 die Züge  eines smarten und zielbewußten Angehörigen der Raza Cosmica, der Kosmischen Rasse, angenommen . Ihm wird die Last eines Titanen aufgebürdet werden und zermürbenden Prüfungen ausgesetzt sein. Um dieser historischen Tragik zu begegnen, wird es nicht ausreichen, dass er sich den „Aloha Spirit“ angeeignet hat.

 

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2 Responses to “USA:Ein Jahr Obama”

  1. Hannes F. Says:

    Danke für ihren Beitrag Herr Schack
    Ich muß erst einmal über sie und über das was sie geschrieben haben nachdenken,
    und für mich einordnen.Aber der Artikel ist sehr lesenswert.

  2. Tina Says:

    Obama macht schon einen guten Job.Man wird es erst später,viel später, zu schätzen wissen.

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